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# Mannheim, Nationaltheater Mannheim, DIE WALKÜRE - Richard Wagner, IOCO Kritik, 23.07.2022
- URL: https://www.ioco.de/mannheim-nationaltheater-mannheim-die-walkure-richard-wagner-ioco-kritik-23-07-2022/
- Published: 2022-07-23T13:00:00.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:10:52.000Z
- Author: Uschi Reifenberg
- Tags: Oper & Operette, Konzert & Liederabend, Kritiken, Mannheim

![Nationaltheater Mannheim](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/01/nationaltheater_annheim_.jpg)

[Nationaltheater Mannheim](http://www.nationaltheater-mannheim.de/?ref=ioco.de)

![NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/05/ntm-_-nationaltheater-mannheim-foto-christian-kleiner-neu.jpg)

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

## ***DER RING DES NIBELUNGEN* \- Richard *Wagner***

#### **\- DIE WALKÜRE - 17.07.2022 - Das Gold des Orchesters - Der Ring aus einem Guss -**

von **Uschi Reifenberg**

#### **DAS MUSIKDRAMA ALS KAMMERSPIEL UND DIE VERWUNDETE KLARINETTE**

![Richard Wagner Büste © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/01/richard-wagner-foto-ioconeu-1.jpg)

Richard Wagner Büste © IOCO

Nach der *[*Rheingold-Premiere,* link HIER](https://www.ioco.de/2022/07/17/mannheim-nationaltheater-mannheim-das-rheingold-richard-wagner-ioco-kritik-17-07-2022/),* feierte am **Nationaltheater Mannheim** nur eine Woche später ***Die Walküre***, der erste Tag des Bühnenfestspiels von **Richard Wagners *Der Ring des Nibelungen*** ihre Premiere.

Als letzte Vorstellung der Spielzeit im *„alten *NTM*“* wird die **Götterdämmerung** den *„Sanierungs-Ring“* komplettieren und das Publikum über die langjährige Schließung des Theaters hinwegtrösten und -begleiten. Auch Generalmusikdirektor **Alexander Soddy** verabschiedet sich mit Wagners monumentalen Weltendrama von Mannheim und mobilisiert zusammen mit dem Orchester noch einmal alle Energien für ein letztes Grossereignis, was bis zur Halbzeit blendend gelungen ist.

Eine zyklische Aufführung, also alle vier Teile des **Ring** innerhalb weniger Wochen oder Tage zu erleben, bietet einen umfassenden Blick auf das gewaltige Werk und lässt eine Sogwirkung entstehen, der man sich schwer entziehen kann und will. Ein solches *„Wagner-intensiv-Erlebnis“*, das in herausgehobener Atmosphäre das Eintauchen in den **Wagnerschen** Kosmos ermöglicht, verspricht sowohl höchsten Genuss als auch Erkenntnisgewinn. Unwillkürlich stellt sich der Serieneffekt ein. Mit jeder neuen Aufführung steigt die Spannung, will man hören und sehen wie es weitergeht ...

Die Regisseurin **Yona Kim** und ihr Team entwickeln in der **Walküre** konsequent weiter, was sie im ***Rheingold*** begonnen hatten. Die Fokussierung auf das Orchester als   *„allwissender Erzähler“* steht wieder im Zentrum sowie die verschiedenen Instrumente, die als personalisierte und symbolische Bedeutungsträger auf der Bühne und im Graben die musikalische Aussage verstärken und greifbarer machen sollen. Einer eindeutigen Interpretation enthält sich die Regisseurin, sie gibt lediglich thematische Hinweise, Assoziationen, macht Andeutungen und verzichtet auf spektakuläre Bühneneffekte. Für die entscheidenden Wendepunkte des Dramas, die Dialoge **Wotans** mit **Brünnhilde** und **Fricka**, wird die Spielfläche verengt, die Konzentration auf Text und Musik verstärkt.

![Nationaltheater Mannheim / DIE WALKÜRE hier Jelena Kordic als Fricka, Patrick Zielke als Hunding, Renatus Mészár als Wotan © Christian Kleiner](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/07/jelena-kordic-als-fricka-patrick-zielke-als-hunding-renatus-meszar-als-wotan-c-christian-kleiner-neu.jpg)

Nationaltheater Mannheim / DIE WALKÜRE hier Jelena Kordic als Fricka, Patrick Zielke als Hunding, Renatus Mészár als Wotan © Christian Kleiner

Projektionen (Video: **Benjamin Jantzen**) und die Livekamera **(Benjamin Lüdtke**) sorgen für perspektivische Erweiterungen, zeigen Abseitiges. Parallel dazu erhält die Familien- respektive ***Wotan*\-**Tragödie besonderes Gewicht, ebenso die Welt der Menschen, die den Göttern nun zu Hilfe eilen sollen, da diese in unentwirrbaren Verstrickungen und Selbstbetrug gefangen sind. Der Held in Freiheit als Erlöser erscheint als einziger Ausweg aus der tragischen Situation Wotans, ist aber ebenfalls zum Scheitern verurteilt wie der vorbereitete Inzest-Plan seines Zwillingspaars **Siegmunds** und **Sieglindes.**

Yona Kim gibt im 1.Akt wieder den nach hinten geöffneten Bühnenraum frei (Bühnenbild: **Anna-Sofia Kirsch**) mit dem Kettenvorhang als Projektionsfläche und den Instrumenten-Requisiten, welche die Szenen bebildern. Die Figuren werden in ihren spannenden Auseinandersetzungen gezeigt, es entstehen kammerspielartigen Szenen auf fast leerer und dunkler Bühne. So dringt man unabgelenkt auf die inneren Dramen vor, entblößen sich in den Dialogen die Protagonisten bis in die Tiefenschichten ihrer Seelen.

![Nationaltheater Mannheim / DIE WALKÜRE © Christian Kleiner](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/07/walkuere-gp-foto-christiankleiner-0012neu.jpg)

Nationaltheater Mannheim / DIE WALKÜRE © Christian Kleiner

In einem Schattenriss sieht man zunächst ***Hunding,*** der sich mit eiskaltem Blick und beflecktem grauen Anzug als Sadist entpuppt. **Hunding** ist bereits bei Siegmunds Ankunft präsent und scheut keine Gewalt, nicht einmal die Zerstörung von Instrumenten. Ein blutiges Seil dient ihm als Waffe, dieses setzt er als Peitsche oder Fessel ein, am Ende des 2\. Aktes wird er damit **Siegmund** erdrosseln. Seine Frau **Sieglinde** hält er in einer Spirale der Unterdrückung gefangen. **Patrik Zielke** hat sich in den Fiesling **Hunding** verwandelt und sorgt mit stimmlicher und darstellerischer Intensität und einer gefährlich lauernden Haltung für Gänsehaut. Seinem wandlungsfähigen Bass mischt nicht nur in der Konfrontation mit **Siegmund** dunkel-bedrohliche Farben bei, mächtig auftrumpfend erhebt sich seine tragfähige Stimme bei „*Fort aus dem Saal“.*

**Siegmund, Sieglinde** und **Hunding**sitzen zu Beginn des 1\. Aktes auf Schemeln und blicken weitestgehend ohne Interaktionen Richtung Zuschauerraum, in ihrer Statuarik und Bewegungslosigkeit eine verstörende Konstellation. Siegmunds Erzählung „Friedmund darf ich nicht heißen“, wird von den beiden anderen Akteuren fast mit Desinteresse aufgenommen. Das Liebeserwachen zwischen **Siegmund** und **Sieglinde** findet nur im Cello-Solo statt, das die zaghaften Gesten und innigen Blicke übernimmt und berückend schön in Klang umsetzt. Ein Schwert ist ebenfalls nicht vorhanden, es existiert nur als Leitmotiv in den Bläsern. **Sieglinde** hält eine „halbe“ Klarinette schützend im Arm, die einen blutigen Verband trägt, vor der Liebesszene mit Siegmund wird das fehlende Instrumententeil dann aufgesteckt, die beiden Hälften haben sich wiedergefunden, sie sind -im platonischen Sinne- Eins geworden.

**Hundings** Schlaftrunk wird als Projektion gezeigt, dann fällt er betäubt auf ein Cello. Jetzt erst kommt Leben in das Zwillingspaar, entstehen Aktionen und Berührungen.

Das „*Frühlingserwachen*“ des Wälsungenpaares wird wieder fast ausschließlich dem Orchester überlassen, zwei Leinwände dienen Siegmund und Sieglinde als Hintergrund für ihre „Arien“ *„Winterstürme wichen dem Wonnemond“* und „*Du bist der Lenz“*, dann verschmelzen die Wände ineinander und das farbenfrohe Bild „Geschwister“ des expressionistischen Malers Max Beckmann wird projiziert, welches das Wälsungenpaar in körperlicher Vereinigung zeigt, getrennt durch ein Schwert. Das „blühende Wälsungenblut“, die Zeugung **Siegfrieds,** wird von **Wotan** fast hautnah überwacht, soviel Indiskretion treibt einem fast schon die Schamröte ins Gesicht. Aber es wird spätestens jetzt klar: **Wotan** hat alles eingefädelt.

**Jonathan Stoughton** erscheint als verwundeter Außenseiter, singt den **Siegmund** mühelos, mit biegsamem und leicht ansprechendem, heldischen Tenor, üppig tragendem Klang, kraftvoll strahlend und absolut höhensicher. Seine Aufrichtigkeit und Verletzlichkeit offenbart er bei „*gehr’t ich nach Wonne, weckt ich nur Weh ... “, in den „Winterstürmen“* spannt er weite Phrasen, singt die Höhepunkte emphatisch aus, die Wälserufe haben ideales „Timing“. Im 2.Akt steigert er sich in der „Todesverkündigung“ zu heldischer Größe.

![Nationaltheater Mannheim / DIE WALKÜRE hier Renatus Mészár als Wotan, Jonathan Stoughton als Siegmund, Viktorija Kaminskaite als Sieglinde © Christian Kleiner](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/07/renatus-meszar-als-wotan-jonathan-stoughton-als-siegmund-viktorija-kaminskaite-als-sieglinde-c-christiankleiner-neu.jpg)

Nationaltheater Mannheim / DIE WALKÜRE hier Renatus Mészár als Wotan, Jonathan Stoughton als Siegmund, Viktorija Kaminskaite als Sieglinde © Christian Kleiner

**Viktoria Kaminskaite** als seine „Schwester und Braut“ ***Sieglinde*** steht ihm in nichts nach. Äußerlich erscheint sie zunächst eher bieder, mit verkrampfter Körpersprache, befreit sich aber in der Begegnung mit **Siegmund** immer mehr von ihren Fesseln und wächst zur bedingungslos liebenden Frau. Ihr variabler jugendlicher Sopran lodert bei „*Du bist der Lenz“* glutvoll und farbenreich, ihre Spitzentöne entstehen organisch aus der Gesangslinie, in welche sie wunderbar eingebunden sind, in der Szene im 2\. Akt „Horch, die Hörner“ steigert sie sich zu wahnhafter Größe, das *„O Hehrstes Wunder*“ im 3\. Akt wird zum strahlenden Höhepunkt.

Große Momente bietet der 2\. Akt, Kammerspiel-Szenen, changierend zwischen **Wotans** Selbstreflexion, Aufbegehren sowie dem Eingeständnis des Scheiterns, das zur Resignation und dem Ende aller Utopien führen muss. **Wotans** siegessicherer Auftritt im 2\. Akt strotzt vor Selbstgefälligkeit und Kampfeslust, zwischen ihm und seiner Lieblingstochter ***Brünnhilde*** besteht eine umfassende geistige und körperliche Bindung, auch nimmt er es nicht so genau mit väterlichen Grenzen, Inzest ist in der Götterwelt so üblich, wenn er ihr *„den kindischen Mund Kost“,* wird klar, sie ist *„seines Wunsches schaffender Schoss“.*

Im 2\. Akt begleiten Flügel als wichtige Instrumente die Handlung. **Fricka** wird auf einem Flügel sitzend statt auf einem *„Widdergespann*“ hereingefahren, zur Flucht des Liebespaares erscheint eine riesige Klaviertastatur, **Siegmund** und **Sieglinde**liegen bei der Todesverkündigung auf einem Flügel, ein vielfältig einsetzbares Instrument und Möbelstück.

**Fricka** hat deutlich an Profil gewonnen, sie präsentiert sich als attraktive und selbstsichere Göttergattin, die Regeln und gesellschaftliche Werte achtet und die ihren Mann trotz seiner vielen Seitensprünge liebt. Mit unbestechlicher argumentativer Rigorosität und süffisantem Lächeln entlarvt sie den Selbstbetrug **Wotans,** demütigt ihn und verpasst ihm als Krönung ihres Triumphes einen Schlag mit der Handtasche. Zurück bleibt ein gebrochener Gott, der erst in der Aussprache mit **Brünnhilde** wieder zu sich selbst finden kann.

**Jelena Kordic** als **Fricka** überzeugt mit Haute Couture und vokaler Eleganz, ihr heller und voluminöser Mezzosopran klingt schmeichelnd und mit verführerischem Timbre bei *„Deiner ew‘gen Gattin“,* dann wieder energisch auftrumpfend, kultiviert und ausgewogen führt sie die Stimme im tieferen Register, die sichere Höhe glänzt obertonreich, besonders bei „*die Gattin entweiht er nicht so“.*

**Brünnhilde** ist eine ideale „Wunschmaid“ ein zierliches blondes Mädchen, schwarz gekleidet (Kostüme**: Falk Bauer**), zart besaitet, mit Brünne und Geigenbogen, den sie wie ein Schwert führt.

*„Mit mir nur rat‘ ich, red‘ ich zu Dir“*, die radikale Selbstentäusserung **Wotans** wird zu einer der Kernszenen. Vater und Tochter liegen beisammen, in völligem Dunkel, dicht aneinandergeschmiegt, die Gesichter videotechnisch vergrößert, ein Bild voller Intimität, Nähe und Zärtlichkeit. Dieses symbiotische Verhältnis wird aufgebrochen, wenn **Brünnhilde** sich emanzipiert, sich gegen den Vater stellt. Der *„herrische Gott“* wird seiner ambivalenten Gefühle nicht Herr, er ohrfeigt in seiner Verzweiflung sogar seine „*Schildmaid“* bevor er, begleitet von Blechblasinstrumenten, davonstürzt. Eine starke Szene.

Zum martialischen Vorspiel des 3\. Aktes, dem *„Walkürenritt“,* eine der am häufigsten zitierten Kompositionen der Musikliteratur, sieht man im Bühnenhimmel aufgehängte Reitsättel, die sich auf-und abwärts bewegen. Sie gehören zu den acht Walküren, die hier als geklonte Fechtmeisterinnen auftreten, stramm mit ihren Floretten an der Rampe stehen und ihre virtuosen „Hojotoho“-Rufe enthusiastisch ins Publikum schmettern, was ihnen wirklich ausgezeichnet gelingt.

Die letze entscheidende Auseinandersetzung zwischen ***Wotan*** und ***Brünnhilde*** macht die Tragik des traurigen Gottes erlebbar und zeigt bei aller Qual die Liebeshoffnung, die sich beide bewahren.

![Nationaltheater Mannheim / DIE WALKÜRE hier Benjamin Lüdtke Livekamera, Viktorija Kaminskaite als Sieglinde, Patrick Zielke als Hunding © Christian Kleiner](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/07/benjamin-ludtke-livekamera-viktorija-kaminskaite-als-sieglinde-patrick-zielke-als-hunding-neu.jpg)

Nationaltheater Mannheim / DIE WALKÜRE hier Benjamin Lüdtke Livekamera, Viktorija Kaminskaite als Sieglinde, Patrick Zielke als Hunding © Christian Kleiner

**Renatus Mészár** ist ein charismatischer und viriler Göttervater, stark in der Darstellung, mit charakteristischer Stimmfarbe und reicher Ausdruckspalette. Er hat den **Wotan** bis in die letzten Seelenregungen durchdrungen, färbt jede Phrase nuanciert, besticht mit blendender Deklamation und besitzt ausreichend Kondition für den großen Abgesang beim Feuerzauber „Leb wohl, du kühnes, herrliches Kind“. Meszar spannt den Bogen von sensibler Innerlichkeit mit fein abgestuften Lyrismen „*Der Auge leuchtendes Paar“*, bis zu herrischen dramatischen Ausbrüchen *„Ha, Freche du“,* besonders eindrucksvoll geraten die resignativen Entscheidungen, die der Weltordnung eine neue Richtung geben werde*n „Nur eines will ich noch:das Ende“.*

**Lise Lindstrom** ist als **Brünnhilde** eine blendende und jugendliche Erscheinung, verständlich dass sie die Verkörperung von Wotans Wille darstellt. Selten hört man die Hojotoho Rufe zu Beginn des 2.Aufzuges so jubilierend, strahlend und mühelos. Ihr dramatischer Sopran klingt in der Höhe gleißend, ohne Schärfe, die Mittellage ist leicht ansprechend, ihr klangschöner Sopran trägt bestens und wird immer unforciert und natürlich geführt. **Lindstrom** ist keine kraftstrotzende Heroine, sondern ein einfühlsames und sympathisches junges Mädchen. Ihre Gestaltung lässt viel Potenzial für die Entwicklung dieser Figur bis zur Götterdämmerung erkennen.

Wenn **Brünnhilde** von **Wotan** in *„festen Schlaf*“ verschlossen wird, muss sie die Position eines Denkmals in kniender Haltung auf einem Sockel einnehmen, umringt von Blasinstrumenten als Feuerring. Die preußische Pickelhaube auf dem Kopf, eine Augenbinde, ein Schild in der einen Hand, den Geigenbogen in der anderen. Man hofft, dass sie bis zur Erweckung durch **Siegfried** in dieser Position durchhält.

Das Walküren-Oktett **Estelle Kruger, Frédérique Friess, Rebecca Blanz, Marie-Belle Sandis, Linsey Coppens, Jelena Kordic, Katharina von Bülow** und **Julia Faylenbogen** präsentierten sich stimmstark, homogen und bestens aufeinander abgestimmt.

**Alexander Soddy** erweist sich zweifellos als Ring-Dirigent von Format. Gemeinsam mit dem Nationaltheater Orchester beschwört er pure Wagner Magie aus dem Graben, mit wunderschön durchgeformten Instrumentalsoli, kammermusikalischer Transparenz, fein strukturiert und farbintensiv und in bester Balance mit den Sängern. Rauschhafte Überwältigungsmusik erklingt bei *„*Wotans* Abschied“*, opulente Motivschichtung, kompakte Grundierung vom tiefen Blech ohne vordergründiges Pathos, ein geerdeter Klang von Tuba und Posaunen, der ins flirrend-glänzende Feuerzauber Motiv übergeht, **Soddy** entfaltet einen pastosen Feuerzauber, mit weit spannungsgeladenen Bögen, voller Tragik und Sehnsucht.

***Nach so viel purem Wagner-Glück spendete das Publikum Soddy, den Sängern und dem Orchester lange frenetischen Beifall, für die Regie mischten sich hörbare Buhs in den Applaus. Man darf sich auf den Siegfried freuen.***

\---| IOCO Kritik Nationaltheater Mannheim |---