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# Hildesheim, Theater für Niedersachsen, Tod in Venedig - Benjamin Britten, IOCO Kritik, 24.04.2019
- URL: https://www.ioco.de/hildesheim-theater-fuer-niedersachsen-tod-in-venedig-benjamin-britten-ioco-kritik-24-04-2019/
- Published: 2019-04-23T16:00:40.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:54:23.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Oper & Operette, Premieren, Premiere, Pressemeldungen & Nachrichten, Kritiken, Hildesheim

![TFN_Logo neu.jpg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/tfn_logo-20neu.jpg "Theater für Niedersachsen")

[Theater für Niedersachsen](http://www.tfn-online.de/?ref=ioco.de)

![Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2015/02/stadttheater_hildesheim_foto_andreas_hartmann_2.jpg)

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

# ***Tod in Venedig*  \- Benjamin Britten (1913 - 1976)**

**\- zwischen apollinischem Ideal und dionysischem Rausch -**

von **Randi Dohrin**

![Benjamin Britten Gedenkmuschel am Strand von Aldeburgh © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/04/benjamin-britten-gedenkmuschel-in-aldebro-neu.jpg)

Benjamin Britten Gedenkmuschel am Strand von Aldeburgh © IOCO

Englisch ist normalerweise keine Opernsprache; in **Benjamin Brittens** Komposition ***Death in Venice*** jedoch, ist eine andere kaum vorstellbar. Die Uraufführung dieses Dramas fand während des **Aldeburgh Festival*,* am 16\. Juni 1973, in England statt. Der Tenor und Lebensgefährte von **Benjamin Britten,** **Peter Pears,** sang damals triumphal die Rolle des **Gustav von Aschenbach,** auf den sich die ganze Handlung bezieht. **Britten** verstarb am 4\. Dezember 1976 in den Armen seines Lebensgefährten in Aldeburgh.

Schattierungsreiche, leicht ungeschmeidig spröde, aber auch melancholisch klingende Melodien werden in **Brittens** genialer Opernvertonung hörbar. Der modern-musikalische Klang des 20\. Jahrhunderts verstärkt sich durch ein umfangreiches Schlagwerk sowie ein begleitendes Klavier, das die Handlung zwischen den Rezitativen häufig unterbricht. Die kongenial aufwühlende Musik **Brittens** spiegelt die Ambivalenz des Dichters Aschenbach, zwischen rauschhaftem Liebesbegehren nach einem 14-jährigen Jungen und seinem nahendem Tod, fesselnd wider. Der Schriftsteller, der sonst eher nach Perfektion und Leistung strebte, befindet sich plötzlich in zwei Welten, die gegensätzlicher nicht sein können.

![Theater für Niedersachsen / Tod in Venedig - hier : links Hans-Jürgen Schöpflin als Gustav von Aschenbach und Uwe Tobias Hieronimi als Reisender © Falk von Traubenberg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/04/fvt_002_tfn_tod-in-venedig_von-links-schoepflin_aschenbach_hieronimi_reisender_neu.jpg)

Theater für Niedersachsen / Tod in Venedig - hier : links Hans-Jürgen Schöpflin als Gustav von Aschenbach und Uwe Tobias Hieronimi als Reisender © Falk von Traubenberg

1911 erschuf der Erfolgsschriftsteller **Thomas Mann** die Novelle ***Der Tod in Venedig,*** die im Oktober/November-Heft des Jahres 1912 in der **Neuen Rundschau** erschien. Bis heute gilt sie als eine der am meisten interpretierten Erzählungen. Der Autor selbst bezeichnete sein humorloses Werk als ...*"Entwürdigung einer Tragödie".*.. .

**Aschenbachs** Konflikt, sich seinen Gefühlen stellen zu müssen, ist zeitlos. Ergreifend, fesselt die nah am Libretto ausgerichtete Inszenierung von **Felix Seiler.** Unverkennbar verdeutlicht er die konträren inneren Prozesse des Schriftstellers und Hauptfigur **Gustav von Aschenbach.**

Der in der Regel auf Disziplin und Vernunft bedachte Schriftstelle**r Aschenbach,** (**Hans-Jürgen Schöpflin**) kann wegen persönlicher Umstände und einer künstlerischen Schaffenskrise der Versuchung nicht widerstehen, für ein paar Wochen nach Venedig zu reisen. Dort unterliegt er ***Tadzio,* (Olv Grolle**) einem bildschönen, polnischen Knaben, den er für ungeheuer inspirierend hält und ihn buchstäblich verfolgt, ohne ihm jedoch wirklich zu nahe zu treten.

Mit ausdrucksstarker Bühnenpräsenz und tragender klarer Tenorstimme gelang es **Hans-Jürgen Schöpflin,** die intensive Rolle des **Gustav von Aschenbach** darzustellen. Durchgängig wurden die gegensätzlichen Stimmungen von Depression und Begierde, Angst und Liebe für den schönen Knaben ***Tadzio,*** erkennbar. Sehr schwierig ist es, überzeugend die Partie des Tadzio - ohne Gesang und ohne Worte - auszudrücken. **Olv Grolle** gelingt auf glaubhafte Weise, den durch die hereinstürzenden Sympathien des **Aschenbachs**, überforderten stummen ***Tadzio*** zu charakterisieren.

![Theater für Niedersachsen / Tod in Venedig - hier : Olv Grolle als Tadzio, Schöpflin als Aschenbach © Falk von Traubenberg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/04/fvt_065_tfn_tod-in-venedig_von-links-olv-grolle-tadzio-hans-juergen-schoepflin-aschenbachneu.jpg)

Theater für Niedersachsen / Tod in Venedig - hier : Olv Grolle als Tadzio, Schöpflin als Aschenbach © Falk von Traubenberg

**Uwe Hieronimi** als ***Reisender*** und in sechs weiteren Figuren, füllte jede Rolle bestechend aus. Mit Bravour bewies er seine sängerischen und darstellerischen Qualitäten an diesem Premierenabend.

Stimmlich und mimisch bestens besetzt, waren auch der ***Hotelportier*** mit **Julian Rohde** und **Jesper Mikkelsen** als ***Clerk*** im englischen Reisebüro. Beachtlich und ideenreich war die Präsenz des Opern- und Jugendchores sowie der Statisterie des **Theaters für Niedersachsen.** In ihren Kostümen aus der Zeit um 1900 (**Hannes Neumaier**) hauchten sie der Oper erfrischende Lebendigkeit ein, wie auch der ***Gondolieri* (Hyeh Young Baek**) auf dem angedeuteten venezianische Kanal. Wohlklingend facettenreich erklangen lückenlos die reichlich vorhandenen solistischen Stellen der Chorsänger des **TfN.**

Das **TfN-Orchester,** unter der Leitung von **Achim Falkenhausen,** glänzte und beeindruckte durch ein sicheres, präzises und höchst transparentes Musizieren auf hohem Niveau, in dem auch kleinste Nuancierungen hörbar wurden, nicht nur in den zahlreichen Instrumenten-Soli.

In Venedig herrscht die todbringende Cholera und **Aschenbach** überlegt, die polnische Familie zu warnen, setzt diesen Gedanken in seinem Liebeswahn aber nicht um. Seinem sonst apollinischen Ideal von Selbstdisziplin, Schönheit und Ordnung verpflichtet, unterliegt er dem dionysischen Liebesrausch wie in seinem Traum, wo es zwischen **Apollo** und ***Dionysos*** zu einem Streit kommt, den ***Apollo*** verliert. Die Stimme des ***Apollo*** erklang verführerisch hell und glockenrein, durch den Countertenor **Tobias Hechler** als Glanzpunkt dieses gelungenen Opernabends.

Am Tag vor der Abreise der polnischen Familie muss **Aschenbach** sterbend mit ansehen, dass sein geliebter Tadzio von anderen Knaben gequält wird. Er will ihm helfen, seine Kräfte lassen das aber nicht mehr zu. Er stirbt an der Seuche, ausgelöst durch den Verzehr von Erdbeeren, während Tadzio aufs Meer hinausläuft. ...

*Anerkennend langer Applaus, stehende Ovationen eines berührten Publikums für diesen ergreifenden Abend.*

\---| IOCO Kritik Theater für Niedersachsen |---