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# Hamburg, Staatsoper Hamburg, Othello - Ballett von John Neumeier, IOCO Kritik, 26.4.2016
- URL: https://www.ioco.de/hamburg-staatsoper-hamburg-othello-ballett-von-john-neumeier-ioco-kritik-26-4-2016/
- Published: 2016-04-26T09:00:02.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:31:19.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Kritiken, Karten, Oper & Operette, Hamburg

![staatsoper_logo_rgbneu_40](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/07/staatsoper_logo_rgbneu_40.jpg)

[Staatsoper Hamburg](http://www.staatsoper-hamburg.de/?ref=ioco.de)

![Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/01/hamburgische-staatsoper-c-kurt-michael-westermann.jpg "Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann")

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

**Othello: Zerbrochen am Bild vom Anderen**   **John Neumeiers erschütterndes Ballett an der Staatsoper Hamburg**

*"Du sollst Dir kein Bild machen!"*  Wie schwer dieses Gebot einzuhalten ist und wie tödlich es sein kann, wenn man es verletzt, zeigt John Neumeier mit dem HAMBURG BALLETT auch in der 159\. Vorstellung des ***Othello*** erschütternd an der Hamburgischen Staatsoper vor ausverkauftem Haus. Von **Hanns Butterhof**

Sein ***Othello*** ist ein allgemein menschliches Seelenstück, das keiner realistischen Kulisse bedarf. **Neumeier,** der auch die Bühne und Kostüme entworfen hat, deutet den Ort der Handlung, **Venedig,** nur durch einige Gobelin-Fahnen an. Die Bahnen des Zeltes im Bühnenhintergrund blähen sich im 2\. Akt für den Aufbruch ins kretische Irgendwo wie die Segel eines Schiffs, auf dessen Oberdeck die **Hamburger Symphoniker** unter dem   **Dirigenten Garrett Keast**  das Geschehen musikalisch ausdeuten.

[Staatsoper Hamburg](http://www.staatsoper-hamburg.de/?ref=ioco.de)

![ Hamburg / HAMBURG BALLETT-Othello und Desdemona © Kiran West](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/04/othello_2-c-kiran-west_72dpineu.jpg " Hamburg / HAMBURG BALLETT-Othello und Desdemona © Kiran West")

Hamburg / HAMBURG BALLETT - Othello und Desdemona © Kiran West

Die Dramatik des ***Othello*** spielt sich wesentlich im Inneren und zwischen der venezianischen Senatorentochter ***Desdemona*** und ihrem aus Afrika stammenden Geliebten **Othello** ab, der Feldherr in venezianischen Diensten ist. Sie sind ein ideales Paar, das eigentlich an sich selber genug haben müsste: **Hélène Bouchet** ist die wunderschöne, ätherisch zarte ***Desdemona*** in ihrem langfließenden weißen Kleid, und **Amilcar Moret Gonzales** ist ihr elegant männliches Pendant ***Othello***. Und doch tanzt schon beim Kennenlernen der beiden durch ihre Gedanken ein Bild des je anderen: Eine lüsterne ***Primavera* (Emilie Mazon**), aufreizend gekleidet wie **Botticellis** Ikone, geistert durch **Othellos** Unterbewusstes. Und der schwarz und rot bemalte ***Wilde Krieger*** (**Marcelino Libao**) im Lendenschurz irritiert nicht nur blitzartig **Desdemonas** Gefühle; in abgeschwächter Form zeigt sich dessen uneuropäisch atavistisches Bewegungsrepertoire auch bei **Othello.**

![Hamburg / HAMBURG BALLETT - Ivan Urban als Jago © Kiran West](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/04/ivan_urban_ckiranwestneu_150.jpg)

Hamburg / HAMBURG BALLETT - Ivan Urban als Jago © Kiran West

So hat der narzisstisch gekränkte, böse **Jago** leichtes Spiel, um in **Othello** Zweifel an **Desdemonas** Treue zu wecken. **Ivan Urban** lenkt als falscher Männerfreund **Othellos** Blick auf **Desdemonas** leichtfüßigen, fast leichtfertig erscheinenden Umgang mit dem naiven ***Cassio* (Alexandr Trusch).** Seine Frau ***Emilia* (Carolina Agüero)** dressiert er mit Tritten zur Komplizin seiner Intrige und zeigt sich mit raumgreifendem Stampfschritt von militarisierter, ins Brutale entgrenzter Männlichkeit.

Es sind großartige, so psychologisch überzeugende wie tänzerisch eindringliche Ensemble-, Paar- und Solo-Szenen, in denen sich die Tragödie entwickelt. Vor allem die liebende Begegnung **Desdemonas** und **Othellos** zu **Arvo Pärts** zärtlich schwebender *„Mirror in a Mirror“* \- Musik für Geige und Klavier ist ein eindringlich beglückender, zeitlupenartiger Paartanz, für den man sich kein Ende wünscht. Und man ahnt es doch schon voraus, wenn **Desdemona** den fast nackten **Othello** aus seinem weißen Hüfttuch wickelt und es dann, wie ein Unterpfand ihrer Liebe, um die eigenen Hüften schnürt.

Was am Anfang dieser Liebe so leicht, so in sich ruhend erscheint, verkehrt sich am Ende erschütternd in Gewalt. **Othello** schlägt ***Desdemona***, hält sie fest, als sie sich ihm entziehen will, und erdrosselt sie mit dem Hüfttuch. In der Opfer-Position des Gekreuzigten sinkt sie leblos nieder.

**Jagos** höllisches Gelächter, nach dem sich **Othello** tötet, entspricht **Othellos** verzweifelter Erkenntnis, dass er seinem selber produzierten ***Primavera-***Bild einer lüsternen **Desdemona**  mehr geglaubt hat als ihrer Wirklichkeit. Und dass er nun dem Bild vom *wilden Mann* entsprochen hat, das die anderen von ihm hatten. **John Neumeiers** **Othello** gewinnt seine erschütternde Kraft daraus, dass er an das schmerzliche und so oft zerstörerisch scheiternde Ringen zwischen der Realität und den Bildern rührt, die wir uns von ihr machen.   ***IOCO* / Hanns Butterhof /** 26.4.2016

**Othello - Ballett von John Neumeier:** Die weiteren Termine dieser Spielzeit: 15.5.2016 um 14.30 und 19.30 Uhr; am 9.6.2016 um 19.30 Uhr.

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