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# Münster, Theater Münster, MARIA STUART - Friedrich Schiller, IOCO
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- Published: 2026-03-19T18:49:04.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:50:48.000Z
- Author: Hanns Butterhof
- Tags: schauspiel, Münster

Maria Stuart, Theater Münster, Münster.

### Ein Königinnenmord als perfektes Verbrechen

Das Theater Münster zeigt Schillers Drama Maria Stuart als Polit-Thriller

Von Hanns Butterhof

MÜNSTER. Friedrich Schillers 1800 in Weimar uraufgeführtes Trauerspiel *Maria Stuart* hat im Theater Münster eine auf einen Polit-Thriller um einen Königinnenmord zugespitzte Aufführung erfahren. Regisseurin **Julia Hölscher** hat das üppige Personaltableau Schillers auf fünf Figuren zusammengestrichen, zwischen denen es darum geht, ob Maria Stuart, Schottische Königin und Gefangene der Königin Elisabeth von England, leben darf oder sterben muss.

Das Stück spielt auf einer kreisförmigen Fläche wie eine Arena **(**Bühne und Kostüme: **Sophia Staal** und **Jonathan Carl Jensen**), in der **Maria Stuart** (**Katharina Rehn**) gefangen gehalten wird. Keine Mauer schließt sie ein, sondern eine Art Membran, durch die man die Lauscher ahnt und ab und zu die Schatten derer sieht, die gerade ihr Schicksal verhandeln. Diese drehen auch die ganze Anlage, wenn die Szene in einem Raum von Elisabeths Palast spielt. Dann wird der eiserne Treppen-Aufgang zu einem schmalen Wandelgang hinter der Arena sichtbar, von dem man auf Maria herabsehen kann.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2026/03/Bild-Maria1.jpg)

 Maria erfährt von ihrem Todesurteil (Katharina Rehn, Clara Kroneck), Foto: Sandra Then

Für den Anfang der Aufführung hat **Julia Hölscher** als Rückblick eine vielsagende Szene erfunden: Um eine kleine gotische Kirche herum spielen die Kinder Maria und Elisabeth (**Leni Wegmann, Riccy Tolmein**) Fangen, Maria in einem schönen hellen Satin-Kleid, Elisabeth in einem schwarzen puritanischen Prunk-Kostüm. Danach fechten sie, bis Maria die Lust verliert und das Schwert wegwirft. Die Kirche steigt mit dem Lärm einer startenden Rakete in den Bühnenhimmel, und die auf dem Boden liegende **Maria** (**Katharina Rehn)** wird sichtbar.

**Maria** ist Gefangene der Elisabeth (**Katharina Brenner)** , und diese ist entschlossen, das Gefecht um den Englischen Thron mit ihrer ewigen Konkurrentin siegreich zu Ende zu bringen.

Ihren bedingungslosen Unterstützer hat Elisabeth in Baron **Burleigh** (**Clara Kroneck**), dem fintenreichen Großschatzmeister, der für das Staatswohl auch keinen Rechtsbruch scheut. Als er **Maria** vom Wandelgang herab ihr Todesurteil verkündet, kann sie ihm mit guten Gründen nachweisen, dass es sich um ein politisches, kein gerechtes Urteil handelt.

Überraschend tritt Graf **Leicester** (**Julius Janosch Schulte**), der im Gericht noch für Marias Tötung gestimmt hatte, mit warmen Worten für ihre Begnadigung ein. Den Grafen treibt ein Coup **Burleights** zu diesem Schritt. Der hatte, um die katholischen Staaten auf **Elisabeths** Seite zu ziehen und so **Maria** deren Schutz zu rauben, die Hochzeit **Elisabeths** mit dem französischen Kronprinzen angebahnt. Diese Aussicht droht dem eitlen, nur an sich selber denkenden **Leicester** seine Stellung als Favorit Elisabeths und damit den ersten Rang am Hofe zu kosten. Der Hintersinn seiner Fürsprache ist, **Maria** auf längere Sicht frei zu bekommen und dann als ihr Gatte König von Schottland zu werden.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2026/03/Bild-Maria-2.jpg)

 Burleigh zeigt Elisabeth einen verdächtigen Brief Marias (v.li. Clara Kroneck, Katharina Brenner), Foto: Sandra Then

**Elisabeth** hört dem von **Burleigh** vertretenen juristischen Für und von **Leicester** vorgebrachtem menschlichen Wider die Hinrichtung lange zu. Dabei will sie den Tod **Marias** unbedingt, stiftet sogar den jungen **Mortimer** (**Ansgar Sauren**) zum Mord an, der allerdings leidenschaftlich an der gewaltsamen Befreiung **Marias** arbeitet. Sie schreckt vor einer von ihr verantworteten Tötung **Marias** zurück aus Angst um ihrer untadeligen Ruf als Königin, an dem ihre Macht hängt. Sie fürchtet, das Volk könnte sich einer toten **Maria** als einer Märtyrerin zu- und von ihr abwenden. Sie sucht nach einem Weg, bei dem sie mit der Tötung der Rivalin nicht in Verbindung gebracht werden kann.

Die Gelegenheit bietet sich, als nach einem missglückten Attentat auf **Elisabeth** bei **Maria** Papiere gefunden werden, die auf eine Verstrickung **Leicesters** in deren Befreiungsversuche hindeuten. **Burleigh** scheint am Ziel, der einzige Widersacher am Hof gegen die Hinrichtung ist desavouiert, **Elisabeth** unterschreibt das Todesurteil. Doch die Verantwortung dafür, wann die Hinrichtung ausgeführt wird, schiebt sie **Burleigh** zu. **Leicesters** Nachricht aus dem Gefängnis, die Anklage gegen **Maria** fuße auf einem falschen Geständnis und der Prozess gegen sie müsse neu aufgerollt werden, kommt zu spät, gibt aber **Elisabeth** Gelegenheit, sich menschlich und zu einer neuen Untersuchung bereit zu zeigen. Skrupellos überantwortet sie **Burleigh** als Verantwortlichem für die Hinrichtung dem Gericht, der perfekte Königinnenmord ist ihr geglückt. Dem Schein nach ist sie an **Marias** Tod nicht Schuld. Sie ist und bleibt unangefochten die Königin Englands.

**Julia Hölscher** hat in ihrer Konzentration auf die höfische Intrige das Bild einer ruchlosen, rücksichtslos ihre Interessen verfolgenden Welt gezeichnet. Sie hat die aufrechten Charaktere des Stücks gestrichen und ihre Aussagen vor allem **Leicester** aufgeladen, in dessen Mund sie zu Lügen werden. **Burleigh** hingegen wird als verantwortungsvoller Staatsdiener, der kein persönliches Interesse an **Marias** Schicksal oder an **Elisabeth** hat, gezeigt (was vielleicht der einzige Grund ist, ihn von einer Schauspielerin spielen zu lassen).

**Julius Janosch Schulte** als **Leicester** und **Clara Kroneck** als **Burleigh** bleiben in ihren merkwürdig weiblichen Kleidern recht höfisch steif. **Ansgar Sauren** als **Mortimer** ist ein schwärmerischer junger Held, der grenzüberschreitend zwiespältige Gefühle weckt. **Katharina Rehn** mit ihren bloßen Füßen und im lockeren Untergewandzeigt **Maria** anfangs wie durch die lange Haft gebrochen. Wie sie mit stolzer Rede das Urteil des Gerichts zurückweist und im Disput mit **Elisabeth** gewinnt sie überzeugend königliche Statur.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2026/03/Bild-Maria-3.jpg)

Elisabeth sitzt im Sattel (v.vorn: Katharina Brenner, Katharina Rehn), Foto: Sandra Then

K**atharina Brenner** bringt als **Elisabeth** die volle Energie einer politischen Königin auf die Bühne, die nicht wirklich souverän ist und um ihr Königtum kämpfen muss. Sie stellt scheinheilig ihre Tugendhaftigkeit aus und verbirgt gekonnt ihr gekränktes, auf Marias katholische Leichtlebigkeit neidisches Herz. Ihr Wollen setzt sie mit kalter Hinterlist und brutaler Skrupellosigkeit durch. Als sie am Ende mehrfach herausschreit, sie sei Königin von England, ist sie allein. Zwar sitzt sie gestiefelt und in Unterwäsche fest im Sattel. Aber ihr Bein zittert, am Zügel hält sie ein lebloses kaltes Metallgerippe, und hinter ihr erscheint im weißen Kleid **Maria**.

Nach knapp zwei Stunden endete die Aufführung, die ihre Spannung puritanisch wesentlich aus Macht des gesprochenen Wortes in den fesselnden Dialogen Schillers bezieht. Das war wohl nicht allen Besuchern der Premiere Theater genug. Die standing ovations und Bravos der üblichen Verdächtigen rissen das übrige Publikum nicht mit, es blieb bei längerem beifälligen Applaus im Sitzen.

Die nächsten Termine:21.3., 10., 14\. und 23.4., 16\. und 29.5.,alle um 19,30 Uhr, am 3.5.um 18.00 Uhr

## Wie überzeugt Katharina Rehn in der Titelrolle der Maria Stuart?

Katharina Rehn zeigt Maria zunächst durch die Haft gebrochen, gewinnt aber mit stolzer Zurückweisung des Urteils und im Disput mit Elisabeth überzeugend königliche Statur.