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# Leoben - Steiermark, Stadttheater, Die Csárdasfürstin - Emmerich Kálmán, IOCO Kritik, 15.01.2020
- URL: https://www.ioco.de/leoben-steiermark-stadttheater-die-csardasfuerstin-emmerich-kalman-ioco-kritik-15-01-2020/
- Published: 2020-01-14T16:00:12.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:00:51.000Z
- Author: Marcus Haimerl
- Tags: Ballett, Tanz & Bewegungskunst, Donizetti, Puccini, giacomo puccini, giuseppe verdi, Pressemeldungen & Nachrichten, Kritiken, Verdi

![Stadttheater Leoben in Österreich © leopress](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/01/stadttheater-leoben-leopressneu.jpg)

Stadttheater Leoben in Österreich © leopress

[Stadttheater Leoben](https://www.leoben.at/buergerinnen/kultur-sport-freizeit/stadttheater/?ref=ioco.de)

# ***Die Csárdásfürstin*  \- Emmerich Kálmán**

## ***So war es wirklich: Sylva Varescu entstammt dem Leobener Stadtteil Hinterberg***

von **Marcus Haimerl**

Das in der Altstadt befindliche **Stadttheater Leoben** feierte 2015 sein 225-jähriges Bestehen und ist damit das älteste durchgehend bespielte bürgerliche Theater Österreichs und bietet dem Publikum 283 Sitzplätze und 105 Stehplätze.

2017 wurde mit der Gründung des Vereins ***Operette Leoben – Musiktheater*** in Kooperation mit der Musik- und Kunstschule Leoben, mit der Kunstuniversität Graz und der **Oper Graz** das **Stadttheater Leoben** wieder regelmäßig um den Jahreswechsel mit Operette bespielt. Nach

![Emmerich Kalman in Wien © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/01/emmerich-kalman-zentralfriedhofneugut2017.jpg)

Emmerich Kalman in Wien © IOCO

**Johann Strauss *Fledermaus*** (2017) und **Franz Lehárs *Die lustige Witwe*** (2018) stand dieses Mal **Emmerich Kálmáns** 1915 in Wien uraufgeführte Operette **Die Csárdásfürstin** auf dem Programm. Ursprünglich sollte das Stück *„Es lebe die Liebe“* heißen, als Hauptperson die rumänische Sängerin **Sylva Varescu.** Nach Beginn des ersten Weltkriegs im Juli 1914 wurde **Kálmáns** Arbeit mit den Librettisten **Leo Stein** und **Bela Jenbach** unterbrochen und erst im Sommer 1915 wieder aufgenommen. Der Kriegsbeginn hatte auch Auswirkungen auf die Arbeit der Liedtexte im zweiten und dritten Akt und aus der rumänischen Sängerin wurde eine Ungarin – nur der rumänische Name ist geblieben. Vermutlich um Ähnlichkeiten mit der Oscar-Strauss-Operette *„Rund um die Liebe“* zu vermeiden, wurde der Titel in **Die Csárdásfürstin** umbenannt. Der Erfolg blieb nicht aus: 533 Vorstellungen bis 1917 im **Johann-Strauss-Theater**. 1916 finden die deutsche, ungarische und schwedische, 1917 schließlich die dänische, finnische, polnische und russische Erstaufführung statt. Im September 1917 fand schließlich in der Terrace Garden Hall New York die amerikanische Erstaufführung in ungarischer Sprache statt.

**Emmerich Kálmáns** und seine beiden Librettisten thematisieren in ihrer Operette die Liebesgeschichte des Fürstensohn ***Edwin Lippert-Wylersheim*** mit der Chansonnière **Sylva Varescu.** Entgegen dem Wunsch seiner Eltern möchte **Edwin** die Sängerin ehelichen. Um die Affäre zu unterbinden, lässt das Fürstenpaar ihrem Sohn einen Einberufungsbefehl überbringen und haben auch bereits die Verlobung mit seiner Cousine der Komtesse **Stasi (Anastasia**) arrangiert. Als **Graf Boni (Bonifazius**), ein Freund **Edwins, Sylva** die Verlobungsanzeige zukommen lässt, reist diese doch für ihre Amerikatournee ab.

![Stadttheater Leoben / Die Csardasfürstin - hier : Severin Praßl-Wisiak als Edwin, Julia Wiszniewski als Stasi © Rudolf Thausing](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/01/severin-prassl-wisiak-edwin-julia-wiszniewski-stasi-foto-rudolf-thausingneu-xx.jpg)

Stadttheater Leoben / Die Csardasfürstin - hier : Severin Praßl-Wisiak als Edwin, Julia Wiszniewski als Stasi © Rudolf Thausing

Einige Wochen später, auf der Verlobungsfeier **Edwins** mit Stasi, erscheint **Sylva** gemeinsam mit **Graf Boni** und gibt sich als dessen Frau aus. Edwin, der **Sylva** immer noch liebt, bittet seinen Freund **Boni** um die Scheidung, weiß er doch das dieser eigentlich seine Verlobte **Stasi** liebt. **Sylva** willigt in die angebliche Scheidung ein, kurz vor der Verkündigung gibt Edwin ihr zu verstehen, dass er sie jetzt ehelichen kann, da sie nunmehr eine geschiedene **Gräfin** ist. Sie enthüllt ihre Identität als **Csárdásfürstin** und löst einen Skandal aus.

Im dritten Akt treffen alle Protagonisten nochmals aufeinander. Unter Missverständnissen und Turbulenzen stellt sich heraus, dass **Feri-Bacsi,** ein Freund Edwins, in dessen Mutter, Anthilte, ***Fürstin Lippert Weylersheim*** seine ehemalige Liebe **Hilda Kupfer,** eine Provinzprimadonna, wiedererkennt. Dem **Fürsten Leopold** gehen die Argumente gegen eine Hochzeit aus und alle willigen in die Ehe von **Edwin** und **Sylva,** aber auch jener von Boni und Stasi ein.

Für das **Stadttheater Leoben** entschied sich Regisseur **Christian Thausing,** die Handlung an die örtlichen Begebenheiten anzupassen. So wurde aus dem Theater in Budapest im ersten Akt das **Stadttheater Leoben**, **Sylva Varescu** kommt, wie auch **Corina Koller,** die Interpretin der Partie, aus dem Leobener Stadtteil ***Hinterberg*** (*„wo die Schweinderl auf der Promenade spazieren*“), was im Publikum für Vergnügen und Heiterkeit sorgt. Aber auch die Regiearbeit von **Christian Thausing,** der seit der Saison 2011/12 als Regieassistent und Spielleiter an der **Oper Graz** beschäftigt ist, weiß zu beeindrucken. Jede Geste, jeder Blick ist abgestimmt, jegliche Handlung der Akteure ergibt Sinn und zeigt eine deutliche Handschrift des Regisseurs.

Für den ersten und dritten Akt schufen **Isabel Toccafondi** (Ausstattung) und **Kristina Six** (Assistenz Ausstattung) eine Künstlergarderobe mit Sofas, Sesseln, Schminktisch, Garderobenständer und einem großen Büffet, der zweite Akt wird von dunkelblauen Vorhängen, einem Büffet und zwei erotisch anmutenden Skulpturen, die als Lampen fungieren, dominiert.

![Stadttheater Leoben / Die Csardasfürstin - hier : das Ensemble © Rudolf Thausing](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/01/cf19-35neu.jpg)

Stadttheater Leoben / Die Csardasfürstin - hier : das Ensemble © Rudolf Thausing

Musikalisch lag die **Csárdásfürstin** in den Händen des in Leoben geborenen Dirigenten **David Schlager,** der das 23-köpfige **Operettenorchester Leoben** temporeich und schwungvoll auf höchstem Niveau leitete. Für die Dernière am 5\. Jänner übernahm **David Schlager** nochmals **Johann Strauss** Polka schnell Opus 324 „*Unter Donner und Blitz“* als Einlage vor dem dritten Akt, wie es bereits in der Silvestervorstellung gespielt wurde.

Als **Sylva Varescu** brillierte die gebürtige Leobenerin **Corina Koller** bereits bei ihrem Auftrittslied „*Heia, heia, in den Bergen ist mein Heimatland*“ mit ihrem kräftigen, höhensicheren Sopran, aber auch mit schauspielerischer Leistung wusste die Stipendiatin der Richard-Wagner-Stipendienstiftung das Publikum zu überzeugen. Auf gleich hohem Niveau erlebte man den Tenor **Severin Praßl-Wisiak** in der Rolle des ***Edwin.*** Mit viel Charme und Leidenschaft und der Strahlkraft seines schön geführten Tenors konnte der gebürtige Grazer begeistern. Wunderbar harmonierte **Severin Praßl-Wisiak** mit **Corina Koller** in den gemeinsamen Duetten „*Heller Jubel – Weißt Du es noch*“ und *„Tanzen möchte ich – Tausend kleine Englein singen“.* Mit letzterer Arie wird am **16.2.2020** auch der **Wiener Opernball 2020** eröffnet; dann gesungen von **Piotr Beczala.**

Berührend und mit viel Humor gestaltete der in Istanbul geborene **Taylan Reinhard** die Partie des **Grafen Boni** und überzeugte nicht nur mit seinem strahlenden Tenor, mit besonderer Intensität bei dem Duett mit Stasi *„Das ist die Liebe die dumme Liebe*“, auch mit seinen darstellerischen Fähigkeiten konnte er das Publikum gewinnen. Als **Stasi** erlebte man die junge Grazerin **Julia Wiszniewski,** deren lieblicher Sopran mit klarer Höhe großen Eindruck hinterließ. Auch ihre sympathische Rollengestaltung konnte das Publikum überzeugen.

Eine beeindruckende Leistung auch vom ungarischen Bariton **János Mischuretz** als **Ferenc Ritter Kerkes (Feri Bácsi**). Ebenso außergewöhnlich war jene von **Christopher Stein** in der Rolle des ***Leopold Maria, Fürst Lippert-Weylersheim,*** dem Vater **Edwins.** Die Gestaltung dieser Rolle durch den niederösterreichischen Schauspieler, war eine ausgesprochen gelungene Parodie auf einen alten, etwas dusseligen Fürsten mit Standesdünkel, was vom Publikum mit entsprechender Heiterkeit quittiert wurde. Die vielseitige Leobener Künstlerin **Krista Böchzelt** konnte als seine Gattin **Anthilte** überzeugen. Souverän auch die Tänzerinnen **Evamaria Mayer** (auch Choreographie), **Anna Reischenbacher, Sarah Kerneza, Doris Stütz, Ute Veronika Olschnegger** und **Heidi Hödl-Tomitsch,** die nicht nur als *„Mädis vom Chantant“* **Sylva Varescus** Eröffnungslied tänzerisch gestalteten, sondern auch der Verlobungsfeier von Edwin und Stasi ein besonderes Flair verliehen.

***Das begeisterte Publikum dankte dem Ensemble mit Jubel und Standing Ovations für diese insgesamt erstklassige Produktion. Man darf gespannt sein, mit welchem Werk das Leobener Publikum Ende dieses Jahres verwöhnt werden wird***

\---| IOCO Kritik Stadttheater Leoben |---