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# Köln, Oper Köln, Eine surreale 60-Jahr-Feier - Oper Köln, IOCO Kritik, 18.03.2017
- URL: https://www.ioco.de/koeln-oper-koeln-eine-surreale-60-jahr-feier-oper-koeln-ioco-kritik-18-03-2017/
- Published: 2017-03-21T09:00:41.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:37:33.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Köln

![oper koeln.jpg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/oper-20koeln.jpg "Oper Köln")

# [Oper Köln](http://www.operkoeln.com/?ref=ioco.de)

![Koeln / StaatenHaus Oper Koeln © Petra Moehle](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/01/StaatenHaus-Oper-K%C3%B6ln-Foto-Petra-Moehle2.jpg "Koeln / StaatenHaus Oper Koeln © Petra Moehle")

Köln / StaatenHaus Oper Köln © Petra Moehle

***60 Jahre Oper Köln am Offenbachplatz***

**Köln feiert ein geschlossenes Theater - Mit *Oberon***

Von **Viktor Jarosch**

![StaatenHausKöln / Kulturdezernentin Laugwitz-Aulbach © IOCO](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/03/K%C3%B6ln-Kulturdezernentin-LangwitzNEU.jpg "StaatenHausKöln / Kulturdezernentin Laugwitz-Aulbach © IOCO")

StaatenHausKöln / Kulturdezernentin Laugwitz-Aulbach © IOCO

60 Jahre **Oper Köln am Offenbachplatz** feierte man am 11.3.2017 in Köln. Die Feier ***„60 Jahre Oper Köln am Offenbachplatz“*** fand allerdings in der Ersatzspielstätte **StaatenHaus** statt, denn das Stammhaus der **Oper Köln** ist seit 2013 geschlossen. Am 18\. Mai 1957 war die **Oper Köln am Offenbachplatz** eröffnet, am 19.5.1957 mit **Carl Maria Webers** selten gespielter romantischer Feenoper ***Oberon*** künstlerisch geweiht worden. **Dr. Birgit Meyer,** Intendantin der **Oper Köln,** zeigte sich in der Feier vor zahlreichen Gästen, vor Politikern und Kulturverantwortlichen der **Stadt Köln** und Kulturdezernentin **Susanne Laugwitz-Aulbach** in bester Laune: „*Wir feiern 60 Jahre Oper Köln am Offenbachplatz. Selbst wenn die Lage schwierig ist und anders als gedacht.....Ich begrüße zu unserer heutigen Veranstaltung......Eine große Ehre...!*“. Nichts sagte **Meyer** zur Wiedereröffnung der Oper Köln am Offenbachplatz!

**Dr. Karl Zieseniß,** 103 Jahre alter Zeitzeuge und von 1954 bis 1979 Verwaltungsdirektor der **Bühnen Köln,** erzählte authentisch mit launig kölschem Humor, wie 1957 das **Theater am Offenbachplatz** pünktlich und ohne Etatüberschreitung eröffnet wurde: *"Mit „Behelf und Gepfusch... ging jeden Abend um 19.30 Uhr der Vorhang auf. Wenn das Schauspiel auf der Bühne war, dann ging die Oper eben nach Viersen oder Leverkusen.... Als kein Geld mehr da war, hörte man auf zu bauen. So waren wir zur Eröffnung zwar pünktlich, aber nicht ganz vollendet; wir nannten das Haus *Das Grabmal des unbekannten Intendanten*!“* Doch **Zieseniß** war konkret, war fordernd, man möge bald in das sanierte Theater am Offenbachplatz einziehen, denn ***„ich möchte mir das noch ansehen, und zwar nicht vom Himmelspötzke!“***

![Oper Köln / Die geschlossene Oper am Offenbachplatz © IOCO](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/03/Oper-K%C3%B6ln-Offenbachplatz-Ein-Sanierungsfall-c-IOCO.jpg "Oper Köln / Die geschlossene Oper am Offenbachplatz © IOCO")

Oper Köln / Die geschlossene Oper am Offenbachplatz © IOCO

Kulturdezernentin **Susanne Laugwitz-Aulbach** übermittelte den das geschlossene Opernhaus feiernden Gästen Grußworte der erkrankten Oberbürgermeisterin **Henriette Reker,** schwärmte über das vermeintlich reizvolle Ambiente der schwer erreichbaren Notbehelfsbühne im **StaatenHaus** und hoffte auf das Gute *„am Ende eines langen Weges“*. Der langjährige Geschäftsführer der Bühnen Köln, **Dr. Wasserbauer,** früher eher über Etatprobleme mit dem gefeuerten Ex-Intendant **Uwe Eric Laufenberg** aufgefallen, schwieg ebenfalls zur Causa Offenbachplatz. Auch **Dr. Zieseniß** erhielt zu seiner Hoffnung*,* die Eröffnung der Oper am Offenbachplatz *"nicht vom Himmelspötzke"* erleben zu müssen, keine Ansage: Kein Jahr, keinen Tag, nichts wurde gesagt, von niemandem.

Erwartungen, dass die 60-Jahr-Feier neben Feierlichem auch Ernstes zur Sanierung der seit 2013 geschlossenem **Oper am Offenbachplatz,** dem riesigen Millionengrab preisgeben würde, wurden somit enttäuscht. Der Termin der Wiedereröffnung der Oper (2017? 2018? 2019?) oder erwartete Kosten der Sanierung waren keiner Erwähnung wert, von Niemandem. Die 60-Jahr-Feier im **StaatenHaus** geriet so zu einem surreal wirkenden Kunst-Event: An- wie Abwesende wurden in Reden gelobt und gefeiert, bei Sekt, Häppchen und viel guter Laune. Die anwesenden Kölner Stadtoberen aus Kultur und Politik wie die Besucher wirkten entspannt, genossen Getränke und warteten gespannt auf die anstehende Premiere ***Oberon. Alles nur ein Traum ?***

![Oper Köln / Oberon - Christoph Poppen (Dirigent), Adriana Bastidas Gamboa (Puck), Jeongki Cho (Oberon), Kristiane Kaiser (Rezia), Brenden Gunnell (Hüon von Bordeaux), Oper Köln / Oberon_Regina Richter (Fatime), Wolfgang Stefan Schwaiger (Scherasmin), August Zirner (Erzähler), María Isabel Segarra und Maria Kublashvili (Meermädchen) © Paul Leclaire](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/03/operon2-bildneu.jpg "Oper Köln / Oberon - Christoph Poppen (Dirigent), Adriana Bastidas Gamboa (Puck), Jeongki Cho (Oberon), Kristiane Kaiser (Rezia), Brenden Gunnell (Hüon von Bordeaux), Oper Köln / Oberon_Regina Richter (Fatime), Wolfgang Stefan Schwaiger (Scherasmin), August Zirner (Erzähler), María Isabel Segarra und Maria Kublashvili (Meermädchen) © Paul Leclaire")

Oper Köln / Oberon - Christoph Poppen (Dirigent), Adriana Bastidas Gamboa (Puck), Jeongki Cho (Oberon), Kristiane Kaiser (Rezia), Brenden Gunnell (Hüon von Bordeaux), Oper Köln / Oberon\_Regina Richter (Fatime), Wolfgang Stefan Schwaiger (Scherasmin), August Zirner (Erzähler), María Isabel Segarra und Maria Kublashvili (Meermädchen) © Paul Leclaire

Die halb-konzertante Premiere von **Oberon** im Kölner   **StaatenHaus** war dagegen trotz technischer Kompromisse ein Erfolg. Die 1826 in London uraufgeführte Oper von **Carl Maria von Weber** beruht auf **Christoph Martin Wieland,** welcher aus Feenmärchen, ***Tausendundeiner Nacht*** und Bibel ein *„Romantisches Heldengedicht"* in 12 Gesängen geschaffen hatte. Trotz des großen Erfolgs in London war von Weber mit **Oberon** nicht zufrieden. Viele Handlungsstränge, ein Nebeneinander von musikalischen Nummern und gesprochenen Dialogen führen auf der Bühne zu einem szenischen Gewusel, machen es Besuchern schwer, der Handlung zu folgen, die Musik zu genießen. In den wenigen verbleibenden Monaten seines Lebens änderte **Weber** nichts mehr an seiner Oper. Sein Schüler **Julius Benedict, Gustav Mahler** und zahllose Regisseure taten dies; sie ergänzten, kürzten, veränderten die Feenoper bis zur Unkenntlichkeit. Wo **Oberon** heute drauf steht, ist oft nur noch wenig **Weber** oder **Wieland** drin.

Genau dies macht den Reiz der von **Werner Seitzer** geschaffenen Kölner Produktion aus. Sie greift zurück auf die ursprüngliche Vorlage; die Musik ganz **Carl Maria von Weber; Christoph Martin Wielands** heiteres wie bildungsgetriebenes *„Heldengedicht“* bestimmt Texte und Handlungsstränge in Köln; die technischen Beschränkungen im StaatenHaus geraten zur Nebensache. Der Besucher konzentriert sich auf reizvolle gesprochene wie gesungene Texte (von **Alexandra Gelhar** bestens lesbar auf Tafeln projiziert), worin sich ***Feenkönig Oberon*** und **Elfenkönigin Titania** sich streiten, ob eher Mann oder Frau zur Untreue neigen. ***Oberon*** will sich erst versöhnen, wenn ein Menschenpaar ihre Treue trotz schwerer Prüfungen bewiesen hat. In der folgenden, an Merkwürdigkeiten reichen Handlung erwählt **Oberons** Vertrauter ***Puck*** den **Ritter Hüon von Bordeaux** diese Prüfung zu bestehen. **Karl der Große** hatte **Hüon** beauftragt, am Hofe des **Kalifen** in Bagdad zu köpfen, die Kalifentochte**r Rezia** als seine Braut zu küssen…… **Rezia** hatte schon im Traum ***Hüon*** gesehen und sich in ihn verliebt…

![Oper Köln / Oberon - am Offenbachplatz - Ensemble und Chor © Paul Leclaire](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/03/oper-koeln-oberon-1neuc-paul-leclaire.jpg)

Oper Köln / Oberon - am Offenbachplatz - Ensemble und Chor © Paul Leclaire

Spürbare Spannung erzeugt, weil die komplexe Handlung wohl steuernd, der Erzähler **August Zirner.** Als Moral fordernde wie Handlung erklärende Stimme zeichnet **Zirner** auf der Bühne in lebendiger Motorik und deutlicher Diktion **Christoph Wielands** Verse um unglückliche singende Wesen: Die Götter ***Oberon und Titania*** sind im Himmel ebenso zerstritten wie ihre irdischen Antipoden in der Suche nach Liebe, Tapferkeit und Ehrlichkeit. Das konzertant singende Solisten bestanden allesamt ihr Rollendebüt wie das rauschende Nebeneinander von Erzähler und Musik dieser selten gespielten Oper. **Brenden Gunnell** strahlt in seiner zentralen Partie als **Ritter Hüon** mit sicherem wie wohl timbrierter Tenorstimme. Doch auch **Kristiane Kaiser,** als ***Rezia*** mit leidenschaftlichen Spitzentönen, **Jeongki Cho** als **Oberon** mit kräftig expressiver Höhenlage wie **Regina Richter** in melancholischem Mezzo als ***Fatime,*** **Wolfgang Stefan Schwaiger** als **Scherasmin** und **Adriana Gamboa** als **Puck** vervollständigen eine gelungene Ensembleleistung. **Christoph Poppen** und das **Gürzenich-Orchester** Köln und der **Chor der Oper Köln** füllen **Webers** romantische Komposition mit ergreifend feinfühlig warmen Klängen.

So wurde die selten gespielte **Oberon** Produktion im **StaatenHaus**  Köln zu einem inspirierenden Theater-Erlebnis. Bau-Wirren um das Millionen-Grab Offenbachplatz schienen vom Publikum längst verdrängt. Man feierte die **Oper Köln** im **StaatenHaus:** Ensemble, Chor, Orchester und Erzähler, welche in bescheidenem Umfeld die vielschichtige Feenoper **Oberon** lebendig wie berührend produziert hatten. Ahnungen beschlichen uns, daß noch viele Premieren im **StaatenHaus** zu sehen sein werden.

\---| IOCO Kritik Oper Köln |---