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# Hamburg, Staatsoper Hamburg, FUCKING AMAL – unser kleines Scheisskaff - Jugendoper, IOCO Kritik, 27.01.2022
- URL: https://www.ioco.de/hamburg-staatsoper-hamburg-fucking-amal-unser-kleiner-scheisskaff-jugendoper-ioco-kritik-27-01-2022/
- Published: 2022-01-27T07:00:40.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:09:06.000Z
- Author: Wolfgang Schmitt
- Tags: Musicalwelten & Bühnenzauber, Kritiken, Hamburg

![staatsoper_logo_rgbneu](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/09/staatsoper_logo_rgbneu.jpg)

[Staatsoper Hamburg](http://www.staatsoper-hamburg.de/?ref=ioco.de)

![Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/01/hamburgische-staatsoper-c-kurt-michael-westermann.jpg)

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

# ***FUCKING AMAL - unser kleines Scheisskaff -* Uraufführung**

### **\- Eine Story vom Coming-out -**

von **Wolfgang Schmitt**

Im Jahre 2002 hatte die **Hamburgische Staatsoper** die ***Opera piccola*** ins Leben gerufen mit der Intention, in diesem Rahmen Aufführungen von kleinen Opern für Kinder und Jugendliche zu präsentieren, um sie auf diese Weise an die Kunstgattung „Oper“ heranzuführen. Den Beginn machte damals im Februar 2002 die Uraufführung von **Hans-Werner Henzes *Pollicino.***Als Spielstätten für die **Opera piccola** stehen die große Probebühne, die **Opera Stabile**, oder auch die **Kampnagelfabrik** zur Verfügung.

**Extended Trailer | Fucking Åmål – Unser kleines Scheißkaff** youtube \_ hier **die spannende Einführung** \- Staatsoper Hamburg **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Nun feiert die **Opera piccola** am 21.1.2022 ihr 20jähriges Jubiläum mit der Uraufführung einer Jugendoper, ***Fucking Amal – unser kleines Scheisskaff,***  komponiert von **Samuel Penderbayne**, einem jungen Australier, jetzt in Berlin lebend, der den Hamburger Opernbesuchern schon von seiner Uraufführung **I.th.Ak.A** aus dem Jahre 2017 her ein Begriff ist. Inspiriert wurde er zu seiner neuen Komposition durch den schwedischen Film ***Raus aus Amal*** aus dem Jahre 1998\. Es ist die Geschichte einer Gruppe von pubertierenden 15- bis 16jährigen Teenagern in einer öden schwedischen Kleinstadt, sie gehen zur Schule, haben Langeweile, feiern Partys, erste Liebschaften bahnen sich an - wie es halt so üblich ist in solch einem spießigen kleinen Kaff.

Da ist **Agnes,** die bei ihrem besorgten, sie anrührend umsorgenden ***Vater Olaf*** lebt; da sind **Elin** und **Jessica** und deren genervte, gestresste, alleinerziehende Mutter **Birgitta,** die mehrere Jobs hat um ihre Töchter zu versorgen. Dann gibt es noch den machohaften, draufgängerischen **Markus, Jessicas** Freund, und den schüchternen **Johan,** der in **Elin** verliebt ist. Schließlich noch **Viktoria,** die eigentlich keiner mag. **Agnes** hat Geburtstag und hat alle eingeladen, es kommt aber nur **Viktoria,** die aber gleich wieder geht. Schließlich kommen **Elin** und **Jessica,** sie finden **Agnes'**Tagebuch und lesen, wie sehr sie in **Elin** verknallt ist. Es gibt schon ein Gerücht, **Agnes** sei lesbisch, und **Jessica** wettet m it **Elin,** ob sie sich wohl traut, **Agnes** zu küssen. Sie tut es, versetzt damit **Agnes'** Gefühle in Turbulenzen. Auch **Elin** scheint sich ihrer sexuellen Präferenz nicht so ganz sicher zu sein. Nach einigen weiteren Verwicklungen bekennen sich **Agnes** und **Elin** zu einander und outen sich vor ihren Mitschülern.

![Staatsoper Hamburg, FUCKING AMAL - Unser kleines Scheisskaff - Jugendoper © Hans Jörg Michel](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/01/fucking-amalneu-1.jpg)

Staatsoper Hamburg, FUCKING AMAL - Unser kleines Scheisskaff - Jugendoper © Hans Jörg Michel

Die in teils salopper Jugendsprache verfassten Texte, gespickt mit derber Wortwahl, stammen vom Regisseur **Alexander Riemenschneider**, dem Dramaturgen **Johannes Blum**, sowie **Wieland Johannes Stahnecker** und dem Komponisten selbst. **Samuel Penderbayne** bezeichnet sein Werk als „*Jugendoper“*. Kleine Arien von **Agnes** und von Elin klingen durchaus opernhaft, ebenso einige Gesangspassagen von Birgitta und Olaf. Aber auch Musical-Elemente, Jazz-Einflüsse und ein gewisses Quantum Pop sind in seine Komposition eingeflossen. Es gibt viele lyrisch-melancholische Momente insbesondere bei Agnes, die an **Janacek** erinnern, dramatischer Chorgesang fast wie bei **Britten,** raffinierte Instrumentierungen, die Gedanken an **Bernstein,** beispielsweise an sein *„Age of Anxiety“* aufkommen lassen. Das unter der einfühlsamen Leitung von **Ingmar Beck** spielende Orchester, bestehend aus Mitgliedern des **Philharmonischen Staatsorchesters** und des **Felix Mendelssohn Jugendorchesters** konnte die Intentionen des Komponisten wunderbar umsetzen, es spielte virtuos, klangschön, setzte dramatische Akzente oder nahm sich vollends zurück, so daß nur die Streicher zart und leise flirrten oder die Percussions mal sanft, mal effektvoll eingesetzt wurden.

Die Spielfläche, entworfen von **David Hohmann,**  bestand aus zwei rotierenden Podesten, links das unaufgeräumte Jugendzimmer von **Elin** und **Jessica,** rechts **Agnes'** ordentliches Zimmer mit einem Bücherregal.

Die witzigen, schrill-bunten Kostüme und die Sechzigerjahre-Frisuren/Perücken kreierte **Lili Wanner** (möglicherweise inspiriert durch das Video zum 1997er Welt-Hit *„Barbie Girl“* von **Aqua**). Begleitet und untermalt wurde die ganze Inszenierung durch allerlei geometrische und andere Video-Illustrationen von **Philipp Kronenberg** an der Rückwand der Spielfläche.

Alle Solisten waren hervorragend in Gesang, Spiel und Charakterisierung ihrer einzelnen Partien: **Kady Evanyshyn** als **Agnes** mit ihrem hier melancholisch klingendem lyrischen Mezzosopran, **Larissa Wäspy** mit hell timbrierten fröhlichen lyrischen Sopran als Elin, **Ida Aldrian** als ihre Schwester **Jessica** mit prägnantem Mezzo, **Marie-Dominique Ryckmanns** als die unbeliebte ***Viktoria,*** deren edlen Sopran wir bereits aus „Pierrot lunaire“ und als Sophie Scholl kannten, sowie **Hubert Kowalkczyk** mit seinem kernigen, virilen Bass als ***Markus*** und der lyrische Bariton **Nicholas Mogg,** der wie bereits beim ***Märchen im Grand Hotel*** auf schüchterne Liebhaberrollen spezialisiert zu sein scheint, so auch hier als **Elins** „erster Versuch“.

![Staatsoper Hamburg, FUCKING AMAL - Unser kleines Scheisskaff - Jugendoper © Hans Jörg Michel](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/01/fucking-amalneu-2.jpg)

Staatsoper Hamburg, FUCKING AMAL - Unser kleines Scheisskaff - Jugendoper © Hans Jörg Michel

**Katja Pieweck** als **Birgitta,** die überforderte Mutter zweier pubertierender Töchter, und **Peter Galliard** als **Agnes**' fürsorglicher Vater hatten berührende Momente mit einem Zwiegesang, in welchem sie sich rückblickend an ihre eigene Jugendzeit erinnerten.

Höchst engagiert sangen und spielten die Mädchen und Jungen des **Young Classx Ensembles,** sehr intensiv in den diversen Chorpassagen, allerdings trugen sie während der gesamten Vorstellung, auch während des Singens, ihre Corona-Masken, so daß sie manches Mal dumpf und Text-unverständlich klangen.

Die Staatsoper sollte diese Inszenierung unbedingt fürs Fernsehen aufzeichnen lassen, um sie so einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Auch könnte diese Produktion durchaus in Konkurrenz zur schwedischen Filmvorlage von 1998 treten – diese Oper würde den Sieg davontragen.

[**FUCKING AMAL - Unser kleines Scheisskaff* \-*   **Staatsoper Hamburg - Probebühne:** die weiteren Termine 26.1.; 28.1.; 2.2.; 12.2.; 16.3.; 23.3.; 8.5.; 10.5.2022 und mehr; siehe **link HIER!**](https://www.jung-staatsoper.de/de/spielplan/stueck.php?AuffNr=193268&ref=ioco.de)

\---| IOCO Kritik Staatsoper Hamburg |---