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# Oldenburg, Oldenburgisches Staatstheater, Siroe von Adolph Hasse, IOCO Kritik, 12.01.2017
- URL: https://www.ioco.de/oldenburg-oldenburgisches-staatstheater-siroe-von-adolph-hasse-ioco-kritik-12-01-2017/
- Published: 2018-01-11T20:00:34.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:43:11.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Haendel, johann sebastian bach, joseph haydn, Oldenburg

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[Oldenburgisches Staatstheater](http://staatstheater.de/?ref=ioco.de)

![Staatstheater Oldenburg © Andreas J. Etter](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2012/12/staatstheater-oldenburg-c-andreas-j.-etter1.png "Staatstheater Oldenburg © Andreas J. Etter")

Staatstheater Oldenburg © Andreas J. Etter

# ***Siroe* von Johann Adolph Hasse**

 ***Barockoper verzaubert in märchenhaft-exotischer Inszenierung*** 

Von **Guido Müller**

**Johann Adolph Hasses** Opera seria in drei Akten **Siroe, Re di Persia,** in der Dresdner Fassung von 1763 ist eine spätere Überarbeitung eines eigenen Werks dieses in Italien zu Ruhm gekommenen Hamburg-Bergedorfer Komponisten von 1733\. Es wurde in Bologna auf ein Libretto des berühmtesten Operndichters des 18\. Jahrhunderts **Pietro Metastasio** uraufgeführt, den noch **Mozart** für seine Opern nutzte. Das Libretto von ***Siroe*** war dabei ein besonderer Renner im 18\. Jahrhundert, den u.a. nach dem ersten Komponisten **Leonardo Vinci** (1726) auch **Georg Friedrich Händel** und **Antonio Vivaldi** vertonten.

Der seit mehr als drei Jahrzehnten in kursächsischen Diensten stehende Hofkapellmeister **Hasse** wollte mit 66 Jahren die Komposition noch einmal ganz überarbeiten. Doch ein schwerer Gichtanfall und vor allem das Ende des Siebenjährigen Krieges mit Preußen wie der überstürzte Umzug des Kurfürsten **Friedrich August II.** aus dem polnischen Exil in Warschau nach Dresden zwangen **Hasse** dazu, die Arbeit unter Zeitdruck anlässlich des Namenstages des Kurfürsten für das kriegszerstörte und von den Preußen zuvor als Munitionslager genutzte Opernhaus in der sächsischen Metropole zu beenden.

So revidierte **Hasse** nur 14 von 21 Nummern von 1733, darunter alle für **Siroe,** den in Bologna der berühmte Kastrat **Farinelli** gesungen hatte, der nun nicht mehr zur Verfügung stand. Der Kurfürst starb aber schon bald darauf im Oktober 1763 während einer Vorstellung von Siroe unerwartet am Schlaganfall. Das bedeutete auch für das durch den Krieg mit Preußen finanziell ausgeblutete Sachsen das Ende einer glänzenden musikalischen Ära, in der auch ein **Johann Sebastian Bach** gerne ein Hofamt in Dresden bekleidet hätte.

**Hasse** verließ mit seiner Frau, der berühmtesten Sängerin des 18\. Jahrhunderts **Faustina Bordoni** aus Venedig, wo das Paar eine Zweitwohnung hatte, Sachsen Richtung Wien an den Hof der Kaiserin **Maria Theresia.** Dort kreuzte Hasse die Wege von **Joseph Haydn,** den er unterrichtete, und **Wolfgang Amadé Mozart,** der sich als Heranwachsender wünschte, einmal ein so berühmter und bewunderter Komponist wie Händel oder Hasse zu werden.

![Oldenburgisches Staatstheater / Siroe von Johann Adolph Hasse - hier Hagar Sharvit als Emira und Nicholas Tamagna als Siroe © Stephan Walzl](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/01/siroe_neu-2.jpg "Oldenburgisches Staatstheater / Siroe von Johann Adolph Hasse - hier Hagar Sharvit als Emira und Nicholas Tamagna als Siroe © Stephan Walzl")

Oldenburgisches Staatstheater / Siroe von Johann Adolph Hasse - hier Hagar Sharvit als Emira und Nicholas Tamagna als Siroe © Stephan Walzl

Bekanntlich sollte **Mozart** sowohl Hasse wie **Haydn** als Opernkomponist so in den Schatten stellen, dass beide zunächst nur mit ihren kirchlichen Kompositionen und Oratorien bis wiet ins 20\. Jahrhundert bekannt blieben. **Hasse** wird auch heute noch regelmäßig mit seinen Kompositionen für die **Dresdner Hofkirche** dort aufgeführt. Seine bedeutenden Opern, die im 18\. Jahrhundert sehr viel mehr Beachtung fanden in ganz Europa als die Werke **Händels** oder gar **Vivaldis** gerieten in Vergessenheit und galten als unaufführbar. Das ändert sich zum Glück gerade - nicht zuletzt durch Maßstäbe setzende CD-Aufnahmen z.B. auch des ***Siroe*** durch die durch Europa tourende ***Parnassus*** Produktion mit namhaften Sängern oder von **Artaserse** (DVD und CD aus Italien mit **Franco Fagioli**), Didone abandonata unter **Michael Hofstätter** und der letzten Oper **Hasses, *Ruggiero*** aus Mailand, die Mozart auswendig beherrschte.

![Oldenburgisches Staatstheater / Siroe von Johann Adolph Hasse - hier Nicholas Tamagna als Siroe © Stephan Walzl](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/01/siroe_-stephan-walzl-neu-3.jpg "Oldenburgisches Staatstheater / Siroe von Johann Adolph Hasse - hier Nicholas Tamagna als Siroe © Stephan Walzl")

Oldenburgisches Staatstheater / Siroe von Johann Adolph Hasse - hier Nicholas Tamagna als Siroe © Stephan Walzl

Seit einigen Jahren findet nun endlich nach **Georg Friedrich Händel** und **Antonio Vivaldi** langsam mit Unterstützung der beiden **Hasse-**Gesellschaften in Hamburg-Bergedorf und München auch eine **Hasse-**Renaissance statt, nach zögerlichen Versuchen u.a. der Dirigenten **Frieder Bernius** in Dresden, **René Jacobs** in Innsbruck und Berlin und anderer auch mit den großen opernmässigen Oratorien in den 1990iger Jahren.

Mit den CD-Aufnahmen der Mezzosopranistin **Vivica Genaux** und des Countertenors Valer Barna-Sabadus im letzten Jahrfünft, beides große unermüdliche Botschafter der Musik Hasses, fing es vor wenigen Jahren an, bis nun auch die berühmten Countertenöre **Max Emanuel Cencic** und **Franco Fagioli** ganze Opern einspielten, darunter als ***Parnassus*** Produktion den ***Siroe.*** Mittlerweile gibt es sogar auch in den sozialen Medien auf Facebook eine Gruppe der ***Johann Adolph Hasse Friends*** und Spezialisten aus der ganzen Welt.

Auf die ältere ***Siroe-***Produktion von ***Parnassus*** von 2014 mit **Max Emanuel Cencic,** die u.a. bereits in Wiesbaden zu den Maifestspielen gezeigt wurde und 2018 in Bayreuth im neu eröffneten Markgräflichen Opernhaus zu sehen sein werden wird, und die hier besprochene Siroe-Produktion in Oldenburg 2017/18, die erweitert auch 2018 durch die Niederlande tourt, folgt im April 2018 die Neu-Eröffnung des **Markgräflichen Opernhauses** in Bayreuth mit der dort bereits zur Eröffnung im 18\. Jahrhundert uraufgeführten Hasse-Oper ***Artaserse.*** Im Sommer 2018 führt das barocke **Ekhof Theater** im Schloßbezirk von Gotha **Johann Adolph Hasses** neapolitanische Serenade ***Marc Antonio e Cleopatra*** auf.

Die Besetzung der Sänger der ersten Aufführung in Dresden 1763 ist uns erfreulicherweise bekannt und verdient Beachtung. Die Titelpartie ***Siroe*** sang der Kastrat **Pasquale Bruscolini,** genannt **Pasqualino,** (1718-1782), der seit 1753 in Dresden tätig war. ***Emira*** wurde von der Sopranistin **Caterina Pilaja** verkörpert.

![Oldenburgisches Staatstheater / Siroe von Johann Adolph Hasse - hier Hagar Sharvit als Emira © Stephan Walzl](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/01/siroe_neu-7.jpg "Oldenburgisches Staatstheater / Siroe von Johann Adolph Hasse - hier Hagar Sharvit als Emira © Stephan Walzl")

Oldenburgisches Staatstheater / Siroe von Johann Adolph Hasse - hier Hagar Sharvit als Emira © Stephan Walzl

***Cosroe*** wurde von dem berühmten Tenor **Angelo Amorevoli** (1716 -1798) gesungen, der bereits seit 1744 bis dann bis 1764 in Dresden verpflichtet war, und ***Medarse*** von dem Kastraten **Giuseppe Gallieni.** Dem Komponisten und Barockopernspezialisten **Dragan Karolic**  aus Berlin danke ich ebenso für Hinweise auf die Besetzung wie der sehr informativen französisch-englischen Internetseite ***"Quell'Usignolo".***

Die erst 18jährige anspruchsvolle und später in Wien berühmte **Elisabeth Teyber** (1745-1816) sang 1763 Dresden die äußerst anspruchsvolle Koloratursopranpartie der ***Laodice,*** die in der CD-Einspielung bei Decca 2014 mit höchster Virtuosität von **Julia** Lezhneva gesungen wird. 1765 sollte die **Teyber** in Wien in **Glucks** Festoper **Telemaco** die **Circe** zur Hochzeit des späteren **Kaisers Joseph II.** mit **Maria-Josepha von Bayern** verkörpern.

Am **Oldenburgischen Staatstheater** gestaltet **Sooyeon Lee** die ***Laodice*** mit einer solchen enormen Hingabe und mit solcher technischen Perfektion, dass sie mit dieser eindrucksvollen Leistung nicht hinter der berühmten Kollegin der Decca-Einspielung verstecken muss. Ihre große Arie ***Se il caro figlio*** im dritten Akt wird zu einem Kabinettstück gesanglicher Perfektion und Ausdruckskunst. Besonders der Tenor **Amorevoli** fand 1763 in Dresden höchste Anerkennung für seine extreme Kehlkopfbeweglichkeit, seine herausragende Koloraturfähigkeit, seinen Stimmumfang von d bis zum hohen h'' und seinen sehr natürlich und tonschön klingenden Stimmklang - vor allem im Bereich zwischen c' und b'.

All dies trifft auch auf den österreichischen jungen Tenor **Philipp Kapeller** zu. Dieser Ausnahmetenor mit einer wunderschönen sicheren Höhe, einschmeichelnden Mittelage und in die tiefe Lage bruchlos geführten Stimme war für mich die größte Entdeckung des Abends. Ein Ereignis der Extraklasse dem österreichischen Tenor **Philipp Kapeller** zuzuhören und im sehr lebendigen Spiel zusehen zu dürfen. Nicht nur in seinen mit Koloraturen und mit stimmlichen Finessen gespickten großen Bravourarien wie *"Tu di pieta mi spogli*" mit virtuoser Naturhörnerbegleitung (**Joaquim Palet** und **Hubertus Grünewald**) im zweiten Akt berührt **Philipp Kappeler** ganz besonders in den mit größtem Stilgefühl vorgetragenen, besonders kantablen Arien wie *"Gelido in ogni vena"* des dritten Aktes, als ***Cosroe*** den Geist des vermeintlich auf seine Veranlassung getöteten Sohnes beklagt.

![Oldenburgisches Staatstheater / Siroe von Johann Adolph Hasse - hier Yulia Sokolik als Medarse © Stephan Walzl](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/01/siroe_neu-10.jpg "Oldenburgisches Staatstheater / Siroe von Johann Adolph Hasse - hier Yulia Sokolik als Medarse © Stephan Walzl")

Oldenburgisches Staatstheater / Siroe von Johann Adolph Hasse - hier Yulia Sokolik als Medarse © Stephan Walzl

Ihm stand die Mezzosopranistin **Yulia Sokolik** in der Hosenrolle als ***Cosroes*** hinterhältiger und intriganter, nach der Herrschschaft strebender Sohn ***Medarse*** in nichts nach. Ihre stimmliche Perfektion und innige Beseelung der Figur lässt wahrlich staunen. Ihre große Arie *"Torrente cresciuto"* im dritten Akt über den anschwellenden Strom hat mich mit den emotional und psychologisch begründeten enormen Sprüngen und endlosen, immer im Dienste des Ausdrucks stehenden Koloraturkaskaden besonders stark bewegt. Diese stimmlich prächtigen und schillernden Kaskaden erinnern an die prächtigen Springbrunnen der sächsischen königlichen Parks von Pillnitz oder Warschau.

**Martyna Cymermann** gestaltet den Arasse mit größter emotionaler und stimmtechnischer Perfektion, die staunen macht. **Hagar Sharvit** als ***Emira*** bezaubert nicht nur mit ihrem Spiel, sondern beeindruckt mit enormer gesanglicher Finesse wie in ihrer empfindsamen Schäferinnen-Arie *"Non vi piacque"* zum Abschluss des zweiten Aktes, die **Mozarts** spätere Arien etwa in Don Giovanni vorwegnimmt. Ihre große anklagende und an ähnliche Arien **Mozarts** in **Idomeneo** oder **La Clemenza di Tito** gemahnende Furien-Bravourarie ***Che furia, che monstro*** im dritten Akt lässt das Blut gefrieren.

**Nicholas Tamagna** als ***Cosroes*** zunächst mißachteter und dann siegreicher Königssohn Siroe zieht nicht nur alle Register seiner überaus großartigen Countertenorstimme sondern berührt mit einer äußerst glaubwürdigen Darstellung**. Tamagnas** große Arie "*Se l'amor tuo mi rendi"* im dritten Akt mit ihren rhythmisch vertrackten, atemberaubenden Sprüngen und Koloraturen ließ mich den Atem anhalten. Diese Arie der tief empfundenen Bruderliebe, die zu den schönsten des späten Rokoko zählt, erinnert an springende Lämmer in einem Gemälde von **François Boucher.**

Ebenso wie **Philipp Kappeler** und **Yulia Sokolik** mit dem übrigen Ensemble macht **Nicholas Tamagna** besonders nachdrücklich deutlich, wie heutzutage fast mühelos wirkend eine neue Sängergeneration diese Partien der ganz besonders von der menschlichen Stimme lebenden **Hasse-**Opern bravourös und zur Begeisterung des Publikums meistert. Die stimmtechnisch höchsten Anforderungen dieser Arien gehören zum schwierigsten und anspruchsvollsten, was das Jahrhundert des von der neapolitanischen Schule ausgehenden wahren Belcanto und der größten Stimmartistik zu bieten hatte.

So wie der zeitgenössische Musikkritiker **Charles Burney** über **Johann Adolph Hasse** schrieb: "*Er betrachtet beständig die Stimme als den Hauptgegenstand der Aufmerksamkeit auf der Bühne, und unterdrückt sie niemals durch ein gelehrtes Geschwätz mannigfaltiger Instrumente, oder arbeitender Begleitsätze; vielmehr ist er immer darauf bedacht, ihre Wichtigkeit zu erhalten, gleich einem Mahler, welcher der Hauptfigur in seinem Gemälde das stärkste Licht gibt."* (Programmheft, Oldenburgisches Staatstheater, S. 13).

**Johann Adolph Hasses** späte Oper ***Siroe*** im Übergang vom Barock zur Klassik, oder von Händel zu Mozart, fand am Oldenburgischen Staatstheater eine besonders feinsinnige, stilbewußte, humorvolle, psychologisch genaue und bildmächtige Inszenierung von **Jakob Peters-Messer** mit den schönen Bühnenbildern und prächtigen Kostümen von **Markus Meyer.**

Sehr geschmackvoll und handwerklich gekonnt kontrastiert **Jakob Peters-Messer** auf drei Ebenen historische Kontexte der Handlung im märchenhaft-exotischen antiken Persien, das im 18\. Jahrhundert gerne als sittlicher Spiegel der höfischen europäischen Gesellschaft diente, und die prächtige Rokoko Entstehungszeit aus der Epoche der Herrschaft des Sohnes **August des Starken** mit heutigen Kriegserfahrungen und Bildern des Vorderen und Mittleren Orients.

Besonders gelingt **Jakob Peters-Messer** die psychologische Vertiefung und Verdichtung auch in den Kontrasten rokokohafter Leichtigkeit und aktueller Kriegsbilder, die bereits in der empfindsamen Musik Hasses angelegt ist.

![Oldenburgisches Staatstheater / Siroe von Johann Adolph Hasse - hier Oldenburgisches Staatsoprchester unter Wolfgang Katschner © Stephan Walzl](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/01/siroe_otchester-1neu.jpg "Oldenburgisches Staatstheater / Siroe von Johann Adolph Hasse - hier Oldenburgisches Staatsoprchester unter Wolfgang Katschner © Stephan Walzl")

Oldenburgisches Staatstheater / Siroe von Johann Adolph Hasse - hier Oldenburgisches Staatsoprchester unter Wolfgang Katschner © Stephan Walzl

**Hasses** Komposition weist oft verblüffend auf die Wiener Klassik und Mozart voraus, der bekanntlich von Hasse so stark beeindruckt war, dass er zur Verärgerung des Vaters, der sicherlich einen zu starken Einfluss Hasses befürchtete, die **Hasse**\-Opern auswendig wieder geben konnte. Musikalisch von **Wolfgang Katschner** mit einem Alte Musik Spezialensemble aus Mitgliedern des Staatsorchesters und Gästen erarbeitet, bleibt dessen Handschrift deutlich spürbar auch unter der vorzüglichen und präzisen musikalischen Leitung von **Thomas Bönisch** an diesem Abend.

Wenn auch die bereits von **Jean Jacques Rousseau** als bestes Orchester Europas gelobte **Dresdner Hofkapelle** 1763 in Siroe z.B. mit zwei Cembali noch stärker besetzt war als in dieser Oldenburger Aufführung, so füllt das mit je vier Violinen (Konzertmeisterin **Birgit Rabbels**), drei Violen, zwei Violoncelli, einem Kontrabass, einer Theorbe und einem Cembalo wie je zwei Holzflöten, zwei Oboen, einem Fagott und zwei Naturhörnen besetzte Spezialensemble voll den Raum des nicht so sehr großen Staatstheaters. Die Opernhäuser in Neapel, Venedig und Dresden zur Zeit von Hasse waren deutlich größer als das Opernhaus in Oldenburg.

Besondere Erwähnung unter den Musikern in Oldenburg verdient das ***Bassuo continuo Ensemble*** mit den Gästen **Gerd Amelung** am Cembalo, **Fabian Boreck** am Cello und **Andreas Nachtsheim** an der Theorbe. Oldenburg bietet ein Sängerensemble mit ausnahmslos hervorragenden Solisten wie **Philipp Kapeller, Nicholas Tamagna, Yulia Sokolik, Hagar Sharvit, Sooyeon Lee** und **Martyna Cymerman.**

Was die Staatsopern von **Hasses** Geburtstadt Hamburg und Hasses jahrzehntelanger Uraufführungsstätte Dresden, aber auch große Häuser in München, Wien oder Berlin nicht schaffen oder sich nicht trauen, das gelingt Oldenburg auf das Überzeugendste. Damit straft diese Maßstäbe setzende Produktion des **Oldenburgischen Staatstheaters** auch das Verdikt **René Jacobs** vor zwanzig Jahren Lügen, die Opern **Hasses** seien nicht mehr aufführbar. **Jacobs** sah damals keine Sänger ausser **Vivica Genaux,** die nicht nur in der Lage seien, die halsbrecherischen technischen Schwierigkeiten mit größter Lust an vokaler Selbstinszenierung zu beherrschen sondern ebenso die für **Hasse** charakteristischen großen melodisch-empfindsamen kantablen Bögen auch über die bereits sich auflösende traditionelle Form der Dacapo-Arie hinweg zu beseelen, psychologisch zu vertiefen und stilvoll zu gestalten.

Und zu Recht empfing das der Vorstellung begeistert und aufmerksam folgende Publikum einer Repertoirevorstellung mit Jubel und zahlreichen Bravorufen alle Künstler am Ende, nachdem es bereits mut Applaus für die einzelnen Arien nicht gegeizt hatte. Nach der Pause war keine Abwanderung zu bemerken. Glückwunsch daher dem **Staatstheater Oldenburg** für ein solches aufmerksames, neugieriges und konzentriertes Publikum.

Unbedingter Vorstellungsbesuch dieser Rarität einer herausragenden Oper zwischen **Händel** und **Mozart** empfohlen - entweder noch in Oldenburg ab März 2018 wieder oder der leicht durch den Regisseur vor allem mit Tänzen erweiterten Version ab Januar unter der musikalischen Leitung von **George Petrou** mit teilweise Übereinstimmung der Sänger auf einer Tournee in den Niederlanden: 26.1.2018 Enschede, 29.1.2018 Amsterdam und mehr....siehe auf **www.reisopera.nl**

***Siroe*** von **Johann Adolph Hasse** am **Oldenburgischen Staatstheater;** weitere Vorstellungen 25.3.; 27.3.; 31.3.; 5.4.2018

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