> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://www.ioco.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# München, Bayerische Staatsoper, DIE NACHT VOR WEIHNACHTEN - Nikolai Rimski-Korsakow, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/munchen-bayerische-staatsoper-die-nacht-vor-weihnachten-nikolai-rimski-korsakow-ioco/
- Published: 2025-11-30T20:30:44.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:49:24.000Z
- Description: Barrie Koskys farbenprächtige Inszenierung von Rimski-Korsakows „Die Nacht vor Weihnachten“ entfaltet ein turbulentes Spiel aus Christlichem und Heidnischem, Liebe und Teufelei – getragen von großartigen Solisten und Jurowskis fulminantem Orchesterklang.
- Author: Hans Günther Melchior
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, München

DIE NACHT VOR WEIHNACHTEN von Nikolai Rimski-Korsakow, Bayerische Staatsoper, München.

von Hans-Günter Melchior

**Dem Glück entkommt man nicht so leicht**

Also das müsste doch mit dem Teufel zugehen, dass der ***Wakula*** die schöne ***Oksana*** nicht bekommt. Er bekommt sie ja auch, keine Bange. Und er bekommt sie sogar mithilfe des Teufels, auf dessen Rücken er zum Zarenhof reitet und sich die Schuhe der Zarin ergattert. Danach reitet oder kommt er, der wackere ***Wakula***, bereits totgesagt und zaghaft betrauert, zurück und sinkt in die Arme der ebenso glücklichen, wie zickigen ***Oksana***, die sich selbst lange für die schönste Frau der Welt hielt und die Wählerische spielte. Wohl für einen Schmied zu gut und zu Höherem geboren dünkelhaft dünkend. Und außerdem hat er die Schuhe dabei, die Schuhe der Zarin, dass es der schönen ***Oksana*** fast schwindelig wird und sie sich darin erinnert, dass sie ja eigentlich den guten ***Wakula*** letztlich doch liebt und nur ein wenig hochgestochen war. Überhaupt –, dass dieser noch lebt und liebt, ist bereits ein Wunder unter vielen, die die Oper zum Märchen machen, halb christlich, halb heidnisch, dass man sich, kennte man den **Gogol** nicht, die Augen reibt und manchmal sogar um Orientierung ringt. Es tritt ja auch noch ein geradezu riesiger Chor auf und Ballerinen zeigen, was sie können. Überhaupt ist das ein lockeres Völkchen, das es mit dem Glauben nicht allzu ernst nimmt. Aber auch mit dem Heidnischen wird allerlei Schabernack getrieben, ***Solocha***, die zwielichtige Mutter des biederen Schmieds ***Wakula***, ist eine Hexe, die es mit dem Teufel hält und daran arbeitet, die Liebe ihres Sohnes zu ***Oksana*** zu hintertreiben, weil sie, wie es heißt, „ein Auge“ auf deren Vater ***Tschub*** geworfen hat und hofft, bei dem schlechten Wetter werde der gute ***Tschub*** zu Hause bleiben und ein Treffen der jungen Leute vereiteln. Aber der ***Tschub*** trifft sich mit dem Freund ***Panas*** zu einer Feier beim Diakon ***Nikiforowitsch***, sodass eigentlich einer Liebesbegegnung zwischen den jungen Leuten nichts im Wege stünde, würde nicht die selbstverliebte ***Oksana*** den in sie vernarrten ***Wakula***, zickig und eitel, wie sie nun mal ist, abweisen. Sie sind also zusammen und auch wieder nicht, Schönheit hat bei dieser Frau ihren Preis, den der gute ***Wakula*** noch nicht zu zahlen vermag. Erst später kommt er ja an die begehrten Schuhe, nicht zuletzt durch die Hilfe des Teufels, der offenbar auf allen Seiten Dienste leistet.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2025/11/Die_Nacht_vor_Weihnachten_2025_D.Ulyanov_M.Siljanov_c_G.Schied__2_.jpg)

Dmitry Ulyanov (Tschub), Milan Siljanov (Panas) © Geoffroy Schied

Das geht überhaupt alles wild durcheinander, Christliches mischt sich mit Heidnischem, der Teufel ist eine schwer zu definierende Autorität, keineswegs der wie in streng dem Christentum verpflichteten Stücken der Tölpel, sondern einer, der was zu sagen hat, der mitmischt und bald der Gute und dann wieder der Böse ist. Der sogar fliegen kann, wenn es sein muss und den Rücken dem liebesdurstigen Schmied bietet …, steige auf, das kriegen wir schon. Dazu ein mächtiger Chor, der die in drei Etagen aufgebaute, sehr bunte Bühne füllt. Das alles ist unterhaltsam und manchmal ritzte es ganz am Rand sogar einen gewissen Ernst, im Wesentlichen überwog allerdings die Unterhaltung. Schwer verständlich ist allerdings, was die Ballerinen inhaltlich zum Stück beitragen sollten, so perfekt auch ihre Aufführung war. Vielleicht hat der in München wohlbekannte Regisseur **Barrie Kosky** sich gedacht, es sei noch nicht genug der Unterhaltung, nicht genug an dieser Mischung aus Religion und Heidnischem, sodass die sechs Damen noch steigen sollten, was das Theater so alles zu bieten hat. Zweifellos war ihre Aufführung schön anzusehen, perfekt, insofern kein Einwand, nur eben gab sie inhaltlich keinen plausiblen Anhaltspunkt, es sei denn, es sollte gezeigt werden, dass es außer der menschlich-allzu menschlichen Liebesgeschichte überhaupt keinen festen inhaltlichen Boden in der Posse gibt. Nun ja – zugegeben; immerhin konnte man die Welt als einziges Panoptikum, als ein zwischen Fantasie und Wirklichkeit changierendes Reich von Verrücktheiten erkennen. Gut, bleiben wir dabei, unterhaltsam war es auf jeden Fall. Und weil das so war und zum Dank verpflichtet, seien die wichtigsten Protagonisten erwähnt: Herrlich die ***Zarin***, **Violeta Urmana**, stimmgewaltig und eindrucksvoll, herausragend **Elena Tsallagova** als ***Oksana*** und ihr zur Seite **Sergey Skorokhodov** als ***Wakula***, herrlich auch der **Dorfvorsteher** **Sergei Leiferkus** und der verschlagene ***Tschub*** **Dmitry Ulyanov**. Und nicht zu vergessen, der ***Diakon*** **Vsevolod Grivnow** und der verschlagene ***Teufel*** **Tansel Akzeybek**.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2025/11/Die_Nacht_vor_Weihnachten_2025_T.Akzeybek_E.Semenchuk_c_G.Schied__7_.jpg)

Tansel Akzeybek (Der Teufel), Ekaterina Semenchuk (Solocha) © Geoffroy Schied

Die Krone des Abends gehört freilich dem Dirigenten **Vladimir Jurowski** und seinem Orchester. Sie haben uns Zuhörern endlich die herrliche, so gut wie bisher unbekannte oder nicht gebührend anerkannte, hochdifferenzierte Musik **Nikolai Rimski-Korsakovs** zu Gehör gebracht. Filigran und nuanciert bis in die Details der Handlung, diese nachzeichnenda<ndlung, diese nachzeichnend. Dramatisch und bisweilen in die Seelenwinkel schleichend. Eine Schande, diese Musik so lange versäumt zu haben. Danke.  
Einhelliger Beifall

## [**Infos und Karten: Link hier**](https://www.staatsoper.de/stuecke/die-nacht-vor-weihnachten?ref=ioco.de)

### Mehr bei IOCO

[„Die Nacht Vor Weihnachten“ in Frankfurt](https://www.ioco.de/frankfurt-oper-frankfurt-die-nacht-vor-weihnachten-nikolai-rimski-korsakow-ioco-kritik-18-12-2021/) · [„Die Liebe der Danae“](https://www.ioco.de/munchen-bayerische-staatsoper-die-liebe-der-danae-richard-strauss-ioco/) · [„Le Grand Macabre“](https://www.ioco.de/munchen-bayerische-staatsoper-le-grand-macabre-gyorgy-ligeti-ioco/)

## Wer überzeugt an diesem Abend am meisten?

Die Krone des Abends gehört Dirigent Vladimir Jurowski und seinem Orchester, die Rimski-Korsakows lange versäumte, hochdifferenzierte Musik filigran und nuanciert zu Gehör brachten.