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# Mannheim, Rosengarten, 7. AKADEMIEKONZERT – Roberto Rizzi Brignoli, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/mannheim-rosengarten-7-akademiekonzert-roberto-rizzi-brignoli-ioco/
- Published: 2025-06-01T19:57:57.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:48:45.000Z
- Description: Die Mezzosopranistin Gerhild Romberger findet mit warmer, inniger Stimme für den leidvollen Weg des Einsamen gedeckte, melancholische Farben.
- Author: Uschi Reifenberg
- Tags: Konzert & Liederabend, Mannheim

7\. Akademiekonzert von Johannes Brahms, Franz Liszt, Rosengarten, Mannheim, 26.05.25.

von Uschi Reifenberg

7\. Akademiekonzert der Musikalischen Akademie des Nationaltheater-Orchesters Mannheim am 26.05.25 im Rosengarten

GMD **Roberto Rizzi Brignoli**, Dirigent

**Johannes Brahms** (1833-1897) *Alt-Rhapsodie op. 53*

**Gerhild Romberger**, Mezzosopran

**Franz Liszt** (1811-1886) *Eine Faust-Sinfonie in drei Charakterbildern*:

I. Faust: Lento assai  
II. Gretchen: Andante soave   
III. Mephisto: Allegro vivace, ironico

**Christopher Diffey**, Tenor.  
**Ragna Pitoll**, Sprecherin  
**Herrenchor des NTM Nationaltheater Orchester**

**Drei Seelen in einer Brust** 

Kaum ein Musikschaffender der romantischen Epoche des 19\. Jahrhunderts, der sich von ihm nicht hätte inspirieren lassen, oder seine Texte vertont hätte: **Johann Wolfgang Goethe**, dichterisches Zentralgestirn, auf den sich nicht nur **Johannes Brahms** und **Franz Liszt** bezogen, auch Komponisten wie **Beethoven**, **Schubert**, **Schumann**, **Mahler**, **Strauss** bis hin zu **Webern** und **Wolfgang Rihm** (Harzreise, 2012) beeinflusste das Universalgenie in ihren kompositorischen Auseinandersetzungen und Entwicklungen. Die **Musikalische Akademie** zeigte nun im 7\. Akademiekonzert in einem anspruchsvollen literarisch inspirierten Programm erhellende Verbindungen zwischen **Brahms'** *„Alt-Rhapsodie“* und **Liszts** *„Eine Faust- Sinfonie in drei Charakterbildern“*, basierend auf **Goethes**, der *„Harzreise im Winter“* und *„Faust“*, dem Drama der Deutschen Kulturgeschichte schlechthin. Im Vorgespräch zum Konzert plauderten Opernintendant **Albrecht Puhlmann** und Schauspielerin **Ragna Pitoll** über **Brahms**, **Liszt**, ihre Beziehung zu Goethes Texten und über Zeit für Gefühle. **Ragna Pitoll** las vor Konzertbeginn ausdrucksstark, mit musikalischem und lebendigem Rezitationston Auszüge aus **Goethes** *„Trilogie der Leidenschaft“*, die Reflexionen über Leiderfahrungen und deren Überwindung thematisieren und leitete nahtlos zur *„Alt-Rhapsodie“* von **Brahms** über. Ein ernstes Werk ist die **Brahms’**sche Komposition von 1869, voller Tragik, Weltabkehr und Überdruss an der Menschheit, gibt am Ende aber auch Hoffnung auf Trost. **Brahms** wählte aus **Goethes** *„Harzreise im Winter“* die Strophen 5-7, die seiner damaligen Seelenlage entsprachen und in **Goethes** Natur- und Seelenreise von 1777 ihre innerste Entsprechung fand. Zeilen, die von Einsamkeit und Ausgeschlossensein künden, Schilderungen frostiger Natur, die den Aufbruch des Menschen in die innere Emigration beschreiben, vielleicht die Suche des Künstlers nach Antworten. Die Harzreise als Metapher, die Besteigung des Brockens vielleicht als Gipfelpunkt schwer erreichbarer höchster Lebensziele. Anlass war die Hochzeit von **Robert** und **Clara Schumanns** Tochter **Julie**, in die **Brahms** heimlich verliebt war und der er als Brautgeschenk seine *„Alt-Rhapsodie“* widmete, aber „mit Ingrimm“ (…) „mit Zorn“. Traurige Konsequenz von **Brahms'** unausgesprochenem Lebensmotto: „**F**rei **A**ber **E**insam“. Die Pianistin **Clara Schumann** schreibt: „Johannes brachte mir ein wundervolles Stück. Worte aus der „Harzreise“ für Alt, Männerchor und Orchester. Er nannte es seinen Brautgesang. Es erschütterte mich so durch den tiefsinnigen Schmerz in Wort und Musik (…). Ich kann dieses Stück nicht anders empfinden wie die Aussprache seines eigenen Seelenschmerzes. Spräche er doch einmal nur so innig in Worten“. In der dreiteilig angelegten Alt-Rhapsodie gibt GMD **Roberto Rizzi Brignoli** den **Brahms**' schen Seelenregungen sensibel und einfühlsam Raum, im Orchester-Vorspiel bewegt die tiefernste c-Moll-Weltschmerz-Stimmung. Erschütternd klingen die dissonanten Akzente, expressiv die absteigenden Linien. Die Mezzosopranistin **Gerhild Romberger** findet mit warmer, inniger Stimme für den leidvollen Weg des Einsamen gedeckte, melancholische Farben. Seelenvoll, mit sattem Alt und sehr eindringlich klingt „*das Gras steht wieder auf*“, erschütternd singt sie die „*Öde verschlingt ihn*“, leer, fast fragend; dennoch gerät die Textausdeutung bisweilen etwas matt. Im ariosen bewegteren Mittelteil blüht die Stimme auf, wird von den Orchesterwellen getragen, die Rizzi Brignoli mit elastischer Agogik formt, spannungsvoll bindet **Romberger** die weiten Intervallsprünge in die Gesangslinie ein. Wunderbar dann der Männer-Choreinsatz: *„Ist auf deinem Psalter“*, mit dem sich die Stimme in sakraler Andacht in zuversichtlicher C-Dur-Hoffnung verklärend verbindet: *„Vater der Liebe … So erquicke sein Herz“*.

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Gerhild Romberger, Mezzosopran (Alt-Rhapsodie) © Rosa Frank

**Franz Liszts** *„Eine Faust-Sinfonie in drei Charakterbildern“* lässt schon vermuten, worum es dem Komponisten in seiner ausladenden „Sinfonischen Dichtung“ geht: Er charakterisiert die Protagonisten in drei Sätzen und entwirft jeweils ein musikalisch ausgefeiltes Psychogramm von ***Faust***, ***Gretchen*** und ***Mephisto***. Die Verzahnung von Dichtkunst und Musik, die **Liszt** mit seinen *„Sinfonischen Dichtungen“* initiierte, gab der damaligen Sinfonik eine neue Richtung: ein außermusikalisches Programm, dessen innere Vorgänge und ästhetischer Gehalt von der Musik dargestellt werden sollte, führte zur „Programm-Musik“, die Bewegung der „Neudeutschen um **Liszt** und **Wagner**“ zu den sogenannten „Musikern der Zukunft“. Komponiert wurde die *Faust-Sinfonie* von 1854 bis 1857, als der Weltbürger und reisende Klavier-Virtuose **Liszt** sich in der Musik- und Literatur Stadt Weimar als Hofkapellmeister niedergelassen hatte und seine Sinfonie 1857 zur Einweihung des berühmten Goethe-Schiller Denkmals im Nationaltheater zur Aufführung brachte. Hintergrund ist **Goethes** *„Faust“*\-Tragödie mit den ewig gleichen Menschheitsfragen: die Suche nach Selbst- und Welt-Erkenntnis, die Frage nach Gut und Böse, „was die Welt im Innersten zusammenhält“, ***Gretchens*** (Liebes)-Tragödie, die Wette von ***Mephisto*** und ***Faust***, die Rolle von Religion und Wissenschaft. Die Vielzahl und Komplexität der Vertonungen, Bearbeitungen oder Adaptionen von Fauststoffen bis heute lässt sich kaum aufzählen. Ein Deutsches, ein Europäisches, ein universelles Thema. **Roberto Rizzi Brignoli** und das fulminant aufspielende Nationaltheater Orchester geben jedem der drei Sätze ihr individuelles Gepräge, spüren den Seelenregungen der komplexen Charaktere nach und wandeln sie in suggestive romantische Klangbilder. In der fast 70 Minuten dauernden Sinfonie wird ein Kaleidoskop emotionaler Zustände dreier kontrastierender Figuren plastisch gestaltet.

Transparent, klar, mit dramatischem Impetus, feinnervigen lyrischen Passagen, innigen Solostellen, vertrackter Rhythmik und artikulatorischer Finesse. ***Faust***, der Zerrissene, Suchende, wird von **Liszt** mit dem längsten Satz bedacht, erhält die meisten und variabelsten Themen, die stets variiert und neu angepasst werden, wie schon in seiner großen *Klaviersonate in h-Moll*. **Liszt** notiert minutiöse Vortragsbezeichnungen, die Abschnitte bilden eine Dramaturgie differenzierter Befindlichkeiten. Das erste Faust-Thema bildet alle zwölf Halbtöne der chromatischen Skala ab - gut 80 Jahre vor **Arnold Schönbergs** *Klavier Suite op 25*, der ersten Zwölfton-Komposition. Grüblerisch beginnt der Satz, die tiefen Streicher tasten sich fragend voran, mit einem von Pausen durchsetztem Haupt-Thema, beantwortet in gegenläufigen Linien, das im aufwühlenden, entschlossenen Allegro-Teil vom strahlenden Blech zitiert wird. Eindrücklich der Dialog zwischen Streichern im romantischen Überschwang und rhetorischen Holzbläserthemen, dem tief hinabsteigenden Fagott, oder den lang gezogenen Seufzern und Vorhalten. Stets changierend zwischen „Himmelhoch jauchzend - zu Tode betrübt“, streng, marschartig, voller Tatendrang, dann wieder, „dolce cantando“, in großer Ruhe und Abgeklärtheit entfaltet **Rizzi Brignoli** Grandiosität. Ganz wunderbar: Tuba, Posaunen, Trompeten. Zarte Flöten und Klarinetten führen „Andante soave“, in schönster Pianokultur in ***Gretchens*** Welt. Beseelt, in kammermusikalischer Innerlichkeit breitet sich das Thema der Solo-Oboe aus, bringt **Gretchens** Liebreiz und Unschuld zur Geltung. Feinsinniges Bratschenmelos, Harfenklänge, Flötenakkorde versetzen in Sphären „ganz in dem Gefühle selig“. Im Dialog zwischen Violinen und Klarinetten blüht Liebeshoffnung auf, feinsinnig balanciert, in großen Bögen. Ruhige Tempi prägen das Charakterbild, der Dirigent kostet die selige Verschmelzung der Stimmen aus *„Verweile doch, du bist so schön …“.*

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GMD Roberto Rizzi Brignoli © Christian Kleiner

***Mephisto***, „Der Geist, der stets verneint“, schmarotzt an Fausts Themenmaterial und pervertiert dieses, psychologisch verkörpert er ***Fausts*** „Alter Ego“. Als „diabolus in musica“ geistert er nicht nur mit seinen übermäßigen Quarten (Tritoni) durch die Partitur und mischt diese gehörig auf. Häufig hat sich **Liszt** in seinen Kompositionen der Mephisto-Figur zugewandt, in den Episoden aus „Lenaus Faust“ oder den populären Mephisto Walzern für Klavier Solo; das Diabolische übt(e) eine große Faszination aus. Allegro vivace, ironico, - der Satz ist geprägt von zerklüfteten Motiven, Intervallsprüngen, vertrackten Rhythmen, Dissonanzen. Fratzenhaft gerieren sich die thematischen Transformationen, gipfeln in einer Fuge. **Rizzi Brignoli** entfesselt ein Feuerwerk an orchestraler Brillanz, tänzerisch und energiegeladen. Von Pauke und Becken gewichtig bereichert, peitscht er die „Teuflischen Einflüsterungen“ in packenden Steigerungen voran. Himmlisch der Einbruch der ***Gretchen***\-Sphäre mit dem zarten Oboenthema. Die erlösende Apotheose gipfelt im Chorus Mysticus, von den Chor-Herren homogen und stimmgewaltig dargeboten. **Christopher Diffeys** Tenor überstrahlt emphatisch und klangschön die Schluss-Szene: „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis, das Unzulängliche, hier wird’s Ereignis, das Unbeschreibliche, hier ist’s getan“ und in strahlend-hymnischer Verklärung hallen auf ewig Goethes Schluss-Verse: „Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan“.

Große Begeisterung, Jubel für ein ganz besonderes Konzert.

## [**Informationen und Karten: Link hier**](https://musikalische-akademie.de/?ref=ioco.de)

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## Wie überzeugte Gerhild Romberger in der Alt-Rhapsodie von Brahms?

Romberger sang mit warmer, inniger Stimme und melancholischen Farben sehr eindringlich, wenngleich ihre Textausdeutung bisweilen etwas matt geriet.