> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://www.ioco.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# Münster, Theater Münster, MEDEA - TanzTheater - Thomas Noone, IOCO Kritik, 28.11.2019
- URL: https://www.ioco.de/muenster-theater-muenster-medea-tanztheater-thomas-noone-ioco-kritik-28-11-2019/
- Published: 2019-11-28T08:00:07.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:59:57.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Musicalwelten & Bühnenzauber, Premieren, Pressemeldungen & Nachrichten, Kritiken, Premiere, Münster

![theater_muenster_logo_50](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/02/theater_muenster_logo_50.jpg)

[Theater Münster](http://www.theater-muenster.com/?ref=ioco.de)

![Theater Münster © Rüdiger Wölk](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2015/08/theater_muenster_c_oliver_berg_588.jpg)

Theater Münster © Rüdiger Wölk

# ***MEDEA* \- Getanzter Schrecken**

## **Thomas Noone bleibt dem Thema Fremdheit treu**

von **Hanns Butterhof**

Mehrfach hat sich das **TanzTheater Münster** mit der Fremdheit befasst und etwa in ***Unknown Territorries*** oder der ***Winterreise*** intensive Studien dazu gezeigt. Jetzt hat Tanztheater-Chef **Hans Henning Paar** sein Ensemble zum zweiten Mal **Thomas Noone** anvertraut. Der britische Choreograph hat mit seiner eigenen, in Barcelona beheimateten ***ThomasNooneCompany*** bereits 2014 eine ***Medea*** aufgeführt. In einer für Münster überarbeiteten Fassung greift er mit dem Tanzabend ***Medea*** einen europäischen Grund-Mythos der Fremdheit und missglückten Integration tänzerisch beeindruckend wieder auf.

**Medea *\-* TanzTheater in Münster** youtube Trailer des Theater Münster **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Die Bühne des Kleinen Hauses ist leer bis auf eine leicht gebogene Wand, die die Tanzfläche nach hinten abgrenzt. Ihre Beleuchtung, einmal warmes Rotgelb, dann grellkaltes Weiß (Bühne: **Hubertus Reuters,** Lichtdesign: **Peter Lundin**), unterstützt die emotionale Färbung der einzelnen Szenen. Wenn die Wand die Mauern der Stadt Theben bedeutet, dann findet die Handlung sinnigerweise vor ihr statt: **Medea** bleibt eine nie in der europäischen Stadt integrierte Fremde.

Das Stück beginnt nach ***Medeas*** Flucht aus ihrer „barbarischen“ Heimat Kolchis mit dem griechischen Abenteurer **Jason**. Ihm hatte sie aus Liebe geholfen, das ihr als Priesterin anvertraute Stammes-Heiligtum zu rauben, das ***Goldene Vlies.*** Es geht **Noone** mehr um Atmosphäre und Spannung aus den unaufgelösten Gegensätzen vor Theben als darum, die Handlung vollständig zu vertanzen.

**Medea** (**Elizabeth Towles**) tritt, wie alle in düsteres Blaugrau gekleidet (Kostüme: **Marc Udina Duran**), mit entschlossenem Schritt auf. Mit eckigen, exotischen Bewegungen und fliegenden Händen vergegenwärtigt sie sich ihre Situation; die wellenförmig wiederkehrende elektronische Musik Jim Pinchens erzählt von ihrer Erinnerung an die lange Fahrt auf dem Schiff und von Jasons verflossener Liebe.

![ Theater Münster / Medea TanzTheater - hier : Elizabeth Towlles als Medea  kämpft um ihre Kinder © Oliver Berg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/11/foto-medea-2neu.jpg)

Theater Münster / Medea TanzTheater - hier : Elizabeth Towlles als Medea kämpft um ihre Kinder © Oliver Berg

In krassem Gegensatz zu **Medea** zeigen der **König von Theben, Kreon** (**Keelan Whitmore**), und seine Tochter ***Glauke* (Tarah Malaika Pfeiffer**) geschmeidige Eleganz und fließende, kulturell gebändigte Bewegungen.Kreon will den weichen ***Jason* (Leander Veizi**) als Mann für **Glauke.** In einer Art Schattenboxen misst **Kreon** dessen Fähigkeit, seine königlichen Herrschergesten zu imitierten, für Jason eine erfolgreiche Initiation, einst König in Theben zu werden. **Glauke** gibt mit schwächelndem Einknicken ihr Einverständnis zum Plan der Männer. Vor den Augen des hilflosen, sich unisono bewegenden Chors der Korinther (**Fátima López García, Kana Mabuchi, Matteo Mersi, Adrián Plá Cerdán, Charla Tuncdoruk**) beginnt dann der verzweifelte, zu Herzen gehende Kampf Medeas um ihren Mann. **Jason** greift nicht mehr nach ihr, sie muss seine Hände mit letztlich vergeblicher Kraft selber an ihren Körper drücken. Ihr folgendes Ringen mit Jason um die beiden gemeinsamen, in unschuldiges Weiß gekleideten Kinder **(Maria Bayarri Pérez** und **Raffaele Scicchitano**) ist atemberaubend, ein Höhepunkt des Tanzabends. Die Glieder aller Vier verschlingen sich in großer Dynamik und Präzision. Als rotiere ein endloses Band mit nicht nachlassender Kraft, werden die Kinder zwischen den Eltern hin- und hergerissen.

Als **Medea** die Aussichtslosigkeit ihrer Hoffnungen erkennt, tötet sie in getanztem Schrecken alle außer **Jason.** Hier hätte durchaus deutlicher werden können, dass seine Strafe ist, den Tod der Kinder zu überleben, die er Medea hatte entziehen wollen. **Medea** ist ein eindringlicher Beitrag zum Thema Fremdheit und eine tänzerisch beeindruckende Leistung des Ensembles zur anspruchsvollen, viel Dynamik und Athletik fordernden Choreographie von **Thomas Noone.**

**Medea -** TanzTheater am **Theater Münster;** die nächsten Termine: 5., 13., 20.12.2019, jeweils um 19.30 Uhr, am 25.12\. um 18.00 Uhr

\---| Pressemeldung Theater Münster |---