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# Osnabrück, Theater am Domhof, FORTUNE - Schauspiel von Simon Stephens, IOCO Kritik, 05.10.2021
- URL: https://www.ioco.de/osnabruck-theater-am-domhof-fortune-schauspiel-von-simon-stephens-ioco-kritik-05-10-2021/
- Published: 2021-10-04T15:00:53.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:07:58.000Z
- Author: Hanns Butterhof
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, giacomo puccini, Puccini, Osnabrück

![theater_osnabrueck_logo](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/02/theater_osnabrueck_logo.jpg)

[Theater Osnabrück](http://www.theater-osnabrueck.de/?ref=ioco.de)

![Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2021/10/osnabrueck-theater-am-domhof-foto-marius-maasewerdneu.png)

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

# ***FORTUNE* \- Schauspiel von Simon Stephens**

***\- Drama der maßlosen Ichbezogenheit -*** 

von **Hanns Butterhof**

Das **Theater Osnabrück** mit der neue Intendanz **Ulrich Mokrusch** verspricht, die Spielzeit 21/22 werde „gemeinsam“, „transkulturell“ und auch „maßlos“ sein. Maßlosigkeit ist auch das Thema der deutschsprachigen Erstaufführung des Schauspiels **Fortune** von **Simon Stephens**, das im **Theater am Domhof** den Auftakt macht. **Fortune** holt den Mythos von ***Doktor Faust*** unterhaltsam, aber kaum stimmig in die Gegenwart und stellt der Maßlosigkeit ein schlechtes Zeugnis aus.

Für **Fortune** hat **Anna Bergemann** eine abstrakte Einheitsbühne entworfen, deren weiße, quaderförmige Elemente beweglich sind und verschiedene Räume überall auf der Welt bezeichnen können.

**Fortune** lehnt sich hauptsächlich an die Gretchentragödie von **Goethes *Faust I*** an. Sein titelgebender Protagonist ***Fortune* (Stefan Haschke**), ein erfolgreicher, vielleicht genialer Regisseur, verliebt sich in die blonde Produzentin ***Maggie* (Lena Vix**). Aber die schöne, madonnamäßig hellblau und weiß gekleidete (Kostüme: **Clemens Leander**) Frau bewundert **Fortune** nur als Künstler, als Verheiratete wahrt sie schicklich Distanz zu ihm.

![Theater am Domhof / FORTUNE hier : Magisches Dreieck mit Maggie, Fortune und Lucy vli Lena Vix, Stefan Haschke, Sascha Maria Icks © Joseph Ruben](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2021/10/fortune-1neu2.jpg)

Theater am Domhof / FORTUNE hier : Magisches Dreieck mit Maggie, Fortune und Lucy, von links Lena Vix, Stefan Haschke, Sascha Maria Icks © Joseph Ruben

**Fortune** möchte sie aber unbedingt besitzen. Deshalb handelt er mit der in dreifacher Gestalt erscheinenden Heroin-Dealer\*in ***Lucy* (Katharina Kessler, Sascha Icks, Thomas Kienast)** einen Vertrag aus, den er faustmäßig mit Blut unterschreibt: Für seine Seele, an die er nicht glaubt, verschafft sie ihm zwölf Jahre mit ihrer Zauberkraft alles, was er wünscht; die Lösung der Klimakrise gehört nicht dazu. Ihren Teil des Paktes erfüllt ***Lucy*** mal spektakulär, als sie Fortune den Sprung von einem Hochhaus unverletzt überstehen lässt (eindrucksvolles Video und Musik: **Sascha Vredenburg)**, mal komisch, als sie den Finanzier eines Filmes (**Thomas Kienast**) als Strafe für dessen unangemessene Bedingungen in eine Kohl fressende Ziege verwandelt. Auf Fortunes Verlangen hin lässt sie sogar ***Charly Chaplin* (Laila Richter**) von den Toten auferstehen und für einen Film Fortunes casten.

Da erkennt die inzwischen ergraute **Maggie,** dass auch ihr - nicht näher dargestelltes - intimes Verhältnis zu Fortune auf zauberischer Gewalt statt auf anerkennender Liebe beruht. Ein *Vaterunser* für ihn betend wendet sie sich von ihm ab. Danach werden die restlichen sieben Jahre seines Lebens für Fortune schal und sinnlos, bis ihn am Ende ***Lucy*** für ewiges Leiden in die Hölle holt.

In einem spielfreudigen Ensemble fesselt **Stefan Haschke** als sich in maßlose Ichbezogenheit steigernder, dann aber angstvoll zurücknehmender Fortune. Lena Vix bleibt, sieht man vom Ergrauen ihres Blondhaars ab, eine von allem Geschehen weitgehend unbewegte Maggie. Die drei **Lucys Katharina Kessler, Sascha Maria Icks** und **Thomas Kienast** sind erfreulich teuflisch mit manchmal erstaunlich menschlichen Zügen. Die gesanglichen Einlagen **Oliver Meskendahls,** die auf Englisch ohne Untertitel Essenzielles über Gott und die Welt verkünden, bleiben mit Tendenz zur Musical-Karikatur ein Fremdkörper in der Aufführung.

**Christian Schlüter** hat **Fortune** unterhaltsam, teils witzig inszeniert, ordentlich Bühnenzauber veranstaltet und mittels der sinnig eingesetzten Drehbühne viel Bewegung in das doch sehr wortlastige Stück gebracht, das einige kräftige Striche vertragen könnte. **Fortune** trägt schwer daran, dass es das Verhältnis von rationalistischer Gegenwart und mythologischer Vergangenheit - etwa die Beziehung von Heroin und allmächtigem Teufel **Lucy -** nicht schlüssig löst. Bemüht wird die Frage nach der Existenz Gottes, des Teufels und der menschlichen Willensfreiheit aufgeworfen. Aber weil diese großen, dem Faust-Mythos geschuldeten Themen nur als Motive für Filme zur Sprache kommen, bleiben sie den Figuren äußerlich. Berührend bleibt nur das persönliche, aber sehr aktuelle Drama der Beziehungslosigkeit und skrupellosen Ichbezogenheit.

***Nach gut drei unterhaltsamen Stunden viel Applaus für alle Beteiligten, v.a. Stefan Haschke in der Titelrolle***

**FORTUNE** in **Theater am Domhof,** die nächsten Termine: 1.10., 12.10\. um 19.30 Uhr, 3.10., 31.10\. um 15.00 Uhr

\---| IOCO Kritik Theater am Domhof |---