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# München, Staatsoper, DIE WALKÜRE – Richard Wagner, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/munchen-staatsoper-die-walkure-richard-wagner-ioco/
- Published: 2026-07-10T16:36:48.000Z
- Updated: 2026-07-10T16:36:48.000Z
- Description: Richard Wagners Die Walküre an der Bayerischen Staatsoper begeistert mit einer hochkarätigen Besetzung und Vladimir Jurowskis inspiriertem Dirigat. Tobias Kratzers moderne Regie überzeugt mit starken Bildern, provoziert aber durch den Kontrast zur archaischen Wagnersprache.
- Author: Hans Günther Melchior
- Tags: Oper & Operette

von Hans-Günter Melchior

**Eingebungen von oben**

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2026/07/Pferde.jpg)

© Videostill aus der Neuinszenierung ****DIE WALKÜRE** durch Regisseur ****Tobias Kratzer** von ****Manuel Braun**, ****Jonas Dahl** und ****Janic Bebi**

Also mal ganz ehrlich und schonungslos: Sprachpurist darf man nicht gerade sein, wenn man diese Wagneroper erlebt (und nicht nur diese). Da ist von seltsam altmodischen, oft missglückten Spracherfindungen die Rede: von *Erkiesen* und *Mißwende* und von *seimig* und *umgleißen* von *Lohe* und *Harst* und dergleichen mehr. Wobei **Tobias Kratzer**, der die Regie führt, gleichzeitig ein Auto auf die Bühne fahren lässt, mit dem der „Unhold“ ***Hunding*** vorfährt, wie ein moderner Routinier und eine ***Walküre*** in einem Flugzeug über München fliegt. Während es unten zumindest sprachlich wuselt wie im missglückten Mittelalter. Das Bodenpersonal wiederum reitet da mittelalterlich hoch zu Ross durch den Englischen Garten, eine Leiche über dem Sattel und erregt gleichsam in einer Art Wiedererkennung (zu was eigentlich?) Beifallsstürme im Publikum. Das alles sind isoliert für sich betrachtet recht gute moderne Einfälle. Die freilich nicht mit einer Sprache zusammenpassen, die weder durchgängig originell, schon gar nicht genial, noch einleuchtend ist. Verzeihung **Richard Wagner**. Verzeihung **Tobias Kratzer**.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2026/07/Die_Walkuere_2026_A.Anger_I.Roberts_J.Baeckstroem_N.Brownlee_c_M.Rittershaus.jpg)

Die Walküre 2026: ****Ain Anger**, ****Irene Roberts**, ****Joachim Baeckström**, ****Nicholas Brownlee** © Monika Rittershaus

 Das soll nicht beckmesserisch klingen, es ist nur zuweilen störend bis zum Lachen reizend. Man hat sich vielleicht auch, als Wagner-Hörer und Bayreuth-Besucher inzwischen längst an die sprachlichen Eigenheiten und Sonderbarkeiten gewöhnt. Sie werden freilich überdeutlich und grenzen ans Lächerliche, wenn sie mit der Moderne konfrontiert werden. ***Hunding***, eindrucksvoll **Ain Anger**, ist einer, der zum Beispiel aus einem schicken Auto steigt, er produziert selbstbewusst und wie ein Gewaltmensch seine Riesengestalt, betritt dann freilich die eher recht einfache Behausung eines bescheiden lebenden Mannes, mehr eine Hütte als ein Wohnhaus. Freilich spielt er recht großspurig den Hausherrn, eröffnet sofort dem ungebetenen Gast ***Siegmund*** –, den musikalisch und darstellerisch makellosen **Joachim Backström** verkörpert –, dass er den aus der Heimat Entflohenen und Verfolgten als Feind betrachtet und ihm lediglich eine Nacht gleichsam Asyl gewährt. Während am Morgen des grauenden Tages die Zeichen auf Kampf und Tod gestellt sind. ***Sieglinde***, ***Hundings*** Noch-Ehefrau, und ***Siegmund*** verlieben sich sofort. Zart, einfühlsam, eindrucksvoll: **Irene Roberts**. Sie schläft mit ***Siegmund***. Aber: Sie sind eng verwandt, Zwillingsgeschwister (Nur nebenbei: Nach § 173 Abs.3 StGB ist dies nur straflos, wenn die Beteiligten unter 18 Jahre alt sind. Ist dieser Einwand beckmesserisch? Na ja. Jedenfalls entspricht er der deutschen Gesetzeslage, im höheren Milieu mag das anders sein).

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2026/07/Die_Walkuere_2026_M.-L.Vaerelae_J.Baeckstroem_I.Roberts_c_M.Rittershaus.jpg)

Die Walküre 2026: ****Miina-Liisa Värelä, Joachim Baeckström**, ****Irene Roberts** © Monika Rittershaus

***Sieglinde*** wird aus der Verbindung mit ***Siegmund*** schwanger. Jetzt kommen die „gestorbenen Unsterblichen“ zu Wort. Als hätte ihnen gerade die Unsterblichkeit im Tod die höhere Macht über die Lebenden verliehen. ***Fricka***, **Ekaterina Gubanova**, die Gemahlin ***Wotans***, den **Nicholas Brownlee** machtvoll verkörpert, erhebt Einwände. Mehr noch: Sie prangert den Ehebruch ***Sieglindes*** an. Der Konflikt zwischen ***Fricka*** und dem hin und her laborierenden, in seiner Entscheidung schwankenden Gemahl, tritt offen zutage. ***Fricka*** fordert die Bestrafung der Frevler. Genauer: Den Tod ***Siegmunds***. Während ***Wotan*** zunächst eher milde gestimmt ist, muss er aber dem Drängen seiner Gemahlin nachgeben. So ist der Tod ***Siegmunds*** faktisch beschlossen. Einzig die ebenso heldenhafte wie letztlich machtlose ***Brünnhilde***, **Miina-Liisa Värelä**, will ***Siegmund*** retten. Da greift ***Wotan***, der gegenüber seiner Gemahlin im Wort steht, ein. Er zerschlägt das Schwert Nothung, das ***Siegmund*** aus der Weltesche gezogen und das ihm faktisch Unbesiegbarkeit verliehen hatte. Der wehrlose ***Siegmund*** wird getötet. Es sieht so aus, als empfange er den endgültigen Todesstoß nicht von ***Hunding***, sondern von ***Wotan***, um der Forderung ***Frickas*** Genüge zu tun, damit der Streit ein Ende findet. ***Brünnhilde*** hingegen muss sich gegenüber ***Wotan*** für ihren Versuch, ***Siegmund*** zu retten, rechtfertigen. Der Konflikt ist offen, eher abstrakt, eine rationale Entscheidung, die sich als Rechtsspruch, Urteil, eher tarnt als mit Gründen emotional untermauert werden kann. ***Wotan*** ist eine in sich zerrissene, zwiespältige Natur. Herrscher und Zauderer zugleich. Opportunist. So einen kann man als Regierenden nicht brauchen. Im Grunde seines Herzens steht er auf der Seite seiner Tochter ***Brünnhilde***, glaubt aber, die Gesetzeslage und der Konflikt mit ***Fricka*** hätten ihn zu der Entscheidung gezwungen. Von Regierenden erwartet man indessen Charakter. ***Sieglinde*** ist indessen verzweifelt. Sie will sterben. Die von ***Brünnhilde*** prophezeite Geburt eines Kindes, dessen Vater ***Siegmund*** ist, hält sie am Leben. Sie wird die Mutter eines bedeutenden Sohnes werden. Davon freilich später. ***Wotan*** ist freilich wütend, weil ihm ***Brünnhilde*** zuwidergehandelt hat und ***Siegmund*** retten wollte. In einem schier endlosen Streit, der sich auch auf die übrigen ***Walküren*** ausdehnt, beharrt ***Wotan*** auf einer schweren Bestrafung ***Brünnhildes***. 

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2026/07/Die_Walkuere_2026_N.Brownlee_c_M.Rittershaus.jpg)

Die Walküre 2026: ****Nicholas Brownlee** © Monika Rittershaus

Die Rechtfertigungsversuche der Tochter weist er zurück – im Grunde, wie erwähnt, schweren Herzens, da er mit dem Herzen auf ***Brünnhildes*** Seite steht, ihr recht gibt. Letztlich ist er zu einem Kompromiss bereit: ***Brünnhilde*** wird in einen langen Schlaf versetzt. Ein Feuer umgibt ihre Schlafstatt schützend. Nur ein ihr ebenbürtiger Held kann sie retten. ***Loge*** legt das Feuer. Das dramatische Geschehen wird getragen von der eindrucksvollen Leistung des hervorragenden, bis in die Nuancen mitreißenden **Orchesters** unter der genialen Leitung seines Chefdirigenten **Vladimir Jurowski**. Sein Dirigat dringt geradezu mit äußerster Verständnisinnigkeit und Sensibilität in die seelischen Feinheiten der Partitur. Wobei ihm das hervorragende **Orchester** bis in die letzten Nuancen folgt. Trotz einiger Widersprüche der Inszenierung, wobei vor allem den Verfasser dieser Rezension die Diskrepanz zwischen antiquierter Sprache und modernem Anspruch störte, eine insgesamt erhebende, höchst bemerkenswerte Aufführung.

## [**Infos und Karten: Link hier**](https://www.staatsoper.de/stuecke/die-walkuere?ref=ioco.de)