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# München, Bayerische Staatsoper, DAS RHEINGOLD – Richard Wagner, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/munchen-bayerische-staatsoper-das-rheingold-richard-wagner-ioco/
- Published: 2024-11-15T17:57:00.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:49:21.000Z
- Description: Tobias Kratzer hat die Burg durch einen christlichen Altar ersetzt. Wotan ist indessen alles andere als ein moralisches, gar christliches Vorbild.
- Author: Hans Günther Melchior
- Tags: Kritiken, Oper & Operette, München

Das Rheingold von Richard Wagner, Bayerische Staatsoper, München.

von Hans-Günter Melchior

**Das Rheingold**

„Gott ist tot“

Da hat er aber verdammt recht, der Regisseur **Tobias Kratzer**. Wenn er nämlich dieses Plakat an den linken Rand der Bühne heftet, das den Tod Gottes verkündet.

Es gibt freilich längst einen anderen Gott oder sagen wir: einen gottähnlichen Gottersatz, um niemanden in seinen religiösen und grundgesetzlich geschützten Rechten zu verletzen. Es ist zwar kein so heiliger und unanfechtbar guter wie der religiöse oder genauer: wie dieser gedacht ist, dafür jedoch einer, der nicht minder ergriffen verehrt wird: Den Mammon nämlich, das Geld also und nochmal das Geld. Um dessentwillen Kriege geführt werden, wo an den Gräbern der sogenannten „Gefallenen“ (als wären sie nur mal eben hingefallen und nicht grausam erschossen worden) wieder der andere, der ursprünglich gemeinte Gott, beschworen und um Gnade angefleht wird. Jener Gott, der zumindest jenem unfrommen Mammon, um dessentwillen der mit Gebeten ins Jenseits beförderte Tote sein Leben einbüßte, abhold ist.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2024/11/Das_Rheingold_2024_Altar_--Wilfried-H-sl.jpg)

Das Rheingold 2024 - Altar © Wilfried Hösl

Genug. Die Mammon-Geschichte, die **Wagner** – mit berückender, zum Teil überwältigender Musik – ausgestattet hat, ist im Grunde so schnell erzählt, wie sie andererseits so gut wie nie endet. ***Alberich***, ein eher unglücklich gebauter, zwerghafter Typ, will sich, geil, wie er nunmal ist, an die wunderschönen Rheintöchter ***Woglinde***, ***Wellgunde*** und ***Floßhilde*** heranmachen. Er blitzt natürlich bei ihnen, die wohl Besseres gewöhnt sind, ab. Daraufhin verzichtet er auf ein Liebesabenteuer (er schwört, wie es heißt, der Liebe ab, „entsagt ihr“) und qualifiziert sich damit zum Erwerber anderer weltlicher Güter, nämlich des Goldes, das auf dem Grund des Rheins gehortet wird. Er klaut das Gold und zieht sich in sein unterirdisches Reich zurück. Mit dem Gold beabsichtigt er, unermessliche Macht zu gewinnen.

Unterdessen hat sich der Gott ***Wotan*** von den Riesen ***Fasolt*** und ***Fafner*** hoch auf einem Berg eine Burg bauen lassen. Als Entgelt hat er ihnen ***Freia***, die Schwester seiner Frau ***Fricka*** versprochen. ***Freia*** wird von den Riesen als Pfand übernommen. Sie ist für den Anbau der goldenen Äpfel zuständig, deren Genuss den Göttern ewige Jugend verspricht. Seit ***Freia*** nicht mehr unter ihnen weilt, altern sie.

***Loge***, ***Wotans*** listiger Berater und Halbgott (was ihn ein wenig exkulpiert, Betrug und Diebstahl sind menschliche Verhaltensweisen), kommt auf die Idee, den Riesen die göttliche ***Freia*** abzukaufen: Mit dem Gold, das ***Alberich*** in seinem unterirdischen Reich hortet. Der Schmied ***Mime***, ***Alberichs*** Bruder, bearbeitet es. Er stellt einen sogenannten Tarnhelm her, mit dem man sich jede gewünschte Gestalt verleihen kann. Ferner hat er aus dem Gold einen Ring (Reif) geschmiedet, der demjenigen, der ihn besitzt, die Macht über die gesamte Welt, insbesondere über die Reichtümer des Erdballs, verschaffen kann.

***Loge*** schlägt ***Wotan*** vor, dem ***Alberich*** das Gold abzunehmen. Sie suchen ***Alberich*** auf, ***Loge*** überlistet ihn, indem er ihn veranlasst, sich in eine Kröte zu verwandeln. Diese nehmen ***Loge*** und ***Wotan*** gefangen.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2024/11/Das_Rheingold_2024_M.Brueck_S.Panikkar_c_W.Hoesl.jpeg)

Das\_Rheingold 2024 - Sean Panikkar (Loge), Markus Brück (Alberich) © Wilfried Hösl

Mit dem Gold wollen sich die Riesen, überredet, schließlich zufriedengeben und ***Freia*** freilassen. ***Freia*** soll mit dem Gold vollkommen zugestellt, also hinter dem Gold verborgen werden. Als noch eine Lücke bleibt, aus der ***Freias*** Auge zu sehen ist, muss ***Wotan*** auch den Ring opfern, um die Lücke zu füllen. ***Wotan*** zögert. Er will vor allem den Ring behalten. Bis die aus dem Erdinneren auftauchende ***Erda*** ihm dazu dringend rät, auch auf den Ring zu verzichten. Sie warnt gerade vor der Machtfülle, die der Ring verschafft. Die Riesen ***Fafner*** und ***Fasolt*** geraten um den neuen Reichtum in Streit. ***Fafner*** erschießt den Bruder ***Fasolt***. Die Götter ziehen in die Burg ein.

**Tobias Kratzer** hat die Burg durch einen christlichen Altar ersetzt. Man kann das mit Spott aufnehmen oder besser: einfach kommentarlos hinnehmen. ***Wotan*** (hervorragend **Nicholas Brownlee**) ist indessen alles andere als ein moralisches, gar christliches Vorbild. Ein unter die bösen, moralisch verkommenen Menschen gefallener Gott. Er nimmt das von ***Alberich*** (mitleiderregend gut: **Markus Brück**) gestohlene Gold dem Dieb ***Alberich*** weg und verfügt darüber (strafrechtlich wohl Hehlerei, § 259 StGB, Ansichbringen gestohlenen Gutes). Dabei folgt er dem Rat ***Loges*** (brillant **Sean Panikkar**). ***Wotan***, der dem Gold verfallene Götterchef lügt und betrügt. Er überlistet ***Alberich*** nicht um einer göttlichen Wahrheit willen, sondern aus Eigennutz.

*(Während *Kratzer* den *Alberich* gleichzeitig und nebenbei einmal mehr demütigt, indem er ihn nicht nur fesselt, sondern nackt herumlaufen lässt. Pinkelt er gar über den Tisch? Das war nicht so genau zu sehen).*

Also von einem gütigen Gott keine Spur. Ein Beispiel für Geldgier, politische Taktik und Lüge. Wollte also **Kratzer** mit dem Altar als Burg-Ersatz etwa zeigen, dass die christliche Moral heutzutage auch nicht mehr das ist, als was sie einmal gedacht war? Dass das wahre „Heilige“ unserer Zeit das Geld (Gold) ist? Und der christliche Altar allenfalls nur noch eine Art Attrappe einer faktisch untergegangenen Welt?

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2024/11/Das_Rheingold_2024_N.Brownlee_E.Gubanova_M.Mesak_c_W.Hoesl.jpeg)

Das Rheingold 2024 - Nicholas Brownlee (Wotan), Ekaterina Gubanova (Fricka), Mirjam Mesak (Freia) © Wilfried Hösl

Einverstanden. Einleuchtend. Da hätte gerade die hervorragende ***Fricka*** (**Ekaterina Gubanova**) noch einmal recht bekommen, wenn sie ihrem Ehemann die Solidarität verweigerte. Und nicht zuletzt die eindrucksvolle, dunkle ***Erda*** (der **Wiebke Lehmkuhl**) mit ihrer Anmahnung der Moral und der Warnung vor den Folgen der Missachtung der Lauterkeit.

Ja – und die Riesen. Täppisch und mit in der Tiefe ruhendem Bass (***Fasolt***: **Matthias Blink**, ***Fafner***: **Timo Riihonen**). Dass der ***Fasolt*** den ***Fafner*** mit so einer Art Maschinengewehr erledigte, war – na ja – eher so eine Art zwanghafter Modernisierung. Einleuchtender wäre es, dass der Bruder den Bruder erschlug. Die biblische Assoziation braucht es hier dann doch, wenn schon ein Altar dafür herhalten muss, die christliche Verbindung bzw. deren faktische Verleugnung, wenn auch nur im Hintergrund, zu verdeutlichen.

Und dann der Rhein. Wo war der Fluss, von dem doch die Rede ist? Dessen Fluten mit dem musikalischen Anfang assoziiert werden? **Kratzers** Trockenkurs. Egal. Man hat es auch so verstanden.

Beim engagiert und mit großer Einfühlsamkeit und Routine von **Vladimir Jurowski** geleiteten Orchester rennt man mit dem Lob ohnehin offene Türen ein. Überhaupt war die musikalische, insbesondere auch die sängerische Darbietung das eigentliche Ereignis des Abends.

Zu Recht deshalb begeisterter und lautstarker Beifall. Wann folgt der gesamte Ring?

[**Infos und Tickets: Link hier**](https://www.staatsoper.de/kartenkauf?ref=ioco.de)

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[„Das Rheingold“ in München](https://www.ioco.de/munchen-staatsoper-das-rheingold-r-wagner-ioco/) · [„Das Rheingold“ in Salzburg](https://www.ioco.de/salzburg-osterfestspiele-das-rheingold-richard-wagner-ioco/) · [„Das Rheingold“ in Bayreuth](https://www.ioco.de/bayreuth-bayreuther-festspiele-das-rheingold-richard-wagner-ioco/)

## Wie überzeugt Nicholas Brownlee als Wotan in dieser Inszenierung?

Brownlee gibt einen hervorragenden Wotan, der als unter die verkommenen Menschen gefallener, dem Gold verfallener Götterchef lügt und aus Eigennutz betrügt.