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# Muenster, Theater Münster, DAS SCHLAUE FÜCHSLEIN - Leoš Janáček, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/muenster-theater-munster-das-schlaue-fuchslein-leos-janacek-ioco/
- Published: 2025-04-17T15:03:27.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:49:20.000Z
- Author: Hanns Butterhof
- Tags: Oper & Operette, Kritiken

Das schlaue Füchslein von Leoš Janáček, Theater Münster, Münster.

## Das gute Leben – ein Traum

In Münster gibt **Leoš Janáčeks** Oper „**Das schlaue Füchslein**“ Rätsel auf

Von Hanns Butterhof

**Leoš Janáčeks** späte Oper „**Das schlaue Füchslein**“ gilt als seine einverständige Huldigung an die allumfassende Natur, an das Leben und den Tod. Am Großen Haus des Theaters Münster hat Regisseurin **Magdalena Fuchsberger** skeptisch die Position **Janáčeks** in Frage gestellt und „**Das schlaue Füchslein**“ als Traum der Hauptfigur, einem ***Förster***, inszeniert. Aber selbst wer im Programmheft den Abriss der Handlung gelesen hat, hat es nicht leicht, diese auf der Bühne wiederzuerkennen. Die Oper beginnt durchaus überraschend als Albtraum. Der wohl alte, vielleicht im Sterben liegende ***Förster*** (**Gregor Dalal**) liegt in seinem Bett, umringt von weißbekitteltem medizinischem oder pflegerischem Personal. Dessen Umgang mit dem Patienten ist wenig pfleglich. Wie ein Vampir beißt ihn eine Pflegekraft in den Hals, rüde und anscheinend erfolglos wird er reanimiert. Das Personal des Grauens verschwindet erst mit dem Erscheinen eines großen ***Fuchses***, der den ***Förster*** in den Wald lockt; sein Albtraum wandelt sich in einen lichten Traum.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2025/04/Bild-F-chslein-1.jpg)

Der Förster geht mit dem Füchslein in den Wald (Gregor Dalal und Adriana Kučerová, Foto: Bettina Stöß, 

Als Traum kann Regisseurin **Magdalena Fuchsberger** die märchenhafte Geschichte vom **schlauen Füchslein** erzählen. Dramaturgisch zwanglos kann sie sich dabei auf die Ur-Erzählung als Comic von **Rudolf Tĕsnohlídek (**Text) und **Stanislav Lolek** (Bilder) beziehen, in dem Tiere sich wie Menschen und Menschen wie Tiere verhalten und die einen das innere Geschehen der anderen spiegeln. Die viel bemühte Drehbühne von **Dorothee Curio** mit ihren drei Spielorten Wald, Wohnzimmer der Försterei und Lokal ermöglicht nicht nur einen raschen Szenenwechsel und hebt traumgemäß die strenge Ordnung von Raum und Zeit auf, sondern deutet obendrein das ständige Umblättern eines Comic-Heftes an.

So kann der ***Förster*** von ***Teryka*** träumen, die er einmal im Wald geliebt hat, und die er nun, **Siegmund Freud** würde sagen unter dem Druck seines Über-Ichs, auf das ***Füchslein*** (**Adriana Kučerová**) verschiebt. Er nimmt es mit zu sich nach Hause, was zur heftigen Empörung seiner ***Frau*** (**Yixuan Zhu**) führt, die den Braten riecht und die ihr vorenthaltene Liebe beklagt. Auch der Chor des Hühnerhaufens begackert aufgeregt, dass der ***Förster*** den Fuchs in den Hühnerstall geholt hat; in der herrlich komischen Szene lassen sich die Hühner, Blondinen in schrillem Fitness-Dress (Kostüme: **Dorothee Curio**) von dem ***Füchslein*** nicht zur Rebellion gegen den nutzlosen ***Hahn*** anstacheln oder von der Freiheit erzählen, die das ***Fuchslein*** dann für sich wählt und in den Wald entflieht.

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Der Fuchs umwirbt das Füchslein ( Wioletta Hebrowska und Adriana Kučerová), Foto: Bettina Stöß

Im Zentrum der Handlung stehen drei Männer mit ihrem falschen Leben. Ihre Schmerzen über das Entkommen des ***Füchsleins*** versuchen ***Förster***, ***Schulmeister*** und ***Priester*** in der Kneipe in reichlich Alkohol zu ertränken. Sie eint ihre ungelebte Liebe zu ***Terynka***, einem Ausbund von Wildheit und Ungebundenheit, die sie nicht loslassen können, allen voran der **Förster** (**Gregor Dalal**). Der ***Schulmeister*** (**Garrie Davislim**) konnte sie sich nicht gefügig machen, und der ***Pfarrer*** (**Kihoon Yoo**) hat sein Verlangen unter dem Druck seiner Moral begraben. Im Rausch erfüllt sich dem ***Schulmeister*** die Hingabe ***Terynkas*** beim Zunicken einer Sonnenblume, während sich der ***Priester*** verkniffen mit altgriechischem Bildungsgut noch einmal moralischen Zuspruch für sein Entsagen spendet.

Derweil findet das ***Füchslein*** das gute Leben im Wald. Es verscheucht den ehrpusseligen ***Dachs*** mit einer sehr obszönen Geste aus dessen Bau und paart sich dann lustvoll mit einem respekt- und liebevollen ***Fuchs*** (**Wioletta Hebrowska**) mit einer Schar kleiner Füchse als Ergebnis.

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Der Förster erkennt sich als Teil der Natur (Gregor Dalal), Foto: Bettina Stöß

Als der **Geflügelhändler Háraschta** (**Johan Hyunbong Choi**) dem ***Förster*** seine Hochzeit mit ***Terynka*** ankündigt, versucht der ***Förster***, das ***Füchslein*** mit einer Falle zu fangen. Das misslingt, und mehr zufällig als gezielt wird das ***Füchslein*** von ***Háraschta*** erschossen.

Während der Hochzeitsfeier von ***Háraschta*** und ***Terynka***, mit der ihm sein Traumbild völlig genommen wird, trollt sich der ***Förster*** in den Wald. Dort zieht er ein Fuchsfell über und findet angesichts eines jungen ***Füchsleins*** zum Einverständnis mit seinem eigenen Leben und Tod. Er erkennt sich hymnisch als Teil der Natur in ihrem Werden, Vergehen und neuem Werden. Als er nach dem ***Füchslein*** greifen möchte, greift er ins Leere. Aus dem 1\. Rang des Theaters bescheidet ihm ein Junge, dass alles schon lange zurückliegt. Sein Traum vom glücklichen Leben ist zu Ende.

So erzählt klingt die Inszenierung **Magdalena Fuchsbergers** plausibler, als sie auf der Bühne erfahren wird. Erst die Rekonstruktion aus dem Schluss löst mit dem Rätsel der Anfangsszene auch manche der Handlung auf. Auch lässt er offen, ob er eine Absage an den Traum des ***Försters*** in dem Sinne bedeutet, dass es kein richtiges Leben im falschen gibt. Oder ob er die Aufforderung enthält, den Traum bei allem Unbehagen in der Kultur im Heute weiterzuträumen.

Die des Tschechischen mächtigen Teile des Publikums werden zu würdigen gewusst haben, dass in der Aufführung die Originalsprache des Librettos verwandt wird. Für sie sind die besonderen Betonungen im Tschechischen und die genaue Beachtung ihrer rhythmischen Konsequenzen in der Partitur voll zu genießen. Für das übrige Publikum besteht selbst nach hundert Jahren für **Janáčeks** Orientierung am Sprechgesang Gewöhnungsbedarf. Zusammen mit dem Verwiesensein auf die Übertitelung hoch über der Bühne fördert das alles nicht die Erfahrung der Oper als ein Ganzes. Projektionen längerer Textstellen aus einem Buch der Autorin **Barbara Zeman**, die **Janáčeks** aussagekräftigen Zwischenmusiken zudecken, sind ein echtes Vergehen gegen die Musik , erstaunlich, dass **GMD Golo Berg** das zugelassen hat.

Der kräftige Schlussbeifall des Premierenpublikums im nicht ganz ausverkauften Haus nach einer erstaunlich kurzen Aufführungsdauer von nur eineinhalb Stunden galt **Adriana Kučerová** als ***Füchslein*** und ihrem **Fuchs-Partner Wioletta Hebrowska**, deren Liebesduett ein Höhepunkt der Auführung war. Er galt zudem **Gregor Dalal**, der mit variablem Bariton seine anstrengende Rolle meisterte, dem von **Rita Storck-Herbst** und **Jörg von Wensierski** einstudierten **Theaterkinderchor Gymnasium Paulinum** sowie dem von **Anton Tremmel** einstudierten **Chor und Extrachor des Theaters**. Vor allem galt er dem **Sinfonieorchester Münster**, das unter dem Dirigat von **Golo Berg** die vielen Farben der Partitur zum Leuchten brachte.

Die nächsten Termine: 17.4., 20.5., 11., 21 und 28.6\. sowie 5.7., jeweils um 19.30 Uhr. Am 27.4\. um 16.00 Uhr.

### Mehr bei IOCO

[„Das Schlaue Füchslein“ in Oldenburg](https://www.ioco.de/oldenburg-oldenburgisches-staatstheater-das-s/) · [„Das Schlaue Füchslein“ in BRNO](https://www.ioco.de/mahen-theater-brno-schlaue-fuechslein-ioco/) · [„Das schlaue Füchslein“ in Bremen](https://www.ioco.de/bremen-theater-bremen-das-schlaue-fuchslein-leos-janacek-ioco-kritik-30-09-2021/)

## Lohnt sich der Abend trotz der rätselhaften Traum-Inszenierung von Magdalena Fuchsberger?

Nur bedingt, denn Fuchsbergers Traumdeutung erschließt sich erst rückblickend vom Schluss her und die Textprojektionen über Janáčeks Zwischenmusiken sind ein echtes Vergehen gegen die Musik.