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# Lüttich, Opéra Royal de Wallonie-Liège, AIDA - Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 02.03.2019
- URL: https://www.ioco.de/luettich-opera-royal-de-wallonie-liege-aida-giuseppe-verdi-ioco-kritik-02-03-2019/
- Published: 2019-03-02T08:00:50.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:53:01.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Oper & Operette, Premieren, Premiere, Deutsche Oper am Rhein, Pressemeldungen & Nachrichten, Kritiken, Lüttich

![Opéra Royal de Wallonie-Liège © Opéra Royal de Wallonie-Liège.](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/09/luettich-oper-aussen-owallneu.jpg)

Opéra Royal de Wallonie-Liège © Opéra Royal de Wallonie-Liège

[Opéra Royal de Wallonie-Liège](https://www.operaliege.be/en/?ref=ioco.de)

# ***AIDA* \- Giuseppe Verdi**

 **150.000 Goldfranken "überzeugten" Verdi, dies große Werk zu schaffen** 

von **Ingo Hamacher**

Mehrfach war er vom regierenden **Khediven Ismail Pascha** gebeten worden, eine Oper *„in ausschließlich ägyptischem Stil*“ zu schreiben, aber **Verdi** hatte immer abgelehnt. Eine Repräsentations- und Prunkoper im Stil einer Grand Opéra mit Massenszenen, Balletteinlage und einem Konflikt zwischen Pflichterfüllung und Leidenschaft, den klassischen Zutaten der Pariser Oper in dieser Zeit, interessierten ihn nicht mehr.

***AIDA*  \- Giuseppe Verdi**Youtube Trailer der Opéra Royal de Wallonie-Liège **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Nach ***Don Carlo,*** dessen ursprüngliche Fassung für Paris und auf Französisch komponiert wurde, wollte er nur noch seine Muttersprache vertonen. **Verdi** interessierte Erzählungen menschlicher Konflikte; wollte Opern über Schicksale und Charaktere schreiben.

Erst, als ihm der in Kairo lebende französische Ägyptologe **Auguste Mariette,** Begründer der Denkmalpflege in Ägypten und des **Ägyptischen Museums** in Kairo, sein Libretto über eine im Alten Ägypten spielende Oper namens ***AIDA*** zuspielen ließ, erwachte **Verdis** Interesse. Möglicherweise hat auch der Hinweis geholfen, dass das Projekt alternativ an **Richard Wagner** oder **Charles Gounod** übergeben würde, falls **Verdi** nicht zusagen würde. **Verdi** forderte und bekam für die Komposition 150.000 Goldfranken; das bis dahin höchste Honorar für einen Komponisten. Die Uraufführung von ***AIDA*** fand am 24\. Dezember 1871 statt, im **Khedivial-Opernhaus** in Kairo. Die Handlung spielt in Memphis und Theben zur Zeit der Herrschaft der Pharaonen.

***AIDA in Lüttich - So hätte wohl auch Verdi AIDA gewollt***

Für das Bühnenorchester beim Triumphmarsch wurden von ***Verdi*** eigene Trompeten, die sogenannten ***AIDA-***Trompeten, als Sonderanfertigung in Auftrag gegeben. Die Handlung ist nicht historisch, sondern fiktiv und berichtet von menschlichen Konflikten, die in vielen Opern **Verdis** das Wichtigste sind, immer ohne Happy End. Die Wirkung der Oper steht und fällt mit der ägyptischen bzw. ägyptisierenden Ausstattung; dies war so von Beginn an von **Mariette** und **Verdi** konzipiert.

![Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA - hier : Elaine Alvarez als AIDA © Opéra Royal de Wallonie-Liège](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/03/e.-alvarez-opera-royal-de-wallonie-liegeneu.jpg)

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA - hier : Elaine Alvarez als AIDA © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Historische Genauigkeit der Handlung war nicht angestrebt, dagegen aber sehr wohl historische Genauigkeit in der Ausstattung. Auch die Musik sollte ägyptisch klingen, aber u?ber den Originalklang war nichts in Erfahrung zu bringen. Das die liturgischen Gesänge des Stückes als mit der Zeit der Oper stimmig erlebt werden, liegt an der Harfenbegleitung, der Chromatik der Melodik und dem monodischen und antiphonischen Gesang der Priester in der Art des Kirchengesangs von Palaestrina.

Die Tänze sind im *‚alla Turca’*\-Stil geschrieben, den z.B. auch **Mozart** für die Andeutung von „Orient“ benutzte. Besonders „ägyptisch“ klingt das Vorspiel zum dritten Akt, das eine tropische Sommernacht beschreibt. Zirpende Violinen; Flöten imitieren Vogelstimmen. Mit dem Triumphmarsch in seiner Oper **Aida** schuf **Verdi** einen der berühmtesten Märsche der Musikgeschichte und ein vor Trompeten-Fanfaren nur so strotzendes Stück opulenter Bühnenmusik.

Aber Aida endet nicht mit einem bombastischen fortissimo Finale, sondern verhaucht in einem vierfachen pianissimo. Spätere Theater verschoben den Schwerpunkt von der von Verdi komponierten Tragödie von Individuen zu einer pompösen Ägypten-Revue. **Aida** gehört zu den erfolgreichsten großen Opern des 19\. Jahrhunderts.

**Stefano Mazzonis di Pralafera,** Intendant der Lütticher **Opéra Royal de Wallonie-Liège** und Regisseur der Produktion, greift **Verdis** ursprüngliche Idee eines ägyptischen Seelendramas wieder auf und inszeniert das Stück als Kammerspiel. Die Bühne gehört den leisen Tönen; den Beziehungen; den Emotionen. Es braucht nicht viel, um eine AIDA glaubhaft auf die Bühne zu bringen. Man muss es nur richtig machen. **Stefano Mazzonis di Pralafera** und sein Team haben alles richtig gemacht.

Am Pult: **Speranza Scappucci,** eine 45-jährige italienische Dirigentin und Pianistin, die nach internationaler Tätigkeit im September 2017 **Paolo Arrivabendi** als Chefdirigent der **Opéra Royal de Wallonie** abgelöst hat. **Scappucci** spürt in ihrem Dirigat die Feinheiten der Partitur auf und lässt den Abend mit zart geführter Hand zu einem musikalischen Erlebnis werden.

![Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA - hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/03/ensemble-c-opera-royal-de-wallonie-liege-3neu.jpg)

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA - hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

# **1\. Akt**

In einem schlichten, dunklen, von einer großen zentralen goldenen **Horus-**Statue dominierten Bühnenbild (Bühne: **Jean-Guy Lecat**) führt uns das Produktionsteam (Kostüme: **Fernand Ruiz;** Licht: **Franco Marri;** Choreographie: **Michèle Anne De Mey;** Chor: **Pierre Iodice**) in eine antikisierende Welt.

Zur von **Radames** als Kavantine gesungene Romanze *„Celeste Aida“ (Himmlische Aida)* erscheint ***Aida*** in einer stummen Partie auf der Bühne, so dass der Tenor die Arie nicht wie üblich in den Zuschauerraum brüllt, sondern seiner Geliebten zärtlich zuflüstern kann.

**RADAMÈS:** **Gianluca Terranova:** Der 48-jährige Römer ist international gefragten Tenor, der durch seine Leichtigkeit in der Höhe und durch große Bühnenpräsenz besticht.

**Aida,** Tochter des äthiopischen Königs, muss als Sklavin am ägyptischen Hof leben. Sie ist unsterblich in **Radames** verliebt. ***AIDA*: Elaine Alvarez** Die aus Kuba stammende international tätige US-amerikanische Sopranistin wird in dieser Spielzeit in Lüttich noch einmal, und zwar in der Titelrolle von ***Anna Bolena*** zu hören sein. Als Ägypten von den feindlichen Äthiopiern überfallen wird, wird ***Radames*** zum Heeresführer gegen die Äthiopier bestimmt. Er freut sich auf diese Aufgabe, hofft er doch, nach einem erfolgreichen Feldzug ***Aida*** heiraten zu können.

**Amneris,** die Tochter des Pharao, liebt den Feldherrn ***Radames*** ebenfalls und wirbt um seine Gunst. ***AMNERIS:* Nino Surguladze:** Die 41-jährige georgische Mezzosopranistin, Preisträgerin zahlreicher internationaler Wettbewerbe, ist stimmschön sowohl weltweit, als auch häufig in Deutschland zu erleben.

**Radames** rückt nach einer feierlichen Zeremonie mit den Truppen aus. **Aida** leidet an ihrer Ambivalenz zwischen der Liebe zu ihrer Heimat und zu Radames.

![Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA - hier : Luca Dall'Amico als Ramfis, Nina Surguladze als Amneris, Luciano Montanaro als aegyptischer Koenig © Opéra Royal de Wallonie-Liège](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/03/L.-DallAmico-M.-Giordani-N.-Surguladze-L.-Montanaro-Op%C3%A9ra-Royal-de-Wallonie-Li%C3%A8geNEU.jpg)

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA - hier : Luca Dall'Amico als Ramfis, Nina Surguladze als Amneris, Luciano Montanaro als aegyptischer Koenig © Opéra Royal de Wallonie-Liège

# **2\. Akt**

Die säulenartigen Mauertürme, die die Bühne bisher strukturiert haben, werden bei offenem Vorhang um 180 Grad gedreht, und fügen sich nun zu einem farbenprächtigen, reich ausgestatteten Palastinneren. Das Heer der Ägypter konnte gegen die Äthiopier siegen**. Amneris** entlockt **Aida** ihr Liebesgeheimnis, indem sie ihr erzählt, ***Radames*** sei in der Schlacht umgekommen. An ***Aidas*** emotionalen Reaktion erkennt **Amneris** ihre Rivalin. Sie befiehlt ihr, sie als Sklavin zum geplanten Triumphfest zu begleiten.

Ein Teil des Bühnenbodens wird in die Höhe gefahren, so daß auf der Unterbühne der große Chor sichtbar wird, bereit für den **Triumphmarsch.** So dezent das Orchester der Opéra Royal de Wallonie-Liège bisher auch geführt wurde: Hier gibt es zusammen mit dem großen Chor des Hauses alles!

Bei stark zurückhaltendem Bühnengeschehen (Soldaten und tierköpfige ägyptische Gottheiten ziehen nacheinander an der Chorempore vorbei) wird der Triumphmarsch vor allem ein musikalisches Erlebnis. Der ägyptische König, gesungen vo**n Luciano Montanaro,** einem italienischen Bass, der ebenfalls in dieser Spielzeit in ***Anna Bolena*** zu erleben sein wird, nimmt seine siegreichen Soldaten feierlich in Empfang. Auf seinen Befehl hin werden die Gefangenen vorgeführt. Unter ihnen ist der äthiopische König, **Aidas** Vater, ***Amonasro.***

**AMONASRO: Lionel Lhote:** Der belgische Bariton unterrichtet neben seinen internationalen Gesangsauftritten seit September 2015 an dem Königlichen Konservatorium in Brüssel. Als Lohn für seinen erfolgreichen Feldzug soll **Radames** auf Wunsch des Königs dessen Tochter **Amneris** heiraten und nach dessen Tod selbst König von Ägypten werden; er selbst bittet jedoch erst einmal um die Freilassung der Gefangenen.

# **3\. Akt**

Grüne Pflanzenspaliere verweisen auf einen neuen Handlungsort. ***Aida*** wartet in der Nacht heimlich an Nilufer auf **Radames**. Doch vorher erscheint **Aidas** Vater, *Amonasro:* Er möchte seine Tochter dazu bewegen, ***Radames*** das Geheimnis zu entlocken, auf welchem Weg eine Flucht gelingen würde. Aida ist im Zwiespalt. ***Radames*** erscheint und **Amonasro** versteckt sich***.* Aida** erfragt die Möglickkeit einer gemeinsamen Flucht; **Radames** nennt die Napataschlucht.

Triumphierend tritt **Amonasro** nun aus dem Hintergrund hervor und offenbart seine wahre Identität als äthiopischer König. ***Radames*** erkennt, dass er ungewollt sein Vaterland verraten und sich dadurch entehrt hat. ***Amneris,*** die die Szene belauschte, tritt hervor und bezichtigt ***Radames*** des Verrats. ***Amonasro*** und ***Aida*** fliehen, **Radames** lässt sich ohne Widerstand festnehmen.

![Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA - hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/03/ensemble-foto-opera-royal-de-wallonie-liege-2neu.jpg)

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA - hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

# **4\. Akt**

**Amneris** ist verzweifelt und fühlt sich zwischen Wut und Liebe hin- und hergerissen. Sie möchte **Radames** retten und lässt ihn vorführen. Sie versucht ihn vergeblich zu überreden, sich vor Gericht zu verteidigen, um sein Leben zu retten. ***Radames*** geht davon aus, ***Amneris*** habe ***Aida*** getötet, weshalb er den Tod wählt. Erneut hebt sich der Bühnenboden und gibt den Blick auf das unterirdische Gefängnis frei. Man hört die Anklage der Priester; ***Radames*** jedoch schweigt. Er wird dazu verurteilt, in den Räumen unter dem Altar der Göttin lebendig begraben zu werden. Während ***Radames*** in seine Todeszelle hinab steigt, vernimmt er einen Seufzen.

Er sieht einen Schatten und erkennt Aida, die sich bei Tagesanbruch in die Krypta geschlichen hat, um mit ihm zu sterben. Gemeinsam nehmen die beiden Geliebten gelassen und verklärt Abschied von der Welt und versinken im Bühenboden.

In den weiteren Rollen: **RAMFIS,** Oberpriester: **Luca Dall’Amico,** ein vielversprechender junger italienischer Bass, der an allen großen Häusern singt.

OBERPRISTERIN, Sopran: Tineke Van Ingelgem?Die Belgierin ist bekannt für ihr schauspielerisches Talent kombiniert mit einer hellen und kräftigen Stimme. Eine perfekte Besetzung für starke Frauenrollen.???BOTE: Maxime Melnik, geb. 1994, ist ein junger belgischer Tenor aus Charleroi.

Verdienter und lange anhaltender Applaus, rythmisches Klatschen, Jubel für die Solisten, ‚Ooohs‘ und ‚Aaahs‘ für die musikalische Leitung und Ovationen für das Produktionsteam beenden den erfolgreichen Abend. ***So hätte Verdi es gewollt!***

**AIDA**  im   **Opéra Royal de Wallonie-Liège;** die weiteren Termine 03.03\. (15:00); 05.03.; 07.03.; 09.03.; 10.03\. (15:00); 12.03.; 14.03.2019

\---| IOCO Kritik Opéra Royal de Wallonie-Liège |---