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# Hamburg, Staatsoper Hamburg, Lucia di Lammermoor - Gaetano Donizetti, IOCO Kritik, 24.10.2021
- URL: https://www.ioco.de/hamburg-staatsoper-hamburg-lucia-di-lammermoor-gaetano-donizetti-ioco-kritik-24-10-2021/
- Published: 2021-10-23T09:00:02.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:08:06.000Z
- Author: Wolfgang Schmitt
- Tags: Kritiken, Oper & Operette, Hamburg

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[Staatsoper Hamburg](http://www.staatsoper-hamburg.de/?ref=ioco.de)

![Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/01/hamburgische-staatsoper-c-kurt-michael-westermann.jpg)

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

# ***LUCIA DI LAMMERMOOR* \- Gaetano Donizetti**

von **Wolfgang Schmitt**

Eigentlich sollte die Premiere von **Lucia di Lammermoor** an der **Staatsoper Hamburg** schon am 7\. März 2021 stattfinden, doch der Corona-Lockdown machte dieser Planung einen Strich durch die Rechnung. Immerhin wurde diese Neuproduktion damals fürs Streaming aufgezeichnet, und man konnte sie sich ab Mai ansehen.Nun endlich, am 19\. Oktober, ging diese Produktion als „Publikumspremiere“ über die Bühne.

**Lucia di Lammermoor - Gaetano Donizetti**youtube Trailer Staatsoper Hamburg **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Das Bühnenbild von **Christian Schmidt** war zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Der Zuschauer blickt in ein Treppenhaus, welches eher an das Entrée einer russischen Mietskaserne erinnert als an ein verwunschenes schottisches Schloss, rechts davon das Arbeitszimmer von **Enrico Ashton** mit wuchtigem Schreibtisch und einem Pferdekopf-Gemälde, darüber in der 1\. Etage das karge Zimmer **Lucias** mit einem breiten Bett. Den Fokus ihrer Inszenierung legt Regisseurin **Amélie Niermayer** auf die Rolle der Frau in einer Männerwelt, ihre Unterdrückung durch dieselben, und ihre Rebellion, die schließlich in dem hier nun sehr anschaulich dargestellten Mord an ihrem Bräutigam gipfelt. In zwei Szenen treten **Enrico** und **Lucia** als Kinder auf, die veranschaulichen, daß **Enrico** seine Schwester bereits im Kindesalter unterdrückt und gemaßregelt hat. Des weiteren gibt es gleich zu Beginn wie auch später im Verlaufe der Handlung Videoprojektionen von acht Multi-Kulti-Frauen, deren Vorbild südamerikanische Kämpferinnen gegen die Unterdrückung der Frau sein sollen, jedoch auch ohne diese – in neueren Opernproduktionen offenbar leider unvermeidlichen – Videoproduktionen (von **Jan Speckenbach** in der Choreographie von **Dustin Klein**) hätte diese Inszenierung ihre eindrückliche Wirkung nicht verfehlt.

Der Chor ward wiederum in den Seitenlogen platziert, auf der Bühne agieren neben den Protagonisten 15 maskierte Statisten. Lucia trägt ein rotes Kleid, die Männer Maßanzüge, **Enrico** zu Beginn eine Reiterkluft mit Stiefeln, **Arturo Bucklaw** ein dandyhaftes Outfit in beige und cremefarben, **Edgardo** ist in schwarzgraues Leder gekleidet (Kostüme **Kirsten Dephoff**).

Der Braut-Akt geriet zu Beginn allzu karnevalesk, als die 15 Herren Statisten plötzlich in giftgrünen Taftkleidern mit Puffärmeln und Jungfernkränzen auf den Köpfen die Szene betraten und **Lucia** in ihrem aufwendigen Brautkleid huldigten.

In der Titelpartie der **Lucia** konnte **Venera Gimadieva** stimmlich überzeugen. Ihr Sopran verfügt über einen samtenen Klang mit strahlendem oberen Register und perfekt sitzenden Spitzentönen. Darstellerisch machte sie das beste aus ihrer Partie, besonders intensive Momente hatte sie in ihrer Szene mit **Enrico,** als sie ihn auch physisch attackiert, und in der drastischen Szene, als sie, in ihr Brautkleid gehüllt, ihren ihr aufgezwungenen ungeliebten Bräutigam **Arturo** massakriert. Ihre Wahnsinnsszene, die man sich noch weitaus intensiver gestaltet gewünscht hätte, wurde hier von der Glasharmonika statt von der gewohnten Flöte begleitet.

Die Überraschung des Abends war **Oleksiy Palchikov** als **Edgardo,** den wir bislang in rein lyrischen Tenorpartien hörten. Sein stimmschöner, hell timbrierter, metallischer Tenor erwies sich als kraftvoll, und sowohl in der Höhe als auch im tieferen Register kamen dessen Klangfarben vorzüglich zur Geltung. Seine beiden Arien im letzten Bild gerieten zu den Höhepunkten des Abends, auch in seiner Darstellung des verzweifelten Liebenden ließ er keine Wünsche offen.

![Staatsoper Hamburg / Lucia di Lammermoor © Brinkhoff / Moegenburg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2021/10/stueck-3862-galleryneuneu.png)

Staatsoper Hamburg / Lucia di Lammermoor © Brinkhoff / Moegenburg

In der Streaming-Aufzeichnung war **Francesco Demuro** der **Edgardo.** Auch er war ein eher lyrischer Tenor von sympathischer Erscheinung und angenehmem Stimmklang. Seine Spitzentöne gelangen jedoch manchmal dissonant, doch konnte auch er als intensiver Darsteller punkten. **Alexey Bogdanchikov** bewältigte die Partie des **Enrico** souverän und notengetreu, sein Bariton ist angenehm timbriert und volltönend, darstellerisch agiert er dramatisch autoritär. In der Streaming-Aufzeichnung war **Christoph Pohl** der **Enrico,** er nahm mit klangschönem Bariton und eleganter Erscheinung für sich ein.

**Alexander Roslavets** bot als **Raimondo** seinen intakten Bass. Die beiden Tenöre **Daniel Kluge** als Normanno und **Seungwoo Simon Yang** als dahingemeuchelter Bräutigam Arturo, sowie die Altistin **Kristina Stanek** als Lucias Vertraute Alisa füllten ihre Partien zuverlässig aus.

Das **Philharmonische Orchester** unter der kompetenten, umsichtigen Leitung von **Giampaolo Bisanti** bot teils mitreißende Dramatik, teils unsentimentale Durchsichtigkeit, auch dem von **Christian Günther** perfekt einstudierten, in den Seitenlogen platzierten Chor gab er aufmerksam die Einsätze, so daß es keinerlei Unstimmigkeiten zwischen Bühne, Orchester und Chor gab und keine Wünsche offen blieben.

*Am Ende dieser „Publikumspremiere“ gab es nicht enden wollenden Beifall für den Dirigenten und das Orchester, für die *Lucia* und ganz besonders für *Edgardo**

**Lucia di Lammermoor** an der Staatsoper **Hamburg**, die weiteren Termine: 23.10.; 26.10.2021, 5.1.; 8.1.; 11.01.; 14.01.2022.

\---| IOCO Kritik Staatsoper Hamburg |---