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# Nationaltheater-Orchester Mannheim, Musikalische Akademie - WAGNER / MOZART / STRAUSS, IOCO DVD-Rezension, 02.12.2020
- URL: https://www.ioco.de/nationaltheater-orchester-mannheim-musikalische-akademie-wagner-mozart-strauss-ioco-dvd-rezension-02-12-2020/
- Published: 2020-12-02T08:00:27.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:05:37.000Z
- Author: Uschi Reifenberg
- Tags: Sonstiges

![ Nationaltheater-Orchester Mannheim - Musikalische Akademie - ARTHAUS MUSIK -  Bestellnummer 10330975 ](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/12/musikalische-akademie-des-nationaltheater-orchester-mannheim-neu.jpg)

Nationaltheater-Orchester Mannheim - Musikalische Akademie - ARTHAUS MUSIK - Bestellnummer 10330975

# **Musikalische Akademie -** **Nationaltheater-Orchester Mannheim** 

# **WAGNER / MOZART / STRAUSS** **ARTHAUS MUSIK - DVD - Bestellnummer: 10330975** 

von **Uschi Reifenberg**

Der erste Lockdown im Frühjahr traf die gesamte Branche aller Kulturschaffenden mit unvorbereiteter Härte. Durch die erneute Schließung aller Kulturinstitutionen im November werden Künstler nun endgültig zu den traurigen Verlierern der Pandemie mit unvorhersehbaren Folgen. Auch die **Musikalische Akademie** des **Nationaltheater-Orchester Mannheim** musste in dieser Zeit drei ihrer geplanten Akademiekonzerte absagen, der Probenbetrieb wurde komplett eingestellt, was *„eine singuläre Situation in 242 Jahre Akademiegeschichte*“ darstellt, erklärte **Marc Sickel,** der geschäftsführende Intendant des **Nationaltheater Mannheim.**

Keine gemeinsamen Projekte entwickeln zu können, sich nicht zum Proben zu treffen, das *„bedeutet den Entzug unserer Arbeitsgrundlage: (... ) es fehlt die direkte Kommunikation mit dem Publikum, mit dem man sich über die Kunst verständigen will“,* so Generalmusikdirektor **Alexander Soddy.**

**Alexander Soddy, Dirigent - Nikola Hillebrand, Sopran -** **Musikalische Akademie**

**Fritjof von Gagern**, 1.Vorsitzender der **Musikalischen Akademie** ergänzt: „*Ein großes, ein künstlerisch wertvolles Projekt war unbedingt erforderlich, um die Qualitäten des Nationaltheater-Orchesters nicht zu gefährden.“* Dies ist in einem beeindruckenden Konzertfilm, der nun als DVD erschienen ist, in höchstem Maße gelungen.

![Musikalische Akademie Mannheim © Christian Kleiner ](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/12/musikalische-akademie-mannheim-neu.jpg)

Musikalische Akademie Mannheim © Christian Kleiner

Die Aufnahme erfolgte Im Studio des **Rhein-Neckar Fernsehen,** es wurde selbstverständlich ein spezielles Hygiene- und Abstandskonzept erarbeitet, welches allen beteiligten Musikern und Beschäftigten im Studio höchste Sicherheit garantierte. **Alexander Soddy** und das **Nationaltheater-Orchester** stellten mit Werken der Komponisten **Richard Wagner, Wolfgang Amadeus Mozart** und **Richard Strauss** ein exemplarisches Programm zusammen, welches die herausragende Qualität aller Beteiligten eindrucksvoll unter Beweis stellt. *„Mit dem Fernsehkonzert wollen wir uns aber vor allem auch bei unserem Publikum bedanken, ohne dessen Unterstützung unsere Akademiekonzerte wahrscheinlich vor dem Aus stünden,*“ erklärte Fritjof von Gagern. Er hoffe, (...) neben Klassik-Liebhabern auch neue Publikumsschichten zu erreichen und für klassische Musik begeistern zu können.

![Richard Wagner Denkmal in Graupa © IOCO / TThielemann](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/01/wagner-denkmal-in-graupa-foto-ioco_-thielemann-neu2020-1.jpg)

Richard Wagner Denkmal in Graupa © IOCO / TThielemann

**Richard Wagners *Siegfried Idyll*,** seine wohl persönlichste und intimste Komposition, ist aufs engste mit seinem Leben verflochten und gilt als musikalisches Bekenntnis jener glücklichen Zeit, die **Wagner** mit seiner Familie in seinem Haus in Tribschen am Vierwaldstätter See bei Luzern verbrachte. **Wagner** hatte das Werk heimlich komponiert, sowohl als Geburtstagsgeschenk für seine Frau **Cosima** als auch aus Dankbarkeit über die Geburt seines Sohnes **Siegfried,** der 1869 das Licht der Welt erblickte. Uraufgeführt wurde dieses einsätzige Instrumentalstück am 25\. Dezember 1870 als *„Ständchen“* in kammermusikalischer Besetzung mit 13 Musikern im Treppenhaus von Wagners Villa unter seiner Leitung.

Aus dem Tribschener Familien Idyll wurde das ***Siegfried Idyll***, das im doppelten Sinn auf seinen Sohn Siegfried, genannt Fidi, verweist wie auf das Musikdrama **Siegfried,** den 3.Teil des ***Ring des Nibelungen***, an welchem **Wagner** zeitgleich arbeitete.

„Tribschener Idyll mit Fidi- Vogelgesang und Orange -Sonnenaufgang, als Symphonischer Geburtstagsgruss. Seiner **Cosima** dargebracht von ihrem Richard“, lautet der vollständige Titel der Handschrift und ist eine sinfonische Dichtung mit Anleihen thematischen Materials aus der Partitur des **Siegfried.** In **Wagners** musikalische Liebeserklärung an **Cosima** fliessen hauptsächlich Motive aus dem 3\. Akt des ***Siegfried*** ein, in dem die Feier der Liebe von ***Siegfried*** und ***Brünnhilde***zum alles überragenden Thema wird. Motive aus dem *„Waldweben“*, ein Wiegenliedchen für den kleinen **Siegfried**, Vogel-, und beziehungsreiche Hornrufe verwebt **Wagner** in kontrapunktischer Kunstfertigkeit zu einem verinnerlichten, impressionistisch angehauchten musikalischen Kleinod.

Später erweiterte **Wagner** die Streicherbesetzung des ***Siegfried-Idyll*** und führte diese Fassung für größeres Orchester 1871 in Mannheim auf, organisiert von **Emil Heckel,** dem Gründer des ersten **Wagner.Verbandes** weltweit.

![Musikalische Akademie - GMD Alexander Soddy © Gerard Collett](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/12/alexander_soddy__c__gerardcollettneu.jpg)

Musikalische Akademie - GMD Alexander Soddy © Gerard Collett

GMD **Alexander Soddy** und seine 13 hervorragend disponierten Musiker lassen in **Richard Wagners *Siegfried-Idyll*** die Klangwelt zwischen Kammermusik und Sinfonik ideal verschmelzen. Mit sattem, dunklem Klang der Streicher beginnt die Einleitung, darüber spinnt die erste Violine mit fast klagendem Tonfall eine lange melodische Linie, die übergeht in das Hauptthema, dem „*Reinheits-Motiv“* aus dem Musikdrama **Siegfried.** Vorherrschend ist hier in weiten Teilen eine elegische, vielleicht etwas zu dunkel timbrierte Farbgebung, die **Soddy** aber zunehmend aufhellt und damit zu jener Freude und positiven Grundstimmung findet, die **Wagner** in diesem sinfonischen Naturgemälde zum Ausdruck brachte. **Soddy** setzt auf Klarheit und kammermusikalische Transparenz. Er gestaltet mit großer Sensibilität feine Linien, welche bis in kleinste Verästelungen der Soloinstrumente wunderbar ausmusiziert werden. Die Farbpalette der einzelnen Instrumente wird differenziert ausgeleuchtet, gekonnt spürt er den Spannungsverläufen der wagnerischen Endlosbögen nach, die sich nach emphatischen Aufschwüngen in erlösender Ruhe entladen. Beglückend präzise und fein artikuliert geraten die Bläsereinsätze, vor allem im zart getupften *Wiegenliedchen-*Thema in der Oboe, oder den Vogelrufen der Flöte. Piano Passagen in lyrischer Verinnerlichung verdichten sich in lang angelegten Steigerungen zum jubilierenden Höhepunkt wie beim „*Liebesbund-Motiv“* eindrucksvoll gelungen. **Soddy** erweist sich auch in diesem filigranen Werk als vorzüglicher Wagner Dirigent.

# **Musikalische Akademie des Nationaltheater-Orchester Mannheim**

# **WAGNER / MOZART / STRAUSSARTHAUS MUSIK - DVD - Bestellnummer: 10330975**

Mit zwei Konzertarien von **Wolfgang Amadeus Mozart** *„Mia speranza adorata“* und *„No,no, che non sei capace“,* die **Mozart** für die „geläufige Gurgel“ von **Aloysia Weber** komponiert hatte, bietet die junge Sopranistin **Nikola Hillebrand** eine beeindruckende Kostprobe ihrer virtuosen Gesangskunst. Von 2016 bis 2020 war sie Mitglied im Ensemble des **Nationaltheater Mannheim**, wo sie u.a. in Partien wie **Königin der Nacht, Gilda** oder **Sophie** im **Rosenkavalier** zu hören war. 2020 wechselte sie an die **Dresdner Semperoper.**

![Nikola Hillebrand © Guido Werner](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/12/nikola-hillebrand-neu.jpg)

Nikola Hillebrand © Guido Werner

**Nikola Hillebrand** ist als Konzertsängerin international unterwegs, 2019 gewann sie den internationalen Wettbewerb **Das Lied**. Für **Nikola Hillebrand** „... verbindet sich in Mozarts Konzertarien alles miteinander“, was auch in seinen Opern zu finden ist. „... *Dramatik, Lyrik, Koloratur. Es ist ein bisschen wie ein Gemisch aus verschiedenen Partien meines Repertoires- quasi eine Begegnung von Konstanze und Königin der Nacht. Eine Herausforderung, der ich mich nur zu gern stelle!*“

Dieser Herausforderung wird die anmutige Sängerin mit der starken Bühnenpräsenz in den immens schwierigen Arien fast durchweg gerecht. Ihr absolut höhensicherer lyrischer Sopran verfügt über eine breite Ausdrucksskala und wird in allen Lagen klangschön geführt. Mit viel Sensibilität spürt sie **Mozarts** Gefühlstiefe nach und weiß jeden Stimmungswechsel glaubhaft zu färben. Ihre Koloraturen perlen brillant und mühelos, Verzierungen geraten intonationssicher und leicht. Ihre Spitzentöne gelingen unforciert, kommen mit großer Leuchtkraft und melodische Bögen werden klug phrasiert. **Alexander Soddy** und die Musiker des **Nationaltheater-Orchester** begleiteten die Sopranistin höchst einfühlsam mit perfektem *„Mozart-Sound“.*

![ Richard Strauss - hier :  Büste in Walhalla © IOCO / HGallee](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/12/richard-strauss-walhalla-foto-hgallee-neu.jpg)

Richard Strauss - hier : Büste in Walhalla © IOCO / HGallee

**Richard Strauss** „*Metamorphosen für 23 Solostreicher*“ ist ein Werk der Verinnerlichung, der Trauer und des Abschieds. Die Katastrophe des 2\. Weltkrieges und die damit verbundenen persönlichen Erfahrungen des alternden Tondichters, insbesondere die Verzweiflung über die Zerstörung der von **Strauss** innig geliebten Kulturstätten wie dem Goethehaus oder der Münchner Oper, fließen in erschütternder Weise in dieses Werk ein. Strauss notierte: *„Am 1.Mai endete die schrecklichste Zeit der Menschheit. 12 Jahre lang regierten Bestialität, Ignoranz und das Analphabetentum unter der Leitung der größten Verbrecher. Gleichzeitig wurden die Früchte der deutschen kulturellen Entwicklung, die sich in 2000 Jahren entwickelten, dem Aussterben ausgeliefert und unersetzliche Gebäude und Kunstwerke durch kriminellen Soldatenpöbel zerstört. (...)*“.

Fertiggestellt wurden die *„Metamorphosen“* in den letzten Monaten des 2\. Weltkriegs, im April 1945 in seiner Villa in Garmisch Partenkirchen, 1946 wurden das Werk in Zürich uraufgeführt. **Strauss** schreibt: „*Der Brand des *Münchner Hoftheaters* (...), wo mein guter Vater 49 Jahre im Orchester am 1.Horn saß (...), es war die größte Katastrophe, die je in mein Leben eingebrochen ist (...)“.*

Es ist sein letztes Orchesterwerk, eine Trauerarbeit, rätselhaft und voller Bezüge, Assoziationen und Verweise. Strauss nimmt Abschied von der alten Welt, der untergegangenen abendländischen Kultur und wohl auch von seinem eigenen Schaffen. Der Titel *„Metamorphosen“,* Verwandlungen, also das Prinzip stetiger Veränderung, lässt vielfältige Deutungen zu. Das Thema der Verwandlung zieht sich leitmotivartig durch Strauss‘ Opernschaffen, seine damalige Beschäftigung mit Goethes Metamorphosenlehre hatte wohl auch entscheidenden Einfluss auf den Titel des Werkes.

Die 23 mit Hingabe musizierenden Streicher entwickeln unter **Alexander Soddys** suggestivem Dirigat hohes spieltechnisches Niveau, bestechen mit Synchronität und makelloser Intonation. **Soddy** bewegt sich gekonnt zwischen kammermusikalischer Intimität und opulentem sinfonischem Streicherklang und breitet über den expansiven Adagio-Satz düstere Schleier der Melancholie. In einem endlosen Lamentoso spüren die ausgezeichneten Streichersolisten durch verschlungene harmonische Pfade den Abgründen von Strauss‘ hochexpressiver Komposition nach.

Der Vielgestaltigkeit der Motive, ihrer Veränderungen und Entwicklungen entspricht eine differenzierte Ausdrucks- und Farbpalette, jede einzelne Stimme trägt zum ideal austarierten und abgerundeten Klangbild bei. Alle zusammen finden sich in kollektiver Verschmelzung der Wehmut vereint. Leise Anklänge der Hoffnung scheinen im bewegteren Mittelteil auf, der Klangstrom wird gebündelt, das motivische Geflecht verdichtet. Mit sinnlich betörenden Streicherwogen führt **Soddy** in einer groß angelegten vorwärtsdrängenden Steigerung das emphatisch aufspielender Orchester zu einem dramatischen Höhepunkt, um danach bruchlos und mit großer Ruhe wieder den langsamen Anfangsduktus des Adagio aufzunehmen.

Das eigentliche Thema, das immer wieder aufscheint, aber erst am Schluss in seiner Vollständigkeit vom Kontrabass zitiert wird, ist ein Hauptbezugspunkt des Werkes: **Beethovens** Trauermarschthema aus dem 2\. Satz der 3\. Sinfonie, der ***Eroica.* Strauss** schreibt an dieser Stelle in der Partitur: *„IN MEMORIAM“.* Mit **Beethovens** Heldenthema wird hier von **Strauss** symbolisch die klassisch- romantische Kompositionsweise zu Grabe getragen wie auch ihre Entwicklung bis 1945.

\---| IOCO DVD-Rezension |---