> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://www.ioco.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# Lüttich, Opéra Royal de Wallonie-Liège, Il Trovatore - Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 21.09.2018
- URL: https://www.ioco.de/luettich-opera-royal-de-wallonie-liege-il-trovatore-giuseppe-verdi-ioco-kritik-21-09-2018/
- Published: 2018-09-21T07:00:30.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:48:56.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Oper & Operette, Premieren, Premiere, Pressemeldungen & Nachrichten, Kritiken, Lüttich

![Opéra Royal de Wallonie-Liège © Opéra Royal de Wallonie-Liège.](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/09/luettich-oper-aussen-owallneu.jpg)

Opéra Royal de Wallonie-Liège © Opéra Royal de Wallonie-Liège

[Opéra Royal de Wallonie-Liège](https://www.operaliege.be/en/?ref=ioco.de)

# ***Il Tovatore* \- Giuseppe Verdi**

***Lütticher Inszenierung in der Tradition der „Grand Opéra“***

Von **Ingo Hamacher**

Premiere von **IL TROVATORE** in Zusammenarbeit mit dem **Teatro Lirico Giuseppe Verdi de Trieste** am 16.09.2018 an der **Opéra Royal de Wallonie-Liège.**

Mit **Giuseppe Verdis *Troubadour*** startet die **Oper Lüttich** in die neue Saison. Nach drei Paukenwirbeln öffnet sich der Vorhang und gibt den Blick frei auf eine nächtlich düstere Bühne, und das verworrene, ans grausame reichende Stück nimmt seinen Lauf.

Seit vielen Jahren verfolgt die lütticher Oper ein einfaches aber funktionierendes Konzept: Man überlässt **Wagner** den Deutschen, die Zeitgenossen und die Mutigen dem Brüsseler **La Monnaie** und Lüttich zeigt die Italiener: die klassischen Stücke, klassisch vorgetragen, mit den entsprechenden Kostümen und dem vornehmen Dekor.

**Il Trovatore** Youtube Trailer Opéra Royal de Wallonie-Liège **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

**Stefano Vizioli** verzichtet in seiner Regie auf zeitgenössische Bezüge oder eine moderne Interpretation. Statt dessen zeigt er eine Inszenierung, die dem Werk als Uraufführung zur Ehre gereicht hätte. Der international renomierte Opernregisseur **Stefano Vizioli** hatte sein Debut 1979 und hat seitdem zahlreiche Produktionen an bedeutenden Theatern und Opernhäusern in und außerhalb Europa aufgeführt. Im Januar 2017 wurde er künstlerischer Leiter des **Teatro Verdi di Pisa.**

Mit Begeisterung war das blutrünstige Bühnenstück **EL TROVADOR** von **Antonio García** **Gutiérez** bei seiner Uraufführung 1836 aufgenommen worden. Eine Liebesgeschichte und ein Bruderzwist. Ein idealer Plot für eine Oper. **Verdi** wandte sich an **Cammarano,** ein Libretto daraus zu machen.

Nach Reduktion der Schauplätze, Vereinfachung der Charaktere und Hinzufügung eines historischen Hintergrunds: Der Kampf des aragonischen Adels gegen Rebellen entstand dann mit Zigeunerromantik, Burgen- und Klostermotiven das verworrene, aber großartig vertonte Werk, das neben **RIGOLETTO** und **LA TRAVIATA** als **Verdis** Erfolgstrias berühmt geworden ist.

Die Uraufführung von **Verdis** Oper ***Il Trovatore, Der Troubadour,*** fand in Rom im Januar 1853 statt. Die Handlung dreht sich um die bittere Rivalität zwischen dem ***Grafen Luna,*** einem aragonischen Adeligen, und dem Troubadour ***Manrico,*** die beide in ***Leonora,*** eine Hofdame, verliebt sind.

![Opéra Royal de Wallonie-Liège / Il Trovatore - hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/09/troubardour-ensemble-c-opera-royal-de-wallonie-liege-150.jpg)

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Il Trovatore - hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Diese Dreiecksgeschichte wird durch die politische Gegnerschaft der beiden Rivalen und durch die Geschichte der Zigeunerin ***Azucena,*** die im Wahn ihren eigenen Sohn getötet und ***Manrico,*** den geraubten 2\. Sohn des Grafen, als ihren eigenen Sohn erzogen hat, verkompliziert.

Insgesamt stellt ***Il Trovatore*** weniger ein folgerichtiges Drama, als vielmehr eine dramatische Szenenfolge dar, und steht damit in der Tradition der *„Grand Opéra“.* Dies aufgreifend erleben wir eine Bühne, auf der zwei verschiebbare hohe Treppenelemente im Bühnenhintergrund wechselnde Szenen andeuten, teils festungsähnlich vertäfelt, teils ein schlichtes Zigeunerlager andeutend. Dabei sind die verschiedenen entstehende Treppenanlagen Ausgangspunkt für die Tableau-artigen Chorszenen, vereinzelt verstärkt durch das Ballett. Verschiebbare Gaze-Elemente im Vordergrund deuten Szenenwechsel an und ermöglichen kurzfristige Umbauten. Die Kostüme sind zeitgenössisch. Bühne & Kostüme: **Alessandro Chiammarughi,** Licht: **Franco Marri**

Die größte Spannung, die einem Abend in klassischer Inszenierung erwächst, stammt aus der Musik. **Verdi** bleibt der Tradition des Dreiecksverhältnisses zwischen Sopran-Tenor-Bariton verpflichtet, wie er auch der italienischen Tradition: Kavantinen mit virtuosen Kabaletten und Ensembles mit ausgreifenden *‚Concertati‘* treu bleibt.

Der in Deutschland ausgebildete israelische Dirigent **Daniel Oren,** der weltweit an fast allen Großen Häusern gearbeitet hat (2014 wurde er Nachfolger von **David Stern** als Leiter der Israeli Opera in Tel Aviv), zeichnet mit dem bestens aufgelegten Orchester der Königlichen Oper der Wallonie/Lüttich ganz hervorragend die oft atemlose Nervosität und den drängenden Charakter der Musik. Den großartigen und klangschönen Chor und Extrachor (Einstudierung: **Pierre Iodice**) lässt er oft im Piano singen, und selbst die großen Ausbrüche behalten bei aller Klanggewalt eine Binnenstruktur.

![Opéra Royal de Wallonie-Liège / Il Trovatore - hier : Yolanda Auyanet als Leonora und Fabio Sartori als Manrico © Opéra Royal de Wallonie-Liège](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/09/y.-auyanet-f.-sartori-c-opera-royal-de-wallonie-liege_150.jpg)

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Il Trovatore - hier : Yolanda Auyanet als Leonora und Fabio Sartori als Manrico © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Wenn **Fabio Sartori** als ***MANRICO*** seine Stimme zum Gesang erhebt, erleben wir ihn als beeindruckenden Verführer und tollkühnen Kämpfer. Der international gefeierte italienische Tenor hat Kraft ohne Ende und macht er eine sehr gute Figur. Im deutschsprachigen Raum wird er in Kürze in einigen Rollen erlebbar sein: ***AIDA*** in Wien, als **NORMA** sowie als **TOSCA** an der **Deutschen Oper Berlin**. ***LEONORA* Yolanda Auyanet,** in Las Palmas de Gran Canaria geboren, ist derzeit eine der bekanntesten spanischen Sopranistinnen ihrer Generation. Nach ihrem Debut in Bari als **Musetta** in ***Bohème*** erarbeitete sie sich ein umfangreiches Repertoir, mit dem sie inzwischen international gastiert. Sie hat einen gedeckten Sopran von großer Intensität, mit leuchtender Höhe, bei aller Beweglichkeit in den Verzierungen. Beide gaben in Lüttich ihr Bühnen-Debut.

***IL CONTE DI LUNA*** Der 44-jährige Bariton **Mario Cassi** gab sein Operndebüt 2001 im Rahmen des Laboratorio „*Voci in Musica“* der Stiftung *„Musica per Roma“.* Das Repertoire von **Mario Cassi,** der auch ein Wirtschaftsstudium absolvierte, reicht vom Barock bis zur zeitgenössischen Musik, wobei Belcanto-Werke einen Schwerpunkt bilden. Er ist ein stimmgewaltiger **Graf Luna** von hoher Präsenz, der einen sehr virilen Bösewicht abgibt.

***AZUCENA* Violeta Urmana,** eine litauische Opernsängerin (Mezzosopran, dramatischer Sopran). Im März 2016 wurde **Violeta Urmana** in Paris von **Irina Bokowa,** der Generaldirektorin der **UNESCO,** zur *„UNESCO Künstlerin für den Frieden“* ernannt. Die Ehrung erfolgte als Anerkennung ihrer ständigen Bemühungen, Kultur als Mittel des Dialogs und zur Förderung des gegenseitigen Verständnisses einzusetzen, und für ihren Einsatz zur Verwirklichung der Ziele der Organisation **UNESCO,** insbesondere in Afrika. SIe gestaltet die Rolle der Zigeunerin **Azucena** mit abgründiger Farbe und gibt ihr damit die brodelnden Unruhe, die der Figur ansteht. Auch sie ist erstmalig in Lüttich zu hören.

![Opéra Royal de Wallonie-Liège - Der wunderbare Innenraum © Opéra Royal de Wallonie-Liège](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/09/salle-orwneu.jpg)

Opéra Royal de Wallonie-Liège - Der wunderbare Innenraum © Opéra Royal de Wallonie-Liège

**FERRANDO** Wird vom italienischen Baß **Luciano Montanaro** gesungen, ***INÉS*** **Julie Bailly**, eine international tätige belgische Mezzo-Sopranistin, **RUIZ** Xavier Petithan, Tenor ***EIN ALTER ZIGEUNER*** **Alexei Gorbatchev**, Bass, ***EIN BOTE*** **Sefano De Rosa**, Tenor Production : Opéra Royal de Wallonie-Liège, **Teatro Lirico Giuseppe Verdi de Trieste**

**Enrico Caruso** hat einmal gesagt, für **Verdis** Oper ***Il Trovatore*** brauche man nicht viel mehr als die vier besten Sängerinnen und Sänger der Welt. Ihm hätte diese Aufführung sicher gefallen, und seine Freude wäre das angemessene Kompliment für die großartigen Sänger gewesen. Die herausragenden Leistungen vor ausverkauftem Haus werden mit reichlich Szenenapplaus gewürdigt. Standing ovations, großer Jubel, Ovationen und nicht enden wollender Applaus ist der Dank für dieses großartige Erlebnis.

\---| IOCO Kritik Opéra Royal de Wallonie-Liège |---