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# München, Prinzregententheater, Pelléas et Mélisande - Claude Debussy, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/munchen-prinzregententheater-pelleas-et-melisande-claude-debussy-ioco-2/
- Published: 2024-09-06T11:26:00.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:50:06.000Z
- Description: Die Opernpremiere der Münchner Opernfestspiele von Pelléas et Mélisande von Claude Debussy präsentiert zeitgenössische Oper und ein Meisterwerk des musikalischen Impressionismus ......
- Author: IOCO
- Tags: Oper & Operette, Operette, Kritiken, München

Pelléas et Mélisande von Claude Debussy, Prinzregententheater, München, 9\. Juli.

Die Tradition der **Münchner Opernfestspiele** reicht bis in das Jahr 1875 zurück, als zum ersten Mal ein „*Festlicher Sommer*“ veranstaltet wurde. Diese Tradition wird auch unter der Intendanz von **Serge Dorny** fortgeführt. Die **Münchner Opernfestspiele 2024** zeigen die Neuproduktionen der Spielzeit, die sich auf den Leitgedanken „*Ein Brunnen, der in den Himmel schaut*“ berufen. Die zwei Opernpremieren der **Münchner Opernfestspiele, *Le Grand Macabre*** von **György Ligeti** und **Pelléas et Mélisande** von **Claude Debussy,** präsentieren zeitgenössische Oper und ein Meisterwerk des musikalischen Impressionismus.

von **Getong Feng / IOCO**

Am 9\. Juli fand mit **Pelléas et Mélisande** die letzte Premiere und das Highlight dieser **MÜNCHNER OPERFESTSPIELE 2024** im **Prinzregententheater** statt. Regie führte die niederländische Regisseurin **Jetske Mijnssen**, womit sie erstmals eine Produktion an der **Bayerischen Staatsoper** vorstellte. Der musikalische Leiter **Hannu Lintu**, Chefdirigent der **Finnischen Nationaloper** in Helsinki und des **Orquestra Gulbenkian** in Lissabon, debütierte mit dieser Inszenierung ebenfalls an der **Bayerischen Staatsoper**.

***Pelléas et Mélisande** \- Trailer youtube Bayerische Staatsoper

**Pelléas et Mélisande** – Uraufführung am 30\. April 1902 an der **Pariser Opéra comique** – stellt ein Meisterwerk des musikalischen Impressionismus dar. Der Komponist, **Claude Debussy,** gab ihr die Gattungsbezeichnung „*Drame lyrique“.* Das französischsprachige Libretto folgt dem gleichnamigen Schauspiel von **Maurice Maeterlinck** (1893).

Die Handlung: ***Pelléas et Mélisande*** ist eine tragisch endende, märchenhafte Dreiecksgeschichte um die Halbbrüder ***Golaud*** und ***Pelléas*** und die von beiden geliebte, geheimnisvolle ***Mélisande***. ***Prinz Golaud*** hat sich im Wald in der Einsamkeit verirrt und trifft auf die weinende ***Mélisande.*** Er heiratet ***Mélisande*** und kommt mit ihr zusammen nach Hause zurück. Dort lernt ***Mélisande*** den Halbbruder von ***Golaud, Pelléas,*** kennen. ***Pelléas*** und ***Mélisande*** verlieben sich. Beim verabredeten Treffen küssen sie sich, ***Golaud*** hält sich in der Nähe versteckt und sticht ***Pelléas*** nieder. In der Schlussszene hat ***Mélisande*** eine Tochter geboren. ***Golaud*** will die Wahrheit über ihre Beziehung zu ***Pelléas*** erfahren. Doch sie weiß nichts mehr von den Geschehnissen und stirbt.

**Das bürgerliche Leben der Zeit 1902 als Bühne**

***Pelléas et Mélisande*** ist eine Tragödie der Innerlichkeit, rätselhaft, morbid, tieftraurig und voller Schönheit. Die äußere Handlung ist für **Maurice** **Maeterlinck** nicht Kern des Dramas, vielmehr versucht er tiefer in das menschliche Bewusstsein hinabzusteigen. **Mijnssen** greift in ihrer Neuinterpretation des Stücks diesen Kern auf, um die Handlung von ***Pelléas et Mélisande*** in die Zeit der Uraufführung der Oper 1902 zu verlegen. Eine bürgerliche Umgebung tritt an die Stelle typischer Märchenorte aus einer märchenhaft-unkonkreten Vergangenheit. Jenes bürgerliche Leben ist für die Regisseurin eine verklemmte Welt mit strengen Regeln und hochgeschlossenen Kleidern. Deshalb tragen alle Protagonisten konservative Kostüme in den kühlen Farben Schwarz, Weiß, Grau, Dunkelblau und Dunkelgrün, die vor dem schwarzen Hintergrund zusammen mit dem schwachen Kerzenlicht in den meisten minimalistischen Szenen eine geheimnisvolle Atmosphäre schaffen – ermöglicht durch die tolle Zusammenarbeit des Kostüm- und Bühnenbildner **Ben Baur** mit dem Lichttechniker **Bernd Purkrabek**. Eine solche Bühne muss an viele Gemälde von Caravaggio erinnern. Der fast vollständig dunkle Hintergrund trägt zur Spannung des Dramas bei, indem er die Aufmerksamkeit auf die Protagonisten lenkt.

Nicht nur die äußerlichen Kostüme und Bühnenbilder, sondern auch die zarten und feinen Gefühle der Protagonisten werden sorgfältig an die bürgerliche Welt um 1900 angepasst. ***Mélisande*** und ***Golaud*** treffen sich bei **Maeterlinck** verirrt und einsam im Wald. **Mijnssen** versucht, diese Waldeinsamkeit in eine soziale Situation zu übersetzen. ***Mélisande*** und ***Golaud*** kommen auf ein großes Fest. Alle Gäste tanzen und plaudern, aber die beiden stehen allein herum und nehmen nicht an der Fröhlichkeit teil. In dieser Situation finden die beiden Einsamen zueinander. Obwohl alle Szenen in Innenräumen spielen, ist die Natur auch in dieser Inszenierung wie bei **Maeterlinck** ein wichtiges Element, das als Symbol für die Innenwelt der Figuren fungiert.

****Hannu Lintu** über die Musik der ***Pelléas et Mélisande**

**Symbolismus: Wasser als Vorboten des Schicksals**

Bei **Maeterlinck** erscheinen Landschaftselemente als Vorboten des Schicksals. In **Pelléas et Mélisande** spielt das Wasser eine besonders große Rolle, es wird als geheimnisvoll und unendlich dargestellt. Ein wichtiges der Wassermotive ist die Quelle der Blinden. ***Mélisandes*** Ring geht dort verloren, und am selben Brunnen fällt ***Pelléas*** durch ***Golauds*** Schwert. ***Mélisande*** möchte den Grund des Wassers sehen, aber das Wasser ist so tief wie das Meer, so rätselhaft wie ***Mélisande.***

In dieser Inszenierung behält die Regisseurin das Element Wasser als roten Faden bei. Man kann anhand von ***Pelléas’*** und ***Mélisande***s immer intensiveren und gefährlicheren Interaktionen mit dem an der Front der Bühne verlaufenden wassergefüllten Kanal deutlich erkennen, dass ihre Liebe zueinander im Verlauf der Handlung tiefer wird und sie schließlich in den Abgrund reißt. ***Pelléas*** warnt Mélisande im ersten Akt, dass sie Vorsicht beim Spiel mit dem Wasser walten lassen soll. Er selbst berührt das Wasser nicht. Im dritten Akt zieht ***Pelléas*** die Schuhe aus und spielt vorsichtig barfuß im Wasser. Am Ende des vierten Aktes, als ***Mélisande*** gesteht, ***Pelléas*** schon immer geliebt zu haben, spielen ***Pelléas*** und Mélisande mit nassen Schuhen glücklich zusammen im Wasser. ***Mélisande*** hält das Wasser in ihren Händen, wäscht ihren Hals und macht ihr Kleid nass. Die beiden feiern im Wasser und vergessen die Gefahr der verbotenen Liebe. Für einen kurzen Augenblick der Geschichte ist ***Mélisande*** endlich glücklich. Im fünften Akt stehen alle Protagonisten im Wasser, mehrere Kanäle durchziehen nunmehr die Bühne, Mélisande ist im Begriff zu sterben, die Liebe bleibt auf immer tief und rätselhaft wie das Wasser.

**Wir bleiben ein Rätsel**

Am Ende sagt ***Pelléas’*** Großvater Arkel über **Mélisande:** *„Sie war so ein kleines Wesen, so ruhig, so schüchtern, so still. Sie war ein armes kleines Wesen voller Rätsel, wie alle Menschen“.* Das ist für **Mijnssen** der Kern dieser Oper: Wir bleiben den anderen und sogar uns selbst ein Rätsel. Golaud versucht von Anfang an, die Wahrheit zu entdecken. Er möchte wissen, wie alt **Mélisande** ist, aber bekommt nur die unverständliche Antwort: *„Mir wird kalt.*“ Er schreit hysterisch am Ende des Stücks, als **Mélisande** im Sterbebett liegt: *„Schnell! Schnell! Die Wahrheit! Die Wahrheit!“* Aber, gibt es eine Wahrheit über ***Mélisande***? Gibt es eine Wahrheit über die Liebe und das Leben?

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2024/08/csm_Pelleas_et_Melisande_2024_S.Devieilhe_B.Bliss_S.Koch_C.Gerhaher_F-J.Selig_Wilfried_Hoesl_01_bbcba6ce32.jpg)

***Pélleas et Mélisane** hier Ensemble - Szenefoto @ W Hoesl

**Starke Besetzung**

Mit kristalliner Anmut sang **Sabine Devieilhe** als **Mélisande** die Arie *Mes longs cheveux descendent* („*Mein langes Haar fällt tief“*), das Publikum musste bei ihrem reinen Sopran den Atem anhalten. Gleichsam als Kommentar auf ihrer exzellenten Gesangstechnik erklangen die von **Ben Bliss** als **Pelléas** mit heller, leichtfüßiger Stimme vorgetragenen poetischen Worte: *„Was tust du da am Fenster und singst wie ein Vogel, der nicht von hier ist?*“ **Christian Gerhahers** Stimme gelang es, die breite Palette von ***Golauds*** Emotionen auszudrücken: zwischen Eifersucht, Wut und Verzweiflung. **Franz-Josef Selig**, dem Wagnerbass, glückte als Arkel das Charakterporträt des Familienoberhauptes. **Felix Hofbauer**, Solist des Tölzer Knabenchors als ***Yniold,*** stellte mit tadellosem Schauspiel das in den Mustern dieser Familie feststeckende Kind dar, das gesamte Publikum spendete ihm großen Beifall. **Hannu Lintu** im Graben mit dem **Bayerischen Staatsorchester** ließ die intensiven Emotionen und das vielschichtige Seelenleben der Protagonisten mit Genauigkeit hervortreten.

## [**BAYERISCHE STAATSOPER - Spielpan 2024/25 - alle Termine, Karten - link HIER**](https://www.staatsoper.de/spielzeit-2024-25/repertoire-2024-25?ref=ioco.de)

### Mehr bei IOCO

[„Pelléas et Mélisande“ in Mannheim](https://www.ioco.de/mannheim-nationaltheater-mannheim-premiere-pelleas-et-melisande-25-05-2019/) · [„Mélodies de Verlaine“, Mélodies de Verlaine - Debussy](https://www.ioco.de/melodies-de-verlaine-debussy-faure-hahn-ioco-cd-rezension-26-11-2021/) · [„Théatre des Champs-Elysées; Pelléas et Mélisande“, Paris](https://www.ioco.de/paris-theatre-des-champs-elysees-pelleas-et-melisande-claude-debussy-ioco-kritik-20-10-2021/)

## Wie überzeugt die Lichtgestaltung und Bühnenästhetik der Inszenierung von Jetske Mijnssen?

Die Zusammenarbeit von Bühnenbildner Ben Baur und Lichttechniker Bernd Purkrabek schafft mit Kerzenlicht und dunklem Hintergrund eine geheimnisvolle, an Caravaggio erinnernde Atmosphäre, die die Aufmerksamkeit auf die Protagonisten lenkt.