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# Münster, Kunstmuseum Pablo Picasso, Ausstellung „Marc Chagall / Bildsprachen“, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/munster-kunstmuseum-pablo-picasso-ausstellung-marc-chagall-bildsprachen-ioco/
- Published: 2025-03-15T09:40:43.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:50:38.000Z
- Author: Hanns Butterhof
- Tags: Münster

Marc Chagall / Bildsprachen, Kunstmuseum Pablo Picasso, Münster, 9\. Juni 2025.

## Marc Chagall über die Schulter schauen

## Das Picasso – Museum Münster zeigt Chagall mitreißend als Wort-Künstler

Von Hanns Butterhof 

Das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster feiert 2025 sein 25-jähriges Bestehen. Anders, als bei diesem Jubiläum zu erwarten wäre, steht in der neuen Ausstellung „**Marc Chagall / Bildsprachen**“ an Stelle von **Picasso** (1881 – 1973) sein großer Kollege **Marc Chagall** (1887 – 1985) im Zentrum. 

Die mit über 120 Gemälden, Zeichnungen und Graphiken reich ausgestattete Jubiläums-Ausstellung hat einige Besonderheiten. Zum einen hat die Enkelin **Chagalls**, Frau **Meret Meyer**, dem Museum großzügig ein Malerbuch und 118 Lithographien ihres Großvaters geschenkt, von denen einige in der Ausstellung gezeigt werden. Zum anderen legt die Schau das Schwergewicht auf Skizzen und Vorstudien, bei denen man **Chagall** buchstäblich beim Entwickeln der finalen Bildidee über die Schulter schauen kann. Dabei fällt der für das Ausstellungs-Konzept entscheidende Aspekt in die Augen, dass dem Maler **Chagall** der Dichter **Chagall** gleichwertig zur Seite gestellt werden kann.

Die Ausstellung ist chronologisch geordnet. In 6 Sälen im ersten Stock beginnt sie mit **Chagalls** in seiner Muttersprache Jiddisch verfassten Autobiographie „Ma Vie“ und den dazugehörigen Illustrationen, die man als gemalten Stammbaum werten kann. „Ma Vie“ enthält zudem manchen Bedeutungsschlüssel für **Chagalls** Bilddenken aus dem Erinnerungsfundus seiner Kindheit und Jugend in seinem Heimatort Witebsk.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2025/03/Bild-Chagall-1.jpg)

 Museumsleiter Dr.Müller, Chagall-Enkelin Meret Meyer und Alexander Gaude führen in die Ausstellung ein. Foto: Hanns Butterhof

Dabei wird die enge Verbindung von Bild und jiddischer Sprache deutlich, in der **Chagall** zeitlebens gedacht hat; eine Vitrine weist mit Illustrationen **Chagalls** für jüdische Zeitschriften auf die dauernde enge Verbindung seines künstlerischen Schaffens mit dem Jiddischen hin, aus dem sich seine malerische Phantasie nährt.

Drei Säle sind den Malerbüchern gewidmet, die **Chagall** in Paris, seiner ersten Wahlheimat, in enger Zusammenarbeit mit dem Verleger **Ambroise Vollard** (1869 – 1939) gestaltet hat. Zu der russischer Provinzposse „Die toten Seelen“ von **Nicolai Gogol** (1809 - 1852) sind aufschlussreich 13 Skizzen ihrer charakteristischen Figuren als kolorierte Vorzeichnungen zu sehen. Bei ihnen kann man buchstäblich dem Maler dabei zusehen, wie er schließlich mit erzählerischer Liebe zum anekdotischen Detail zur endgültigen Bildlösung gelangt. Ähnlich verhält es sich mit den Illustrationen zu Fabeln von **La Fontaine** (1621 – 1695) und der Bibel. Als Besonderheit fällt auf, dass **Chagall** die Skizzen oft in Farbe entworfen, dann aber in schwarz-weiß ausgeführt hat.

Nach so viel wunderbar intensiver Atelier-Atmosphäre atmet der große Saal wieder die statuarische Ruhe eines Museums: Hier feiert **Chagall** mit 12 farbig opulenten Großformaten nach seiner Rückkehr 1948 aus dem Exil in den USA Paris als pittoreske Stadt.

Der zweite Stock des Museums zeigt Illustrationen Chagalls zu dem kleinen Prosatext „De mauvais sujets“ des Schriftstellers **Jean Paulhan** (1884 – 1968). Sie zeigen in prägnanter Verkürzung den Weg zu einem Erweckungserlebnis, auf dem ein Künstler zu den richtigen, das heißt seinen eigenen, ihn selber berührenden Themen kommt. Darauf, dass dieses Künstler-Credo auch für **Chagall** bedeutsam ist, zeigen mehrere seiner durchwegs heiteren Skizzen, auf denen er seine eigene Figur mit der des Autors verbindet.

Weitere Kabinette zeigen farbensatte Graphiken zu den Malerbüchern „Cirque“ (1967) und „Poèmes“ (1968), zu denen **Chagall** auch die Texte verfasst hat. Text und Bild stehen zumeist in einem assoziativen, sehr persönlich amalgamierten Verhältnis. Dass sie die Gleichwertigkeit des Dichters **Chagall** mit dem Maler **Chagall** belegen, muss man den Kuratoren der Ausstellung wohl glauben.

Wie es im Kunstmuseum **Pablo Picasso** gute Tradition ist, gibt es im zweiten Stock noch eine kleinere Studioausstellung. Ihr Titel „Der diskrete Charme des Monsieur Tériade – Künstlerbücher und Zeitschriften von Picasso und Kollegen“ ist als Würdigung des Verlegers und Kunstkritikers **Térade** (1897 – 1983) gedacht. Er gab 27 Malerbücher heraus und ihm ist zu verdanken, dass die nach dem frühen Tod des Verlegers Vollard liegengebliebenen „Die toten Seelen“ **Gogols** 1948 und „Die Bibel“ 1956 in der Edition Tériade vollendet werden konnten. Zwischen den 1920er und 1960er Jahren arbeitete der große Netzwerker Tériade mit vielen bedeutenden Pariser Künstlern zusammen: Von **Henri Matisse**, **Pablo Picasso**, **Alberto Giacometti** und anderen zeigt die Sonderausstellung über 70 Exponate, von denen die gegenständlichen Zeichnungen **Giacomettis**, die seinen Weg vom Atelier zu Tériades Büro genau abbilden, am meisten überraschen.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2025/03/Bild-Chagall-3.jpg)

Meret Meyer vor einem Bild Chagalls aus „Cirque“ Foto: Hanns Butterhof

Die Ausstellung „Marc Chagall/Bildsprachen“ im **Kunstmuseum Pablo Picasso Münster** ist überzeugend kuratiert. Sie ist mitreißend im besten Sinne, weil sie nicht überwältigt staunend vor großen Werken still verharren lässt. Vielmehr reißt sie von einer Bild-Idee zur nächsten mit bis zur gültigen Form. **Meret Meyer** würdigt mit ihrer Schenkung auch ausdrücklich dieses Ausstellungs-Format, mit dem ein neuer Blickwinkel auf Chagall erschaffen werde.

Die Ausstellung „Marc Chagall/Bildsprachen“ im Kunstmuseum Pablo Picasso Münster läuft bis 9\. Juni 2025.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr.

Eintrittspreise: Erwachsene 12 €, ermäßigt 10 €, Familienkarte 24 €, Kinder bis 6 Jahre frei, ältere Kinder und Jugendliche 5 €.

 Kontakt: [info@picassomuseum.de](mailto:info@picassomuseum.de)

 Zu der Ausstellung ist im Hirmer-Verlag ein vorbildlicher, reich bebilderter Katalog mit 224 Seiten und klaren Texten zu 197 Abbildungen erschienen.

Preis im Museumsshop: 39,90 €.

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[„Andy Warhol“](https://www.ioco.de/munster-kunstmuseum-pablo-picasso-andy-warhol-druckgrafiken-ioco-austellungen-18-05-2022/) · [„Schwarze Moderne“](https://www.ioco.de/munster-kunstmuseum-pablo-picasso-schwarze-moderne-afrika-und-die-avantgarde-ausstellung-01-02-2022/)

## Lohnt sich der Besuch der Chagall-Ausstellung im Picasso-Museum Münster?

Ja, die überzeugend kuratierte Schau reißt mit, weil sie Chagall als gleichwertigen Wort-Künstler zeigt und den Betrachter beim Entstehen der Bildideen über die Schulter schauen lässt.