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# Nürnberg, Staatstheater, DIE ZAUBERFLÖTE – W. A. Mozart, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/nurnberg-staatstheater-die-zauberflote-w-a-mozart-ioco/
- Published: 2025-04-01T19:25:33.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:51:06.000Z
- Description: „In meiner Interpretation ist die Zauberflöte kein Musikinstrument, kein Gegenstand, sondern eine Gabe, die es dir ermöglicht, dein Gleichgewicht und dein wahres Ich zu finden“. (Goyo Montero)
- Author: Adelina Yefimenko
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Nürnberg

Die Zauberflöte von W. A. Mozart, Staatstheater, Nürnberg.

von Adelina Yefimenko

**«Die Zauberflöte» in der Oper Nürnberg: Per aspera ad astra oder „Rate Dreimal“**

Die neue, radikale Inszenierung von **W.A. Mozarts** Meisterwerk ***«Die Zauberflöte»*** in der Oper Nürnberg rief beim Publikum Begeisterung hervor, doch der Nachgeschmack des Ereignisses warf mehr Fragen auf als Antworten. Die mediale Resonanz hat sich noch immer nicht von den Diskussionen um die Interpretation des bekannten italienischen Choreografen **Goyo Montero** erholt. Einige Kritiker nahmen die Regieansätze als «mysteriös» und «düster» wahr, andere als «karnevalesk» und «farbenfroh» usw. Beide Seiten haben recht. Die Erwartungen an eine Sensation wurden erfüllt. Es ist offensichtlich, dass jedes Werk des Künstlers durch einen klar definierten, individuellen Stil geprägt ist. Im Operngenre ist **Goyo Montero** jedoch ein Debütant. ***«Die Zauberflöte»*** ist sein erster Versuch, sich als Opernregisseur zu etablieren. Als Schlüsselwörter von **Monteros** Konzept gefielen mir die folgenden Erklärungen im Programmheft: „*intuitiv*“, „*verrückte Reise*“.

Zur Bestätigung führen wir hier einige Fragmente aus den Originalzitaten des Regisseurs an:

*„In meiner Interpretation ist die Zauberflöte kein Musikinstrument, kein Gegenstand, sondern eine Gabe, die es dir ermöglicht, dein Gleichgewicht und dein wahres Ich zu finden“.*

*„Papagenos Glockenspiel dagegen erzeugt starke Brüche und steht dadurch für die positiven wie für die negativen Aspekte der Aufklärung“.*

*„Schließlich wollte ich auch alle künstlerischen Mittel des Tanzes integrieren, ohne die Aufführung damit zu überladen. Der Tanz wird ins Gewebe der Erzählung und in alle Charaktere eingeflochten, von den Solist\*innen über die Chorist\*innen und die Statist\*innen“.* 

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2025/04/Tamino_Papageno.jpg)

Tamino\_Papageno © Jesús Vallinas

Ein Satz wurde sogar bezeichnend für diese Interpretation der **„Zauberflöte“**: *„Wir haben uns das Stück finden lassen, das Stück hat sich dabei auch selbst gefunden“.* Sicherlich verbindet jeder von uns ***«Die Zauberflöte»*** mit individuellen Erfahrungen und einem umfassenden Wissensfundament über das Werk. Die Handlung der Oper, die zu den bekanntesten Repertoirestücken zählt, kann jeder nacherzählen – vom Kind bis zum Opernliebhaber. Die Zahl der Inszenierungen ist schwer zu erfassen. Man kann sie leichter als «unendliche Anzahl» bezeichnen. Aber bis vor Kurzem waren die Charaktere der Oper in verschiedenen Regieinterpretationen erkennbar. Die Porträts der Charaktere der Nürnberger Inszenierung ***«Die Zauberflöte»*** könnten als Quiz-Sendung mit dem Titel «Rate dreimal» gedeutet werden. **Erstens** wird nicht jeder, der die Inszenierung verpasst hat, in der Lage sein, diese Fragen ohne Hilfe des Programmhefts zu beantworten: Warum sind ***Tamino*** und ***Pamina*** eine Person, ist ***Tamino*** (**Martin Platz**) wirklich ein junger Mann unter Narkose nach einer Operation, und ***Pamina*** (**Chloe Morgan)** seine Seele, die er im Zustand des klinischen Todes verloren hat und die er wiederzufinden versucht, indem er die «Prüfungen» der Halluzinationen durchläuft und sich am Ende mit ihr vereint, um zu überleben (?) oder vielleicht, um unter **Mozarts** Musik in eine bessere Welt zu entschwinden? Wie der Regisseur berichtet, nannte er seinen neuen Helden von Beginn der Proben an beim Doppelnamen **Pamino-Tamina**. Daher sind beide, wie der Regisseur abschließend feststellt, *„in einem Labyrinth wie von Escher, in einer Vision wie von Kubrick“.* Mir schien es schon beim ersten Ansehen der Inszenierung, dass es in dieser Geschichte nicht um die reale Möglichkeit des Überlebens für **Mozarts** ***Tamino*** ging. Und zweitens, nicht jeder wird erraten, dass ***Papageno*** und ***Papagena*** analog dazu eine Art «zwei in einem»-Figur sind – ein karnevaleskes Skelett-Trickser mit einem Joker-Lächeln. Das Einzige, was den Nürnberger ***Papageno-Papagena*** mit seinem Mozartschen Verwandten, dem Vogelfänger, verbindet, ist der riesige Hahnenkamm auf seinem Kopf. Wir greifen erneut zum Programmheft, um die Situation zu verstehen, und erkennen, dass der Regisseur es tatsächlich ernst meint. ***Papageno*** ist für **Montero** kein Vogelfänger, sondern ein Seelenfänger. Mit anderen Worten, ***Papageno*** ist ein Todesbote (?). Aber man kann den Zuhörer nicht täuschen, aus ***Papageno-Papagena*** macht man keine Walküren. 

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Papageno mit Tänzern © Jesús Vallinas

Dieser Mozartsche Held ist nicht pathetisch, er macht niemandem Angst, er singt fröhlich seinen Schlager *„Der Vogelfänger bin ich ja, stets lustig, heissa, hopsassa! Ich Vogelfänger bin bekannt. Bei Alt und Jung im ganzen Land.“* Der Darsteller der Rolle, der ukrainische Bariton **Demyan Matushevskyi**, bleibt bis zum Ende der Aufführung ein fröhlicher Wohltäter, der sich des Lebens erfreut, sich nach Glück sehnt und dafür seine bessere Hälfte findet – ***Papagena*** (**Veronika Loy**). Nicht umsonst wird er von bezaubernden „Seelen“ begleitet – einer Choreografiegruppe, die eine ähnliche Rolle wie ein antiker Chor spielt und die Ereignisse kommentiert. Aber diese Kommentare sind bei **Montero** „ohne Worte“. Die Magie der Bewegung der Choreografie durchdringt die Inszenierung mit ununterbrochener Dynamik. Die Tänzer begleiten die Figuren in jenseitige Sphären, verschieben mit der Leichtigkeit von Geistern riesige Treppen, die ins Nirgendwo führen, und symbolisieren wohl die Skurrilität der Spitzenposition des Lichtbringers ***Sarastro*** (Bühnenbild von **Letizia Gagnan**, **Kurt Allen Wilmer**). Neben den flexiblen Tänzern überraschte die ***Königin der Nacht*** (**Sofia Theodorides**) mit ihrer (körperlichen und stimmlichen) Flexibilität, umgeben von ***drei Damen*** (**Emily Newton**, **Sarah Chetar**, **Almerija Delic**) und ***drei Knaben*** (Solisten des **Tölzer Knabenchors**). Ihre geschmeidige Plastizität erinnerte an exotische, animalische Eskapaden. Dabei deutete ihr dunkelblaues Trikot offensichtlich nicht nur die Farbe der Nacht an, sondern auch ihre dunklen Gefühle. Denn die ***Königin der Nacht*** – die Gegnerin des Lichtkults von ***Sarastro*** – leidet, rächt sich, zankt und wünscht ***Sarastro*** den Tod. Ihre Gefühle sind verständlich: ***Sarastro*** hat ihre Tochter entführt. Aber wenn ***Pamina*** in dieser Inszenierung die Seele von ***Tamino*** ist, dann hat die ***Königin der Nacht*** in Wirklichkeit einen Sohn. Der Höhepunkt der Rätselhaftigkeit der Figur der ***Königin der Nacht*** war ihr seltsamer Kopfschmuck! 

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2025/04/K-nigin-der-Nacht.jpg)

Königin der Nacht © Jesús Vallinas

Zuerst erinnerte er an indianische oder afrikanische Krieger. Und während ihrer Glanzarie durchläuft die ***Königin der Nacht*** eine erstaunliche Metamorphose und verwandelt sich in einen kleinen, aber bedrohlichen Drachen! Oder vielleicht in einen riesigen Igel, der zu seiner Verteidigung spitze, rote Stacheln abschießt? Der Effekt mit den aufblasbaren Vorrichtungen, die ihre Stachelspitzen verlängern, könnte man als Hype des Plastikwunders bezeichnen. Auf der Bühne gibt es sehr viel Plastik in verschiedenen Formen und Transformationen. Ein ganzer Chor ist mit Plastikoveralls mit seltsamen Rüschen auf den Köpfen geschmückt. Und die orangefarbene Gemeinschaft von ***Sarastro*** in der Pracht ritueller Plastikkleidung ist offensichtlich eine unterschwellige Kritik an den Plastik-Produzenten der modernen Welt. Trotz oder gerade wegen all der Rätsel und Labyrinthe von **Moneneros** Regieideen herrschte im Zuschauerraum eine positive, lachende, witzige und unbeschwerte Stimmung. Alle waren froh, dass die Inszenierung endlich originell und unkonventionell geworden war. Denn wer interessiert sich heutzutage noch für die Interpretation freimaurerischer Konnotationen? Und der Kult um ***Sarastro*** erwies sich als zu kritisch, um ihn anzubeten. Die Hauptsache ist klar: Der Hass wird von der Güte absorbiert. Die ***Königin der Nacht*** und ***Sarastro***, umgeben von den Priestern des Orangenkults, sind keine Duplikate, sondern begleiten ***Tamino-Pamina*** und verkörpern, so der Regisseur, „väterliches und mütterliches Prinzip, mit allen Schwächen. ***Sarastro*** ist nicht nur gut, er nervt auch und tritt autoritär auf. Und die ***Königin*** ist nicht nur böse, sie kann nur nicht mit ihren negativen Emotionen umgehen. Die Figuren sind alle auf Gegensätzen aufgebaut, trotzdem sind sie nicht eindeutig.“ Der Regisseur verkompliziert den Kontrast zwischen Dunkelheit und Licht mit der Figur des exotischen, exhibitionistischen Witzbolds ***Monostatos***. Er ist kein Mohr, wie bei Mozart. Einen Mohren auf die Bühne zu bringen, gilt in unserer Zeit als Zeichen von Rassismus. ***Monostatos*** von **Florian Woogks** ist ein gut aussehender weißhäutiger junger Mann, der auf die Bühne springt und jedes Mal einen riesigen Spielzeug-Phallus aus Plastik unter seinem langen orangefarbenen Mantel hervorholt, um die Seele von ***Tamino-Pamina*** zu erschrecken. Diese Art von Konfrontation zwischen Dunkelheit und Licht ist ein schwieriger Fall für psychoanalytische Studien. Insbesondere die Frage, wie **Monostatos** „*die sexuelle Seite von Tamino“ präsentieren konnte* (?), blieb durch die Erklärungen des Regisseurs und vor allem durch den Bühnenaktionismus unklar. Aber wir müssen dem Regisseur Anerkennung zollen. Sorgfältig versuchte er, den Neulingen in der Opernregie die Dramaturgie der ***Zauberflöte*** zu erklären, und zeigte den Wunsch, aus dem verworrenen Labyrinth seiner eigenen Regieideen herauszukommen. Die ***„Zauberflöte“*** wurde für den Regisseur ein per aspera ad astra.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2025/04/3-Knaben.jpg)

Drei Knaben © Jesús Vallinas

**Fazit.** Dass ***Sarastro*** nicht so gut ist, wie es auf den ersten Blick scheint, dass die ***Königin der Nacht*** nicht so böse ist, dass ***Papageno*** nicht so einfach und lustig ist, war und ist immer wieder Gegenstand von Diskussionen. In der Rezeptionsgeschichte der ***Zauberflöte*** kann diese Frage nie ganz geklärt werden. Für **Mozart** selbst waren die Gegensätze von Nacht und Licht nicht gleichermaßen positiv oder negativ konnotiert. Der hermeneutische Kreis der Interpretationen der ***Zauberflöte*** ist endlos und wird immer wieder erweitert. Die inneren Gegensätze der Seelen der einzelnen Figuren verleihen dieser ewigen Geschichte Spannung, Zweideutigkeit und Magie und werfen neue Fragen über das Wesen des Seins auf, und nicht nur psychologische Probleme der Krisenbewältigung (***Tamino***). Die Fragen, um die es jetzt geht, sind die Kontroverse zwischen dem Volk (***Papageno***) und der Obrigkeit (***Sarastro***). Ist ***Sarastro*** als Vertreter der Vernunft der einzige Weg einer aufgeklärten Gesellschaft in der Aufklärung? Welches Weltbild verteidigt ***Papageno*** als „Naturmensch“ im Geiste **Rousseaus**? Kann er in seiner naiven Vorstellung von der Schönheit der Vogelwelt die Demokratie verteidigen und gemeinsam mit ***Tamino*** die Macht der Plastiklobbys der modernen technokratischen Gesellschaft überwinden, die katastrophal auf die Zerstörung der Bodenschätze zusteuert? Vielleicht hatte der Regisseur recht, ***Papageno*** zum Todesboten zu machen, auch wenn er es als Scherz gemeint hat. Aber hinter jedem Witz steckt ein Funken Wahrheit.

## [**Infos und Termine: Link hier**](https://www.staatstheater-nuernberg.de/spielplan-24-25/die-zauberfloete/29-10-2024/1900?ref=ioco.de)

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## Wie überzeugend gelingt Goyo Montero sein Operndebüt mit dieser radikalen Zauberflöte?

Monteros Debüt begeistert das Publikum mit dynamischer Choreografie, wirft durch sein rätselhaftes Konzept aber mehr Fragen auf, als es beantwortet.