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# Münster, Theater Münster, Caligula - Albert Camus, IOCO Kritik, 11.10.2018
- URL: https://www.ioco.de/muenster-theater-muenster-caligula-albert-camus-ioco-kritik-11-10-2018/
- Published: 2018-10-12T07:00:50.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:49:21.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Puccini, giacomo puccini, Münster

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[Theater Münster](http://www.theater-muenster.com/?ref=ioco.de)

![Theater Muenster © Oliver Berg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/10/theater-muenster-foto-oliver-berg.jpg)

Theater Muenster © Oliver Berg

# ***Caligula*  \- Albert Camus**

**\- Im Dschungelcamp des Kaisers -**

Von **Hanns Butterhof**

**Kaiser Caligula,** der vom Jahr 37 bis 41 das Römische Reich regierte, war ein Tyrann von hohen Graden. Mit dem 1945 uraufgeführten ***Caligula,*** dem ersten Bühnenstück des algerisch-französischen Literatur-Nobelpreisträgers **Albert Camus,** eröffnet das Schauspiel am Theater Münster passend die neue Saison, die Ego-Monstern, Machtmenschen und Tyrannen gewidmet ist.

In ***Caligula*** spielt **Camus** die Frage durch, ob die Möglichkeit, alles infrage zu stellen, die Konventionen und selbst die Vernunft zu verneinen, zur Freiheit und Wahrhaftigkeit im Leben führt.

***Caligula -* Albert Camus Youtube Trailer des Theater Münster \[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Durch den Tod seiner inzestuös geliebten Schwester ist **Caligula** (**Joachim Foerster**) nervlich zerrüttet und in seinem Glauben an die vernünftige Einrichtung der Welt fundamental erschüttert. In seiner unbeschränkten kaiserlichen Freiheit erprobt er an seinem Staatsrat, was von einer Persönlichkeit übrig bleibt, wenn man ihr den stabilisierenden sozialen Rahmen mit all seinen vermeintlichen Selbstverständlichkeiten zertrümmert.

Sein Hof, den Ausstatterin **Žana Bošnjak** wie den Befehlsstand eines Raumschiffs mit zentralem Steuerpult angelegt hat, entwickelt sich zum kaiserlichen Dschungelcamp. Mit der ihn liebenden, bedingungslos getreuen ***Caesonia* (Sandra Schreiber**) irritiert er sein Umfeld mit absurden Anordnungen; er demütigt, vergewaltigt, tötet, und je unterwürfiger sich die beständig von ihm mit dem Tod bedrohten Menschen verhalten, desto mehr verachtet er sie.

**Joachim Foerster** als ***Caligula*** taumelt hochtourig zwischen weinerlicher Desorientierung und kalter Durchführung seiner Ideologie. Ein Gastmahl mit dem genötigten Staatsrat verwandelt er nackt in eine Orgie von lustvollem Sado-Masochismus, nur um die verdrängten animalischen Lüste in seinen Räten aufzudecken.

![Theater Muenster / Caligula von Albert Camus -  hier : Orgie der Gewalt_ Fréderic Brossier, Christian Bo Salle, Sandra Schreiber, Joachim Foerster © Oliver Berg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/10/foto-caligula-1neu.jpg)

Theater Muenster / Caligula von Albert Camus - hier : Orgie der Gewalt\_ Fréderic Brossier, Christian Bo Salle, Sandra Schreiber, Joachim Foerster © Oliver Berg

Seine kalkulierte Willkür verschont niemanden, den alle Erniedrigung erduldenden ***Mucius* (Gerhard Mohr**) ebenso wenig wie ***Lepida* (Sandra Bezler**), die   ***Caligula*** anhimmelt, nachdem er sie die Lust hat erfahren lassen, von ihm vergewaltigt zu werden; selbst vor ***Caesonia*** macht er nicht Halt. Der sensible Dichter ***Scipio* (Frédéric Brossier**) erhängt sich. Dass ***Cherea* (Christian Bo Salle**), der intellektuelle Gegenpart ***Caligulas,*** mit dem Leben davonkommt, erscheint auch als einer der Willkürakte ***Caligulas.***

Das ist mit Dauer-Hochdruck gespielt, wobei oft Lautstärke für Emotionalität und Nacktheit für Authentizität steht. Für differenzierteres Spiel und die Verdeutlichung der verschiedenen inhaltlichen Positionen, vor allem *Chereas* Beharren auf Sinn, bleibt da wenig Raum. Nerlichs Inszenierung stellt ***Caligulas*** konsequent kaiserliche Anarchie mehr lustvoll aus, als dass sie deren fehlgehenden Impuls auf Wahrhaftigkeit ins Zentrum stellte. Damit lenkt sie weitgehend den Blick von der Aktualität des Stücks in einer Welt ab, deren „Rationalität“ eine Katastrophe nach der anderen hervorruft. Die von **Camus** gestellte, wenn auch absurde Aufgabe geht unter, gegen wachsende Empfindungslosigkeit an menschlicher Sinnstiftung zu arbeiten.

Nach 2 Stunden pausenlosen Spiels großer Applaus des Premierenpublikums für alle Beteiligten, v.a. für **Joachim Foerster** als ***Caligula.***

***Caligula*** von **Albert Camus**; die nächsten Termine: 11., 13., 25\. und 26.10.2018

\---| IOCO Kritik Theater Münster |---