> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://www.ioco.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# Köln, Oper Köln, Premiere Parsifal: Karfreitagszauber und Lichtorgel, IOCO Kritik, 29.03.2013
- URL: https://www.ioco.de/koln-oper-koln-premiere-parsifal-karfreitagszauber-und-lichtorgel-ioco-kritik-29-03-2013/
- Published: 2013-04-02T16:00:59.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:08:09.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Kritiken, richard wagner, Karten, Wagner, Köln

![oper koeln.jpg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/oper-20koeln.jpg "Oper Köln")

# [Oper Köln](http://www.operkoeln.com/?ref=ioco.de)

![Opernhaus Köln / Oper am Dom © IOCO](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/04/Oper-K%C3%B6ln-Oper-am-Dom-und-Parsifal-c-IOCO.jpg "Opernhaus Köln / Oper am Dom © IOCO")

Opernhaus Köln / Oper am Dom © IOCO

 Bühnenweihfestspiel mit Projektionen und Artistik  

Die Uraufführung der Oper *Parsifal* fand am 26\. Juli 1882 statt, nur sieben Monate vor **Richard Wagners** Tod. Bereits 1845 lernte **Wagner** den *Parzeval*\-Mythos des **Wolfram von Eschenbach** (1165 – 1220) kennen, wonach am Karfreitag des Jahres 848 der Ritter *Parzeval* zur Gralsburg kam, deren König wurde und danach mit seinen Gralsrittern für Recht und Tugenden kämpfte. Zahllose Legenden ranken sich seither um *Parzeval*, den heiligen Gral, die Gralsburg und Gralsritter.

**Richard Wagner** verwandelte den mittelalterlichen Mythos durch dichterische sowie kompositorische Kraft mit Schaffung des *Parsifal,* als des erlösenden „*Reinen Tor*“, der   *Kundry*, mit der *Fußwaschung* wie der *Erlösung durch Mitleid* in einen eigenen, pseudoreligiösen aber auch transzendent tiefgründigen *Parsifal*. Nur noch angelehnt an den alten *Parzeval*\-Mythos. 

Zur Osterzeit beherrscht dieses Musikdrama **Richard Wagners** alle großen Bühnen der Welt: **Metropolitan Opera, Wiener Staatsoper, Bayerische Staatsoper, Oper Frankfurt, Berliner Staatsoper** **:** Überall *Parsifal,* so auch 2013\. *Parsifal* am Karfreitag zu erleben, in vielen Bundesländern nicht erlaubt, besitzt für eingefleischte **Wagnerianer** zusätzlichen Stellenwert. Die Premiere des *Parsifal* am Karfreitag 2013 drückt eine zauberhafte Reverenz der **Oper Köln** vor **Richard Wagner** und seiner Kultgemeinde aus. 

Die **Oper am Dom**, Interimspielstätte der **Oper Köln,** stellt mit ihren eingeschränkten technischen Möglichkeiten jeden klassischen *Parsifal*\-Regieansatz vor unlösbare Aufgaben. Der spanische Regisseur **Carlus Padrissa,** zusammen mit der vomStraßentheater kommendenkatalanischen Truppe **La Fura dels Baus,** entwickelte denn eine aufwendige Inszenierung in der er fehlende Bühnentiefe, -technik und Kulissen durch zahlreiche, Zuschauerraum wie Bühne umfassende Projektionen, Comic-Strips, Akrobatik und Lichteffekte ersetzt. Moderne Kommunikation, Mittel und Medien sind **Padrissas** ungewöhnlicher Zugang zu *Parsifal*: „Signale und Strömungen übertragen sich auf alle“ so **Padrissa.** Alle sind Teil seiner Gralsgemeinschaft, Zuschauer, Ensemble, Passanten. Auf der Bühne selbst wird eine hohe, von 90 vermummten Gralsrittern besetzte, beweg- und teilbare Kuppel zur Kernkulisse der Inszenierung.

Bereits das Vorspiel des ersten Aufzugs*,* welches die musikalischen Schlüssel zum Werk (Keuschheit, Weihe, Geheimnis, Inbrunst) festlegt, wird von drei schwarz-weiße Videoprojektionen (Autorennunfall, tödlicher Sturz, Selbstmord) begleitet. Zusätzlich zu diesen Projektionen schweben vier Menschen über der Bühne. Durchgängiger Handlungsstrang der folgenden Inszenierung werden die urchristliche Brotteilung und die meist in Hintergrund befindliche Gralskuppel mit seinen Gralsrittern. *Gurnemanz, als* prophetischer Erzähler und Schöpfer knetet das Brot im ersten Aufzug, backt es und teilt es zum Ende des dritten Aufzuges mittels der Gralsritter mit den Theater-Besuchern. Diese zentralen Handlungsstränge werden durch zahlreiche, teils spektakuläre wie verwirrende Projektionen und Bilderfluten begleitet: Wenn die Gralsritter, „*Zum letzten Liebesmahle, gerüstet für den Tag*“ singend, die Gesichter mystisch von unten beschienen durch den Zuschauerraum „pilgern“, wenn der unsichtbare *Titurel* in Form von **Richard Wagners** Konterfei wabernd auf die Bühne projiziert wird, wenn *Amfortas* über dem Gral (Bild) schwebt, während sich dessen Inhalt „wagnergetreu“ purpurn färbt. Das Vorspiel zum zweiten Aufzug wird erneut von einer Videoprojektion begleitet: Fünf Männer rasen, in *Buster Keaton*\-Manier *Klingsors* verstörte Welt andeutend, in einem Auto eine Straße entlang. Szenisch wie technisch mitreißend im zweiten Aufzug der in wechselnde Leuchtfarben gehüllte Zaubergarten (Bild), aus dem die *Blumenmädchen* mit ihrem „*Komm! Komm! Holder Knabe! Lass mich dir blühen*“ *Parsifal* zu verführen suchen. Zum Vorspiel des dritten Aufzugs – überraschend – werden keine Videoprojektionen gezeigt, sondern *Gurnemanz,* wie er die geformten Brotteige in einen riesigen Feuerofen führt. So wird auch der dritte Aufzug zu einer auf das Erlösungsmotiv zentrierte Inszenierung der Moderne; mit packenden wie irritierenden Videos, Projektionen und vielen Bild-gewordenen Wortspielen ("*Der Mensch ist das Seil zwischen Tier und Übermensch"*). *Parsifal*, gesuchter Erlöser erscheint wahrhaftig als Lichtgestalt; mit Speer und in einem von zahllosen Strahlern leuchtenden Gewand. Für jedermann sehr plakativ erkennbar: Das gute Ende naht. Der durch *Parsifal* zurückgewonnene Speer versinkt im Gral. 110 Gralsritter und Ensemble erschallen: „*Höchsten Heiles Wunder!* *Erlösung dem Erlöser“.* Das Karfreitag-Bühnenweihfestspiel endet in Ergriffenheit. [ ](http://www.eventim.de/koelner-philharmonie-Tickets.html?affiliate=IOC&doc=venuePage&fun=venue&action=overview&venueGroupId=5030&ref=ioco.de "Sie möchten Tickets in der Philharmonie Köln kaufen? Klicken Sie hier!")

**Markus Stenz** führte das **Gürzenich-Orchester Köln** sehr geschlossen, wenn auch zunächst übertrieben schleppend, um später die Tempi erdenschwer gelassen doch flüssiger gleiten zu lassen. Fein und weich strahlten die Hölzer, auch die Bleche verschreckten nicht. Dynamisch und lebendig die Streicher. Die 110 Personen umfassenden **Chöre der Oper Köln**, oft quer über den ganzen Zuschauerraum verteilt und von **Andrew Ollivant** perfekt „eingestellt“, vermitteln wahrhaftig wie eindringlich *Parsifalschen* Karfreitagszauber. Das Sängerensemble bewältigt die anspruchsvollen Partien meist ohne Fehl und Tadel. **Marco Jentzsch** meistert den *Parsifal* mit strahlkräftig, gut geformter, breiter Tenorstimme und zahlreich folgenden Bravorufen. Die leicht metallen klingende Stimme zeigte bis zum Ende kein Zeichen von Ermüdung. Dies gilt allerdings auch für den seit nahezu 40 Jahren Köln- wie **Wagner-**erprobten **Matti Salminen**, welcher der mörderisch großen Partie des *Gurnemanz* mit immer noch voluminösem Bass und absoluter Textsicherheit große Bühnenpräsenz verleiht. **Dalia Schaechter** überzeugte als *Kundry* in ihrer permanent zwischen Lyrik wie Dramatik driftenden Partie darstellerisch und mit sicher-sattem Mezzo. Auch der Wiener Staatsoper-erfahrene **Boaz Daniel** bestand sein Rollendebüt als *Amfortas* und als gestandener *Klingsor* mit wohl-timbrierten Bass-Bariton und guter Textverständlichkeit. Eine spezielle Eigenheit der **Oper am Dom** stimuliert den Zugang **Richard Wagners** Werk zusätzlich: Der komplexe Operntext wird für Jedermann bequem lesbar links wie rechts der Bühne projiziert. Durch die Nähe von Text zu Bühnenhandlung öffnet sich in Köln ein Laien wie Profis selten erlebtes Verständnis für **Wagners** Gesamtkunstwerk.

![Oper Köln / Parsifal Premierenfeier mit M. Jentzsch und M. Salminen © IOCO](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/ioco-oper/io/../mein-content/dateien/uploads/2013/04/Oper-Köln-Parsifal-Premierenfeier-mit-M.-Jentzsch-M.-Salminen-c-IOCO.jpg "Oper Köln / Parsifal Premierenfeier mit M. Jentzsch und M. Salminen © IOCO")

Oper Köln / Parsifal Premierenfeier mit M. Jentzsch und M. Salminen © IOCO

Die Inszenierung von **Carlus Padrissa** in Köln geht nicht die gewohnten Wege betulicher **Wagner**\-Schwere. Packende wie irritierende Videos, Projektionen, Bild-gewordene Wortspiele, Bühnenakrobatik begleiten dort **Richard Wagners** Mystik-durchdrungene Bühnenweihfestspiel-Visionen. Das Publikum nahm es gelassen, positiv. Viel, wenn auch nicht tosender Beifall. Alles sehr karfreitagsgerecht. ***IOCO*** / Viktor Jarosch / 1\. April 2013.

**Weitere Parsifal Vorstellungen:** 1\. April, 5\. April, 11\. April, 14\. April 2013

\---| Pressemeldung Oper Köln |---