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# München, Bayerische Staatsoper, Der Rosenkavalier - Regie Barrie Kosky, IOCO Kritik, 25.03.2022
- URL: https://www.ioco.de/muenchen-bayerische-staatsoper-der-rosenkavalier-regie-barrie-kosky-ioco-kritik-25-03-2021/
- Published: 2022-03-25T13:00:45.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:09:26.000Z
- Author: Hans Günther Melchior
- Tags: Kritiken, Oper & Operette, München

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/01/bayerische-staatsoper-logo.jpg)

[Bayerische Staatsoper München](http://www.bayerische.staatsoper.de/?ref=ioco.de)

![Bayerische Staatsoper München © Wilfried Hösl](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/07/bayerische_staatsoper_muenchen_588_auss.jpg)

Bayerische Staatsoper München © Wilfried Hösl

# ***Der Rosenkavalier*  \- Richard Strauss**

 *\- Der kleine Tod -*

Musikalische Leitung: **Vladimir Jurowski**, Inszenierung: **Barrie Kosky,** Video- on-Demand

von **Hans-Günter Melchior**

![ Barrie Kosky Regisseur © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/12/barrie-kosky-intendant-ko-berlin-c-ioconeu.jpg)

Barrie Kosky Regisseur © IOCO

Er schleicht immer wieder über die Bühne, ein uralter Cupido auf wackeligen, altersschwachen Beinen und mit zerfurchtem Gesicht, ach ja, die Liebe, und alles hat seine Zeit und die **Feldmarschallin** (großartig, eindringlich, melancholisch **Marlies Petersen**) darf sich noch einmal hin-legen und bereit sein für ihren jungen Liebhaber (***Octavian* Samantha Hankey**), bevor der ***Baron Ochs* (Christoph Fischesser**) hereinpoltert und von seiner bevorstehenden Hochzeit mit der Tochter des neureichen ***Faninal* (Johannes Martin Kränzle**), dieser kapriziösen und modernen ***Sophie*** (**Katharina Konradi**) schwärmt. Ohne dabei zu vergessen, der attraktiven Kammerzofe Avancen zu machen und der nicht minder attraktiven **Feldmarschallin** auf dem Sofa immer näher zu rücken, während diese ihm auf dem engen Sitzmöbel auszuweichen sucht. Denn der Kerl ist zweifellos ein Blödmann, der hinter dem Geld her ist und auf dummdreiste Art die neue Zeit dumpf begreift, ohne den Ansehensverlust seiner Klasse akzeptieren zu können.

 **Der Rosenkavalier - Bayerische Staatsoper** youtube Trailer   **Bayerische Staatsoper \[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Die neue Zeit und die Melancholie des Alters, der Neureiche und der dünkelhafte, faktisch bereits abgedankte Adel – politisch und vor allem finanziell –, bleibt doch dem ***Ochs,*** der den richtigen Namen hat, nichts weiter als der ständige Hinweis auf seine hohe Geburt, die freilich nicht ausreicht, dem Tölpel standesgemäße Manieren beizubringen.

Das alles ist großartig gemacht, Rokoko-Einlagen wechseln fast übergangslos ins Moderne über, die Zeitgrenzen verwischen, während die Musik unter der selbstbewussten Leitung von **Vladimir Jurowski** alles Süßliche und die allzu verschnörkelte Walzerseligkeit meidet und mit klaren Konturen, die zuweilen dann, wenn sie ins Hochdifferenzierte und nahezu Fahle übergehen, an Wagner erinnern, und die eine eigene und höchst eigenwillige Handlung neben dem Gesang der Akteure auf der Bühne vorantreibt. Und dennoch bringt **Jurowski** dies alles zusammen, schafft die Einheit in der Vielfalt. So, dass man von dem künftigen Generalmusikdirektor der **Bayerischen Staatsoper** einiges erwarten darf.

Hochkompliziert ist diese Oper in solcher Auffassung, geradezu hinweisend ausgestellt in ihrer Komplexität, so dass man **Richard Strauss** den so oft beklagten Rückfall ins Konventionelle und Bürgerlich-Verträgliche nach der aufrüttelnden ***Elektra,*** die mit ihren vertrackten Harmonien die Atonalität streift, kaum noch anmerkt.

 **Der Rosenkavalier - Barrie Kosky und ... führen ein** youtube Trailer   **Bayerische Staatsoper \[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Über vier Jahrzehnte lange glaubte man in München, außer der Inszenierung von **Otto Schenk** gebe es gar keine andere Auffassung dieses bissigen Stücks, über das **Hugo von Hofmannsthals** Text wie Streusel eine Unmenge französischer Floskeln und stehender Ausdrücke schüttet, die die Affektiertheit einer Klasse verdeutlichen, die sich nur noch in Sprüchen erschöpft.

Und immer wieder dieser altersschwache ***Cupido*** oder ***Amor,*** der mit hämischer Grimasse über die Bühne schleicht und die Uhr zurückdreht oder zum Stehen bringt und endlich darin oder hinter ihr verschwindet, die Zeit, ja, die Zeit ist ein seltsam Ding, ein seidiger, nicht fassbarer Stoff ohne Anfang und Ende und doch eine das Leben langsam vernichtende Macht, da alles nunmal seine Zeit hat.

So vielleicht auch diese Pandemie, die die Anwesenheit eines Publikums ausschloss. Was für ein kaum zu behebender Mangel bei dieser so erfrischend neuen Produktion des **Rosenkavalier** in der Regie von **Barrie Kosky.**

**Immerhin sendet die**

# **Bayerische Staatsoper** \-- noch 27 Video-on-demand-Aufführungen

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# **Nicht versäumen!**

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