> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://www.ioco.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# Mannheim, Nationaltheater Mannheim, GÖTTERDÄMMERUNG - Richard Wagner, IOCO Kritik, 03.08.2022
- URL: https://www.ioco.de/mannheim-nationaltheater-mannheim-gotterdammerung-richard-wagner-ioco-kritik-03-08-2022/
- Published: 2022-08-03T11:41:31.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:10:57.000Z
- Author: Uschi Reifenberg
- Tags: Liederabend, Kritiken, Oper & Operette, Konzert & Liederabend, Mannheim

![Nationaltheater Mannheim](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/01/nationaltheater_annheim_.jpg)

[Nationaltheater Mannheim](http://www.nationaltheater-mannheim.de/?ref=ioco.de)

![NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/05/ntm-_-nationaltheater-mannheim-foto-christian-kleiner-neu.jpg)

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

## ***DER RING DES NIBELUNGEN* \- Richard *Wagner***

#### **\- GÖTTERDÄMMERUNG - 30.07.2022 - Das Gold des Orchesters - Der Ring aus einem Guss -**

von **Uschi Reifenberg**

#### *Weißt du wie das wird - Triumph der Musik*

![Richard Wagner Statue in Venedig © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/02/richard-wagner-foto-sissi-neu.jpg)

Richard Wagner Statue in Venedig © IOCO

Nach den Premieren von***[ Das Rheingold,](https://www.ioco.de/2022/07/17/mannheim-nationaltheater-mannheim-das-rheingold-richard-wagner-ioco-kritik-17-07-2022/) [Die Walküre ](https://www.ioco.de/2022/07/23/mannheim-nationaltheater-mannheim-die-walkure-richard-wagner-ioco-kritik-23-07-2022/)***und[ ***Siegfried***,](https://www.ioco.de/2022/07/27/mannheim-nationaltheater-mannheim-siegfried-richard-wagner-ioco-kritik-28-07-2022/) links HIER!, folgte am **NTM** nun am 30\. Juli, nach drei Wochen, die Premiere der **Götterdämmerung**, dem letzten Teil von **Richard Wagners** Tetralogie ***Der Ring des Nibelungen.***

Dass dieses gigantische Unterfangen nicht nur gelungen ist, sondern auch in vielen Bereichen hervorragend umgesetzt wurde, kann man nicht hoch genug würdigen. Um es noch einmal zu bestätigen: Eine beeindruckende Leistung von Dirigent, Regieteam, Musikern, Sängern und allen weiteren Beteiligten des Mannheimer Nationaltheaters. *Chapeau!*

Mit dieser **Götterdämmerung** ist nun aufgrund der Generalsanierung des Hauses der Vorhang endgültig für fünf Jahre gefallen, auch GMD **Alexander Soddy** schwang an diesem Abend hier zum letzten Mal den Taktstock. Ein Hauch von Wehmut und Abschiedsstimmung lag über dem Abend und gab der Aufführung eine ganz besondere Atmosphäre.

**Richard Wagner** arbeitete insgesamt 26 Jahre am ***Ring des Nibelungen***, eine langgestreckte Zeitspanne, in welcher sich nicht nur die Welt des 19\. Jahrhunderts rasant veränderte, sondern auch die Person **Wagner,** der sich vom Sozialrevolutionär der Jahre 1848 zum royalen Protegé wandelte und die jeweilig wechselnden politischen und philosophischen Strömungen in sein Werk integrierte.

Der erste Entwurf zu einem *Nibelungen Drama* entstand also während der Revolutionszeit 1848/49\. Vollendet wurde das Werk vom Werden und Vergehen einer Welt erst 1874\. Wagner konzipierte das Drama von hinten nach vorne: er begann mit **Siegfrieds Tod**, der späteren **Götterdämmerung,** die auch den Kern des Dramas bildet, gefolgt von der Dichtung des „*Jungen Siegfried“, *Walküre** und **Rheingold**. Die Komposition wurde ab 1853 begonnen, nachdem der Text der gesamten Tetralogie vollendet war, nun aber in der zeitlich richtigen Abfolge, vom Beginn des **Rheingold** bis zur **Götterdämmerung.**

Von Bedeutung ist die zwölfjährige Unterbrechung der Komposition im 2\. Akt **Siegfried,** in welcher er **Tristan** und **Meistersinger**, komponierte, was entscheidenden Einfluss auf die musikalische Struktur, vor allem der Götterdämmerung haben sollte. Erst 1864 setzte er die Arbeit am Ring mit dem 3\. Akt **Siegfried** fort. Dennoch knüpfte Wagner in der Klangästhetik bruchlos an die vorangegangenen ***Ring-***Teile an. Das Finale des Werks veränderte **Wagner** mehrfach, der endgültige Schluss, der das Erlösungsmotiv zitiert (**Sieglindes** Ausruf aus dem 3\. Akt der **Walküre** „*O hehrstes Wunder“*), lässt das „*Prinzip Hoffnung*“ aufscheinen, auf den Trümmern einer alten Welt eine neue, bessere aufzubauen.

Das leitmotivische Material hat in der **Götterdämmerung** die größte Dichte erreicht, neue Figuren, Konstellationen, verlangen neue Themenbildungen, die wiederum ein engmaschiges Netz von motivischen Zusammenhängen knüpfen und so ein komplexes sinfonisches Gewebe entstehen lassen. Gleichzeitig wird durch vielschichtige Rückblenden und Reflexionen die Beziehung zum gegenwärtigen Geschehen ständig perspektivisch verändert.

Auf der anderen Seite greift **Wagner** im letzten Teil des ***Ring*** wieder zurück auf traditionelle Formen der „großen Oper“ mit Chören, Ensembles und Duetten, was sich aus der langen und retrospektiven Entstehung erklären lässt.

![Nationaltheater Mannheim / GÖTTERDÄMMERUNG Szenefoto © Christian Kleiner](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/08/goe-c-chrstian-kliner-neu-3.jpg)

Nationaltheater Mannheim / GÖTTERDÄMMERUNG Szenefoto © Christian Kleiner

In der **Götterdämmerung** spielt die mythologische Ebene nur noch vereinzelt in die Handlung hinein, wie die Nornenszene, der Besuch ***Waltrautes*** oder am Ende, wenn die *Rheintöchter* ihren Ring „zu Eigen“ nehmen. Endgültig angekommen in der Welt der Menschen, der Zivilisation, kulminiert die Gier nach dem Ring der Macht in der Figur des **Hagen,** der seine Halbgeschwister, die Gibichungen, instrumentalisiert und **Siegfried** tötet. **Brünnhilde** hat ihre Göttlichkeit durch die Vermählung mit **Siegfried** einbüßt, der sich seinerseits schnell in ihrer Welt zurechtfindet. **Alberich** erscheint als Randfigur in der Begegnung mit seinem Sohn **Hagen,** den er in einem letzten verzweifelten Versuch zur „*Nibelungentreue“,* verpflichtet, um doch noch in den Besitz des Rings zu kommen.

Wenn sich im Prolog zu den ersten schmerzerfüllten es-Moll / Ces-Dur Akkorden, dem Motiv von **Brünnhildes** Erwachen, der Vorhang öffnet, haben sich bereits die drei Nornen eingefunden, um die Vergangenheit, Gegenwart und die Zukunft neu zu verhandeln. Es sind drei junge attraktive Frauen, heutig gekleidet, Intellektuelle, die auf Stapeln von Zeitungen sitzen und Bücher lesen. Gleichzeitig werden auf der Leinwand dahinter übergroß Schriften und Werke der Autoren und Philosophen eingeblendet, die **Wagner** seit seiner Zeit als Revolutionär maßgeblich beeinflusst haben: **Feuerbach, Fichte, Hegel, Bakunin, Marx, Nietzsche** und natürlich **Arthur Schopenhauer** mit seinem Werk ***Die *Welt als Wille* und Vorstellung,*** in der dieser mit der pessimistischen Philosophie, der „*Verneinung des Willens“* der Entwicklung im **Ring** eine neue Richtung gegeben hatte. Die Zukunft können die *Nornen* nicht mehr sehen, die göttliche Weltordnung ist zerstört, andere Mächte bestimmen den Lauf der Welt: „*Zu End‘ ewiges Wissen“.*

Bilanzierend kann man feststellen: In der Inszenierung von **Yona Kim** und ihrem Team liegt der Fokus klar auf der Musik, ihrer Wiedergabe, die im Zusammenwirken mit der Handlung immer genügend Raum erhält. Wir begegnen wieder dem „altgewohnten“ Instrumentarium, wie dem „allwissenden Orchester“, das häufig an sinfonischen Stellen von der Livekamera gefilmt wird sowie den verschiedenen Instrumenten mit der ihnen hier zugeordneten Symbolik.

Die musikalische Ebene mit ihren eigenen Mitteln auch szenisch umzusetzen, schafft ein Bewusstsein für die Verzahnung des Wagnerschen Gesamtkunstwerks von Musik und Drama. Aber es bleibt bei Bebilderung, Hinweisen und Versatzstücken, viele Ansätze werden nicht weitergeführt und vertiefen die Zusammenhänge nicht. Videos nehmen nun einen größeren Raum ein, zeigen Rückblenden oder kontrapunktieren die Handlung, geben Hinweise, Assoziationen bzw. dienen als Wegweiser durch das Wagnersche Stimmengewebe.

![Nationaltheater Mannheim / GÖTTERDÄMMERUNG Szenefoto © Christian Kleiner](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/08/goe-christian-kleiner-neu-2.jpg)

Nationaltheater Mannheim / GÖTTERDÄMMERUNG Szenefoto © Christian Kleiner

Die Livekamera (**Benjamin Lüdtke**) führt uns durch den realen Orchestergraben mit den spielenden Musikern, der sich auf der Szene fortsetzt (Bühne: **Anna-Sofia Kirsch**). Dort sitzen sich **Siegfried** und **Brünnhilde** auf Orchesterstühlen gegenüber, zwei liebevoll zusammengebundene Celli senken sich von der Decke. **Siegfried** ist nun kein rot gekleideter „Haudrauf“, sondern ein seriös wirkender schwarzhaariger Mann im grauen Anzug und offenem Schlips. **Brünnhilde** die *„heilige Braut“* im leuchtend weißen Brautkleid (Kostüme: **Falk Bauer**). Im ekstatischen Duett der Liebenden werden die libidinösen Beziehungen der Musiker zu ihren Instrumenten wieder eingeblendet, zu „*Siegfrieds Rheinfahrt“*, einem scherzoartigen Intermezzo mit seinen genialen Hornrufen, purzeln viele Hörner im Miniformat über die Leinwand, man sieht einen kleinen Jungen, der Blätter untersucht, ein idyllisches Bild voller Unschuld. (Video: **Benjamin Jantzen**).

Die Welt der *Gibichungen* ist die von **Hagen, Gunther** und **Gutrune,** in welcher ihr Halbbruder **Hagen, Alberichs** Sohn und gleichzeitig sein infames Werkzeug der Rache, die zentrale Figur und intrigante Kraft verkörpert. **Hagen** wird als kleinbürgerlicher Durchschnittstyp gezeigt, mit gelbem Hemd (des Neides), Hosenträgern und Brille, **Gunther** und **Gutrune,**ein dekadentes Geschwisterpaar, hellblond und konservativ-edel gekleidet, glauben fälschlicherweise, Herren der Lage zu sein.

Hier zeigt **Yona Kim** mit differenzierter Personenführung, wie das infernalische Trio **Siegfried** in ihr intrigantes Spiel verwickelt. Für **Brünnhildes** Überwältigung auf dem Walkürenfelsen ist **Siegfried** zu einem furchterregenden Schergen mutiert, mit schwarzem Ledermantel, Sonnenbrille, glattem Haar und Seitenscheitel, ein äußeres Abbild seiner dunklen Psyche. Sein Gefolge steht bei Fuß, wenn **Brünnhilde** \- man ahnt es- brutalste Gewalt widerfahren wird ...

**Alberich** ist stark gealtert, kommt aus dem Zuschauerraum mit Gehstock und Beinprothese zum konspirativen Treffen mit **Hagen,** um ihn zur Macht-Ergreifung des Rings anzustacheln. Hagen bricht zusammen, die Bürde der Rache und Vernichtung wiegt auch für ihn manchmal zu schwer. Wenn er seine Mannen zusammenruft, zeigt die Leinwand seine verzerrte Mimik, in der sich sein ganzer Hass überdimensional widerspiegelt. Im Hintergrund sieht man das Bild der geschändeten Brünnhilde im blutigen Kleid.

Die silbernen **Rheintöchter-**Glamour Girls fordern **Siegfried** heraus, ihnen den *Ring* zu überlassen. Auf der Videowand im Hintergrund erkennt man undurchdringliche Kettenstränge im Nebel, kein Hauch von Natur ist mehr vorhanden. Dafür hätte **Siegfried** es beinahe geschafft, vor der ganzen Jagdgesellschaft ohne Hemmungen eine der *Rheintöchter* zu „*vernaschen“, *Gunther** kann dies gerade noch verhindern. Der Held hat sich schnell der Gesellschaft angepasst.

Hagen hat vorsorglich einen Metzger-Schurz angelegt und enthemmt Siegfried mit mehreren Drinks. Wenn dieser sich nun an Brünnhilde erinnert, färbt sich die Szene rot, **Hagen** erwürgt **Siegfried** mit seinen bloßen Händen (Licht: **Damian Chmielarz**).

Zur Trauermusik sieht man in einer Rückblende **Siegfried** als kleinen Jungen mit einem übergroßen Jackett reglos ins Publikum blicken. Eine Projektion **Brünnhildes** wird sichtbar, sie sitzt allein im leeren Opernhaus des **NTM,** wird immer näher herangezoomt, endlich hat sie die Zusammenhänge erfahren: „Alles, alles weiß ich“.

Ein Video zeigt wie **Brünnhilde** den sterbenden Wotan begleitet, eine berührende Szene voller Zärtlichkeit. Zum Schlussinferno wird neben dem Instrumenten-Arsenal ein *Erard*\-Flügel eingeblendet, dessen Tastatur mit Blut und Schmutz bedeckt ist, Schnee fällt auf die Tasten. (Richard Wagner komponierte dereinst auf einem Erard Flügel **Siegfried** und **Götterdämmerung**).

Am Ende bringen **Hagen** und **Alberich** sich gegenseitig um, **Brünnhilde** betrachtet ihren eigenen Untergang. Man sieht das Opernhaus des Nationaltheaters wie Walhall in Flammen aufgehen, die Musik kündet von einer hoffnungsvollen Zukunft, vielleicht auch für das Nationaltheater! Im Zuschauerraum sitzen die **Rheintöchter** und betrachten glücklich ihren **Ring**.

Auch im letzten Teil des **Ring-**Zyklus unterstrichen **Alexander Soddy** und das **Nationaltheater Orchester** mit dieser **Götterdämmerung**\-Interpretation ihre hohe Wagner-Kompetenz. **Soddy** bewies in diesem Mammutwerk einmal mehr seine besondere Affinität zu Wagners Musik.

![Nationaltheater Mannheim / GÖTTERDÄMMERUNG Szenefoto Die Rheintöchter © Christian Kleiner](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/08/goetterdaemmerung-c-christian-kleiner-neu.jpg "Nationaltheater Mannheim / GÖTTERDÄMMERUNG Szenefoto Die Rheintöchter © Christian Kleiner")

Nationaltheater Mannheim / GÖTTERDÄMMERUNG Szenefoto Die Rheintöchter © Christian Kleiner

Auch wenn in den Hörnern kleine Trübungen auftraten, an manchen Stellen die Balance zwischen Bühne und Graben nicht ganz ausgewogen war, so bestachen die Orchester-Zwischenspiele mit sinfonischem Glanz, großen Steigerungen, und nicht nachlassenden Spannungsbögen, dabei immer pathosfrei. Übergänge und Szenenwechsel waren organisch eingebunden, in **Siegfrieds** *Rheinfahrt* entfaltete **Soddy** aufschäumende Lebensfreude, akzentuiert er rhythmisch prägnant, arbeitete den Kontrapunkt klar heraus, die Bläsersoli klangen in dynamisch abgestuften Schattierungen, das Glockenspiel blitzte silbrig fein. Die dynamischen Grenzen auslotend, aber mit guter Kontrolle, gelang der Höhepunkt mit dem hervorragenden Chor, (Leitung: **Danis Juris**). wenn **Hagen** die Mannen ruft.

In der Trauermusik baute der Dirigent die Motivschichtungen in langen Steigerungen, liess das Leben des Helden in seinen Themen plastisch vorüberziehen. **Siegfrieds* Tod*  mit den erschütternden Paukenschlägen und Posaunen erhielt die nötige Tiefe und gipfelte im **Siegfried** Motiv mit dunkel-feierlicher Blechbläser-Tragik.

Nach **Fafner** und **Hunding** singt **P** **atrik Zielke** nun den **Hagen,** die Figur mit der schwärzesten Seele in **Wagners** Gesamtschaffen, vielleicht sogar in der ganzen Opernliteratur. Mit seiner hell timbrierten Bass-Stimme und harmlosen Erscheinung setzte Zielke einen spannenden Kontrapunkt zu den gängigen **Hagen** Klischees. Mühelos behauptet sich sein Bass mit dramatischem Aplomb in den Hoiho-Rufen gegen das Orchester, undurchschaubar wirkte er in seinem dumpfen Brüten, reagiert unberechenbar, plötzlich aggressiv oder exaltiert, dabei mit variabler Tongebung und immer wortdeutlich*. Ausgezeichnet!*

**Lise Lindstrom** zeigte mit ihrer jugendlichen Ausstrahlung und anrührender Darstellung die Entwicklung von der Jungmädchen-Walküre über die „erweckte Frau“ bis zur opferbereiten, tragisch liebenden Heldin. Ihre große Stärke sind glänzende Spitzentöne, intonationssicher und durchschlagsstark. Mit erstaunlicher Kondition gelingen ihr noch am Ende bei „Starke Scheite“ kraftvolle Aufschwünge und intensive Momente, allerdings zeigt die Höhe Schärfen, klang die Mittellage oft etwas brüchig und körperlos.

In der **Götterdämmerung** wirkte **Siegfried** nicht nur wie ausgewechselt, er war es auch. **Jonathan Stoughton** stellte eine gereifte Persönlichkeit dar, schwarzhaarig, fast abgeklärt, mit kontrolliertem Habitus und zweifelhaftem Charakter. Mühelos führte er seine schön timbrierte Stimme durch alle Lagen, überzeugte mit Lockerheit, starker Mittellage und klug disponierter Einteilung. Im Duett mit Brünnhilde setzte er heldentenorale Glanzlichter, die kleinen Intonationstrübungen am Schluss waren zu vernachlässigen.

**Thomas Berau** als „jammervoller Mann“ ***Gunther*** schien unter der Last seiner Gewissensbisse geradezu zusammenzubrechen. Bestach er am Anfang noch mit stolzer Herrscherpose, Siegerlächeln und seinem nobel-ausladendem Bariton, mischten sich mit zunehmenden Zweifeln an seinen Plänen auch deutliche stimmliche Störmomente in die Gesangslinie.

**Joachim Goltz** konnte mit seiner enormen Präsenz als gealterter **Alberich** wieder restlos überzeugen. Er formte ein scharf umrissenes Profil des lieblosen Zwerges, stimmlich und darstellerisch in jeder Phrase ideal und glaubhaft.

Die Gutrune von **Astrid Kessler** leuchtete äußerlich und stimmlich in hell-glänzenden Farben. Sie outete sich im Zusammentreffen mit Siegfried zunächst als raffiniertes Flittchen mit sinnlichem Sopranschmelz. Aufwühlend und mit tiefer Tragik gehen ihre Ausrufe am Ende *„sie haben Siegfried erschlagen*“ unter die Haut.

Eine angstvolle und gebrochene **Waltraute** war von **Marie-Belle Sandis** zu hören, mit großer Intensität und ausdrucksstarker Mittellage gestaltete sie ihre Erzählung „*Höre mit Sinn, was ich dir sage*“. **Julia Faylenbogen, Jelena Kordic** und Astrid Kessler hatten einen stimmstarken Auftritt als Nornen mit Durch-und Weitblick. Die *Rheintöchter* **Mirella Hagen, Rebecca Blanz** und **Maria Polanska** waren wieder ein klangschönes, homogen und perfekt intonierendes Trio, in ihrem mahnenden Ernst dennoch aufreizend, distanzlos und leicht „zu zähmen“.

Ovationen, langer, unfassbarer Jubel. Opernintendant **Albrecht Puhlmann** würdigte mit warmen Worten und einem Blumenstrauß den scheidenden GMD **Alexander Soddy.**

***Im Oktober wird der Ring mit allen Mitwirkenden in Daegu, Südkorea aufgeführt werden. Auf eine Wiederaufnahme in den heimischen Ersatzspielstätten darf man für die Zukunft hoffen.***

**„Wollt ihr wissen, wann das wird?“**

\---| IOCO Kritik Nationaltheater Mannheim |---