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# Magdeburg, Theater Magdeburg, Rigoletto - Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 06.01.2021
- URL: https://www.ioco.de/magdeburg-theater-magdeburg-rigoletto-giuseppe-verdi-ioco-kritik-06-01-2021/
- Published: 2022-01-05T11:00:14.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:08:55.000Z
- Author: Christian Biskup
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Magdeburg

![theater_magdeburg.jpg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/theater_magdeburg.jpg "Theater Magdeburg")

[**Theater Magdeburg**](http://www.theater-magdeburg.de/?ref=ioco.de)

![Theater Magdeburg © Andreas Lander](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/01/theater-magdeburg-2c-andreas-landerneu.jpg)

Theater Magdeburg © Andreas Lander

# ***Rigoletto*  \- Giuseppe Verdi**

***\- Sparafucille und Gilda in ihrem "Wohnwagen der Freuden" -***

von **Christian Biskup**

*„Oh, *Le roi s’amuse* ist der großartigste Stoff und vielleicht sogar das größte Drama der Moderne. Triboulet ist einer Erfindung Shakespeares würdig!!* \[…\] *Als ich bei der Durchsicht verschiedener Sujets *Le roi s’amuse* durchging, durchfuhr es mich wie ein Blitz, wie eine plötzliche Erleuchtung.“* So schrieb **Giuseppe Verdi** 1850 in einem Brief über das „königliche“ Schauspiel aus der Feder **Victor Hugos**. Das Stück hat ja auch alles: Liebe, Rache, Drama und bei allem Ernst auch seine Komik, weshalb es Verdi wohl auch für eine seiner berühmtesten Schöpfungen als Vorlage nahm: Die Oper **Rigoletto.** Im **Theater Magdeburg** erfuhr das Werk eine überzeugende Darbietung.

Regisseur **Christian von Götz** legt das Stück nicht als romantische Liebesgeschichte **Gildas** an, sondern fokussiert das Leiden **Rigolettos** in seiner unmenschlichen Umwelt. Der Herzog wird als sadistischer Herrscher gezeichnet, dessen Vergnügungssucht und brutale Sexualpraktiken stillschweigend am Hof geduldet werden. Frauen werden zu Gegenständen, die seine Lust befriedigen sollen und hinterher „entsorgt“ werden. Erst als **Rigolettos** Tochter, das einzige Wesen, das ihm Liebe schenkt, an den Hof kommt, richtet sich der Narr auf und versucht seine ganze (Ohn-)Macht für die Rettung seiner Tochter einzusetzen.

![Theater Magdeburg / Rigoletto hier Sparafucille und sein &quot;Wohnwagen der Freuden&quot; © Andreas Lander ](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/01/07-theatermd-rigoletto-hpk-159-jonathan-winell-karina-repova-foto-andreas-landerneu.jpg)

Theater Magdeburg / Rigoletto hier Sparafucille und sein "Wohnwagen der Freuden" © Andreas Lander

**Götz** überfrachtet die Handlung nicht mit Symbolen oder neuen übergestülpten Geschichten. Vielmehr wird der Inhalt – wenn auch mit modernen Mitteln und Bildern – schlicht und eindringlich erzählt. So sind die originalen Handlungsorte durchaus noch in dem herzoglichen Palastzimmer alá **Berlusconi** (samt *Bunga-Bunga-Party*) und in **Sparafuciles** „*Wohnwagen der Freuden“* (Foto oben) wiederzuerkennen. **Rigolettos** Zimmer hingegen wird zu einer hellerleuchteten Kirche, in der die Reinheit Gildas wie der Gral gehütet wird (Bühne: **Dieter Richter**). Dazu passen auch manche komischen Regieeinfälle, wie das Ummanteln **Gildas** mit Absperrband, das die Schergen des **Herzog von Mantua** natürlich nicht aufhält, sie zu entführen. Nicht minder amüsant ist die Personenführung bei den Orgien im Palast, bei der auch die Kostümbildnerin **Sarah Mittenbühlen** die verrücktesten Kopfbedeckungen beisteuert. Das komödiantische Highlight war jedoch der Auftritt der ***Herzogs*** vor seinem berühmten *„La donna è mobile“*. In der kurzen Pause vor seinem Einsatz sah der Regisseur vor, dass der **Herzog** vor seiner Freudennacht eine Prise Kokain die Nase hochziehen sollte – was so taktgenau geschah, dass es **Verdi** selbst hinein komponiert haben könnte.

Bei all den komischen Elementen blieb der Fokus dennoch auf das Drama gerichtet. Dass dieses unter die Haut ging, verdankte man vor allem **Kihun Yoon** als ***Rigoletto.*** Obgleich schauspielerisch schon stark, verfügte er über einen solch wandelbaren und expressiven Bariton, dass man seine ganze Gefühlswelt auch blind hätte nachvollziehen können. Seine Stimme ist voluminös, wuchtig, aber dabei so flexibel, dass sie von einem starken Ausruf unmittelbar ins schönste Pianissimo gleiten konnte. Dies kommt besonders der großen Arie „*Cortigiani, vil razza dannata“* zu gute. Wie gewaltsam verzweifelt ist sein Wutausbruch, wie flehend weinerlich seine Bitten. Sein Klang erinnert an den großen italienischen Sänger **Apollo Granforte** (1886-1975). Kurzum – **Yoon** gelingt eine vollkommen überzeugende Rollengestaltung.

![Theater Magdeburg / Rigoletto hier Gilda im herzoglichen Palast © Andreas Lander](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/01/03-theatermd-rigoletto-hpk-191-katerina-von-bennigsen-karina-repova-johannes-stermann-foto-andreas-landerneu.jpg)

Theater Magdeburg / Rigoletto hier Gilda im herzoglichen Palast © Andreas Lander

Dies gilt auch für **Hyejin Lee,** welche die Rolle der **Gilda** übernahm. Äußerst jugendlich aussehend und kostümiert, konnte sie auch mit ihrem schlanken und leichten Sopran die, hier sehr infantil angelegte, Rolle bestens gestalten. In den Koloraturen flexibel, glich ihre Stimme bei zunehmender Höhe einem gleißenden Licht – strahlend und direkt, mit wenig Vibrato wurde nicht nur ihr berühmtes *„Caro Nome“* zum Genuss.

Die schönsten Melodien hat **Verdi** ohne Frage dem **Herzog** „in den Mund“ gelegt. **Jonathan Winell,** der beim *„Questa o quella“* noch hörbar bedeckt war, sang sich im Laufe des Abends frei und war ab dem zweiten Akt auch stimmlich deutlich präsenter. Den sardistisch-lustsüchtigen Herren mimte das Ensemblemitglied des **Theater Magdeburg** sehr überzeugend. Besonders oberhalb der Tessitura entwickelt **Winells** Stimme eine strahlende, kraftvolle Höhe, die dem **Herzog** gut stand. Leider gab es gerade im berühmten *„La donna è mobile“* hörbare Abstimmungsprobleme zwischen Graben und Bühne, was jedoch den Gesamteindruck nur wenig trübte.

Neben den drei Hauptrollen ist besonders die spielerische Leistung von **Karina Repova** in der Doppelrolle der **Maddalena** und **Giovanna** zu erwähnen. Besonders als Verführerin des Herzogs war sie in ihrer lasziven Darstellung wie auch gesanglich voll präsent. **Johannes Stermanns *Sparafucile*** zeichnete sich durch eine präzise Stimmführung aus, und konnte trotz des Fokus auf die drei Hauptpersonen sehr gut bestehen. Abschließend sei noch **Stephanos Tsirakoglou** erwähnt, der den ***Monterone*** sang. Obgleich die Partie sehr klein ist, bekommt sie aufgrund der Aussprache des Fluchs eine große Bedeutung. Selten hat man den Fluch so gewaltsam und mächtig auf der Bühne ausgesprochen gehört. Wohl jeder hätte nach einem solchen Auftritt an die Verwirklichung geglaubt – zum Glück traf es ja nur den **Rigoletto.**..

Neben den durchweg guten sängerischen Leistungen trug auch das feurige Dirigat von **Svetoslav Borisov** zum Erfolg des Abends bei. Straffe Tempi und ein durchsichtiger Klang prägten die Vorstellung. Zwischen Bühne und Graben funktionierte die Kommunikation mit wenigen Ausnahmen sehr gut. Lediglich zwischen dem gut einstudierten Chor auf der Hinterbühne und dem Orchester lief nicht immer alles glatt. Corona macht es den Theatern ja auch nicht leicht und erfordert nicht immer optimale Kompromisse. Wohl auch deshalb wurde eine reduzierte Fassung von **Alberto Colla** gespielt. Große klangliche Nachteile gab es nicht – auch das kleinere Orchester stemmte die dramatischen Eruptionen der Partitur problemlos. Schade war nur das Fehlen des Beckens in der Schlagzeugfraktion, welches ja doch charakteristisch für die dramatischen Höhepunkte in der italienischen Oper ist.

Insgesamt erlebte man einen beglückenden Opernabend im **Theater Magdeburg.** Obgleich diese **Rigoletto** \-Vorstellung - 2.1.2021 - die letzte Aufführung der Produktion war, kann man hoffen, dass das Stück in der nächsten Saison eine Wiederaufnahme erfährt – das, zugegeben nur spärlich erschienene, Publikum unter 2G+-Bedingungen war begeistert und feierte die Inszenierung und die Sänger aus Leibeskräften.

\---| IOCO Kritik Allee Theater Magdeburg |---