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# Mönchengladbach, Theater Krefeld Mönchengladbach, Salome - Richard Strauss, IOCO Kritik, 03.10.2019
- URL: https://www.ioco.de/moenchengladbach-theater-krefeld-moenchengladbach-salome-richard-strauss-ioco-kritik-03-10-2019/
- Published: 2019-10-02T14:00:24.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:58:43.000Z
- Author: Viktor Jarosch
- Tags: Oper & Operette, Konzert & Liederabend, Verdi, johannes brahms, giuseppe verdi, Kritiken, Mönchengladbach

![krefeld_2.jpg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/krefeld_2.jpg "Theater Krefeld Mönchengladbach")

[Theater Krefeld Mönchengladbach](http://www.theater-kr-mg.de/?ref=ioco.de)

![Theater Mönchengladbach © Matthias Stutte](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/10/Theater-M%C3%B6nchengladbach-c-Matthias-Stutte.jpg "Theater Mönchengladbach © Matthias Stutte")

Theater Mönchengladbach © Matthias Stutte

***Salome – Richard Strauss***

***\- In der Jetztzeit - Eine Familientragödie in besseren Kreisen -***

von **Viktor Jarosch**

***„Salome bringt in 100 Minuten drei Männer zur Strecke“,*** kündigte Mönchengladbachs OB **Hans Wilhelm Reiners** den gespannten Besuchern im[ **Theater Mönchengladbach** ](https://theater-kr-mg.de/?ref=ioco.de)zur Saisoneröffnung und Premiere der **Salome** am 22.9.2019 an. **OB Reiners** verkündete aber auch positives: die Zuschüsse zum Theater steigen ab 2019 um **Euro 2 Mio jährlich**: ein starker Einstieg in die folgende Premiere der szenisch und stimmlich begeisternden ***Salome.***

 **Salome - Richard Strauss** youtube Trailer des Theater Krefeld Mönchengladbach **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

***Salome,*** das vielleicht größte Werk von **Oscar Wilde** (1856-1900), entstand in Paris, wurde 1891 in London publiziert, wo **Wilde** als Schriftsteller schon früh sehr erfolgreich war. Die Tragödie ***Salome*** wurde Ausdruck von **Wildes** gelebtem Weltbild; es galt hinfort als eine Art *„Dekadenzdichtung“,* welche sich gegen prüde bürgerliche und moralische Werte der Zeit auflehnt. Durch extravagant ungewöhnlichen Lebenswandel, große Sprachgewandtheit und hohe öffentliche Präsenz hatte sich **Oscar Wilde** neben Bewunderen auch viele Gegner gemacht. Die englische Gesellschaft tolerierte **Wilde** nicht; sie schlug zurück: mit 44 Jahren stirbt **Wilde** aus England vertrieben und verarmt in Paris; dort, wo die ***Salome*** 1890 entstand.

![ Theater Krefeld Mönchengladbach / Salome _ hier streitende Juden über Religion _ vor der Villa des Herodes © Matthias Stutte](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/10/115_salome_matthias-stutte-neu.jpg)

Theater Krefeld Mönchengladbach / Salome \_ hier streitende Juden über Religion \_ vor der Villa des Herodes © Matthias Stutte

***Salome*** entstammt dem **Matthäus Evangelium**, wenn auch dort nicht namentlich genannt; in **Kapitel 14** heisst es.."**Herodes** hat **Johannes* ergriffen, gefesselt und ins Gefängnis geworfen, wegen der *Herodias*, der Frau seines Bruders *Philippus.* Denn *Johannes* hatte zu ihm gesagt: Es ist nicht recht, dass Du sie hast .. Als aber *Herodes* seinen Geburtstag beging, da tanzte die Tochter der *Herodias* (NB *Salome*) vor ihnen .. Darum versprach er ihr mit einem Eid, er wolle ihr geben, was sie fordern würde ….Und sie sprach: Gib mir hier auf einer Schale das Haupt *Johannes des Täufers!*..."*

**Richard Strauss** beeindruckte der große öffentliche Widerhall, welchen die Premiere des Dramas ***Salome*** 1901 in Breslau, **Max Reinhardt** inszenierte, ausgelöst hat. In Wien war die Premiere der ***Salome*** 1901 zuvor von der Zensur untersagt. Alles geschah zu einer Zeit im deutschen Kaiserreich, als Frauen dort erstmals öffentlich um ihre Rechte kämpften. **Strauss** hatte zuvor das Drama mehrfach in Berlin besucht und wusste: „*das Stück schriee nach Musik“.*

***Salome*** war zentral in **Strauss**´ Wirken, der kompositorische Durchbruch: mit ***Salome*** fand **Richard Strauss,** er war bereits 56 Jahre alt, endgültig seine künstlerische Individualität: dreißig Leitmotive und komplexe Tonarten (so das seltene *cis-Dur* zur Erotik der **Salome;** ihre Schwärmereien über die strahlenden Haare des ***Jochanaans*** in glücklichem, walzerhaftem *D-Dur, es-Dur* zeichnet den Mond, ***Jochanaan*** wird mit Hörnern ein wenig majestätisch gezeichnet): zusammen bildet es ein musikalisches Fundament inmitten changierender Thematik und Harmonik

![Theater Krefeld Mönchengladbach / Salome _ hier Herodes und die ihn verspottende Stieftochter Salome © Matthias Stutte](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/10/437_salome_herodes-und-salome-matthias-stutte-neu.jpg)

Theater Krefeld Mönchengladbach / Salome \_ hier Herodes und die ihn verspottende Stieftochter Salome © Matthias Stutte

Nicht einfach war es, 65 Musiker der **Niederrheinischen Symphoniker** mit ihren teils großen Instrumente im Orchestergraben des [**Theater Mönchengladbach**](https://theater-kr-mg.de/?ref=ioco.de) zu positionieren, um trotzdem **Salome** mit kammermusikalischer Kraft zu spielen. Die kammermusikalische Intonierung war für **GMD Mihkel Kütson** jedoch zentral für diese Inszenierung. **Richard Strauss** hatte ***Salome*** in mehreren Orchester-Fassungen komponiert; in Fassungen mit bis zu 125 Musiker. In Mönchengladbach wurde die etwas „verkleinerte“ Orchesterfassung aufgeführt. Inmitten der Enge des Orchestergrabens unterlegen in der Folge des Abends denn auch wunderbar feine Klangfarben des Orchesters die komplexe Handlung auf der Bühne. In ausdrucksstarken musikalischen Klängen werden dunkle Mächte, die Ängste und Visionen des von seinem Brudermord getriebenen ***Herodes,*** die lasziven Wünsche der jungen ***Salome*** *......* sichtbar.

Regisseur **Anthony Pilavachi** inszeniert ***Salome*** in Mönchengladbach im modernen Gewand des ***Art déco*** der 1920er Jahre, ohne Bezug auf die judäische Antike, ohne Tempel des **Herodes.**  Das Bühnenbild: Weite Treppen führen zur Fassade einer mit goldfarbenen Reliefs geschmückten die Bühne beherrschenden herrschaftlichen Villa. Durch hohe, helle Fenster erkennt man im ersten Bild eine elegante jüdische Gesellschaft (Männer mit Kippa und Schläfenlocken in Frack, Frauen in Abendkleidern) bei einem Festmahl (Bühnenbild, Kostüme **Markus Meyer**). Vor dem Palast ein offener Platz, in dessen Mitte - eine runde Zisterne: Das Gefängnis des **Jochanaan.**

Modernes Bühnenbild, Lichteffekte und Kostüme verleihen der Tragödie um **Herodes, Salome** und **Jochanaan** nachfühlbare Aktualität und harmonieren mit schauspielhaft präziser Gestik und Personenführung. So bildet die Inszenierung und das moderne Libretto von **Richard Strauss** den Geist der Jetztzeit, des Hier und Heute ab. Verbunden mit einem darstellerisch und stimmlich blendend aufgelegtem Ensemble waren die Besucher von Beginn an gebannt; mit Beifallstürme wurde die ergreifende Premiere der ***Salome***  im **Theater Mönchengladbach** gefeiert.

![Theater Krefeld Mönchengladbach / Salome _ hier Salome und Jochanaan © Matthias Stutte](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/10/379_salome_salome-und-jochanaan-matthias-stutte-neu.jpg)

Theater Krefeld Mönchengladbach / Salome \_ hier Salome und Jochanaan vor der Zisterne © Matthias Stutte

***Narraboth*** **(David Esteban**) schwärmt mit Beginn vor der chiquen Villa eines offensichtlich gutsituierten ***Herodes*** in lyrischem Tenor in modern schwarzer Uniform: „*Wie schön ist die Prinzessin *Salome* heute Nacht!“, derweil* uniformierte Soldaten mit turbanhafter Kopfbedeckung (**Matthias Wippich, Alexander Kalina**) patrouillieren und die in der Villa sichtbare Festgesellschaft beschreiben:   *„Die Juden; sie sind immer so. Sie streiten über ihre Religion*“. Aus der Zisterne erklingt die Mahnung des **Jochanaan:** „*Nach mir wird einer kommen...“;* dann erscheinen die Protagonisten auf der Bühne; **Salome** in silbrig glitzerndem Abendkleid, klagt sich auf der Zisterne räkelnd: *„Ich will nicht bleiben, Ich kann nicht bleibend...“.* Inmitten des großen Ensembles gestaltet Regisseur **Anthony Pilavachi** für jeden Akteur einen sichtbar eigenen aber immer modernen Charakter: **Herodes** in lässigem Anzug seiner Stieftochter **Salome** nachstellend, dann, zu seinem, schon im Evangelium beschriebenen Geburtstag, mit großem Festkuchen erscheinend; der **Page** wird zum *Dandy*; der *„Tanz der sieben Schleier“*  der **Salome** in weitem, weißen Umhang und mit riesigen Schmetterlings-Flügeln berührt anmutend esoterisch und nicht - wie oft inszeniert - billig lasziv oder verführerisch überzeichnend. Mit den Befehl: *„Man töte dieses Weib“*, weist **Herodes** bekanntlich zum Ende der Oper seine Soldaten an, die Stieftocheter zu erchiessen. Doch in Mönchengladbach endet die Oper überraschend: Als die Soldaten **Salome** töten wollen erschießt diese, die Oper beendend, in einer sich verdunkelnden Bühne, ihren Stiefvater **Herodes;* mit dem zwiespältigen Ende schafft die Inszenierung Raum für weitere Träume, Visionen.*

So wird **Salome** wird im **Theater Mönchengladbach** zu einem expressiven Drama einer Familie *„in heutigen besseren Kreisen“,* dessen komplexes aber höchst fragiles Beziehungsgeflecht durch eine unreif junge Frau, der selbstsüchtigen **Salome,** zum Einsturz gebracht wird. **OB Reiners** hatte dies, welch eine Überraschung, schon gewusst und angekündigt!

**Dorothea Herbert,** ab 2019 neues Ensemblemitglied im **Theater Krefeld Mönchengladbach,**  überzeugt fulminant in der großen, gestaltenden Partie der ***Salome:*** Mit guter Verständlichkeit ( zentral für alle **Richard Strauss** Opern) und besonders in hohen Tonlagen überwältigendem Sopran erzeugt **Dorothea Herbert** von Beginn an bei den Besuchern Spannung, Neugierde, Faszination. Doch auch die anderen großen Partien der Produktion sind bestens besetzt: **Markus Petsch** als **Herodes** zeichnet die Unsicherheiten *(„ich bin sicher, es wird ein Unheil geschehen..“*) im komplexen Beziehungsgeflecht mit **Herodias** und **Salome** mit lyrisch timbriertem, sicherem Tenor. Überwältigend erneut **Johannes Schwärsky,** hier als Prophet ***Jochanaan:*** Schon zu Beginn, aus den Tiefen der Zisterne, klingt sein kraftvoll schwerer Bass-Bariton drohend; akustisch noch ein wenig gedeckt; doch auf der Bühne wächst **Schwärsky** zu einem leibhaftigen Propheten **Jochanaan,** der mit mächtiger Stimme und großer physischer Präsenz **Salome** kraftvoll verflucht und die nahende Ankunft Gottes verkündet. **Eva Maria Günschmann** überzeugt in diesem starken Ensemble als intrigierende ***Herodias*** in gepflegtem Abendkleid mit optisch zurückgenommener Präsenz.

![Theater Mönchengladbach / Salome hier das Ensemble zum Schlussapplaus vor der herrschaftlichen Villa © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/10/salome_moenchengladbach_schlussapplaus-foto-ioconeu.jpg)

Theater Mönchengladbach / Salome hier das Ensemble zum Schlussapplaus vor der herrschaftlichen Villa des Herodes © IOCO

**GMD Mihkel Kütson** zeichnet mit seinen **Niederrheinischen Symphonikern** zuvorderst den kammermusikalischen Charakter der Oper ***Salome,*** welcher in Tonarten und Leitmotiven das Unterbewusste, Stimmungen, Ängste, Träume und Visionen der Protagonisten betont, doch dies Unterbewusste ebenso farbig ausmalt wie das wahrnehmbare, sichtbare Handeln. Ein schwieriger Spagat für großes Orchester in einem relativ kleinen Haus; den **Kütson** und die **Niederrheinischen Symphoniker** mit Kunst und Können wunderbar umsetzen.

So feierte das Publikum zum Saisonanfang im **Theater Mönchengladbacher** mit viel Bravos und Beifall eine auch uns unerwartet mitreißende Inszenierung der **Salome,** welche heutiges Leben im Sichtbaren und mit konspirativen, hintergründigen, versteckten Untertönen spürbar abbildete.

**Salome** am **Theater Mönchengladbach**; die nächsten Vorstellungen 8.10.; 19.10.; 9.11.; 19.12.; 27.12.2019

\---| IOCO Kritik Theater Krefeld Mönchengladbach |---