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# Leipzig, Oper Leipzig, LOHENGRIN - Richard Wagner, IOCO Kritik, 28.03.2022
- URL: https://www.ioco.de/leipzig-oper-leipzig-lohengrin-richard-wagner-ioco-kritik-28-03-2022/
- Published: 2022-03-28T18:00:41.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:09:40.000Z
- Author: Thomas Thielemann
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, richard wagner, Wagner, Leipzig

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[Oper Leipzig](http://www.oper-leipzig.de/?ref=ioco.de)

![Oper Leipzig © Kirsten Nijhof](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/03/opernhaus_oper-leipzig_c-kirsten-nijhof.jpg)

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

# ***LOHENGRIN* \- Richard Wagner**

#### **\- Oper Leipzig komplettiert Wagner-Repertoire -** ***Patrick Bialdyga ersetzt geplante Katharina Wagner Produktion -***

von **Thomas Thielemann**

![Richard Wagner Denkmal in Graupa © IOCO / TThielemann](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/01/wagner-denkmal-in-graupa-foto-ioco_-thielemann-neu2020-1.jpg)

Richard Wagner Denkmal in Graupa © IOCO / TThielemann

Die **Lohengrin-**Inszenierung von **Patrick Bialdyga**, deren Premiere wir am 26\. März 2022 besuchten, ist der Abschluß der **Oper Leipzig** für ihr **Wagner*\-Repertoire -* alle dreizehn abgeschlossenen Bühnenwerke des in Leipzig geborenen Dramatikers und Komponisten.

Ursprünglich wollte die Urenkelin des Komponisten **Katharina Wagner**, als ihren zweiten Anlauf im Leipziger Haus, die **Lohengrin** bereits im November 2020 auf die Bühne bringen. Ihre schwere Erkrankung und die Corona-Pandemie führten zu einer Verschiebung des Vorhabens in das Frühjahr 2022.

Mangelnde Kommunikation, Missverständnisse, was immer auch, hatte zur Folge, dass **Frau Wagner** sich ausschließlich auf eine Parallel-Inszenierung in Barcelona konzentrieren möchte und die Arbeit an der **Oper Leipzig** beendete.

**Making of .. *LOHENGRIN* \- Oper Leizpg**youtube **Oper Leipzig TV \[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Das Vorhaben der **Oper Leipzig**, mit dem Projekt **„*Wagner 22*“** \- einem dreiwöchentlichen Festival - alle dreizehn Werke **Richard Wagners** als Eigenproduktion aufzuführen, machte aber eine Neuinszenierung unabdingbar.

Am 7\. Februar 2022 begannn **Patrick Bialdyga** mit dem Bühnenausstatter **Norman Heinrich**, dem Kostümbildner **Roy Böser**, dem Chorleiter **Thomas Eitler-de Lint** und den Gesangssolisten mit der Inszenierungsarbeit, um innerhalb von sieben Wochen mit „*heißer Nadel*“ die vorgestellte Wagner-Interpretation zu stricken.

Regietheater im Opernhaus ist bekanntlich nicht jedermanns Sache. Aber was **Bialdyga** mit dem zweiten Akt des **Lohengrins** auf die Bühne brachte, wie er das **Wagnersche** Anliegen dieser Schlüsselszenen zum Kammerspiel regelrecht eindampfte, grenzt für mich an Vollkommenheit. Auf der ansonsten kahlen Spielfläche symbolisierten unterschiedliche Anordnungen von drei wuchtigen Tischen und fünf Stühlen die Handlungsfäden, die sonst Statisten und Chor bewerkstelligen mussten, so dass der Chor auf die Hinterbühne verbannt werden konnte.

Das Schachspiel des **Telramund** aus dem ersten Akt, wo bereits der Nichtsehende die Logik der Figurenbewegungen nicht beherrschte, wurde von **Ortrud** durch esoterisches Kartenlegen ersetzt. Auch als **Lohengrin** vergeblich versuchte, das Schachspiel wieder *„ins Spiel“* zubringen, waren das Verfremdungsaspekte, die Handlungen zügig voranbrachten. Schlüssig auch, wenn **Elsa** und **Ortrud** um den in der Glaskugel eingeschlossenen Schwan, siehe Foto, streiten; dazu brauchte man kein Textbuch.

![Oper leipzig / LOHENGRIN © Kirsten Nijhof](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/03/lohengrin-gp-kirstennijhofneu.jpg)

Oper leipzig / LOHENGRIN © Kirsten Nijhof

Eine Besonderheit der Inszenierung und voller Symbolkraft war das erotische Verhältnis des **Herrufers** mit **Ortrud:** mal spielte es sich in Gegenwart des blinden **Telramund** ab und mal vergewaltigte **Ortrud** den verdutzten Beamten. Letztlich verhindert er aber **Ortruds** Suizid.

Die *Brautgemachs-Szene* gestaltete die Regie fast klassisch, auch wenn das Brautbett aus den drei Tischplatten und symbolischen Schwanenfedern recht spartanisch gebildet war.

![Oper leipzig / LOHENGRIN © Kirsten Nijhof](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/03/lohengrin-gp-kirstennijhofneu2.jpg)

Oper leipzig / LOHENGRIN © Kirsten Nijhof

**Elsas** Trauer um den erschlagenen **Telramund** erinnerte, dass doch vor **Ortruds** Intrige des ersten Aktes eine intensivere Beziehung zwischen **Elsa** und **Telramund** existiert haben musste, war da aber nicht schlüssig thematisiert gewesen. Offenbar hatte sich **Bialdyga** etwas in der, durchaus **Wagner-**adäquaten Idee, **Telramund** als den Nichtsehen-Könnenden und den das Figurenspiel Nichtbeherrschenden darzubieten, doch etwas verrannt. Deshalb kam es im ersten Akt zu wenig schlüssigen, absurden Abläufen, die den hervorragenden Eindruck seiner Arbeit schmälerten. Dass die Oper tragisch enden muss, hat bereits **Wagner** hinein komponiert, indem er **Elsa** und **Lohengrin** mit unvereinbaren Tonarten aufeinander prallen lässt.

**Bialdyga** Anliegen, das persönlichen Ringen der Protagonisten um Vertrauen, Zuneigung und Macht, um die Geschichte sehr einsamer Menschen, darzustellen, ist ihm gelungen.

Als **Richard Wagner** im Sommer 1846 im *„Schäferschen Gut“* zu Graupa seine romantische Oper **Lohengrin** konzipierte, wollte er zunächst einen ziemlich ausgedehnten Schlussakt gestalten. Die Gralserzählung hatte einen zweiten Teil, in dem **Lohengrin** eindrucksvoll die Meerfahrt des Schwans mit dem Schifflein schildert. Zudem plante **Wagner** in der erste**n Lohengrin-**Kompositionsskizze auch ein zartes „*Lied des Schwanes“,* bevor dieser in den herzoglichen Sohn **Gottfried** zurück verwandelt werde:

*Leb wohl, du wilde Wasserflut,*

*Die mich so weit getragen!*

*Leb wohl, du Welle blank und rein,*

*Durch die mein weiß´ Gefieder glitt!*

*Am Ufer harrt mein Schwesterlein,*

*Das soll von mir getröstet sein.*

**Wagner** habe „*wegen der Notwendigkeit dramatischer Haushaltung*“ auf dieses *Schwanenlied* verzichtet und den zweiten Teil der Gralserzählung vor der Weimarer Uraufführung 1850 ebenfalls gestrichen, um die Tenöre nicht über Gebühr zu belasten.

Von **Bialdyga** wurde die Rückwandelung des Erben von Brabant prosaischer vollzogen. Das aufgebotene Ensemble der Singenden und Spielenden war hervorragend:

Den **Lohengrin** von **Klaus Florian Vogt** sollte man nicht mehr mit normalen Maßstäben messen. Seine Stimme hatte eine absolut sichere Führung, verfügte über alle Ausdrucksmöglichkeiten und verliert auch im dramatischen Bereich nichts von ihrer Klangschönheit. Seine Gralserzählung überzeugte mit lyrischen und dramatischen Aspekten. Die betörende Schönheit seiner *„Taube“* können wenige Tenöre in dieser Liga bieten.

**Gabriela Scherer** sang ***Elsa*** mit ausdrucksstarkem, variantenreichem, dynamischen Sopran, den sie fast beliebig lyrisch-zart als auch dynamisch einsetzen konnte. Nichts wirkte angestrengt, wenn sie die Elsa als unschuldige, romantische, liebenssehnsüchtige darstellerisch und sängerisch exzellent bietet.

Als ***Ortrud*** überraschte uns eine starke **Kathrin Göring**. Verschlagen und diabolisch bot sie eine Machtpolitikerin und Manipulatorin mit kräftigem energiegeladenem Gesang, der durchaus auch maliziös über den Bühnenrand kommen konnte. Als Königsmacherin ging sie ohne Skrupel regelrecht über Leichen, um sich selbst an die Spitze Brabants setzen zu können.

![Oper leipzig / LOHENGRIN © Kirsten Nijhof](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/03/lohengrin-hp1-kirstennijhof-neru3.jpg)

Oper leipzig / LOHENGRIN © Kirsten Nijhof

Sehr stark und glaubwürdig als ***Friedrich von Telramund*** agierte auch **Simon** **Neal**. Er demonstrierte überzeugend, zutiefst im Recht zu sein, ohne zu wissen, dass er nur eine Marionette war. Einen respektablen ***König Heinrich* der Vogler** gestaltete **Günther Groissböck** mit seinem kraftvoll-geschmeidigen Prachtbass. Der ***Heerrufer*** von **Mathias Hausmann** überzeugte mit der klaren und kräftigen Stimmführung seines wohlklingenden Baritons, wobei er auch darstellerisch einige Petitessen meistern musste.

Der ***Chor der Oper Leipzig*** bestach mit seiner Präzision, Geschlossenheit insbesondere in den leisen Passagen und den vielstimmigen Chorsätzen.

Das ***Gewandhausorchester*** mit dem Dirigat **Christoph Gedscholds** lieferte den Orchesterpart mit dem derzeitigen Niveau des Klangkörpers ab. Die Bläser sind erstklassisch, aber es fehlt der Kapelle derzeitig der weiche Streicherteppich und auch etwas die Präzision, so dass das „Lohengrin-Vorspiel“ die Vorstellung unwürdig einleitete.

Aber da sind wir doch etwas mäkelig auf hohem Anspruch: denn die Sängerbegleitung schien doch recht sängerdienlich und **Gedschold** konnte auch einige Glanzlichter setzen.

***Große Begeisterung der Besucher, die die Premieren-üblichen Buhrufe erstickten, über diese würdige Repertoire-Komplettierung***

[**LOHENGRIN** an der **Oper Leipzig,** die folgenden Termine 3.4.; 10.4.; 24.4.; 20.11.; 25.11.2022, link HIER](https://www.oper-leipzig.de/de/programm/lohengrin/90174?ref=ioco.de)

\---| IOCO Kritik Oper Leipzig |---