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# Odessa, Opernhaus Odessa, La Traviata - Odessa zu Kriegs- und Friedenszeiten, IOCO Aktuell, 18.11.2024
- URL: https://www.ioco.de/odessa-ukraine-opernhaus-odessa-la-traviata-giuseppe-verdi-ioco-kritik-16-01-2020/
- Published: 2024-11-17T19:00:00.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:51:08.000Z
- Description: OPER ODESSA, Ukraine: Auch Odessa wird seit Februar 2022, wie viele Städte der Ukraine, von Putins mordenden Horden sinnlos, völkerrechtswidrig und grausam zerbombt, misshandelt. Menschen in Odessa, wie in der ganzen Ukraine, sterben, leiden ...
- Author: Adelina Yefimenko
- Tags: Oper & Operette, Portraits

La Traviata von Giuseppe Verdi, Opernhaus Odessa, Odessa, 18.11.2024.

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****Das Opernhaus Odessa - zu Friedenszeiten**youtube Trailer von Medulla Oblongata **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

[Opernhaus Odessa](https://opera.odessa.ua/?ref=ioco.de)

## ***La Traviata* \- Odessa - heute und als dort noch Frieden herrschte**

![Das zerstörte Theater Mariupol © Wikimedia commons / Ivasykus](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2023/02/mariupol-drama-theatre-destroyed-2neu.jpg)

Das zerstörte Theater Mariupol © Wikimedia commons / Ivasykus

**Vorwort der Redaktion: *IOCO*** pflegt seit Jahren vielfältige gute Beziehungen zur Ukraine. ***IOCO*** schaltet deshalb regelmäßig Berichte von **Prof. Adelina Yefimenko,** Redaktionsmitglied, aus der Ukraine: Heute, erneut, aus der wunderbaren **Oper** von **Odessa** zu Friedenszeiten und der ehemals dort gespielten ***La Traviata*.** Auch **Odessa** wird seit Februar 2022, wie viele Städte der Ukraine, von Putins mordenden Horden sinnlos, völkerrechtswidrig und grausam zerbombt, misshandelt. Menschen in **Odessa,** wie in der ganzen Ukraine, sterben, leiden, fliehen durch den barbarischen Überfall Russlands. 2022, zerstörten russische Bomben im Osten der Ukraine das [**Theater Mariupol,** youtube, hier, **Foto links**, ein Kriegsverbrechen nach **Amnesty International,**](https://www.youtube.com/watch?v=VbkkSxAHLFI&ref=ioco.de) und mordeten dabei hunderte Menschen, Kinder, Frauen, Männer; diese hatten in dem Theater Zuflucht gesucht. ***IOCO*** möchte seinen Besucher\*innen inmitten des jetzigen großen Leidens der ukrainischen Bevölkerung durch **Adelina Yefimenko** erneut die Schönheit, die reiche Kultur der Ukraine, so hier im **Opernhaus Odessa,** das mitnehmende Wahrzeichen der Stadt zu friedlichen Zeiten näher bringen, und, in dem folgenden Video unten den Umgang des Theaterensemble mit dem Krieg, teilweise zu erleben während der Vorstellungen.

## ***LA TRAVIATA - Mythen verweben sich mit Fantasie- und Traumwelten -***

von **Adelina Yefimenko**

Im berühmten Roman ***Schlafes Bruder*** von **Robert Schneider** sowie in der gelungenen Verfilmung von **Joseph Vilsmaier** ist der Bezug zu den Figuren aus der griechischen Mythologie beachtenswert – ***Hypnos,*** der Gott des Schlafes und sein Bruder ***Thanatos,*** der Gott des sanften Todes. **Elias Alder** lebt in einem Dorf im 19\. Jahrhundert. Er entdeckt sein Hörwunder, vernimmt alle Klänge des Universums, versucht sie im Orgelspiel nachzuahmen. Im von der Doppelmoral geprägten ländlichen Dorfmilieu wird seine überragende musikalische Begabung als Normalitätsverstoß und böses Zeichen angesehen. Die Liebe zur Musik entwickelt sich für **Elias** zu einem mystischen Liebestod. Eros – der Gott der begehrlichen Liebe – führt ihn zur schmerzhaften transzendenten Erlösung in der Stille.

Die Doppelfigur ***Thanatos-Hypnos*** ist ein beliebtes Motiv in der Bildhauerkunst. Die Inszenierung von **Verdis *La Traviata*** am **Opernhaus Odessa** interpretiert dieses Motiv als Symbol für die unerfüllte Liebe. Auch das andere Mythen-Paar spielt eine wichtige Rolle. Die Statue „***Eros (Amor) und Psyche“*** begleitet das Geschehen auf der Bühne wie eine schweigsame Zeugin. .

****Opernhaus - *Feine Klänge trotzen dem Krieg - wie das Ensemble den Krieg erlebt*** youtube Trailer von euronews (deutsch) **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Der junge, in **Lemberg** (dem heutigen **Lviv**) geborene ukrainische Regisseur **Eugene Lavrenchuk** (ein Absolvent des weltweit gefeierten Theaterregisseurs **Roman Wiktjuk**) inszeniert **Verdis** Oper neu und spannend und nicht nur als eine romantische Geschichte über das Leben, die Liebe und den Tod einer Kurtisane. Durch die soziale Zugehörigkeit zum Milieu der Halbwelt ist ***Violetta Valeri*** in der Pariser Welt der Adligen zum Scheitern verurteilt. Aber die neu, von Mythen angeregte Version **Lavrenchuks** offenbart spiegelbildlich zu ***Schlafes Bruder*** eine interessante Ergänzung zu **Dumas d. J**. und **Verdis** Heroinen.

Bevor das Preludio flimmernd aus dem Orchestergraben erklingt, fällt von oben eine riesige schwarze Stoffwolke herab, verdeckt alles auf der Bühne und schafft die Stimmung eines Bestattungsritus. **Violetta** nimmt bei diesem Vorgang eine Distanz zum Bühnengeschehen ein. Der Regisseur spielt mit dem „*Aha!-Effekt“* und erzählt mit Bildern, Statuen und Video-Projektionen eine etwas andere Geschichte über die Frau, deren Würde, Liebe und musikalische Talente (vermutlich war sie früher eine Sängerin) sozial verkannt waren. Seine Violetta liebt die Musik und den Gesang, wie ***Elias*** seine Orgel liebte. Und beide verbindet ein mysteriöser Tod – Schlafes Bruder.

Das Spektakulum von **Eugene Lavrenchuk** (Regie) und **Efim Ruakh** (Bühnenbild) verursachte große Aufregung in der Presse, die die konzeptuellen und technischen Mängel der Inszenierung kritisierte. Einen Monat später wurde die Inszenierung neu konzipiert und überarbeitet.

![Opernhaus Odessa / La Traviata hier Natalia Stepanjak als Violetta Foto Litvynenko Yuri](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/07/odessa-1-foto-litvynenko-yuri-neu.jpg)

Opernhaus Odessa / La Traviata hier Natalia Stepanjak als Violetta Foto Litvynenko Yuri

Die Personenregie der Hauptdarsteller blieb aber unverändert. Eine **„Violetta* aus dem Jenseits“* darzustellen ist schauspielerisch nicht einfach. Die Rolle der ***Violetta*** übernahm in der Vorstellung 2023 die zierliche, junge und noch wenig erfahrene Debütantin **Natalia Stepanjak.** Sie stellte **Violetta** in Gestalt eines Engels dar. Ist eine solche **Violetta** ein Regie-Novum oder die Folge der Personen-Regie? Im "*Ah, fors´è lui che l’anima"* schlüpft die Sängerin in die Gestalt einer Träumerin. Am Ende ist sie mit der Rolle einer ***„Schlafes Braut***“ absolut vertraut. Sie singt oder besser gesagt: singend träumt, schläft und stirbt sie auf der Bühne. Vielleicht war sie schon früher tot und ist als Engel auf die Erde zurückgekehrt? Jedenfalls befindet sie sich nicht im Hier und Jetzt des Geschehens von **Verdis *La Traviata***. Das ist nur ihre Vergangenheit.

 **Odessa - *Als man auf die Bomben wartete - doch nun sind sie da!*** youtube Trailer von FAZ (deutsch) **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Die Idee ihres Todes, der nicht nur durch ihre Krankheit verursacht wurde, sondern auch durch ihre Mitmenschen, vor allem durch den Doppelmoralisten ***Germont* (Olexiy Zhmudenko**) beabsichtigte der Regisseur neu zu interpretieren. Die Protagonisten agierten aber traditionell. Trotzdem war deutlich, dass **Lavrenchuks *Violetta*** mehr in die Musik aus ihrer Vergangenheit als in Alfredo verliebt ist. Sie hört die Musik, deren erste Töne von einem alten Grammophon erklingen, bevor das Orchester überhaupt den Klang vorgibt. Die Effekte der fieldrecording mit Geräuschen, wie von einer alten Vinyl-Schallplatte, schufen eine Sehnsuchtsstimmung, die ***Violettas*** Untergang antizipierte. (Einen ähnlichen Effekt fügte **Krzysztof Warlikowski** in der Neuinszenierung von ***Salome*** ein). **Eugene Lavrenchuk** verwendete die Aufnahme des Orchesters des Opernhauses Odessa unter dem Chef-Dirigenten **Vyacheslav Chernukho Volich** und bearbeitete ihn mit dem Audacity-Programm.

In der Welt der neue ***La Traviata*** tragen alle Protagonisten weder historische noch moderne Kleider. Eher sehen sie aus wie Personagen aus dem Jenseits, wie Chimären und dabei sehr fantasievoll, stilisierend das Milieu eines Gespensterhauses. Die Kostüme sind geschmackvoll floristisch geschmückt, aus durchsichtigen Stoffen schön geschneidert und leuchten in den Farben der Bühnenbeleuchtung, – von Grau-Weiß und Blau-Grün bis zu Rosa (Kostüme – inklusive Mode-Design von **Efim Ruakh** und **Eugene Lavrenchuk**). Der Eindruck der hypnotischen, wie von Hypnos animierten Traumwelt Violettas wird damit verstärkt. Zum Beispiel, die ***Flora* (Taisiya Shafranska**) schwankt frei und schön singend wie ein blauer Geist mit einer riesigen Champagner Flache. Solch witzvolle Kontraste sind auch in der großen Ball-Szene zu sehen. Alles dreht sich im Tanz um den strahlend weißen Engel Namens **Violetta** – bunte Clowns, skurrile Männer-Stiere, sogar ein luxuriöser großer Kronleuchter mit Damenkleidern schwebt wie körperlose Geister in der Luft. Die ***Annina* (Alina Drugak**) gleicht auf der Bühne einer Salon-Dame, einer Rassehundebesitzerin. Zum Schluss laufen die Hunde schnell zusammen (das alles wurde auf die Leinwand projiziert) und lassen an eine viel stärkere Hundetreue als an die Treue der Menschen denken. Insofern entsteht ein Blick auf das bizarre Geschehen aus der Hypnos-Welt im Traum ***Violettas.*** Anschließend sucht die Sängerin in traurigen intimen Momenten eine Innigkeit, reflektiert ihren seelischen Schmerz sehr ehrlich. Ihr letztes Pianissimo in der Schlussszene lässt die Frage offen, ob sie wirklich aus der Welt der Brüder ***Hypnos und Thanatos*** zurück zur Alfredo-Welt kehren will? ***Alfredo*** wirkt dagegen wie ein schwacher, energie- und liebloser Held (**Olexandr Prokopovych**). Er bleibt auch stimmlich blass und monoton, was dem Regie-Konzept für die Distanz der Gefühle nicht hilfreich ist.

In Allgemeinem vermischen sich in diesem Regie-Konzept verschiedene Motive des romantischen Liebestodes, der gesellschaftlichen Satire und den neuen mythologischen Inspirationsquellen. Zum Beispiel wird in der Ball-Szene das Bild „Orgy“ vom polnischen Kunstmaler des Akademismus, Symbolismus und der Moderne, **Wilhelm Kotarbicski,** projiziert (sein Leben und Werk war eng mit Italien und Ukraine verbunden). Eine abwechslungsreiche theatralische Eklektik aus den verschiedenen Motiven von Literatur, Musik, Mythos, Malerei, Skulptur, Licht- und Video-Design imaginiert auf der Bühne eine spannende und mysteriöse Interaktion.

Die parallelen Kontexte, bzw. der Mythos „*Amor und Psyche“* nimmt einen festen Platz in der Regie ein. Violetta ist eben nicht nur ein Engel, sondern auch mythische Psyche. Überraschenderweise ist die Verbindung des Bühnengeschehens mit der Geschichte des **Odessa-Opernhauses** sehr authentisch. Das **Park Palais Royal** im Innenhof des Opernhauses besitzt eine berühmte Skulptur *„Amor und Psyche“* (eine Marmorkopie der antiken griechischen Statue von Bildhauer **Boris Eduards**, deren Original sich in den **Kapitolinischen Museen** befindet). Diese Statue nennt man auch *„Der Kuss“*, was die Sinnlichkeit von Skulpturen **Auguste Rodins** oder Bilder **Gustav Klimt** hervorhebt. Auf der Bühne aber macht die Statue der Psyche einen schmerzlichen Eindruck, halb verfallen und ohne Kopf.

Auf solche Weise korrespondieren die zwei Mythen mit **La Traviata** von **Alexandre Dumas d. J.** und von **Giuseppe Verdi.** Die damalige Kritik der beiden Autoren auf die adelige Doppelmoral im 19.Jahrhundert hatte eine starke Wirkung auf die Interpretationsgeschichte der Oper. Dies wird in der Regie mit einer Reihe von Video-Installationen unterstrichen. In der Mitte des 2.Aktes entstehen aussagenkräftige Zitate aus den Briefwechseln **Verdis** und **Cesare de Sanctis** oder **Giulio Ricordi** u.a. – „*La traviata, ieri sera, fiasco. La colpa è mia o dei cantanti? Il tempo giudicherà”* und später – *„Sappiate addunque che la Traviata che si eseguisce ora al S.Benedetto e’ la stessa, stessissima, che si esegui l’anno passato alla Fenice! Allora fece fiasco: ora fa furore. Concludete voi!!”*Die Videos verwendet der Regisseur, um die Pause für den aufwendigen Bühnenbildwechsel im zweiten Akt zur Aktion umzuwandeln. Auf der großen Leinwand diskutiert das Regie-Team – **Efim Ruakh, Victor Melezhko, Mykola Gorobets, Yulia Presnyakova, Tamara Forsyuk** – über das Problem der aktuellen Pause. Das schafft den Reiz, einen Blick hinter die Kulissen der Produktion zu werfen, um den Ideen des Regie-Theaters genauer folgen zu können.

Zum Höhepunkt der Inszenierung wurde das Finale. Die engelshafte **Violetta** singt ihre letzte Abschiedsarie *„Addio del passato“* in ihrer tiefen Traurigkeit. In Ihrem Abschied ertönt eine klare und auf das feinste Pianissimo reduzierte Stimme. Und man trauert mit **Violetta** zusammen, dass ihre *„Addio…“* gekürzt wurde, so schön und geheimnisvoll blieb die Wirkung dieser Szene. Die zurückhaltende Abschiedsstimmung in der Orchesterführung entspricht mehr dieser Situation als eine stürmisch laute Dramatik. Aus dem Orchestergraben unter der jungen Dirigentin **Margaryta Grynyvetska** ertönte kein einziger zu derber Klang. Aber etwas mehr sensible Interpretation und Korrespondenz zur Regie wäre erwünscht. Es fehlten der weit gespannte Spannungsbogen und mehr Flexibilität der Tempi, besonders in der Kommunikation mit dem Chor. Übergreifend wurde aber musikalisch wie szenisch vielfach und korrekt die Form gewahrt.

![Opernhaus Odessa Ukraine / La Traviata hier Violetta © Litvynenko Yuri](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/01/odessa-3neu.jpg)

Opernhaus Odessa Ukraine / La Traviata hier Violetta © Litvynenko Yuri

In einem Interview erwähnte der Regisseur den Wind als tragendes Symbol der Inszenierung und er hat diese Idee, die Geräusche mit der Musik in Balance zu halten trotz der technischen Schwierigkeiten realisiert. Spektakulär treibt der Gott des Windes die schwarzen dichten Wellen des Meeres aus Stoff über die Bühne. Ein Exkurs im Mythos ***„Amor und Psyche“*** kann einiges in der Regie aufklären und die spannende Parallelen aufzeigen.

Als Erstes: der Gott des ***Windes Zephyr*** trug ***Psyche*** zu ***Amor*** auf die Bergspitze. Dort verbrachten die Verliebten viele glückliche Nächte zusammen, aber Amor blieb unerkannt. Die Eifersucht auf **Psyches** Glück trieb ihre Schwestern dazu, **Amor** als Ungeheuer auszugeben. Es gab schon einige Regie-Deutungen (z.B. von **Dmitri Tscheniakow, Robert Karsen** u.a.), in denen Alfredo in seinem Verhalten zu ***Violetta*** zum seelenlosen Ungeheuer wird. Wie sonst kann man diesen Mann wahrnehmen, wenn er seine Geliebte vor der ganzen Öffentlichkeit demütigt, worauf der Tod sie umso früher ereilt?

![Marie Duplessis, Paris - Dumas´ Violetta, die Kameliendame des realen Lebens © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2023/02/duplessi-marie-ioco-neu2.jpg)

Marie Duplessis, Paris - Dumas´ Violetta, die Kameliendame des realen Lebens © IOCO

Als Zweites: den todesgleichen Schlaf der ***Psyche,*** aus dem sie nicht mehr erwacht, verursachte Proserpina – die Göttin des Totenreiches. Von ihr bekam die Psyche ein versiegeltes Fläschchen mit Schönheitssalbe, das sie heimlich öffnete und ihre betäubenden Düfte einatmete. Das historische Vorbild für **Alexandre Dumas'** Roman- und Bühnengestalt **Marguerite Gautier** (***La dame aux camélias***) und **Giuseppe Verdis *Violetta Valery*** (Oper ***„La traviata“***) war bekanntlich die französische Kurtisane **Alphonsine Plessis,** die wegen ihrer Lungenkrankheit keine Blumen-Düfte außer die von Kamelien vertragen konnte.

Als **Schlafes Braut** und *„Schwägerin des Todes“* lässt ***Violetta*** alle Figuren aus ihrer Vergangenheit wie Gespenster aus dem Jenseits hinter sich. Sie hängen im schwarzen Nebel mysteriös in der Luft. Nur ***Alfredo*** ersteigt auf der Vorderbühne aus der schwarzen Welle. Die ganze Bühne versinkt nun langsam im völligen Dunkel. Während der ganzen Vorstellung lief im Hintergrund eine eindrucksvolle Folge von Videos, die eine eigene Dynamik im Sujet hatten: von romantischen Visionen der langsam fallenden Kamelienblätter und der Frühlingsblühte bis zum stürmisch starken Regen (die Vision der Tränen) oder dem Regen der Dollars (die Vision der Demütigung). Aber am Nachhaltigsten wirkte am Ende das Video mit dem abstrakten Verfall der Mauer (die Vision des totalen Untergangs von ***Violettas*** Existenz).

Am Ende bleibt ***Violetta*** einsam auf der Bühne zurück, im immer gleichen weißen Hemd mit übergroßen Schleier auf der Schulter. Ihre durchsichtigen Stoff-Flügel bringt der Wind zur Bewegung und diese engelhafte Erscheinung verschwindet in der Dunkelheit des Jenseits genauso rätselhaft, wie sie zuvor erschien. Ihr Geist wird vom Winde Zephirs in die Ewigkeit verweht. Traurig bleibt ***Schlafes Braut,*** die sich früh mit dem Tod verband, in der Erinnerung des Publikums.

So reizvoll trifft der Mythos auf eine der populärsten romantischen Geschichten aller Zeiten. Das Gesamtkunstwerk triumphiert in dieser ***La Traviata.*** Erstaunlich, wie viele neue Fantasie- und Traumwelten birgt in sich diese Oper und Regisseure immer wieder und immer neu inspiriert: 

##   ***So auch in ODESSA, UKRAINE***

## [***ODESSA - Opernhaus - Alle Termine - link HIER!***](https://operahouse.od.ua/en/?ref=ioco.de)

—| IOCO Kritik Opernhaus Odessa |---

### Mehr bei IOCO

[„La Traviata“ in Montpellier](https://www.ioco.de/montpellier-opera-comedie-la-traviata-g-verdi-ioco/) · [„La Traviata“ in Oldenburg](https://www.ioco.de/osnabruck-oper-am-domhof-la-traviata-giuseppe-verdi-ioco/) · [„La Traviata“ in Rouen](https://www.ioco.de/rouen-opera-normandie-la-traviata-g-verdi-ioco/)

## Wie überzeugt die Debütantin Natalia Stepanjak in der Rolle der Violetta?

Die zierliche, junge und noch wenig erfahrene Debütantin stellt Violetta engelhaft als Träumerin dar und gleitet am Ende in die Rolle einer Schlafes Braut.