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# Osnabrück, Theater am Domhof, DER FLIEGENDE HOLLÄNDER   - Richard Wagner, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/osnabruck-theater-am-domhof-der-fliegende-hollander-richard-wagner-ioco/
- Published: 2025-09-29T06:53:45.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:51:45.000Z
- Author: Hanns Butterhof
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Osnabrück

Der fliegende Holländer von Richard Wagner, Theater am Domhof, Osnabrück.

## Wie Senta die Welt sieht

Christopher Lichtenstein begeistert mit „Der fliegende Holländer“ in Osnabrück

Von Hanns Butterhof

**Christopher Lichtenstein**, dem neuen Generalmusikdirektor am Theater Osnabrück, ist mit **Richard Wagners** Romantischer Oper „Der fliegende Holländer“ von 1843 ein begeisternder Einstand gelungen. Das **Osnabrücker Symphonieorchester** in Hochform, die mutige, stimmige Regie von **Dennis Krauß,** Chor und Ensemble, die sich Wagners Ansprüchen in einem klugen Bühnenbild gewachsen zeigen, alles sorgt für einen außergewöhnlichen Premierenabend.

**Dennis Krauß** erzählt die Handlung nicht naturalistisch als Geschichte der Rettung des zum ewigen Umhersegeln auf den Weltmeeren verdammten ***Holländers*** (**Martin*\-*Jan Nijhof**) durch die Selbstaufopferung der Kapitänstochter ***Senta (*Susann Vent-Wunderlich**). Vielmehr zeigt er die Welt, wie ***Senta*** sie sieht, und fühlt sich tief in deren Gedanken ein. Es sind die Gedanken einer Außenseiterin, die ***Senta*** schon als Tochter eines Kapitäns ist. In der Spinnstube sitzt sie verträumt etwas abseits von den Matrosenfrauen, die dort ihre Arbeit in rasendem Takt wie in einer Fabrik ausführen. Im Holländer, dessen Rettungsballade sie mit wachsender Inbrunst vorträgt, gerinnt ihr der Wille, sich selbst und vielleicht auch all diese Fremdbestimmten zu befreien, zur Gestalt.

Als ihr Vater ***Daland*** (**Dominic Barberi**) ihr einen Holländer als Bräutigam zuführt, scheint ihr Rettungstraum wahr zu werden. Doch dessen blutrotes Kostüm und sein unheimliches Aussehen wie Murnaus blutsaugender Vampir Nosferatu erwecken ***Sentas*** Angst. Ein Traum des Jägers ***Erik*** (**Ilker Arcayürek**), der sie liebt, lässt sie wieder unsicher werden, ob sie ihr Erlösungswerk, diesem ***Holländer*** treu zu sein bis in den Tod, wirklich vollbringen will.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2025/09/PB_DerFliegendeHollaender-1601_MatthiasHorn1.jpg)

Senta begegnet dem wirklichen Holländer (Susann Vent-Wunderlich und Martin-Jan Nijhof Foto: Matthias Horn

Vieles noch unterstreicht den gebrochenen Realitätscharakter der Handlung. ***Daland***, die Matrosen und ihre Frauen tragen das gleiche verwaschene Blau, die Leute des ***Holländers*** und zunehmend auch ***Senta*** knalliges Rot. Alle sind extrem geschminkt und bewegen sich, von **Gal Fefferman** choreographiert, mit der expressionistischen Gestik eines Stummfilms. Das Geisterschiff des ***Holländers*** schwebt als blutrotes Brettergerüst über der Szene, Frauen stürmen die Bühne, rote Fahnen schwingend, und geben dem Erlösungswillen ***Sentas*** ein weniger phantastisches Ziel als den ***Holländer***.

Das alles passt bruchlos auf die von **Dennis Krauß** als sein eigener Bühnenbildner und Ausstatter intelligent genutzte Drehbühne des Theaters. Je nachdem, wie sie sich dreht, ist sie Bug eines Schiffes und sein Deck, die Rampe, auf der sich die Figuren begegnen, und bietet Raum für die Matrosen und Spinnerinnen. In ihrer Drehbewegung kann sie sogar als Bild des Strudels gesehen werden, in den ***Sentas*** Gedanken das Geschehen hineinziehen.

Alle Verfremdungen der Regie folgen nicht nur dem Regiekonzept, das dem romantischen Gehalt der Oper einen heutigeren, psychologischen Boden einzieht. Sie verbinden sich auch bruchlos mit der Musik, die **Christopher Lichtenstein** am Pult des **Osnabrücker Symphonieorchesters** schlank und durchsichtig, ohne nationaloperlichen Pomp oder romantisierendes Sentiment erklingen lässt. Selbst im Forte fordert er die Sängerinnen und Sänger nur, aber deckt sie nicht zu.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2025/09/766x509px_pb_derfliegendehollaender-0610_matthiashorn.jpg)

Susann Vent-Wunderlich als Senta, Foto: Matthias Horn

Das Ensemble erweist sich als den Ansprüchen gut gewachsen, die Wagners Partitur stellt. **Susann Vent-Wunderlich** bewältigt souverän die schwere Partie der ***Senta***, die trotz aller Zweifel, die ***Erik*** in ihr aufruft, selbstbestimmt mit gereckter Faust an ihrer Utopie der Selbst- und Welt-Erlösung festhält. Wie **Susann Vent-Wunderlich** gibt Gast-Sänger **Martin-Jan Nijhof** mit jungem Bass den zwiespältigen ***Holländer*** als Rollendebüt. **Dominic Barberi** bringt als naiv-gieriger ***Daland*** Humor in die Aufführung, **Ilker Arcayürek** als verzweifelt um ***Senta*** kämpfender ***Erik***, **Nadia Steinhardt** als ***Mary*** und **Florian Wugk** als ***Steuermann*** gefallen. Chor und Extrachor des Theaters, die durch die Choreographie von **Gal Fefferman** zusätzlich gefordert waren, hat **Sierd Quarré** glänzend eingestellt und erhält mit allen an der Aufführung Beteiligten nach gut zweieinhalb Stunden den anhaltenden, im Stehen dargebrachten Beifall des Premierenpublikums, der besonders **Susann Vent-Wunderlich**, **Martin-Jan Nijhof** und **Christopher Lichtenstein** mit dem Osnabrücker Symphonieorchester sowie Regisseur **Dennis Krauß** galt.

 Die nächsten Termine: 3., 8., 17\. und 21.10., jeweils um 19.30 Uhr

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