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# Köln, Oper Köln, Premiere Ariadne auf Naxos - Richard Strauss, IOCO Kritik 26.11.2011
- URL: https://www.ioco.de/koln-oper-koln-premiere-ariadne-auf-naxos-von-richard-strauss-26112011/
- Published: 2011-11-28T18:41:43.000Z
- Updated: 2023-09-06T11:50:12.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Oper & Operette, Aktuelles aus der Theaterwelt, Kritiken, Spielplan, Wagner, Kuenstler, Premiere, Orchester, Strauss, Karten, Salome, richard wagner, Premieren, Köln

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Kritik

[Oper Köln](http://www.operkoeln.com/?ref=ioco.de)

![Oper Köln © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2009/05/koeln_oper_koeln_c_ioco.jpg "Oper Köln © IOCO")

Oper Köln © IOCO

# ***Ariadne auf Naxos -* oder - *Die Harmonie der Gegensätze***

# ***Der Bürger, die Leichtigkeit und die Schwermut***

von **Viktor Jarosch**

**Richard Strauss**, 1864 - 1949, der wohl größte moderne deutsche Opernkomponist, war Frühstarter wie Spätvollendeter: Genieblitze wie die Sinfonische Dichtung *Till Eugenspiegel,* 1895 im **Kölner Gürzenich** erstmals aufgeführt, folgten epigonale, **Wagner**\-orientierte Misserfolge, die Opern *Guntram* (1894) oder *Feuersnot* (1901). Erfolgreiches, immer der Tonalität verbundenes Musiktheater formte **Richard Strauss** erst 1905 mit *Salome* und seiner Hinwendung zum "*realistischen Verismus"*, der kompositorischen Entdeckung des Jugendstil, des Expressionismus, des Naturalismus. Dies und die langjährige, intensive Bekanntschaft mit dem Dramatiker und Lyriker **Hugo von Hofmannsthal** (1874 - 1929, u.a. *Elektra*) begründeten die Triumphe von **Richard Strauss:** Sechs Opernkompositionen, von *Elektra* (1908) über *Ariadne auf Naxos* (1912) bis *Arabella* (1932) brachte beiden Künstler dauernden Weltruhm.

![Oper Köln / Ariadne auf Naxos - Die Komodianten © Forsterdesign](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2011/11/oper-koln-ariadne-auf-naxos-die-komodianten-c-forsterdesign1.jpg "Oper Köln / Ariadne auf Naxos - Die Komodianten © Forsterdesign")

Oper Köln / Ariadne auf Naxos - Die Komodianten © Forsterdesign

*Ariadne auf Naxos* besitzt eine lange Entstehungsgeschichte: Die Premiere 1912 in Stuttgart blieb ein Achtungserfolg. Erst eine weitgehende Neufassung von Text und Komposition brachte den Durchbruch: 1916 an der **Wiener Hofoper,** der heutigen **Wiener Staatsoper,** erstmals aufgeführt gehört sie bis heute zu den meistgespielten Opern großer Musiktheater. Die Handlung: Der "reichste Mannes von Wien" will seinen Gästen etwas Kunst bieten. Die nur zu diesem Zweck komponierte ernste Oper "*Ariadne auf Naxos"* soll gespielt werden, anschließend die Tanzmaskerade "*Die ungetreue Zerbinetta und ihre vier Liebhaber*". Der Komponist von "*Ariadne*" ist empört. Doch der Herr des Hauses befiehlt sodann zusätzlich, dass Posse und Trauerstück gleichzeitig aufgeführt werden sollen.....

Kölns Opernintendant und Regisseur **Uwe Eric Laufenberg** blickt auf eine lange Auseinandersetzung mit *Ariadne auf Naxos* zurück. Er kennt das Stück: 1997 inszenierte er *Ariadne* in Brüssel; 1998 in Straßburg, 1999 Berlin, dann Barcelona, Bilbao. Seine Brüsseler Urversion, ohne Vorspiel, überarbeitete **Laufenberg** nun für die **Oper Köln,** gelassen Leichtigkeit und Schwermut in den Lebensalltag projizierend. Im Palast des reichen Wiener Bürgers begegnen Künstler der Wucht des Geldes. Heroen und Halbgötter der griechischen Mythologie (*Ariadne, Bacchus*..) treffen auf irdische Leichtigkeit (*Zerbinetta, Harlekin*). Ernstes und leichtes Theater kontrastieren sich inmitten bourgeoisem Ambiente. Das Bühnenbild: Ein hoher, im Jugendstil gehaltener Festsaal mit Seeblick (*Ariadnes* laut Textbuch "wüste Insel *Naxos*" erahnend); der Saal bildet den werktreuen und wandlungsfähigen Rahmen dieses inszenatorisch so heiklen Stückes. Die von **Strauss** gesuchte Expressivität findet **Laufenberg** in meist ruhigem, ausdrucksstarkem Stil; die komplexe Handlung sanft stützend. Die Kostüme (**Jessica Karge**) entwickeln sich schlüssig zur Handlung; von einfachen Kleidern und Straßenanzügen hin zu den drohend, halluzinativen Traumfiguren in *Ariadnes* Erwartung des Todesboten. Manch weniger famose Regieeinfälle (Badbesucher zu *Zerbinettas* herrlicher Bravourarie) sind Teil von **Laufenbergs** insgesamt begeistert, fast tobend aufgenommener Neu-Produktion.

![Ariadne auf Naxos / Regina Richter als Komponist © Forsterdesign](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2011/11/oper-koln-ariadne-auf-naxos-r-richter-als-komponist-c-forsterdesign.thumbnail.jpg "Ariadne auf Naxos / Regina Richter als Komponist © Forsterdesign")

Ariadne auf Naxos / Regina Richter als Komponist © Forsterdesign

![Ariadne auf Naxos / Daniela Fally als Zerbinetta © Forsterdesign](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2011/11/oper-koln-ariadne-auf-naxos-ariadne-daniela-fally-c-forsterdesign.thumbnail.jpg "Ariadne auf Naxos / Daniela Fally als Zerbinetta © Forsterdesign")

Ariadne auf Naxos / Daniela Fally als Zerbinetta © Forsterdesign

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**Markus Stenz** und das **Gürzenich-Orchester** setzen kammermusikalisch differenzierte Netze, transparent und farbig, die zahlreichen schnelle Stimmungswechsel mit agiler Virtuosität lenkend. **Stenz u**nd das **Gürzenich-Orchester** zeichnen so, sensibel und klug, die kommentierende Funktion der Partitur. Die wahre Überraschung der Premiere schaffte das weiblich dominierte, meist hauseigene Ensemble: Gast **Daniela Fally** als *Zerbinetta* spielt, beherrscht, tiriliert ihre große Partie, wie ihre spektakuläre Koloraturarie *Großmächtige Prinzessin* mit phänomenaler Schönheit und gut geführter Stimme. Doch: Das hauseigene Ensemble der **Oper Köln**, zudem noch zumeist in Rollendebüts, ist überraschend ebenbürtig: Verhalten begann **Barbara Haveman** ihr anspruchsvolles Rollendebüt als *Ariadne.* Doch bald ging **Haveman´s** *Ariadne* unter die Haut: Leuchtende Stimmschönheit führen zu einer Darstellung von getragenem Ernst und feuriger Fülle. **Regina Richter** als *Komponist*begleitet den Diskurs zwischen *Ariadne* und   *Zerbinetta* uneitel, voller Emphase, mit rundem, vollem Mezzo-Timbre. Selbst zu einem manchmal etwas kräftig spielendem Orchester forcierte **Richter** mit strahlendem Glanz. Auch Jung-Tenor **Marco Jentsch** als *Bacchus* besteht das Rollendebüt glänzend: Elegant, differenziert, auch im Fortissimo sein Timbre behaltend. Die Hervorragende Besetzung zeichnet auch die vielen anderen Partien aus: Der Musiklehrer, **Johannes Kränzle,** sehr präsent und sicher. Der Haushofmeister, **Harald Kuhlmann,** mit passend guter Diktion. Die vier Komödianten (*Harlekin* **Miljenko Turk**, *Scaramuccio* **Gustavo Ramos**, *Truffaldin* **Matias Tosi**, *Brighella* **Jeongki Cho**) spielen, singen mit parodistischer Begeisterung. Wunderbar wohllautende Kantabilität wiederum zeichnet die drei Nymphen (*Najade* **Gloria Rehm**, *Dryade* **Adriana Gamboa**, *Echo* **Ji-Hyun An**) aus.

Die starken Ovationen der Kölner (und uns Düsseldorfer) empfand man als genuine Danksagung an ein einfühlsames Regieteam und ein großartiges Kölner Ensemble. Parodie und Trauer: Die Harmonie der Gegensätze, von der **Oper Köln**  in **A*riadne auf Naxos*** wunderbar auf die Bühne gebracht und bis zum 26\. Dezember 2011 auf dem Spielplan.

\---| IOCO Kritik Oper Köln |---