> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://www.ioco.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# Lübeck, Theater Lübeck, DIE STUMME SERENADE - Erich W. Korngold, IOCO Kritik, 30.11.2021
- URL: https://www.ioco.de/lubeck-theater-lubeck-die-stumme-serenade-erich-w-korngold-ioco-kritik-30-11-2021/
- Published: 2021-11-30T09:00:26.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:08:34.000Z
- Author: Wolfgang Schmitt
- Tags: Musicalwelten & Bühnenzauber, Pressemeldungen & Nachrichten, Kritiken, Lübeck

![Theater_luebeck.jpg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/theater_luebeck.jpg "Theater Lübeck")

[Theater Lübeck](http://www.theaterluebeck.de/?ref=ioco.de)

![Theater Lübeck © Olaf Malzahn](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/06/theater_fassade_c-olaf-malzahnneu.jpg)

Theater Lübeck © Olaf Malzahn

# ***DIE STUMME SERENADE* \- Erich Wolfgang Korngold**

**\- Modeschöpfer Andrea Coclé möchte seiner Verehrten ein Ständchen singen - was ihm misslingt -**

von **Wolfgang Schmitt**  

Beim Namen **Erich Wolfgang Korngold** (1897 – 1957) denkt man sogleich an ***Die tote Stadt, Das Wunder der Heliane,*** oder auch an **Violanta. [Die stumme Serenade](https://www.theaterluebeck.de/produktionen/die-stumme-serenade%5F2021-22.html?ref=ioco.de)** ist ein Spätwerk **Korngolds,** welches er Mitte der 1940er Jahre in Amerika schrieb, wohin er emigrierte, um dort eine höchst erfolgreiche Karriere als Film-Komponist zu beginnen. Nach einem Roman von **Victor Clement *The silent Serenade,*** von **Korngold** ursprünglich in englischer Sprache für den Broadway vorgesehen, schrieb **Raoul Auernheimer** eine deutsche Fassung mit Gesangstexten von **Bert Reisfeld** und auch von **Korngold** selbst. Eine erste konzertante Aufführung gab es 1951 in Wien unter der musikalischen Leitung von **Korngold** persönlich, die szenische Uraufführung fand 1954 in Dortmund statt. Zwischenzeitlich gab es Aufführungen in München, St.Gallen, Freiburg, und zuletzt 2017 in Coburg. Eine englische Fassung wurde 2013 in Toronto aufgeführt.

![Theater Lübeck / Die stumme Serenade © Olaf Malzahn](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2021/11/lubeck-seranade1-olaf-malzahnneu.jpg)

Theater Lübeck / Die stumme Serenade © Olaf Malzahn

Zu Beginn der neuen Opernspielzeit 2021/22 brachte das Schleswig-Holsteinische **Landestheater Flensburg** die **Stumme Serenade** im September heraus, und das **Theater Lübeck** folgte nun mit ihrer Neuinszenierung dieser **Korngold**\-Komposition.

Da das Werk für Kammerorchester konzipiert wurde – 2 Klaviere, Celesta, Violinen, Cello, Flöte, Klarinette, Saxophon, Trompete und Schlaginstrumente – bietet es sich förmlich an in Zeiten der Corona-Pandemie mit ihren Abstandsregeln. Was aber ist nun eigentlich ***Die stumme Serenade***? Sie ist keine Oper, obwohl sie ein paar wunderschöne opernhafte Arien enthält, es ist auch kein Musical, sondern eher eine Operette mit einigen Jazz-Anklängen ähnlich der *„Berliner Operette“* à la **Paul Lincke** oder **Walter Kollo.** Aufgrund der verworrenen Handlung könnte man sie auch als eine Musikalische Groteske bezeichnen. Schlussendlich ist sie jedoch eine herrliche Komödie mit Musik, in diesem Falle mit fünf Haupt- Gesangspartien und acht Schauspielrollen.

Die Handlung der **stummen Serenade** ist ziemlich konfus und absurd. Da treibt sich in Neapel der Modeschöpfer **Andrea Coclé** nachts im Garten der von ihm verehrten Schauspielerin **Silvia Lombardi** herum, um ihr ein Ständchen zu singen, was ihm aber nicht gelingt - **stumme Serenade** halt - , die Schauspielerin bildet sich ein, ein Mann sei in ihr Schlafzimmer eingedrungen, küsst sie und will sie entführen - Traum einer Nachtwandlerin??? Der Verlobte dieser Dame ist der Ministerpräsident **Benedetto Lugarini,** unter dessen Bett man eine Bombe findet, die jedoch zum Glück nicht hochgeht. Der Modeschöpfer soll nun für beide Taten erst zum Tode verurteilt, dann begnadigt, und schließlich selbst Ministerpräsident werden, diesen Posten bekommt jedoch dann der wahre Bombenleger. **Andrea Coclé** bleibt weiterhin der angesagte Modeschöpfer von Neapel und ein Happy End mit der Schauspielerin ist selbstverständlich.

Für diese überaus amüsante, turbulente farbenfrohe Inszenierung mit gekonnter Personenführung zeichnet **Michael Wallner** verantwortlich, die den Zuschauer von Beginn an in seinen Bann zog und sich mitreißen ließ von den temporeichen Aktionen, so grotesk diese auch sein mochten. Das von **Heinz Hauser** entworfene Bühnenbild mit der Stangenkonstruktion, den Spiegeln und dem abstrakten, raffiniert und stimmungsvoll ausgeleuchteten Bühnenhintergrund wirkte elegant und opulent (Lichtregie von **Falk Hampel**). Durch den Einsatz der Drehbühne gelang ein zügiger Szenenwechsel vom Modeatelier zur Residenz des Ministerpräsidenten, vom Gerichtssaal zur Aussichtsterrasse der Schauspielerin Silvia. Es gab originelle Revueeinlagen der Mannequins, der Polizistinnen und der Zofen **(Marlou Düster, Judith Urban, Lorena Mazuera Grisales** in den Mehrfachrollen)**,** ausgefeilt choreographiert von **Andrea Danae Kingston.** Die herrlich grotesken, umwerfend komischen Auftritte des Ministerpräsidenten Benedetto Lugarini in seiner bunten Paradeuniform **(Rudolf Katzer**)**,** oder die eloquenten Szenen von **Thomas Stückemann** in den Dienerrollen waren ebenfalls ein Garant für die humorvolle, augenzwinkernde Umsetzung der abstrusen Handlung.

![Theater Lübeck / Die stumme Serenade © Olaf Malzahn](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2021/11/lubeck-serenade3neu.jpg)

Theater Lübeck / Die stumme Serenade © Olaf Malzahn

**Amelie Müller** als **Silvia Lombardi,** Schauspielerin, Geliebte des Ministerpräsidenten und Objekt der Begierde des Modeschöpfers, sah nicht nur blendend aus in ihren eleganten figurbetonten Kostümen (von **Aleksandra Kica**), sie bot auch hinreißend schönen Gesang mit ihrem in allen Lagen sicher geführtem Sopran bis hin zu den schwebenden Spitzentönen, und sie hatte wahrlich den Charme, die Grazie und die Ausstrahlung einer neapolitanischen Filmdiva. Ihr Verehrer, der Schneider und Modeschöpfer **Andrea Coclé,** war der sympathisch agierende Bariton **Steffen Kubach**, ebenfalls großartig in seinen gefühlvoll vorgetragenen Arien und den Duetten mit **Silvia,** optisch ganz der Bonvivant mit blonder Lockenpracht und anfangs im nachtblauen Satinnachthemd, später köstlich anzusehen in seiner Sträflingskluft – nach seiner ***Mamma Agata*** zu Beginn der Spielzeit 2021/22 hier wieder eine Partie, die ihm wie auf den Leib geschrieben scheint.

![Theater Lübeck / Die stumme Serenade © Olaf Malzahn](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2021/11/lubeck-serenade4neu.jpg)

Theater Lübeck / Die stumme Serenade © Olaf Malzahn

**Noah Schaul** war der aufdringliche Paparazzo **Sam Borzalino,** der zur rechten Zeit am rechten Ort war und überall dort, wo man ihn nicht erwartete. Darstellerisch stets präsent, stimmlich mit ausdrucksvollem lyrischen Tenor, waren seine Szenen mit der koloraturläufigen Sopranistin **Nataliya Bodganova**, der blonden Probierdame **Louise** im Modesalon, ebenfalls höchst originell, auch dieses Paar singt sich ins verdiente Happy-End.

**Boris Boehringer** war der Autorität einfordernde Polizeichef **Caretto** mit kraftvoll eingesetztem Bass-Bariton in schmucker weißer Ausgeh-Uniform. In den weiteren Schauspielrollen glänzten **Imke Looft** als altjungferliche Geschäftsführerin des Modesalons, **Iris Meyer** als **Silvias** schrullige Kammerzofe, **Jörn Kolpe** in den beiden Rollen als Richter und als Pater, sowie am Ende, zur Auflösung des Kriminalfalls, **Elisa Pape** als Anarchistin, Revoluzzerin und wahre Bombenlegerin **Carla Marcelini.**

Das kleine „Salonorchester“, schwungvoll geleitet von **Paul Willot-Förster**, klang durch Lautsprecher verstärkt wunderbar volltönend, farbig und swingend. Korngolds beeindruckende Partitur, sein letztes Werk mit dieser Mischung aus Revue, Swing, Jazzelementen und Operettenseligkeit verdient es durchaus, anläßlich des bevorstehenden 125\. Geburtstages des Komponisten mehr Beachtung zu erfahren.

[**Die stumme Serenade** am **Theater Lübeck**;](https://www.theaterluebeck.de/produktionen/die-stumme-serenade%5F2021-22.html?ref=ioco.de) die weiteren Termine 4.12.; 29.12.2021, 23.1.2022

\---| IOCO Kritik Theater Lübeck |---