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# Köln, Friedenskirche - Köln Ehrenfeld, ZAMUS  - Fest für Alte Musik, IOCO Kritik, 03.04.2018
- URL: https://www.ioco.de/koeln-friedenskirche-koeln-ehrenfeld-zamus-fest-fuer-alte-musik-ioco-kritik-03-04-2018/
- Published: 2018-04-03T16:00:49.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:44:52.000Z
- Author: Karin Hasenstein
- Tags: Sonstiges, Kritiken, Oper & Operette, Köln

![ZAMUS Köln / Exequien - Motetten von Heinrich Schuetz © Karin Hasenstein](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/04/hasenstein-1-neu.jpg)

ZAMUS Köln / Exequien - Motetten von Heinrich Schuetz © Karin Hasenstein

# **Heinrich Schütz - Musikalische Exequien und Motetten**

 **“*Eile mich, Gott, zu erretten”*** 

Von **Karin Hasenstein**

Inmitten der an Konzerten so reichen vorösterlichen Passionszeit faszinierte besonders die Konzertreihe des **ZAMUS - Zentrum für ALTE MUSIK Köln,** mit den Musikalischen Exequien von **Heinrich Schütz** in ihrer Mitte. Das in der **Friedenskirche** in Köln-Elberfeld auftretende **ZAMUS-Vocal-Consort,** mit einem überregional anerkannten Gesangs-Ensemble, die mit gesungenem Wort so sensibel umgehende Starsopranistin **Emma Kirkby,** seit vielen Jahre international anerkannte große Dame der Alten Musik, an der Spitze, machte den Besuch der Exequien mit **Heinrich Schütz** für die Rezensentin zu einem unbedingten Muß.

Motetten und die **Musikalischen Exequien** von **Heinrich Schütz** standen auf im Mittelpunkt, nicht die zu dieser Zeit gewohnten großen Passionen von **J.S. Bach** oder **G.F. Händel,** nein.

![ZAMUS Köln / Exequien von Heinrich Schuetz © Karin Hasenstein](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/04/hasenstein-3-neu.jpg)

ZAMUS Köln / Exequien von Heinrich Schuetz © Karin Hasenstein

Die **Musikalischen Exequien SWV 279-281** (op. 7) sind ein geistliches musikalisches Werk für Singstimmen und Basso continuo von **Heinrich Schütz.** Das Werk entstand als eine erweiterte Evangelienmotette im Rahmen der lutherischen Trauermesse (Teile I und II) und als Musik zur Beisetzung (Teil III) von **Heinrich Posthumus Reuß** im Februar 1636\. Das damals geläufige lateinische Wort *ex(s)equiae* bedeutet “Leichenbegängnis”. Es stellt jedoch keinen Traditionszusammenhang mit der ebenfalls oft Exequien genannten katholischen Begräbnisliturgie her.

**Schütz** komponierte seine ***Exequien*** 1635/36 anlässlich des Todes seines Landesherrn **Heinrich Posthumus Reuß.** Sie erklangen erstmalig bei **Reuß’** Trauergottesdienst und Beisetzung in Gera. Der Fürst selbst hatte noch zu Lebzeiten eine Sammlung von Bibelversen und Liedtexten zusammengestellt, mit welchen sein Sarg beschriftet werden sollte. Diese Texte übergab **Heinrichs** Witwe nach dessen Tod an **Schütz,** der sie zur Grundlage des ersten Teils der ***Exequien*** machte. Mit dem zweiten Text *“Herr, wenn ich nur dich habe”* (Psalm 73, 25-26) schloss **Schütz** als zweiten Teil der Exequien die Vertonung dieses Textes als Motette an. Als abschließende fünfstimmige Motette erklang der Lobgesang des **Simeon** *“Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren”.*

Den ersten Teil der Exequien bestreiten sechs Soli (2 Soprane, Alt, 2 Tenöre, Bass) und Orgel. In den als ***Capella*** bezeichneten Sätzen können weitere Ripieno-Sänger je Stimme hinzukommen. Der zweite Teil besteht aus zwei jeweils mit Sopran, Alt, Tenor und Bass besetzten Teilensembles. In der letzten Motette kontrastiert der als ***Capella*** bezeichnete fünfstimmige Hauptchor mit drei Solostimmen (2 Soprane und Bariton als Seraphim mit der Beata Anima, als Fernchor zu positionieren).

Den ***Exequien*** vorangestellt hat der musikalische Leiter **Joachim Diessner** zwölf Motetten von **Heinrich Schütz, Samuel Scheidt, Johann Rudolph Ahle und Johann Eccard**. Sie alle einzeln zu beschreiben würde den Rahmen dieser Rezension sprengen. Allen gemein ist jedoch, dass sie vom **ZAMUS Vocal-Consort** mit differenzierter Dynamik und sauberer Intonation sensibel gestaltet wurden. Das Ensemble zeichnete sich durch hohe Textverständlichkeit und präzise Wegnahmen aus. Bei den Doppelchören waren die Frage- und Antwortpartien durch Soli und Chor eindringlich gestaltet. Auch hier fielen die gute Textverständlichkeit und präzise Befolgung der dynamischen und agogischen Vorgaben des Dirigenten auf. An den Tutti-Stellen fügten sich die Solisten harmonisch in das Vokal-Ensemble ein, stets sensibel begleitet von den hervorragenden Instrumentalisten auf historischen Instrumenten. Besonders erwähnt werden sollen hier stellvertretend **Sophie Vanden Ende (Laute)** und **Felix Görg (Bassgambe)**, die zusammen mit **Tatjana Vorobjova** an der Orgel einen zuverlässigen *Basso continuo-Teppich* unter die filigranen Kompositionen legten.

Diese Art der ***Alten Musik*** zeichnet sich nicht durch große musikalische Höhepunkte aus, sie besticht vielmehr durch den stetigen Fluss, der eine große Ruhe ausstrahlt und den Zuhörer im Idealfall selbst ganz ruhig werden lässt.

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ZAMUS Köln / Exequien von Heinrich Schuetz © Karin Hasenstein

Die Chorstimmen der **Exequien** waren stets ausgewogen, die Texte gut verständlich. **Diessner** leitete Chor und Solisten souverän und formte die einzelnen Teile dynamisch gut differenziert. Mit großem Engagement und bisweilen großen Gesten führte **Diessner** Sänger und Instrumentalisten immer wieder konzentriert auf das Wesentliche dieser Musik. So strahlt gerade der **II. Teil** große Zuversicht aus (*“Wenn mir gleich Leib und Seele verschmacht, so bist du doch, Gott, allzeit meines Herzens Trost und mein Teil.”*)

Viele Besucher waren auch wegen **Emma Kirkby** zu diesen **Exequien** gekommen, der Ikone der Alten Musik und großer Interpretin dieses Genres. **Kirkby** schaffte es, die Zuhörer mit großer Zartheit und Expression in ihren Bann zu ziehen, vor allem als Solistin in der Schütz-Motette **“** *Eile mich, Gott, zu erretten”* für Sopran und b.c. aus den **Kleinen geistlichen Konzerten**. **Emma Kirkby** gestaltete den Text eindringlich, beinahe flehentlich und zutiefst ergreifend.

Die Zuhörer in der ausverkauften **Friedenskirche in Köln Ehrenfeld** honorierten das Konzert mit lang anhaltendem begeisterten Beifall und wurden dafür mit der Wiederholung der **Schütz** Motette *“Verleih uns Frieden gnädiglich”* als Zugabe belohnt.

**Die Ausführenden - Musikalische Exequien und Motetten** 

**\- Musikalische Leitung: Joachim Diessner**

**\- ZAMUS-Vocal-Consort** mit:

**\- Gesang:** Sopran:   **Emma Kirkby, Bethany Seymour, Santa Bulatova** **;* Alt:* **Elisabeth Popien, Melissa Hegney*;*** Tenor: **Fabian Strotmann, Scott Wellstead;** Bass **Alexander Schmidt, Martin Wistinghausen.**

**\- Instrumentalisten:** Sophie Vanden Eynde - *Laute;* Tatjana Vorobjova - *Orgel,* Felix Görg - *Bassgambe,* Jenny Heilig, Paul Rhee, *Zink;* Christoph Hamborg, Regina Oelfe, Raphael Vang, Johannes Weber - *Posaune*

\---| IOCO Kritik Friedenskirche Köln |---