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# Linz, Musiktheater am Volksgarten, Médée  - Luigi Cherubini, IOCO Kritik, 23.05.2019
- URL: https://www.ioco.de/linz-musiktheater-am-volksgarten-medee-luigi-cherubini-ioco-kritik-23-05-2019/
- Published: 2019-05-23T08:00:06.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:55:03.000Z
- Author: Marcus Haimerl
- Tags: Konzert & Liederabend, Liederabend, Kritiken, Linz

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[Landestheater Linz](http://www.landestheater-linz.at/?ref=ioco.de)

![Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/07/neues-musiktheater-linz-volksgarten-c-sigrid-rauchdobler.jpg)

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

# ***Médée* von Luigi Cherubini**

***\- Tragödie in einer oberen Banketage in New York -***

von **Marcus Haimerl**

![Luigi Cherubini Grabstätte Paris © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/05/peris-pere-lachaise-luigi-cherubinineuc-ioconeuneu.jpg)

Luigi Cherubini Grabstätte Paris © IOCO

Die Uraufführung von der Oper ***Médée*** von **Luigi Cherubini** fand 1797 im **Théâtre Feydeau** in Paris statt. Das Libretto nach der Tragödie des **Euripides** stammt von **François-Benoît Hoffmann**. Für die Wiener Erstaufführung 1802 schuf **Cherubini** eine gekürzte Fassung, die Übersetzung stammt von **Georg Friedrich Treitschkes.** 1855 wurden die originalen Dialoge durch nachkomponierte Rezitative von **Franz Lachner** ersetzt. Da sich selbst in Frankreich Werke der „*Opéra comique“,* die nicht gerade als komisch zu bezeichnen sind, nur schwer durchsetzen konnten, vertrieb die Version mit den von **Franz Lachner** nachkomponierten Rezitativen die Originalversion mit den gesprochenen Dialogen fast gänzlich von den Spielplänen. Große Popularität erlangte die italienische Übersetzung von **Carlo Zangarini i**n der Lachner-Fassung durch die Gestaltung von **Maria Callas** der Titelpartie.

Im **Musiktheater Linz** erlebte das Publikum **Cherubinis** Oper in französischer Sprache mit gekürzten deutschen Dialogen in einer Koproduktion mit der **Opéra de Nice** und dem **Theater Erfurt.**

Regisseur **Guy Montavon** verlegt die Handlung dieser griechischen Tragödie in die oberste Etage eines New Yorker Bankenhochhauses, das in glücklicheren Zeiten von ***Medea*** und ***Jason*** gegründet wurde. Durch das schnelle Geld übermütig geworden nimmt sich Jason eine jüngere Frau. Die aufgrund ihrer früheren Verbrechen erpressbare ***Medea*** muss die gemeinsame Firma, Mann und Kinder verlassen. Die glücklichen Erinnerungen werden durch einen roten Schal symbolisiert, den ***Jason*** einst ***Medea*** schenkte. **Jason** und seine neue Frau ***Dircé*** sind mit der Leitung der Firma überfordert und müssen diese an Dircés Vater, den Großunternehmer ***Créon***, verkaufen. ***Néris*** ist Büroleiterin und engste Vertraute Medeas. Sie arrangiert sich mit der neuen Situation, jedoch nicht ohne ***Medeas*** Arbeit weiterzuführen.

![Landestheater Linz / Médée von Luigi Cherubini - hier : Martin Achrainer als Créon, Theresa Grabner als Dircé © Reinhard Winkler](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/05/landestheater-linz_-medee-reinhard-winkler_neu.jpg)

Landestheater Linz / Médée von Luigi Cherubini - hier : Martin Achrainer als Créon, Theresa Grabner als Dircé © Reinhard Winkler

***Medea*** wird von der neuen Familienidylle angezogen, sie kehrt zurück und kämpft um das Recht, ihre Kinder sehen zu können und weckt in dem leicht beeinflussbaren ***Jason*** alte Gefühle. ***Dircé,*** die von Beginn an in Angst vor ***Medeas*** Rache gelebt hat, wird die Situation zu viel. Das Hochzeitsgeschenk ***Medeas,*** der rote Schal, das Liebespfand Jasons, und eine Pistole, reichen aus, um sie in den Selbstmord zu treiben. Aber damit nicht genug: Nach der Ermordung beider Kinder setzt ***Medea*** mit den Worten „*An den Ufern des Styx wird dich mein Schatten erwarten“* das gesamte Gebäude in Brand, dem alle Mitarbeiter zum Opfer fallen*. *Jason** bleibt allein vor dem Trümmerhaufen zurück. Mit dieser spannenden Umsetzung der antiken Tragödie beweist Regisseur **Guy Montavon** nicht nur, wie zeitgemäß die Handlung auch heute noch ist, es gelingt ihm mit dem Finale im brennenden Wolkenkratzer ein unglaublich starkes Bild und ein spektakulärer Schluss. Das Einheitsbühnenbild von **Annemarie Woods** zeigt ein Großraumbüro mit Computerarbeitsplätzen umgeben von einer darüberliegenden Galerie und einem Ausblick auf die umliegenden Hochhäuser.

Eine großartige Leistung der gebürtigen Schweizerin **Brigitte Geller,** die mit kraftvollem Sopran die Partie der ***Médée*** mit scheinbarer Leichtigkeit meisterte und gleichzeitig mit beeindruckender Ausdruckskraft nicht nur die deutschen Dialoge meisterte, sondern vielmehr die innere Zerrissenheit der tragischen Frauenfigur im Businesskostüm zwischen Liebe und Rache glaubhaft vermitteln konnte.

![Landestheater Linz / Médée von Luigi Cherubini - hier : Brigitte Geller als Médée © Reinhard Winkler](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/05/landestheater-linz_-medee-reinhard-winkler_neu2i.jpg)

Landestheater Linz / Médée von Luigi Cherubini - hier : Brigitte Geller als Médée © Reinhard Winkler

**Theresa Grabner** als **Dircé,** ***Medeas*** blonde Gegenspielerin in heller Designerkleidung, überzeugt mit schönen Koloraturen und schafft es auch, die von Ängsten getriebene Königs-/Unternehmertochter glaubhaft zu gestalten. Auf höchstem Niveau erlebt man auch die britische Mezzosopranistin **Jessica Eccleston** in der einzigen sympathischen Partie dieser Oper, der Vertrauten/Büroleiterin ***Néris.***Mit seinem schönen, höhensicheren Tenor mit fast wagner’scher Strahlkraft singt **Matjaž Stopinšek** den schwachen Machtmenschen ***Jason.*** Mit unglaublich kraftvollem Bariton und mit großer Bühnenpräsenz überzeugt **Martin Achrainer** in der Partie des ***Créon*** gesanglich und darstellerisch. Auch die kleinen Partien sind mit **Margaret Jung Kim (**Erste Frau aus Dircés Gefolge) und **Yoon Mi Kim-Ernst** (Zweite Frau aus Dircés Gefolge) hervorragend besetzt. Großes Lob auch für die wunderbare Darstellung von **Matthias Körber** und **Raphael Naveau** als ***Medeas*** und ***Jasons*** Kinder.

Die musikalische Leitung des Abends lag in den Händen von **Bruno Weil,** unter dessen routiniertem Dirigats das ***Brucknerorchester Linz*** erneut beweisen konnte, dass es zu Recht zu den bedeutendsten Klangkörpern Österreichs zählt. Unter der Leitung von **Elena Pierini** singt und spielt der Chor des **Landestheater Linz** auf höchstem Niveau.

*Nur einige wenige Buhrufe für das Regieteam störten den lang anhaltenden Applaus des Publikums, der nicht nur den musikalischen Qualitäten des Abends galt, sondern auch der durchaus spannenden Regiearbeit Recht gaben.*

***Médée*** am **Landestheater Linz;** die nächsten Vorstellungen am 29.5.; 31.5.; 6.6.; 19.6.; 28.6.2019

\---| IOCO Kritik Landestheater Linz |---