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# Hannover, Staatsoper Hannover, EUGEN ONEGIN - Peter Tschaikowski, IOCO Kritik, 12.06.2022
- URL: https://www.ioco.de/hannover-staatsoper-hannover-eugen-onegin-peter-tschaikowski-ioco-kritik-12-06-2022/
- Published: 2022-06-12T16:00:47.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:10:22.000Z
- Author: Karin Hasenstein
- Tags: Konzert & Liederabend, Kritiken, Hannover

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[Staatsoper Hannover](http://www.staatstheater-hannover.de/?ref=ioco.de)

![Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2015/01/staatsoper-hannover_-foto-marek-kruszewski.jpg)

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

# ***EUGEN ONEGIN* \- Peter Tschaikowski, nach Alexander Puschkin**

### ***\- Eine Achterbahnfahrt der Gefühle - in Petersburger Hängung -***

von **Karin Hasenstein**

Nicht Oper, sondern "Lyrische Szenen in drei Akten" nannte **Peter I. Tschaikowski** sein Werk **Eugen Onegin**. Dem Werk liegt auch kein gewöhnliches Libretto zugrunde, sondern der Versroman von **Alexander Puschkin**. Das ist dann in etwa so, als wolle man **Goethes *Faust*** vertonen, es besteht immer die Gefahr, dass der Zauber der Verse beim Übertragen in Alltagssprache verloren geht. **Tschaikowski** wollte aber für seine Oper nicht auf die gekünstelten Opernwelten seiner Zeit zurückgreifen, sondern echte, authentische Figuren haben, die man verstehen kann. Er hatte genug von *"äthiopischen Prinzessinnen und Pharaonen*" und *"verrückten Mördern"*, was unzweifelhaft eine Spitze in Richtung Verdi war. Somit stand die Fähigkeit, sich einzufühlen, mitzuleiden, als oberstes Gebot über seinem Schaffensprozess.

 **EUGEN ONEGIN - Trailer - Staatsoper Hannover**youtube Staatsoper Hannover **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

An der **Staatsoper Hannover** hat sich die Hausregisseurin **Barbora Horáková** des Klassikers **Eugen Onegin** der russischen Opernliteratur angenommen; besuchte Vorstellung 28.05.2022\. Die aus Prag stammende Regisseurin hat sich für ihre Inszenierung der limitierten privaten Möglichkeiten in der sozialistischen Gesellschaft der 1970er und 80er Jahre erinnert. Sie ist in einem Mehrgenerationenhaushalt aufgewachsen, in dem immer etwas los war, wo immer Besuch im Haus war und bei Feiern auch schon einmal der eine oder andere Gast auf der Couch übernachtet hat.

So herzlich und gastfreundlich stellt sich der Haushalt der Familie **Larina** dar. Der Vorhang öffnet sich und gibt den Blick frei auf eine großzügige Halle eines russischen Herrenhauses auf dem Land. Links befindet sich ein Treppenaufgang mit einer Galerie, darunter ein Klavier mit Notenständer, an den Seitenwänden hohe Bücherregale und wo noch Platz an den Wänden ist, sind zahlreiche Gemälde in Petersburger Hängung arrangiert. Sie zeigen Flusslandschaften, große Ströme, die dem Meere zufließen. Die Rückwand rechts vom offenen Treppenhaus besteht aus bodentiefen Fensterfronten, die den Blick in die weite Landschaft lenken.

Die Farben sind dezent gedeckt, die Wände grüngrau, die Gardinen schlicht weiß. Am Boden mitten im Raum sitzen Rücken an Rücken zwei Männer**, Lenski** und **Onegin.** Eine Erzählerin tritt von der linken Bühnenseite her auf, die Ouvertüre beginnt. Die Musik ist leicht, beschwingt und tänzerisch. Wir lernen die Bewohner des Hauses kennen. Die Larins sind ein männerloser Haushalt. Mutter **Larina*,* ihre Töchter, die schweigsame ***Tatjana*** und die lebenslustige jüngere ***Olga*** sowie die Amme **Filipjewna*.*

Die Landgesellschaft strömt in die Halle, Bedienstete putzen den Raum heraus und decken die riesige Tafel. Während Tatjana in sich versunken liest, packt **Olga** aufgeregt ein Geschenk aus, es sind Rollschuhe, die sie sofort anzieht und begeistert ausprobiert. Der Musiklehrer stimmt mit den Mädchen ein Lied an, *"Hört ihr die nächtliche Stimme?"*, hier kommt die Soloharfe wunderbar zum Einsatz. Die Mutter sieht ihre Töchter und denkt an ihre Jugend, die Amme stimmt in die Gedankengänge ein, es folgt ein kurzes Duett der beiden Frauen.

Der Chor tritt auf, alle in gedeckten Farben und zeitlosen Kostümen, die sich am ehesten in die Mitte des letzten Jahrhunderts verorten lassen. Die Mutter trägt eine elegante grüne weite Hose und eine helle Bluse, **Tatjana** trägt einen dunkelgrünes Oberteil und einen weiten dunkel-karierten Rock, während **Olga** ein knallig gelbes Kleid mit weitem Rock trägt. Der Kontrast im Wesen spiegelt sich auch in der Kleidung wider.

In der folgenden großen Chorszene erzählt uns der Chor, dass Erntezeit ist, während überall im Raum Heubüschel verteilt werden. Die Gutsbewohner tanzen, es wird Gebäck aufgetragen, allgemein herrscht eine ausgelassene Stimmung. Das Publikum belohnt diesen lebendigen Auftritt mit spontanem Szenenapplaus. **Tatjana** löst sich aus der Gruppe heraus und stellt fest "*Bei solchen Liedern fange ich an zu träumen.*" Olga bekennt in ihrer Arie, dass ihr solche Schwermut nicht liegt.

Alle setzen sich und essen, eine Fotografin macht Bilder, es ist eine fröhliche, muntere Gesellschaft, einzig die schwermütige **Tatjana** mag hier nicht so recht hineinpassen. Sie fühlt mit ihren Romanfiguren, die leiden so. Ihre Mutter rät ihr, damit aufzuhören: "*Im Leben gibt es keine Helden!"* In diesem Moment betritt der junge Dichter ***Lenski*** den Raum. Er ist **Olgas** Verlobter und hat seinen Freund und früheren Nachbarn ***Eugen Onegin*** mitgebracht. **Lenski** trägt eine schlichte blaugraue Hose, ein helles Hemd und eine rostbraune Lederjacke, Onegin, der feine Herr aus der Stadt, eine schwarze Hose, einen weinroten Rollkragenpullover und einen Gehrock. In der Hand hat er einen Blumenstrauß und will von **Lenski** wissen, welche der Töchter **Tatjana** ist. **Lenski** zeigt sie ihm, "*Die Schweigsame". *Tatjana** sieht **Onegin** an und verliebt sich auf der Stelle in ihn. Von jetzt an gibt es nur noch ihn! Das andere Paar, **Olga** und **Lenski,**geht fröhlich nach oben, die beiden sind offensichtlich sehr glücklich. Lenski erklärt sehr leidenschaftlich "*Ich liebe dich mit der Seele eines Dichters!"*

Unten im Saal fängt **Onegin** ein Gespräch mit **Tatjana** an. Er fragt sie, ob sie sich in der Provinz nicht langweilt. Darauf erklärt sie, dass sie viel liest. Er erzählt, dass sein kranker Onkel ihn herbeordert hat und beklagt sich, wie langweilig es sei, Tag und Nacht bei den Alten sitzen zu müssen.

![Staatsoper Hannover / Eugen Onegin hier Barno Ismatuellaeva als Tatjana © Sandra Then](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/06/staatsoper-hannover-eugen-onegin-barno-ismatuellaeva-c-sandra-thenneu.jpg)

Staatsoper Hannover / Eugen Onegin hier Barno Ismatuellaeva als Tatjana © Sandra Then

Inzwischen ist das Fest zu Ende, die Gäste sind gegangen, draußen ist es dunkel geworden. Tatjana bleibt alleine zurück. Das kurze Orchesterzwischenspiel ist dramatisch und kündigt eine Abwärtsbewegung an. Hier fallen angenehm die tiefen Streicher auf, die Melancholie der nächtlichen Szene wird anschaulich verdeutlicht. Die Amme kommt herein und bringt eine Kanne Tee. Sie zieht die Vorhänge zu und kündigt **Tatjana** an, sie werde sie zur Messe wecken. Wieder erklingt das absteigende Motiv, das drohendes Unheil andeutet. **Tatjana** erwidert, sie kann nicht schlafen, es ist so schwül, und bittet die Amme, hierzubleiben. Sie setzt sich zu dem aufgewühlten Mädchen und erzählt von ihrer Hochzeit, sie war kaum dreizehn**. Tatjana** stellt fest "*Mir ist schlecht, ich leide!",* erkennt aber sogleich *"Ich bin nicht krank, ich bin verliebt!"* Sie bittet die Amme um etwas zu schreiben, will alleine sein. Es erklingt ein klagendes Flötenmotiv, das die berühmte Briefszene einleitet.

Die ganze Nacht lang schreibt sich Tatjana ihre Gefühle von der Seele. Plötzlich ist sie nicht mehr still und unscheinbar sondern impulsiv und stürmisch! Sie wirft mehrere Stühle um, schreibt, springt auf, schreibt weiter... Ihre Ausbrüche werden im Orchester untermalt von einem leidenschaftlichen Streichersatz. Bässe spielen im Pizzicato, die Holzbläser dominieren und gehen in den Dialog mit der Harfe. ***Tatjana*** macht sich selber Mut, "Nur Mut, er soll alles erfahren!" Voller Leidenschaft gesteht sie **Onegin** ihre Liebe. "*Ich wollte die glühende Leidenschaft verschweigen, aber... Das Schicksal will es so, ich gehöre dir!"*

Das wiederkehrende Hornmotiv erklingt eindringlich, die Holzbläser kommen hinzu, als **Tatjana** Zweifel verspürt. *"Bist du Schutzengel oder hinterlistiger Verführer? Nur das Trugbild einer unerfahrenen Seele?"* Solistin und Orchester gestalten hier ein unglaublich zartes Pianissimo. **Tatjana** wischt ihre Zweifel weg "*Mein Schicksal liegt in deiner Hand. Erlöse mich von meinem schweren Traum!"* Das Orchesternachspiel ist laut und wird immer bewegter. **Tatjana** schaut ihren Brief an. Alles ist gesagt, Brava! Mit diesen Worten gießt sie das Wasser aus der Blumenvase über ihren Kopf.

Noch in die letzten Töne der Briefszene hinein bricht tosender Applaus los. So schön es ja ist, wenn die Leistung einer Sängerin, eines Sängers gefällt und honoriert wird, noch schöner und respektvoller wäre es, Orchester und Sänger zu Ende spielen zu lassen.

Es dämmert. Draußen wird es hell und diesen Sonnenaufgang hat Tschaikowski buchstäblich ins Orchester geschrieben, welches in allen Farben aufblüht. Die Amme kommt und will **Tatjana** wecken, sie ist jedoch ganz aufgeregt, die Amme soll ihren Brief zu den Nachbarn bringen. Diese ist nicht ganz auf der Höhe und fragt, zu welchen, sie sei zu alt, um sich die Namen aller Nachbarn zu merken. **Tatjana** sagt ihr, zu **Onegin,** und die Amme geht, um den Auftrag auszuführen. Draußen drängen sich die Menschen neugierig vor den Fenstern, drinnen ist **Tatjana** alleine zurückgeblieben. Die Bediensteten erscheinen, die Tafeln werden frisch eingedeckt. Der Chor singt fröhlich *"Ihr schönen Mädchen, kommt spielen! Lockt den Burschen mit eurem Lied!"*

**Tatjana** ist überfordert, kann das alles nicht ertragen. Sie hält sich die Ohren zu. Chor und Orchester malen die Szene im Forte und mit großer Geste aus. **Tatjana** kommen wieder Zweifel, sie ist unglücklich. Warum hat sie nur diesen Brief geschrieben, was wird **Onegin** sagen? Da betritt ***Onegin*** den Raum. *"Sie haben mir geschrieben. Leugnen hat keinen Sinn",* erklärt er. In dem folgenden Monolog macht er alle ihre Träume und Hoffnungen zunichte. Wenn er Vater und Ehemann sein wollte, wäre sie seine erste Wahl. Aber er sei für so etwas nicht gemacht. Ihre Ehe wäre eine einzige Qual, denn *"mit der Gewöhnung daran hört auch die Liebe bei mir auf*." Im übrigen solle sie lernen, sich zu beherrschen. Ein klagender Frauenchor erklingt von ferne. Die am Boden zerstörte **Tatjana** bleibt verzweifelt zurück.

Nach der Umbaupause erklingt das Vorspiel zur zweiten Szene. Das klagende, Unheil ankündende Hornmotiv ertönt, untermalt von satten Streicherklängen. **Lenski** und **Onegin** sind in der Halle, **Tatjana** tritt herein und schließlich füllt sich der ganze Raum mit Gästen, die anlässlich **Tatjanas** Namenstag erschienen sind. Onegin hat **Tatjana** Blumen mitgebracht, sie wirkt jedoch abwesend, sitzt abseits und isst alleine, während alle anderen feiern und sich amüsieren.

**Onegin** fühlt sich fehl am Platze und macht **Lensk**i dafür verantwortlich. Um ihn zu provozieren, tanzt er mit **Olga. Lenski** ist gedemütigt, weil **Olga** mit **Onegin** flirtet... das Fest nimmt einen fröhlichen Verlauf, der Chor veranstaltet eine große Polonaise, und singt dabei trotzdem weiter sehr präzise. Der Polonaise folgt ein Sackhüpfen, Zuckerwatte wird verteilt, die Gäste sind außer Rand und Band, was **Tatjanas** Elend nur noch mehr betont. Sie wirkt in der Szene wie ein Fremdkörper.

Während alle tanzen, wird das Licht gedimmt und die Wände fahren etwas zusammen, zum Ende der Szene, als die Wände zurückfahren und der Raum wieder hell wird, stellt **Lenski** fest: "*Onegin, du bist nicht mehr mein Freund!"* Er fordert **Onegin** zum Duell heraus, verlangt Satisfaktion. Zu Mutter **Larina** gewandt erklärt er *"In Ihrem Haus hier fand ich die Liebe!" *Onegin** erkennt, dass er zu weit gegangen ist. Alle Soli und der Chor kommentieren die Situation "*Das gibt ein Duell!"*, während **Lenski** und **Onegin** schon anfangen, sich zu prügeln.

In der nächsten Szene sind alle Bilder abgehängt. Ein Teil der Möbel und alle Bücher sind verschwunden. Eine große Leere. ***Lenski*** wartet auf ***Onegin.***Es folgt seine berühmte Arie "*Kuda, kuda..." - "Wohin seid ihr entschwunden",* von **Pavel Valuzhin** mit großer Leidenschaft vorgetragen. Er hat sein Schicksal angenommen und geht entschlossen in dieses Duell. ***Onegin*** erscheint schließlich zum Duell, zu spät und ohne einen Sekundanten. Er trägt ein Wolfsfell mit sich. Ob er zweifelt? Nein. **Lenskis** Sekundant kann diesen Regelverstoß eigentlich nicht gut heißen, aber schließlich will man die Angelegenheit doch schnell hinter sich bringen.

Die beiden Männer nehmen ihre Position ein. **Lenski** zielt, bringt es aber nicht fertig, zu schießen. **Onegin** erschießt daraufhin **Lenski**. Als er realisiert, was er getan hat, versucht er verzweifelt, ihn wieder lebendig zu machen, indem er an ihm rüttelt und versucht, ihn auf die Beine zu stellen. **James Newby** verleiht diesen Gesten eine große Dramatik. Die tänzerische Musik steht in einem großen Kontrast zum dramatischen Geschehen auf der Bühne.

Der dritte Akt spielt Jahre später in Sankt Petersburg: Wir befinden uns in einem Salon des **Fürsten Gremin** mit einer Festgesellschaft. Der Raum ist mit roten Sofas möbliert und mit einem großen Terrarium dekoriert. Der Chor trägt festliche Kleider, der Tanz ist durchchoreografiert und wird vom Chor mit großem Ausdruck ausgeführt. **Onegin** zieht sich inmitten der Gesellschaft ein weißes Hemd an. Er ist von seinen langen Reisen zurückgekehrt und mischt sich unter die Gäste. Als die Fürstin ***Gremina*** erscheint, erkennt **Onegin** sie als **Tatjana**! Die wunderschöne berühmte Arie des **Fürsten Gremin** erklingt *"Lubvi, vse vozrasty pocorny*". Er besingt darin die Kraft der Liebe und erklärt, dass er diese bei Tatjana gefunden hat. **Shavleg Armasi** gestaltet diese Arie sehr gefühlvoll und mit wunderbar warm timbrierten Bass, sehr kraftvoll und überzeugend.

Gremin stellt **Onegin** seine Frau vor. **Tatjana** weist ihn jedoch zurück. **Onegin** erkennt nun, dass er unsterblich verliebt ist. Die Musik ist an dieser Stelle lebhaft, tänzerisch, überschäumend und das Blech ist dominierend. Onegin ist verzweifelt, weil **Tatjana** ihn zurückweist, er klettert in das Terrarium, er ist in seinen Gefühlen gefangen. **Tatjana** kommt zu ihm zurück und erklärt es ihm. *"Ich liebte Sie und was war Ihre Antwort?*" Er hat sie damals vor den Kopf gestoßen und Ihre Gefühle nicht erwidert. In diesem Moment sind alle Bilder verschwunden, die Halle ist völlig kahl.

![ Staatsoper Hannover / Eugen Onegin hier James Newby als Onegin, Pavel Valuzhin als Lenski © Sandra Then](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/06/2staatsoper-hannover-eugen-onegin-james-newby-pavel-valuzhin-neu.jpg)

Staatsoper Hannover / Eugen Onegin hier James Newby als Onegin, Pavel Valuzhin als Lenski © Sandra Then

**Onegin** hält **Tatjana** für kalt, weil sie in seinem Verhalten damals Berechnung vermutet hat. Er will ihr jetzt alles gestehen. Beide gestehen einander nun endlich ihre Gefühle, sie stimmen in ein Duett ein *"Das Glück war so nah..."* Schließlich betont **Tatjana** noch einmal "*Ich bin verheiratet und bitte Sie zu gehen.*" **Onegin** will nicht, *"njet!"*, sie appelliert an seine Ehre. **Barno Ismatullaevas** Spitzentöne in der hohen Lage sind brillant und wunderbar fokussiert. *Tatjana* belehrt ihn, man könne die Zeit nicht zurückdrehen. **Onegin** widerspricht, "*Du liebst mich, der Himmel will es so! Du musst deinen Mann und diese Welt für mich aufgeben!*" Doch es ist zu spät. Mit den Worten "*Leb wohl, für immer!*" geht **Tatjana** ab. **Onegin** bäumt sich noch einmal auf, seine letzten Worte sind *"Oh Schande! Sehnsucht! Bitteres Schicksal!",* er bleibt alleine zurück.

Die Regisseurin **Barbora Horáková** bringt die Handlung mit wunderbaren Bildern auf die Bühne. Die Personen sind klar gezeichnet und sehr authentisch und glaubhaft dargestellt. Von Anfang an ist klar, dass diese Geschichte kein gutes Ende nehmen kann und wird. Die Abwärtsbewegung vollzieht sich schlüssig von der ersten bis zur letzten Szene. Das opulente Bühnenbild (**Susanne Gschwender**) und die liebevollen detaillierten Kostüme (**Eva Butzkies**) unterstreichen die Handlung harmonisch.

Ein ganz großes Kompliment gebührt dem **Chor der Staatsoper Hannover (Chordirektor: Lorenzo Da Rio)**, der nach langen Corona bedingten Beschränkungen wieder in voller Besetzung und mit großer Spielfreude einen wesentlichen Anteil am Gelingen dieser Produktion hat. Es ist ein Genuss, die Mitglieder des Chores im Ensemble und in kleineren Soli zu sehen und zu hören. Die großen Chorszenen sind von **Tschaikowski** ganz wunderbar angelegt und werden hier entsprechend gewürdigt und opulent in Szene gesetzt, dass es eine Freude ist.

Der britische Dirigent **James Hendry** studierte am Royal Northern College of Music in Manchester. Von 2016 bis 2018 war er Mitglied des Jette Parker Young Artists Programme. Seit der Spielzeit 2020/ 21 ist er Erster Kapellmeister an der **Staatsoper Hannover** und war unter anderem mit den Produktionen **Sweeney Todd** und **Don Giovanni** betraut.

**Hendry** führt an diesem Abend das **Niedersächsische Staatsorchester** sicher und mit großer Geste durch den mehr als drei Stunden langen Abend. Den Solisten ist er bei ihren wunderschönen melodiösen Arien stets ein sensibler Partner und setzt mit dem Orchester als zuverlässiger Basis immer wieder wunderbare Akzente.

 **Let´s talk about - EUGEN ONEGIN - Staatsoper Hannover**youtube Staatsoper Hannover **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

#### **Große Gefühle auf hohem Niveau**

Auch die Solisten des Abends machen rundum Freude. **Ruzana Grigorian** verleiht der jüngeren Tochter **Olga** mit ihrem schönen warmen Mezzo und dunkler Färbung viel Herzlichkeit. Sehr schön ist auch ihre quirlige Bühnenpräsenz, mit der sie sehr glaubhaft die lebenslustige fröhliche **Olga** interpretiert.

Die usbekische Sopranistin **Barno Ismatullaeva** singt die **Tatjana.** Ihr Sopran ist klar und strahlend und verfügt über ein glockiges herrliches Timbre, hell und gleichzeitig warm und voll. Ismatullaeva verleiht der schwermütigen **Tatjana** mit ihrem intensiven Spiel große Glaubwürdigkeit und zeigt die Entwicklung von der introvertierten jungen Frau zur souveränen Gemahlin des Fürstin Gremin.

Der Tenor **Pavel Valuzhin** ist in Weißrussland geboren. Er singt den **Lenski** leidenschaftlich, sehr engagiert und agiert mit großer Bühnenpräsenz. Seine gute darstellerische Leistung und seine engagierte Interpretation der Liebeserklärung an **Olga** bringe ihm spontan Szenenapplaus im ersten Bild ein. **Vera Egorova** verleiht der Amme **Filipjewna** viel Seele und Herzlichkeit mit ihrem angenehm timbrierten warmen Mezzosopran. **Monika Walerowicz** interpretiert die Rolle der um das Wohl ihrer Töchter besorgten **Mutter** souverän und liebevoll. Die polnische Mezzosopranistin stellt hier auch ihre Wandlungsfähigkeit unter Beweis, wenn man diese Rolle vergleicht mit der **Bettlerin** in **Sweeney Todd.** Der georgische Bass **Shavleg Armasi** legt in die relativ kleine Rolle des **Fürsten Gremin** viel Gefühl und verfügt spielend über die nötige Tiefe, um auch den Schlusston, das tiefe ges, am Ende seiner Arie sicher und mit angenehm dunklem Timbre zu platzieren.

In der Titelrolle des **Onegin** erleben wir **James Newby**. Der junge britische Bariton ist seit der Spielzeit 2019/20 an der **Staatsoper Hannover** und war dort bereits als **Eddy** in **Greek** und **Anthony** in **Sweeney Todd** zu hören. **Newby** zeichnet einen strengen aber auch zerrissenen **Onegin,** der anfänglich hart und gefühllos scheint, am Ende aber sehr verletzlich und gebrochen ist. Sein angenehm timbrierter Bariton klingt stets voll und ist präzise geführt. In den Szenen mit **Tatjana** oder **Lenski** ist er ein souveräner Duettpartner und überzeugt mit seiner Stimme ebenso wie mit seinem wandlungsfähigen Spiel.

Die Riege der hervorragenden Solisten in den Hauptrollen wird souverän ergänzt in den kleineren Rollen durch **Robert Künzli** *als* ***Monsieur Triquet,* Gagik Vardanyan** (Opernstudio) als ***Hauptmann Saretzky*** und **Patrick Jones** (Chor) als***Vorsänger.***

***Nachdem es bereits mehrfach Szenenapplaus gespendet hatte, belohnte das Publikum am Ende des Abends alle Beteiligten mit anhaltend großzügigen Applaus. Tschaikowskis Wunsch nach "echten Menschen" kommt die Regisseurin nach, dadurch wird der Abend sehr glaubhaft. Diese Produktion von Eugen Onegin ist vor allem akustisch aber auch optisch eine Freude und ausgesprochen gelungen, daher erfolgt hier die uneingeschränkte Empfehlung für einen Besuch der verbleibenden Vorstellungen an der Staatsoper Hannover.***

##### [**EUGEN ONEGIN** an der **Staatsoper Hannover,** die weiteren Termine 19.6.; 1.7.; 17.7.2022, link HIER!](https://staatstheater-hannover.de/de%5FDE/programm/eugen-onegin.1300540?ref=ioco.de)

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Musikalische Leitung James Hendry

Inszenierung Barbora Horáková

Bühne Susanne Gschwender

Kostüme Eva Butzkies

Licht Sascha Zauner

Chor Lorenzo da Rio

Dramaturgie Martin Mutschler

**Eugen Onegin** **James Newby**

Tatjana **Barno Ismatullaeva**

Olga Ruzana Grigorian

Lenski Pavel Valuzhin

Fürst Gremin Shavleg Armasi

Larina Monika Walerowicz

Triquet Robert Künzli

Filipjewna Vera Egorova

Saretzki, ein Hauptmann Gagik Vardanyan \*Mitglied des Int. Opernstudios der Staatsoper Hannover

Vorsänger Patrick Jones

Niedersächsisches Staatsorchester Hannover

Chor der Staatsoper Hannover

Statisterie der Staatsoper Hannover

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