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# Mönchengladbach, Theater Krefeld Mönchengladbach, Nabucco - Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 26.06.2018
- URL: https://www.ioco.de/moenchengladbach-theater-krefeld-moenchengladbach-nabucco-giuseppe-verdi-ioco-kritik-26-06-2018/
- Published: 2018-06-27T07:00:42.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:46:36.000Z
- Author: Viktor Jarosch
- Tags: Oper & Operette, Konzert & Liederabend, Mozart, wolfgang amadeus mozart, Pressemeldungen & Nachrichten, Kritiken, Mönchengladbach

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[Theater Krefeld Mönchengladbach](http://www.theater-kr-mg.de/?ref=ioco.de)

![Theater Mönchengladbach © Matthias Stutte](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/10/Theater-M%C3%B6nchengladbach-c-Matthias-Stutte.jpg "Theater Mönchengladbach © Matthias Stutte")

Theater Mönchengladbach © Matthias Stutte

# NABUCCO - Giuseppe Verdi

***„All wars start at home*“**

Von **Viktor Jarosch**

Mit der Uraufführung von ***Nabucco*** am 9\. März 1842 am **Teatro alla Scala** in Mailand wurde **Giuseppe Verdi** über Nacht berühmt. Der Erfolg bedeutete auch das Ende einer tiefen Schaffenskrise und Depressionen, in welche **Verdi** zuvor gestürzt war: Zuvor waren seine Frau **Margherita** und seine zwei Kinder gestorben; seine die Oper **Un giorno di regno** war durchgefallen. So sagte **Verdi** später über sich selbst: *„Nabucco ist die Oper, mit der in Wahrheit meine künstlerische Laufbahn beginnt“*. ***Nabucco*** und der alttestamentarische Auszug der Hebräer aus babylonischer Gefangenschaft wird bis heute oft für die patriotische Gesinnung **Verdis** gesehen, als nationales Erweckungserlebnis der Italiener oder gar Ursprung der italienischen Einigung und rührt bis heute patriotisch gesinnte Italiener oft zu Tränen. Aufwendige, klassische ***Nabucco -*** Inszenierungen sind seither Privileg großer Bühnen, von Verona bis zur Bayerischen Staatsoper. Kleinere Theater zeigen ***Nabucco*** meist in modernen, zeitgemäßen Interpretationen; wie nun auch, in einer gelungenen Interpretation, das **Theater Krefeld Mönchengladbach.**

![Theater Krefeld Mönchengladbach / Nabucco - hier : Nabucco, das Oberhaupt der Grossfamilie mit Abigaille und Fenena © Matthias Stutte](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/06/391_nabucco_1-bild-hp2neu.jpg)

Theater Krefeld Mönchengladbach / Nabucco - hier : Nabucco, das Oberhaupt der Grossfamilie mit Abigaille und Fenena © Matthias Stutte

Regisseur **Roman Hovenbitzer** zeigt in seinem Mönchengladbacher ***Nabucco*** auch keinen biblischen Zwist von Babyloniern und Hebräern, keinen babylonischen König. **Hovenbitzer** interpretiert ***Nabucco*** stattdessen modern: *„All wars start at home*“: Seine Inszenierung transportiert die im heutigen, realen Alltag, auf der Strasse, zu Hause oft spürbare Aggressivität, Feindschaft. ***Nabucco*** im **Theater Mönchengladbach** zeigt eine sich, wie die Hebräer und Babylonier, bekämpfende, hassende moderne auseinander gebrochene Großfamilie. **Hovenbitzer** transportiert die archaische Beziehung von ***Nabucco, Fenena*** und ***Abigaille*** in die heutige Zeit, der Verbindung eines Vaters zu seinen zwei Töchtern. Das Großformat der Oper von Babyloniern und Hebräern spiegelt **Hovenbitzer** in ein Alltagsformat zweier heutiger aufs Blut zerstrittener, rücksichtsloser Familien der Jetztzeit, worin der totale Machmensch, ***Nabucco,*** das Familienoberhaupt, in seinem überzogenem Machtanspruch verfällt und letztlich reift.

Zur Ouvertüre zeigt eine Rückblende die frühe Zeit der Großfamilie, welche, ***Nabucco*** und ***Zaccaria*** sind noch Kinder, die Saat für Streit, Geld- und Machtgier legt. Das Bühnenbild (**Roy Spahn**) zeigt zum ersten Bild einen großen hohen Versammlungsraum (der *Salomonische Tempel*) in welchem sich der eine Teil der Großfamilie (die Hebräer) in moderner Kleidung (Kostüme **Magali Gerberon**) trifft, berät, lebhaft diskutiert. Die Dramatik des Familienkonflikts wird sichtbar, als ***Zaccaria* (Matthias Wippich**) **Nabuccos** gefangene Tochter ***Fenena*** (**Eva Maria Günschmann**) gefesselt, den Kopf von einer Papiertüte verhüllt, hereinführt, die Tüte vom Kopf reißt, ihr ein Schild *„Feind“* umhängt. Mit seiner ersten großen Arie „*Sperate, o figli! Iddio Del suo poter diè segno“ („Hofft, dass sich unser Trübsal ende*“) setzt **Matthias Wippich** als ***Zaccaria*** dann mit gewaltiger und doch lyrisch timbrierter Stimme eine großartige Vorgabe für den Premierenabend.

![Theater Krefeld Mönchengladbach / Nabucco - hier : Zaccaria und Fenena, die Gefangene © Matthias Stutte](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/06/096_nabucco_hp1neu.jpg)

Theater Krefeld Mönchengladbach / Nabucco - hier : Zaccaria und Fenena, die Gefangene © Matthias Stutte

Doch die Inszenierung zeichnet nicht allein Hochmut und Fall **Nabuccos** in farbenreicher Choreographie. Zur glitzernden „Krönungsfeier“ der ***Abigaille*** als neuer Familienlenkerin („*Der Thron ist mehr als der verlorene Vater…*“) blinken Börsenkurse und vermitteln den Untergang aller moralischen Werte. Ebenso expressiv choreographiert **Hovenbitzer** den berühmten **Gefangenchor** der Oper, eine der ergreifendsten Werke der Musikgeschichte: Bis 10 Meter in den Bühnenhimmel ragen Stockbetten; auf ihnen liegen, sitzen, stehen die Verlierer einer Gesellschaft, Arme, Kranke, Hilflose, sichtbar Leidende. In zarten Piani beginnend (Musikalische Leitung **Diego Martin-Etxebarria** und die **Niederrheinischen Sinfoniker**) erklingen Chor und Extrachor mit dem ergreifenden *„Va', pensiero, sull'ali dorate. Va', ti posa sui clivi, sui coll …..“ (Flieg, Gedanke, getragen von Sehnsucht, lass'dich nieder in jenen Gefilden*). Ergriffenheit und Spannung beim Publikum war ebenso spürbar wie beim Autor dieser Rezension.

![Theater Krefeld Mönchengladbach / Nabucco - hier : die Krönungsfeier der Abigaille © Matthias Stutte](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/06/192_nabucco_kroenungsfeier-gut-hp1neu.jpg)

Theater Krefeld Mönchengladbach / Nabucco - hier : die Krönungsfeier der Abigaille © Matthias Stutte

**Johannes Schwärsky** als ***Nabucco,*** Oberhaupt der zerstrittenen Großfamilie, die tragende Partie der Komposition wie der Inszenierung. Seine Herrschaft bildet auch ein großes Gemälde ab, welches ihn, **Nabucco,** stolz auf einem Hengst zeigt. In langem braunem Ledermantel mit Pelzkragen entwickelt **Schwärsky** mit bleibend kraftvollen, schwerem Bassbariton die große Partie des ***Nabucco;*** auch darstellerisch stets präsent: Die Wandel vom aggressiven Machtmensch zum verwirrten menschlichen Wrack und letztlich zum verzeihenden, geläuterten Wesen. Doch auch die weiteren großen Partien der Premiere sind ansprechend besetzt: **Kairschan Scholdybajew** mit hellem Tenor als ***Ismaele*** und **Lydia Easley** mit dramatischem Sopran als ***Abigaille*** und **Eva Maria Günschmann** mit eher lyrischem Timbre als ***Fenena*** runden der Produktion mit wohlklingendem und farbenreichem Ausdruck ab.

**Hovenbitzers** moderne Interpretation zu **Verdis *Nabucco*** \- *„All wars start at home"* – in ihren vielen choreographischen Facetten die Jetztzeit realistisch abbildend, besitzt großen Charme, ergriff das Publikum. Nostalgische Wehmut, Wünsche nach einer klassischen Interpretation war nicht zu hören. **Diego Martin-Etxebarria,** die **Niederrheinischen Sinfoniker**, **Johannes Schwärsky** als ***Nabucco*** und **Matthias Wippich** als ***Zaccaria*** und das starke Ensemble wurden vom Publikum lebhaft gefeiert. Kritische Befragungen des Publikums zur Inszenierung durch den Autor führten zu einem eindeutigen Ergebnis: Einhellige, begeisterte Zustimmung.

***Nabucco*** im **Theater Mönchengladbach:** 30.6.; 11.7.; 15.7.; 28.9.2018 und mehr

\---| IOCO Kritik Theater Krefeld Mönchengladbach |---