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# Hamburg, Staatsoper Hamburg, Don Pasquale - Gaetano Donizetti, IOCO Kritik, 01.06.2022
- URL: https://www.ioco.de/hamburg-staatsoper-hamburg-don-pasquale-gaetano-donizetti-ioco-kritik-01-06-2022/
- Published: 2022-06-01T18:31:12.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:10:16.000Z
- Author: Michael Stange
- Tags: Sonstiges, Kritiken, Oper & Operette, Hamburg

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[Staatsoper Hamburg](http://www.staatsoper-hamburg.de/?ref=ioco.de)

![Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/01/hamburgische-staatsoper-c-kurt-michael-westermann.jpg)

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

# ***DON PASQUALE* \- Gaetano Donizetti**

### **\- Regisseur und ein begnadetes Ensemble zünden ein Feuerwerk aus Komik und Leidenschaft -**

von **Michael Stange**

***Don Pasquale*,** ein Evergreen von **Gaetano Donizetti,** feierte Premiere an der **Hamburgischen Staatsoper**. Neben Werken wie **L‘elisir damore** und dem Drama **Lucia di Lammermoor* i*st **Don Pasquale** seit mehr als hundert Jahren ein Dauerbrenner in deutschen Opernhäusern.

**Donizetti** entwarf mit dem Werk einen furiosen Ausläufer der Opera buffa. Im Mittelpunkt stehen, wie schon in **Gioacchino Rossinis** Werken dieses Genres, die Rivalität zwischen Jung und Alt, Habsucht, die Suche nach Liebe und wie durch eine Intrige ein alter reicher Jumggeselle hereingelegt wird.

Musikalisch punktet die Oper durch Arien, quirlige Duette und Ensembles sowie seine farbenreiche Partitur. **Donizetti** treibt seinen Spaß fulminant mit Energie und Leichtigkeit voran. Humoristisch wird aus dem Vollen geschöpft und dieser rasch beschwingte Opernhit ist durchaus ein Vorläufer von Operette und Musical.

**DON PASQUALE - Trailer- Staatsoper Hamburg**youtube Staatsoper Hamburg **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

**Don Pasquale** kommt auch in der Hamburger Neuinszenierung bunt, quitschvergnügt und überzeichnet daher. Regisseur **David Bösch** zündet ein Feuerwerk an mitreissenden Ideen und Bildern. Schon in der Ouvertüre erfährt der Besucher anhand auf den Safe **Pasquales** projezierter Zeitungstitelseiten, dass er Hamburger ist, gute Geschäfte macht, großzügig den lokalen Fußball-Zweitligisten *„Hamburger Sportverein“* unterstützt, immens reich und obenauf ist. Ein Herzinfarkt bringt ihn aber zur Besinnung. Das Leben währt nicht ewig und er beschließt zu heiraten. Vorgeschlagen werden ihm eine gereifte Operndiva (Anna Netrebko) und eine durch eine lokale Fernsehnachtshow populäre Entertainerin (Ina Müller). Als Dritte erscheint eine dunkelhaarige Schönheit, für die **Don Pasquale** entbrennt.

**Pasquale** wohnt prächtig. Kern seines Hauses ist ein Tresor, der mit Dollarnoten gefüllt ist, so dass er, wie Dagobert Duck, im Gelde baden kann. Oben prangt auf einer mausoleumsgleichen Leiste sein Name. So stellt er seine Reichtümer zur Schau. Die beeindruckende Menge an Geld reicht ihm aber nicht. Eingedenk des Infarktes schwingt er sich aufs Trimmrad und kämpft gegen seine Pfunde an. Seine Arzt **Malatesta** im Look eines hippen Sternschanzen-Gastronoms in weißem Anzug schlägt ihm vor, seine im Kloster erzogene Schwester **Sofronia** zu heiraten.

In Wahrheit ist dies aber **Norina*,* in die Pasqules Neffe **Ernesto** verliebt ist. Mit ihrem *Eva Mendes*\-Look vedreht sie **Don Pasquale** schon auf dem Bild aber erst recht bei der ersten Begegnung den Kopf und er entflammt in Liebe.

Vorher will er noch seinen Hipster-Neffen **Ernesto** unter die Haube bringen. Als der sich weigert, eine alte reiche Frau zu heiraten, wird er von **Pasquale** hinausgeworfen. **Malatesta** unterbreitet **Ernesto** und **Norina** seinen Plan. **Pasquale** wird zum Schein mit der "*heißen Braut"* **Norina** alias **Sofrina** verheiratet. Den Fake-Notar bringt **Malatesta** gleich mit. **Pasquale** heiratet **Norina*.* Zuvor hat sie allerdings in der Badewanne die List der Frauen besungen, so dass klar ist, dass **Pasquale** Ungemach droht. Den kapriziösen Charakter **Sofrinas** veranschaulicht ihr Kostümwechsel. Wie eine Larve entledigt sie sich des Nonnengewandes, dieses wird durch ein Brautkleid ersetzt und die Maskerade endet im knappen weissen Minikleid. Gleich nach der Hochzeit schäkert **Norina** unter **Pasquales** Augen mit **Ernesto*,* dann stellt sie neue Diener an, renoviert das Haus und verwandelt den Safe **Pasquales** in ein Bad und Ankleidezimmer. Der Kauf von Unmengen an Luxus- und Modeartikeln, das Verprassen des Vermögens und **Norinas** Ohrfeigen machene **Pasquale** wahnsinnig.

![Staatsoper Hamburg / Don Pasquale hier Danielle de Niese als Norina © Brinkhoff-Moegenburg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/06/danielle-de-niese-c-brinkhoff-moegenburgneu.jpg)

Staatsoper Hamburg / Don Pasquale hier Danielle de Niese als Norina © Brinkhoff-Moegenburg

In seiner Not wendet er sich wieder an **Malatesta*.* Beide Versuchen **Sofronia** und **Ernesto** beim Rendezvous zu erwischen. **Pasquale** schnappt sich sein Jagdgewehr und begibt sich mit **Malatesta** mit Nachtsichtgeräten ausgerüstet auf Detektivtour. Als sie das Paar stellen erklärt ihm **Ernesto*,* er sei gar nicht in **Sofronia** verliebt, sondern wolle mit seiner Verlobten ***Norina*** wieder in das Haus einziehen. Als **Sofronia** sich entrüstet weigert, das Heim mit einer anderen Frau zu teilen, sieht **Don Pasquale** eine Möglichkeit, seine Frau loszuwerden und stimmt der Auflösung der zu. Zudem verspricht er **Ernesto** noch eine Menge Geld.

Da enthüllt ihm **Malatesta Sofronias** wahre Identität*. *Don Pasquale** hält sein Verprechen, denn er sieht ein, dass ein Alter, auch wenn er noch so charmant und reich ist, von jungen Frauen selten tief empfundene Liebe erfährt.

Durch die modernen, hippen, stylishen und typgerechten Kostüme aber auch die mit der Musik korrepondierende Personenführung und die screwballkomödienhafte Aneinanderreihung von Gags gelang **David Bösch** ein Volltreffer. Werktreue und Theaterpassion machen die Aufführung zu einem Spaß mit Suchtfaktor. **Bösch** zeigt klar, dass die Oper nur tot ist, wenn Inszenierungen als bunte oder graue Bilderbögen ohne Hintersinn auf die Bühne gebracht werden. Bei einem solchem Theaterspaß ist von Ermüdung oder Langeweile keine Spur. Zu wünschen wäre, dass sich die **Hamburgische Staatsoper** nach dem **Don Pasquale** und der **Manon** traut, **Bösch** eines von **Donizettis** Königsdramen wie **Anna Bolena** anzuvertrauen. Damit wären ein weiterer Glanzpunkt des Repertoires und die Stärkung der überregionalen Strahlkraft des Hauses garantiert.

![Staatsoper Hamburg / Don Pasquale hier Levy Sekgapane, Kartal Karagedik, Danielle de Niese, Ambrogio Maestri © Brinkhoff-Moegenburg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/06/evy-sekgapane-kartal-karagedik-danielle-de-niese-ambrogio-maestri-c-brinkhoff-moegenburg-1neu.jpg)

Staatsoper Hamburg / Don Pasquale hier Levy Sekgapane, Kartal Karagedik, Danielle de Niese, Ambrogio Maestri © Brinkhoff-Moegenburg

**Matteo Beltram** leitet die Aufführung mit immensem Feuer und lotete komische und dramatische Akzente aus. Seine Stärke war das hintergründige Ausspielen der melancholisch, dunklen Farben und der schmerzlich-süßen Töne des Werks. Seine Lesart veranschaulicht, dass die Orchestrierung mit ihren Wendungen und wechseklvollen Farben tief in der Tadition der Commedia dell’arte steht. Neben Kontrasten zwischen Komischem und Bewegenden reisst die Spielleidenschaft mit, die **Beltram** und das **Philharmonische Staatsorchester Hamburg** entwickeln. Die Italianità, die immense klangliche Farbpalette aber auch das präzise Orchesterspiel machten den Abend zum Ereignis.

Die Sängerriege ist fulminant: **Ambrogio Maestri** ist von der Erscheinung und Agilität ein Bonvivant, dem man den **Pasquale** unmittelbar abnimmt. Sein lyrisch dramatischer Bariton ist leicht, elegant aber auch durchschlagskräftig. Mit makelloser Gesangstechnik und kultivierter Phrasierungskunst gelingen ihm pastose Klangfarben bei wortdeutlicher Gesangslinie. Seine Rollenidentifikation und Spielfreude lassen die Figur **Pasquales** beglückend erstehen.

**Kartal Karagedik** ist ein glänzender fulminanter **Malatesta*.* Mit ihm steht von der Stimme ein klassischer dramatischer timbrierter Bariton der Belcantotradition auf der Bühne. Seine in der Tiefe und Mittellage sonore Stimme geht krönen eine klangvoller Mittellage und mühelose leuchtende Höhen. Trotz der erzwungenen Corona-Pause ist er stimmlich und darstellerisch nochmal immens gereift, hat sich phänomenal entwickelt. **Karagedik** bot so einen gesanglich meisterlichen Intriganten, der faszinierte. Gesanglich und darstellerisch war er ungemein präsent und kostet die Rolle in allen Facetten aus. Ein grandioser Sänger, der sicher durch zahlreiche Erfolge auf sich aufmerksam machen wird.

Den **Ernesto** gibt **Levy Sekgapane** mit lyrischem klangschönen Tenor, immenser Beweglichkeit und unglaublich sicherer Höhe. Seine von der Farbe vielleicht etwas spröde anmutende Stimme überzeugt durch Emphase und große Geläufigkeit in den Koloraturen. Gestalterisch ist er brillant und liefert ein introvertiertes und aber zugleich leidenschaftliches Rollenportrait.

![Staatsoper Hamburg / Don Pasquale hier Kartal Karagedik, Ambrogio Maestri, Danielle de Niese, Levy Sekgapane © Brinkhoff-Moegenburg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/06/kartal-karagedik-ambrogio-maestri-danielle-de-niese-levy-sekgapane-c-brinkhoff-moegenburgneu.jpg)

Staatsoper Hamburg / Don Pasquale hier Kartal Karagedik, Ambrogio Maestri, Danielle de Niese, Levy Sekgapane © Brinkhoff-Moegenburg

**Danielle De Niese** hat schon in der Jugend Show- und Fernsehauftritte absolviert. Mit ihrer fröhlichen, aber zugleich glamourösen und verführerischen Ausstrahlung ist sie für die Rolle der **Norina** prädestiniert. Mit der Arieneinlage in der Badewanne, den Kostümwechseln und kapriziösen Auftreten fesselte sie das Publikum und vom ersten Auftritt. Gesanglich bot sie eine warme wohlklingende Stimme, die mit ihrer Klangschönheit punktete aber sie schummelte sich ein wenig durch die Koloraturen. **Jóhann Kristinsson** war ein verschlagener **Notaro** mit bestechendem Bariton und großem Elan bei der Vorspiegelung der Amtshandlungen. Musikalisch mitreißend auch der Chor unter **Jóhann Kristinsson**

Eine phantastisch glutvolle Aufführung. Durch die phantasiereiche und beschwingte Regie von **David Bösch**, das glänzend aufgelegte Orchester und das grandiose Ensemble eine großartige Aufführung. Für Musical-Freunde und Kinder dürfte sie gleichfalls ein Ereignis sein.

[**DON PASQUALE** an der **Staatsoper Hamburg;** weitere Aufführungen 04., 09., 11., 14., 16.06.2022; 14.03., 16.03.; 19.03.2023](https://www.staatsoper-hamburg.de/de/spielplan/stueck.php?AuffNr=182497&ref=ioco.de)

Nachzuerleben ist die Premiere in der **Arte Mediathek**.

\---| IOCO Kritik Staatsoper Hamburg |---