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# Münster, Theater Münster, TRIUMPH der LIEBE -  Musical, IOCO Kritik, 03.12.2021
- URL: https://www.ioco.de/munster-theater-munster-triumph-der-liebe-musical-ioco-kritik-03-12-2021/
- Published: 2021-12-03T09:00:08.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:08:40.000Z
- Author: Hanns Butterhof
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Münster

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![Theater Münster © Rüdiger Wölk](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2015/08/theater_muenster_c_oliver_berg_588.jpg)

Theater Münster © Rüdiger Wölk

**Theater Münster**

# ***Triumph der Liebe* \- Musical - James Magruder**

**\- Enttäuschend - mit zur Sinnlichkeit bekehrten Asketen -**

von **Hanns Butterhof**

Man kann nicht sagen, dass die deutschsprachige Uraufführung des Musicals von **James Magruder *Triumph der Liebe*** im Jahr 2005 von Heilbronn aus einen Siegeszug durch die deutschen Bühnen angetreten hätte. Mit Sicherheit aber ist zu sagen, dass dem Stück in der Inszenierung von **Achim Lenz** nicht gelingen wird, was ihm in Heilbronn versagt war. Der **Triumph der Liebe** enttäuscht auf der ganzen Linie.

Die Geschichte, die auf dem Lustspiel ***Le Triomphe de l'Amour*** des französischen Barockdichters **Pierre de Marivaux** (1688 - 1763) basiert, hört sich noch ganz interessant an. Sie spielt in einer Art ländlicher Akademie in der Nähe Spartas, in der ihr asketischer Chef ***Hermokrates*** die Lehre der reinen Vernunft vertritt. Frauen als Gefühlswesen sind dort selbstverständlich nicht erlaubt, nur für **Hermokrates'** vertrocknete Schwester **Hesione** gilt eine Ausnahme. Beide erziehen ihren Neffen **Prinz Agis** vernünftig und gefühllos zum Mörder der **Prinzessin Leonide** von Sparta, um an deren Stelle wieder rechtmäßiger König dieser Stadt zu werden. Weil **Leonide** aber **Agis** liebt, kommt sie, als Mann verkleidet, mit ihrer Dienerin **Corine** in die Akademie und erreicht durch scheinbar mehrfachen Wechsel des Geschlechts, dass sich in allen die Sinne regen und die Lust, der Vernunft abzusagen und love, not war zu machen.

![Theater Münster / Triumph der Liebe hier Eindeutige Botschaft an Agis von Leonide. (v.li.: Johann Zumbült und Katrin Merkl) © Oliver Berg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2021/12/bild-triumph-1-johann-zumbult-katrin-merklneu.jpg)

Theater Münster / Triumph der Liebe hier Eindeutige Botschaft an Agis von Leonide. (v.li.: Johann Zumbült und Katrin Merkl) © Oliver Berg

Die Einheitsbühne von **Bernhard Nichotz,** der auch die Kostüme mit den wagenradgroßen Strohhüten der Akademie-Bewohner verantwortet, sieht eher aus wie für ein Weihnachtsmärchen geschaffen statt für einen Tempel der Vernunft. Ein Prospekt mit einem dichten Wald schließt die Bühne nach hinten ab. Davor steht eine künstliche Ruine, wie die Romantik sie zu bauen liebte, die als Bibliothek dient. Hinter ihren Büchern lagert neben Waffen und Gartengerät auch Hochprozentiges, mit dem sich das angeblich asketische Personal verstohlen bedient.

Mit der Askese ist es nicht weit her. Schon ein kleiner *Blowjob* von ***Leonide* (Katrin Merkl**) weckt bei ***Hermokrates* (Gerhard Mohr**) die Sinnlichkeit, bei ***Hesione* (Isa Weiß**) braucht **Leonide** dazu nur etwas Liebesgesäusel. Wie aus der feierlich beschworenen Freundschaft von ***Agis* (Johann Zumblüt**) und **Leonide** Liebe werden kann, ist mit kräftigen Fragezeichen zu versehen. Dagegen schnappt sich ***Corine* (Ulrike Knobloch**) fraglos handfest den ***Harlekin* (Christoph Rinke**) und beide den ***Gärtner* (Daniel Fries**). Von Liebe weit und breit keine Spur., alles bleibt ziemlich unglaubwürdig.

**Triumph der Liebe** ist ein Kammerspiel für intime Gefühle. Doch dafür ist die Bühne des Großen Hauses zu groß und viele Stimmen, die diese Gefühle transportieren sollen, zu klein. **Katrin Merkl** als ***Leonide*** spielt zwar agil und trifft die richtigen Töne, aber ihr Broadway-Sopran ist schrill und in den Höhen gepresst. Der junge **Johann Zumbült** als **Agis** hat eine angenehme Stimme, bleibt aber für seine Rolle zu blass. **Gerhard Mohr** als ***Hermokrates,* Christoph Rinke** als **Harlekin** und **Daniel Fries** aus dem Schauspielensemble müssen nicht wirklich singen können, aber für ein Musical ist das zusammen schon eine ordentliche Hypothek.

![Theater Münster / Triumph der Liebe hier Leonide weckt in Hermokrates die Sinne, vl Katrin Merkl, Gerhard Mohr © Oliver Berg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2021/12/bild-triumph-2-gerhardmohr-katrinmerkl-daniel-friesneu.jpg)

Theater Münster / Triumph der Liebe hier Leonide weckt in Hermokrates die Sinne, vl Katrin Merkl, Gerhard Mohr © Oliver Berg

Wenn dann auch die Musik von **Jeffrey Stock** nicht wirklich mitreißend ist mit nur einem Lied nach der Pause mit dem Zeug zum Ohrwurm, und **Boris Cepeda** am Pult das **Sinfonieorchester Münster** trotz kleiner Besetzung viel zu laut spielen lässt, so dass das Ensemble dagegen mit Kraft ansingen muss, ist das für das Musical tödlich. Nur **Isa Weiß** als altjügferliche **Hesione** mit gepflegtem Alt und **Ulrike Knobloch** als sinnenfrohe **Corine** mit ausdrucksstarkem Mezzo überzeugen gesanglich wie auch darstellerisch.

Wo es musikalisch im Argen liegt und auch der Text schwerfällig mit dem Hammer Reime schmiedet (Deutsch von **Wolfgang Adenberg**), setzt die Regie auf Clownerien, für die vor allem **Christoph Rinke** als tuntiger **Harlekin** zuständig ist. Was sich **Achim Lenz** dazu und auch zu den möglichen queeren Szenen von Leonide einfallen lässt, ist peinlich altherrenschenkelklopftaugliches Klischee. Wenn er hingegen zeigen wollte, dass es im „Triumph der Liebe“ bestenfalls um Sinnlichkeit geht, ist ihm das, wenn auch unter Opferung des Musicals, gelungen.

**Triumph der Liebe,** vom **Theater Münster** als feinfühliges Kammer-Musical beworben, ist ein auf der ganzen Linie enttäuschendes Armutszeugnis für ein Stadttheater. Nach fast drei viel zu langen Stunden gab es höflichen Beifall des Premierenpublikums für Ensemble und Regieteam.

**Triumph der Liebe** am **Theater Münster,** die nächsten Termine: 23.11, 7., 10., 18., 23.12.2021 jeweils um 19.30 Uhr, 31.12\. um 15.00 und 19.00 Uhr.

\---| IOCO Kritik Theater Münster |---