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# München,  Staatstheater am Gärtnerplatz, Candide von Leonard Bernstein, IOCO Kritik, 02.01.2016
- URL: https://www.ioco.de/muenchen-staatstheater-am-gaertnerplatz-candide-von-leonard-bernstein-ioco-kritik-02-01-2016/
- Published: 2016-01-04T16:00:16.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:29:36.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Musicalwelten & Bühnenzauber, Kritiken, München

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[Staatstheater am Gärtnerplatz München](http://www.gaertnerplatztheater.de/?ref=ioco.de)

![Staatstheater am Gärtnerplatz © Bernd Eberle](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/02/G%C3%A4rtnerplatz-mit-Blumen-quer.jpg "Staatstheater am Gärtnerplatz © Bernd Eberle")

Staatstheater am Gärtnerplatz © Bernd Eberle

# **Candide** von **Leonard Bernstein** nach **Voltaire**

## **Optimismus trotzt Inquisition, Mord und Folter**

**Leonard Bernsteins** (1918-1990) große Welterfolge fielen ihm nicht über Nacht zu. Acht Jahre, von 1949 bis 1957, brauchte es, um **West Side Story** auf die Bühne zu bringen. Eine kurze Zeit im Vergleich zur Entstehungsgeschichte von **Candide**. 1953 schlug **Lillian Hellmann** **Leonard Bernstein** erstmals vor, aus **Voltaires** 1758 entstandener Satire **Candide* *oder der Optimismus** ein Musical zu komponieren. **Voltaire** geißelt in seinem Roman mit beißend übertriebenem Optimismus, als der besten aller Welten, seine schreckliche reale Welt der Inquisition und anderer Mißstände. Gemeinsam mit **John LaTouche** und **Richard Wilbur** komponiert **Leonard Bernstein** und erstellt ein erstes Libretto.1956 fand die Premiere dieser **Candide**  Urfassung im **Martin Beck Theatre** in New York statt. Bis 1989 wurden jedoch Libretto und Komposition von **Candide** beständig überarbeitet, durch **Leonard Bernstein** und andere. Ein spöttisches Bonmot verlieh deshalb dem Musical den Preis für „*die am häufigsten überarbeitete Show der Theatergeschichte*“.

![Gaertnerplatztheater / Candide-Ensemble © Christian POGO Zach](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/01/gaertnerpaltztheater_candide-ensemble_foto-chrtian-pogo-zach.jpg "Gaertnerplatztheater_Candide-Ensemble © Christian POGO Zach.jpg")

Gaertnerplatztheater / Candide-Ensemble © Christian POGO Zach

In diesem Musical bekommt der gutmütige Mensch**, Candide,** aus einem warmen Nest Westfalens verstoßen, auf 24 Stationen, rund um den Erdball, alle Härten des Lebens zu spüren, in Cádiz, Lissabon, Paris, Buenos Aires, Eldorado, Venedig und anderen Stätten. Alle Ereignisse sind darin miteinander verknüpft. Wäre **Candide** nicht aus Liebe zu eines Barons Töchterlein ***Cunegonde*** aus einem Schloss verstoßen worden, wäre er nicht der Inquisition in die Hände gefallen, wäre er nicht.… Eine Katastrophe jagt die andere; Gauner und Schurken haben freies Spiel. In Westfalen, im herrschaftlichen Schloss, wo alles beginnt, wird eine junge Schar Adliger und **Candide** auf die beste aller Welten vorbereitet. Ihr Lehrer **Pangloss,** **(Alexander Franzen)** lehrt dort seine Schüler, fanatischen, radikalen Optimismus zu leben. Die reale Welt jedoch ist böse. **Candide,** arglos und jung, durchlebt so viele Stationen des Bösen der Welt, doch, wie gelernt, mit unerschütterlichem, festem Optimismus.

![Gaertnerplatztheater / Candide Chor und Ensemble © Thomas Dashuber](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/01/gaertnerplatztheater_candide_chor-und-ensemble_foto-thomas-dashuber.jpg "Gaertnerplatztheater_Candide_Chor und Ensemble © Thomas Dashuber")

Gaertnerplatztheater / Candide Chor und Ensemble © Thomas Dashuber

Regisseur **Adam Cooper**, 1971, ist international gesuchter Choreograph und in München kein Unbekannter. Für das **Gärtnerplatztheater** hatte er in 2015 auch die Uraufführung des Musicals [**Gefährliche Liebschaften** ](https://ioco.de/2015/11/03/muenchen-theater-am-gaertnerplatz-musical-preis-fuer-gefaehrliche-liebschaften-ioco-aktuell-04-11-2015/?ref=ioco.de)choreographiert. Die **Reithalle,** problematische Ausweichspielstädte des **Gärtnerplatztheaters** für **Candide,**  lässt im traditionellen Sinne keine Bühnenbilder zu. So werden in **Candide** alle Stationen der Handlung auf 20 gleich großen Bildern, auf Holztafeln gemalt, an den Wänden seitlich der Bühne angebracht, dargestellt. **Cooper** bringt die rasant wechselnden Schauplätze in atemberaubendem Tempo auf die Bühne. Chor, Tänzer und Ensemble sind darstellerisch permanent gefordert; wie das Publikum, welches der schnelllebigen Handlung folgen muß. Sparsame Utensilien kennzeichnen die einzelnen Stationen und Begebenheiten. **Alfred Mayerhofer** setzt mit den bunten originellen Kostümen optisch gelungene Höhepunkte.

![Gaertnerplatztheater / Candide Ensemble © Thomas Dashuber](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/01/gaertnerplatztheater_candide_ensemble-foto-thomas-dashuber.jpg "Gaertnerplatztheater_Candide_Ensemble © Thomas Dashuber.jpg")

Gaertnerplatztheater / Candide Ensemble © Thomas Dashuber

Das Orchester ist, leider, hinter einem transparenten Gazevorhang platziert, welcher auf einer Weltkarte die abrupt wechselnden Reiseziel ***Candides*** durch einen fliegenden, großen Pfeil anzeigte. Eine hilfreiche Orientierung für die Zuschauer. **Marco Comin** und das Orchester des **Gärtnerplatztheaters** haben es in dieser Inszenierung akustisch schwer. Aber sie spielten mit Freude **Bernsteins** Komposition, waren stets präsent und verwandelten unruhige Rhythmen in packend zündende Klänge.

**Gideon Poppe** füllt die Titelpartie des immer unschuldig bleibenden **Candide** wunderbar mit warmem Tenor und jugendlich naiver Freimütigkeit. Getragen wird das Musical von **Alexander Frantzen,** welcher in vier großen Partien, als *Voltaire,* als *guter Lehrer* *Pangloss,* als *Cacambo* und als *Martin* dem Stück gesanglich wie darstellerisch Charakter und Fluss verleiht. *Cunegonde* hat das Leben hart gebeutelt, die behütete junge Dame wurde zur Kurtisane: Mitreißend singt und spielt **Cornelia Zink** die zahlreichen Facetten dieser Entwicklung. Ihre große Koloraturarie *„Glitter and be gay“* bestand sie mit Bravour und großem Sonderapplaus. ***The Old Lady,* Dagmar Hellberg,** war weiterer amüsanter wie unterhaltsamer Höhepunkt des Abends. Ganz persönliche Erinnerungen seiner jüdisch-polnischer Vergangenheit hat **Bernstein** damit eingearbeitet. Auch **Erwin Belakowitsch** sowie **Juan Carlos Falcon** überzeugen in verschiedenen Rollen.

Der große der **Chor** des **Gärtnerplatztheaters** **(Felix Meybier)** ist zentral für den Erfolg der Inszenierung. Mal als Mönche, mal Soldaten, mal Einwohner Eldorados, mal ... gab der Chor der Welt des Bösen, in der Mord, Vergewaltigungen, Misshandlungen, Folter wetteifern, stimmlich und darstellerisch mitreißende Klangfarben und Gesicht.

Der perfide Weltenbummel endet versöhnlich in Venedig. Ihres Optimismus´ ein wenig beraubt, doch glücklich in der Liebe, werden sich **Candide** und **Cunegonde** dort einig, dass das beste Leben, ihr wahres Glück, im Bestellen des eigenen Gartens liegt.

Das Publikum in der ausverkauften **Reithalle** feierte die schwierige wie einfallsreiche **Candide** Inszenierung, Ensemble, Chor und das meist leider im Hintergrund versteckte Orchester mit anhaltendem Beifall.

***IOCO* / D. Zimmermann /** 30.12.2015

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