> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://www.ioco.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Der Rosenkavalier von Richard Strauss, IOCO Kritik, 21.02.2018
- URL: https://www.ioco.de/mannheim-nationaltheater-mannheim-der-rosenkavalier-von-richard-strauss-ioco-kritik-21-02-2018/
- Published: 2018-02-21T09:00:42.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:44:04.000Z
- Author: Uschi Reifenberg
- Tags: Oper & Operette, Premiere, giuseppe verdi, Pressemeldungen & Nachrichten, Verdi, Premieren, Mannheim

![Nationaltheater Mannheim](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/01/nationaltheater_annheim_.jpg)

[Nationaltheater Mannheim](http://www.nationaltheater-mannheim.de/?ref=ioco.de)

![Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/02/nationaltheater_mannheim_c_hans_joerg_michel.jpg "Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel")

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

# ***Der Rosenkavalier* von Richard Strauss**

**"Im Reich der Klangfarben"**

Von **Uschi Reifenberg**

Zu einem Opernabend der Superlative geriet der ***Rosenkavalier*** am Nationaltheater Mannheim in der Wiederaufnahme von **Olivier Tambosi** aus dem Jahre 1997\. Nicht nur das herausragende Dirigat von **Alexander Soddy,** das beglückend aufspielende Orchester, sondern auch das in nahezu allen Rollen exzellent gestaltende hauseigene Ensemble ließ die *“Komödie für Musik“* zu einem *„ festlichen Opernabend“* werden.

![Nationaltheater Mannheim / Der Rosenkavalier - hier vl Maria Markina als Octavian und Astrid Kessler als Marschallin © Hans Jörg Michel](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/02/11325_rosenkavalier_wa2017_hjm_150.jpg)

Nationaltheater Mannheim / Der Rosenkavalier - hier vl Maria Markina als Octavian und Astrid Kessler als Marschallin © Hans Jörg Michel

**Der Rosenkavalier** von **Richard Strauss** und **Hugo von Hofmannsthal** ist eines der meist gespielten Werke der Opernliteratur und eine der genialsten musikalischen Komödien überhaupt. Nach den eher düsteren antiken Stoffen von **Salome** und ***Elektra*** drängte es **Strauss** zu einem heiteren, leichten Stoff nach mozartschem Vorbild. Die von **Hofmannsthal** 1909 erfundene Komödienhandlung vermittelt ein lebendiges Wiener Sittenbild aus der Zeit **Maria Theresias** um 1740\. Stilmittel der opera buffa wie Verkleidung, Verwechslung und Intrigen fehlen ebenso wenig wie die Typencharaktere von Zofe, Notar oder Medicus. Auch die Hosenrolle des ***Octavian*** verweist auf **Mozarts** berühmtes Vorbild, den **Cherubino** in **Figaros Hochzeit.**Beschritt **Strauss** in den Opern ***Salome*** und ***Elektra*** den Weg in die musikalische Avantgarde mit hochexpressiven Dissonanzverbindungen, die bis an die Grenzen der Tonalität führten, so wandte er sich im **Rosenkavalier** wieder der traditionellen Kompositionsästhetik des 19\. Jahrhunderts zu. 1909 komponierte **Arnold Schönberg** die *Klavierstücke op. 11,* die in ihrer Atonalität als ein Fundament der modernen Musik gelten. In diesem Kontext fungiert der ***Rosenkavalier*** \- 1911 in Dresden uraufgeführt - mit seiner Rokoko- Verspieltheit, Walzerseligkeit und Maskerade auch als Gegenentwurf einer kunstvoll verklärten Epoche zu den konsequenten Entwicklungen der Moderne.

![Nationaltheater Mannheim / Der Rosenkavalier - hier vl Thomas Berau, Estelle Kruger, Patrick Zielke als Baron Ochs auf Lerchenau und Nikola Hillebrand als Sophie © Hans Jörg Michel](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/02/11332_rosenkavalier_wa2017_hjm_150.jpg)

Nationaltheater Mannheim / Der Rosenkavalier - hier vl Thomas Berau, Estelle Kruger, Patrick Zielke als Baron Ochs auf Lerchenau und Nikola Hillebrand als Sophie © Hans Jörg Michel

Die Vergänglichkeit, das unausweichliche Verrinnen der Zeit, das von der ***Marschallin*** in ihrem Monolog melancholisch reflektiert wird, durchzieht wie ein Leitfaden das gesamte Werk: *„Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding. Wenn man so hinlebt, ist sie rein gar nichts. Aber dann auf einmal, da spürt man nichts als sie.“* Die Resignation angesichts ihres nahenden Alters verwandelt die ***Marschallin*** am Ende der Oper in weisen Verzicht und Altersmilde, ähnlich dem **Hans Sachs** in **Wagners *Meistersingern*** *.* Wahre Größe beweist sie, wenn Sie ihren jungen Liebhaber **Octavian** seiner gleichaltrigen geliebten **Sophie** zuführt.

 **Inszenierung von Olivier Tambosi - 1997**

Die Inszenierung von **Olivier Tambosi** von 1997 verzichtet konsequent auf historisierendes Ambiente und lässt durch Reduktion der Bühnenbilder und ausladende farbige Räume viel Platz für eine differenzierte Personenführung. **Frank Philipp** Schlössmann zeichnet verantwortlich für die Bühne und die farbenprächtigen Kostüme. Den 1\. Akt prägt ein blauer Innenraum mit großem Wandspiegel, dessen Boden mit Silberpapier ausgekleidet, Wasser und Wellen symbolisiert. In der Mitte steht ein Boot, das dem Liebespaar ***Marschallin - Octavian*** als Bett dient. **Faninals** Palast erstrahlt in gleißendem Weiß, an dessen Wänden zahlreiche kleine Kanonen angebracht sind, was der Szene einen surrealen Charakter verleiht. Das Bühnenbild des 3\. Aktes ist in leuchtendem rot gehalten, bestückt mit einem geneigten Holzgehäuse als *„Beisel“,* welches am Ende entrümpelt wird und auseinander driftet. Zurück bleibt ein einsames Bett vor blauem Hintergrund, anknüpfend an das erste Bild, in welchem nun die jungen Liebenden ihr Schlussduett singen.

**Astrid Kessler** gestaltet eine fragile, jugendliche ***Marschallin*** mit höhensicherem, in allen Lagen ausgeglichenem lyrischen Sopran und findet in ihrem Zeitmonolog zu sensiblen Zwischentönen, beseelten piani und anrührender Melancholie im Bewusstsein des Alterns, der Verwandlung und des Abschieds. Beeindruckende Leuchtkraft entwickelt ihr Sopran im ausdrucksstarken Schlussterzett. **Patrik Zielke** stattet den bäurisch-dionysischen **Baron Ochs auf Lerchenau** mit machohaftem Dünkel aus, vor dessen handgreiflichen Avancen kein weibliches Wesen sicher ist. Mit seinem höhensicherem Bass und viel Sinn für den hintergründigem Humor der **Hofmannsthalschen** Dichtung lässt er auch in puncto Textverständlichkeit keine Wünsche offen.

![Nationaltheater Mannheim / Der Rosenkavalier - hier Ensemble © Hans Jörg Michel](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/02/11335_rosenkavalier_4294_hjm_150.jpg)

Nationaltheater Mannheim / Der Rosenkavalier - hier Ensemble © Hans Jörg Michel

**Maria Markina** als ***Octavian*** schlüpft virtuos in die verschiedenen Verkleidungen und überzeugt sowohl als feinsinniger Aristokrat und Überbringer der silbernen Rose wie als unbedarftes *Mariandl vom Land.* Ihr voluminöser Mezzo weist deutlich ins dramatische Fach und besticht mit schöner Phrasierung der weit geschwungenen **Strauss‘schen** Bögen. **Nikola Hillebrand** ist als **Sophie** das perfekte *Wiener Madl.* Glaubhaft gestaltet sie die Entwicklung vom Aufkeimen ihrer ersten Liebe zur selbstbewussten jungen Frau. Ihr heller Sopran schwingt sich in silberne Höhen und scheint nach oben keine Grenzen zu kennen. Im magischen Moment des gegenseitigen Sich- Erkennens scheint die Zeit still zu stehen und man möchte *„zum Augenblicke sagen: verweile doch, du bist so schön.“*

**Thomas Berau** als neureicher Waffenhändler ***Faninal,*** der seine Tochter ***Sophie*** an **Ochs** verschachern möchte, beeindruckt mit großer Stimme und heldischem Aplomb. Als Valzacchi überzeugt **Christoph Diffey** mit klarem hellen Tenor und **Marie-Belle Sandis** gibt seiner Mitstreiterin **Annina** mit volltönendem und tragfähigem Mezzo Charakterschärfe. Als vorzügliche *Leitmetzerin* gefällt **Estelle Kruger** mit strahlenden Spitzentönen. **Andreas Hermann** verströmt als *Sänger* üppigen Belcanto -Wohlklang und als *Wirt* erfreut **Uwe Eikötter** mit markantem Charaktertenor. **Tibor Brouwer** gestaltet sowohl den *Notar* als auch den *Polizeikommissar* mit schön timbriertem Bariton. Des Weiteren runden **Jung-Woo Hong, Markus Grassmann, Lara Brust, Leah Weisbrodt** und **Aglaia Ast** das hervorragende Ensemble ab. **Alexander Soddy** und das **Nationaltheater Orcheste**r liefern ein wahres Feuerwerk an Klangfarben und ziehen alle Register ihres Könnens. In den kammermusikalisch intimen Momenten mit Detailausformung, feiner Präzisierung, wunderbar austariertem Holzbläsersoli, perfekt balanciertem Blech, expressiv wogenden Klangschichtungen mit dramatischen Zugriff bis zum orgiastischen Walzertaumel leuchtet ***Soddy*** alle Facetten der Strauss‘schen Tonsprache aus. Tadellos auch Chor und Kinderchor des Nationaltheaters.

Das begeisterte Publikum im ausverkauften Opernhaus entließ alle Mitwirkenden erst nach langem Beifall.

\---| IOCO Kritik Nationaltheater Mannheim |---