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# Minden, Stadttheater, Götterdämmerung - Richard Wagner, IOCO Kritik, 01.10.2018
- URL: https://www.ioco.de/minden-stadttheater-goetterdaemmerung-richard-wagner-ioco-kritik-01-10-2018/
- Published: 2018-10-02T07:00:33.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:49:11.000Z
- Author: Patrik Klein
- Tags: Oper & Operette, Premieren, Orchester, shakespeare, Pressemeldungen & Nachrichten, Kritiken, Premiere, Minden

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[Stadttheater Minden ](https://stadttheater-minden.de/?ref=ioco.de)

![Stadttheater Minden © Stadttheater Minden](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/10/stadttheater-minden-gut-neu.jpg)

Stadttheater Minden © Stadttheater Minden

# ***Götterdämmerung* \- Fulminant - In Minden an der Weser**

**\- Bedenken will ichs, wer weiss was ich tu... -**

Von **Sebastian Siercke**

**Minden.** Eine Stadt im Osten Nordrhein-Westfalens, die hauptsächlich für ihr Wasserstraßenkreuz bekannt ist. Das schreibt wenigstens ***Wikipedia.*** Die Kunst- und Kulturinteressierten unter uns dachten da dann eher an den romanisch-gotischen Dom und dessen Kunstschätze. Das **Mindener Kreuz**, es gilt als einer der bedeutendsten Kunstschätze der Romanik in Deutschland, und die **Goldene Tafel**, die allerdings seit 1909 in Berlins **Bode-Museum** hängt und nicht einmal mehr golden ist.

![Stadttheater Minden / Götterdämmerung - hier : Vorspiel 1. Aufzug © Friedrich Luchterhandt](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/10/1-goetteraemmerung-presse-photos-vorspiel-und-aufzug-nr-3-c-by-friedrich-luchterhandt-neu.jpg)

Stadttheater Minden / Götterdämmerung - hier : Vorspiel 1\. Aufzug © Friedrich Luchterhandt

Und dann gibt es dort auch noch ein **Stadttheater**. Und einen **Richard-Wagner-Verband*.* Stadttheater dieser Art gibt es in Deutschland sehr viele, auch viele, die ohne ein eigenes Ensemble auskommen und für Auftritte von Tournee-Bühnen genutzt werden. Und Wagner-Verbände gibt es wie Sand am Meer. Wenn sich nun aber ein **Stadttheater** und ein ***Richard-Wagner-Verband*** zusammen tun, dann kann großes entstehen, selbst in einer kleinen Stadt mit einem Theater von gerade einmal 535 Plätzen.

Das dort Großes stattfindet schrieb landauf-landab jedes Feuilleton. Das „**Bayreuth des Nordens**“ titelten manche. Geht es vielleicht doch eine Nummer kleiner?

Natürlich geht es kleiner, aber warum? Was dort in der letzten **Götterdämmerung** der Saison, es waren sechs Aufführungen dieses Jahr, geboten wurde war umwerfend!

![Stadttheater Minden / Götterdämmerung - hier : 2. Aufzug © Friedrich Luchterhandt](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/10/2-goetterdemmerung-2-aufzug-nr6-by-friedrich-luchterhandt-neu.jpg)

Stadttheater Minden / Götterdämmerung - hier : 2\. Aufzug © Friedrich Luchterhandt

Man betritt den Zuschauerraum und steht vor der Bühne. Kein Orchestergraben trennt das Publikum vom Geschehen. Die Bühne wird umrahmt von einem großen Quadrat, in das ein Kreis eingestellt ist, was unmittelbar an die Gestaltung der LP-Boxen des alten **Solti - Ringes** erinnert. Die eigentliche Bühne, die Fläche, die dort hauptsächlich bespielt wird, hat die Grundfläche eines wohlbemessenen Wohnzimmers. Das Orchester sitzt dahinter auf der Bühne, abgeteilt durch einen Gazevorhang, der auch als Projektionsfläche für die handlungsunterstreichenden Videos dient.

Das **Stadttheater Minden** hat nicht nur kein eigenes Ensemble, es hat auch kein eigenes Orchester. Dazu kommt die **Nordwestdeutsche Philharmonie** aus Herford, ein Landesorchester Nordrhein-Westfalens.

Die **Götterdämmerung** einmal nicht von einem routinierten Opernorchester zu hören, das gestern **Schönberg**, heute **Gluck** und morgen **Rossini** spielt, sondern von einem renommierten Sinfonieorchester, war sensationell! Glasklarer Klang, perfekt musiziert, kein Schleppen, Wackeln, Scheppern, einfach wunderbar von Dirigent **Frank Beermann** geleitet. Schwelgerische Klänge waren es nicht, eher sachlich kühle, aber aufbrausende Dramatik.

![Stadttheater Minden / Götterdämmerung - hier : 3. Aufzug Die Rheintöchter © Friedrich Luchterhandt](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/10/3-goetterdaemmerung-3-aufzug-nr3-c-by-friedrich-luchterhandt-neuneu.jpg)

Stadttheater Minden / Götterdämmerung - hier : 3\. Aufzug Die Rheintöchter © Friedrich Luchterhandt

Die Inszenierung des Abends gestaltete **Gerd Heinz**, der hauptsächlich vom Sprechtheater kommt und offensichtlich eine ganz andere Herangehensweise ans Musiktheater hat, als der übliche Opernregisseur. Hier wurde das Werk auf die Bühne gebracht. Kein Umdeuten in abstruse Richtungen, kein „Wir verlegen die Handlung in eine andere Zeit“, die dann gerne mit wohlbekannten Uniformen bebildert wird, keine längst abgegriffene Kapitalismuskritik. Diese **Götterdämmerung** spielte jetzt. Ein zeitloses Irgendwann-Jetzt, sind doch Handlung und Aussage des Werkes ebenso zeitlos und allgemeingültig. Jede kleinste Bewegung, jede Geste, jedes Minenspiel war feinst durchdacht, die Sänger auf der Bühne dadurch fast noch mehr Schauspieler als Sänger. Ein solches Zusammenspiel von Musik und Geschehen auf der Bühne habe ich selten erlebt!

Da der kleine Orchestergraben nicht als solcher benutzt wurde, ragte die Bühnen-konstruktion in ihn hinein; mit rege bespielten Treppen nach unten ergab sich eine ungewohnte Dreidimensionalität der Bühne. Das Publikum saß quasi mitten im Geschehen, unmittelbar vor den Protagonisten des Dramas auf der Bühne.

**Götterdämmerung* mit exquisiter Sängerriege- Große Stimmen – In allen Partien* 

**Siegfried** und **Brünnhilde*,* zwei mörderische Partien, die so manchen Weltstar gelegentlich in die Knie zwingen, wurde hier dargebracht, als gäb es kaum Leichteres zu singen auf der Welt. **Thomas Mohr** gab den **Siegfried** mit durchschlagskräftigem Tenor, der genauso die zarten Partien fein nuanciert bieten konnte, wie die wütenden Ausbrüche ohne dabei forciert oder auch nur angestrengt zu klingen. Eine große Leistung!

**Dara Hobbs´** **Brünnhilde** überflutete das Werk mit ihrem wundervoll geführten Sopran, der bruchlos von der Tiefe bis in die Spitzen kommt und dabei noch beachtliche Ausdrucksmöglichkeiten bietet. Dazu kommt bei ihr eine bewundernswerte Textverständlichkeit. Selbst wenn man den Text nicht mittlerweile auswendig kennt, konnte man jedem Wort folgen.

**Renatus Mészár** und **Magdalena Anna Hofmann** als **Gunther** und **Gutrune,** bildeten einen stimmlich wie darstellerisch sehr schönen Gegenpart zu dem Heldenpaar und standen ihnen in der Bühnenwirkung in nichts nach.

Einen geradezu etwas diabolisch auftretenden **Hagen** gestaltete **Andreas Hörl** mit rabenschwarzem und für dieses Haus fast überdimensioniertem Bass. Eine gewaltige Stimme, deren Durchschlagskraft und Eindringlichkeit man sich beim besten Willen nicht entziehen konnte. ***Alberich* Frank Blees** gemahnte seinen Sohn ***Hagen*** mit verschlagener Bösartigkeit aber schöner Stimme zur Treue an der Familienbande.

![Stadttheater Minden / Götterdämmerung - hier : Schlussapplaus © Patrik Klein](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/10/5-schlussapplaus-foto-patrik-klein-neu.jpg)

Stadttheater Minden / Götterdämmerung - hier : Schlussapplaus © Patrik Klein

Die Sensation an diesem denkwürdigen Abend war allerdings die **Waltraute** von **Kathrin Göring**. Panisch und angstzerfressen fegte sie auf und über die Bühne und bot eine Dramatik in der Stimme, wie ich sie noch nie live erlebt habe! Schauer konnten einem bei ihrer Erzählung über den Rücken laufen, eine ganz, ganz große Leistung!

![ Richard Wagner - Blickt hinab auf &quot;Die Geweihten&quot; © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/10/richard-wagner-foto-ioconeuneu2018.jpg " Richard Wagner - Blickt hinab auf &quot;Die Geweihten&quot; © IOCO")

Richard Wagner - Blickt hinab auf "Die Geweihten" © IOCO

**Tiina Pentinen**, **Christine Buffle** und **Julia Bauer** als **Nornen** und **Rheintöchter** rundeten das Ensemble sehr wohlklingend und ansehnlich ab.

Im nächsten Jahr gibt es im **westfälischen Bayreuth** nun den **Ring** komplett. Zwei Zyklen werden nacheinander gegeben. Bei einem werde ich ganz bestimmt dabei sein. Ob ich auch ins fränkische **Bayreuth** fahre ist noch offen.

***Bedenken will ichs, wer weiss was ich tu...***

\---| IOCO Kritik Stadttheater Minden |---