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# Hamburg, Staatsoper, Die Walküre - R. Wagner, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/hamburg-staatsoper-die-walkure-r-wagner-ioco/
- Published: 2026-10-20T13:32:25.000Z
- Updated: 2026-10-20T13:32:44.000Z
- Author: Wolfgang Schmitt
- Tags: Oper & Operette

18\. Oktober 2026

Freudig überrascht waren einige Besucher der dritten Matinee-Vorstellung von Wagners „Walküre“. Für die erkrankte **Allison Oakes** übernahm sehr kurzfristig die prominente **Camilla Nylund** als Einspringerindie Partie der Brünnhilde. Es war bewundernswert zu sehen, mit welcher Professionalität bei wenig Probenmöglichkeit sie sich in diese Inszenierung von **Claus Guth** aus dem Jahre 2008 einzufügen und seinen Regie-Intentionen offenbar problemlos zu folgen verstand. Dabei sah es gerade im dritten Akt nicht ungefährlich aus, wenn sie in der abbruchreifen Kasernen-Behausung der Walküren von der recht schmalen oberen Spielfläche über die Leiter nach unten und wieder hinauf geradezu waghalsige Kletterpartien zu vollführen hatte (Bühne und Kostüme von **Christian Schmidt**).

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Camilla Nylund/Brünnhilde ©Wolfgang Radtke

Gesanglich beeindruckte **Camilla Nylund**, ganz in weiß gekleidet,sogleich mit ihrem edel timbrierten, in allen Lagen makellos geführten dramatischen Sopran. Gleich ihr erster jubelnder „Hojotoho“-Auftritt im zweiten Akt in Wotans nüchtern und funktionell gestaltetem Arbeitszimmer überzeugte, wobei sie im Verlauf des Abends ihre Brünnhilde nicht unbedingt hochdramatisch anlegte, sondern eher das sängerische dieser heiklen Partie betonte.

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Camilla Nylund/Brünnhilde, Derek Welton/Wotan und Vida Mikneviciuté/Sieglinde ©Wolfgang Radtke 

**Derek Welton** als Wotan tritt bereits im ersten Akt quasi als Strippenzieher auf: Mit schnippenden Fingern erweckt er die beiden – auf einer Bühnen-Plattform in einer spärlich ausgestatteten Küche statuarisch stehenden – Geschwister Siegmund und Sieglinde zum Leben, platziert später das Schwert im Küchenschrank in Ermangelung der Esche. Mit profundem Heldenbariton, perfekter Diktion und starker Bühnenpräsenz gestaltete **Derek Welton** seine Partie als autoritärer Göttervater, als resignierender, sich geschlagen gebender Ehemann Frickas, aber auch als emotionaler, liebender Vater seiner Lieblingstochter Brünnhilde während der Abschiedsszene, kraftvoll gegen Ende während des Feuerzaubers. Als Fricka beeindruckte **Annika Schlicht** mit ihrem klangvollen, saturierten dramatischen Mezzosopran und ihrem intensiven, sogar humorvollen Spiel. Lediglich ihre Textverständlichkeit läßt zu wünschen übrig.

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Derek Welton/Wotan ©Wolfgang Radtke

Eine herausragende Leistung bot **Matthew Newlin** als schönstimmiger, eher lyrischer Siegmund, der jedoch zu heldentenoralen Ausbrüchen fähig ist. Seine lang anhaltenden Wälse-Rufe gingen wahrlich unter die Haut, seine „Winterstürme wichen dem Wonnemond“ kamen herrlich strahlend, fein nuanciert. Die Ovationen für ihn am Schluß waren durchaus verdient.

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Vida Mikneviciuté/Sieglinde und Matthew Newlin/Siegmund ©Wolfgang Radtke

Eine charmante blonde Sieglinde war **Vida Mikneviciuté** mit ihrem kraftvollen jugendlichen Sopran, dem sie im ersten Akt auch zartere Lyrismen abgewinnen konnte wie bei „Du bist der Lenz“, später dramatisch attackierend in „O hehrstes Wunder“. Auch darstellerisch ging sie im ersten Akt ganz in ihrer Rolle als unterdrückte Ehefrau Hundings und als Liebende in den Szenen mit Siegmund auf. Ihr viriler, hartherziger und grausam wirkender Ehemann Hunding war **Ante Jerkunica** mit prachtvollem sonoren Bass.

Das mitreißende, allseits bekannte Motiv des Walkürenritts eröffnete den dritten Akt. Hier agierten die acht Walküren, gekleidet in derben grauen Kleidern und Stiefeln, in ihrer schäbigen brüchigen Unterkunft mit den Etagenbetten, vollführten perfekt choreographierte Kung-Fu-Kampfesriten, sangen kraftvoll und mit wilder, ungestümer Vehemenz.

Phantastisch klang das **Philharmonische Staatsorchester** unter der Leitung von GMD **Omer Meir Wellber**. Spannungsgeladen von Beginn an breitete er einen wunderbaren Klangteppich aus. Transparent und klar blühten die dramatischen Motive und die herrlichen Melodien auf. Äußerst feinfühlig in seiner Interpretation, manchmal fast schon kammermusikalisch, mit angemessenen zügigen Tempi gelang es Meir Wellber, die hohe Emotionalität von Wagners Musik kongenial und beeindruckend nachzuzeichnen – eine Musik von teilweise ekstatischer, instruktiver Faszination, der man sich nicht entziehen kann, der man sich nur allzu gern hingibt. Und so verwunderte es auch nicht, daß Meir Wellber und sein Orchester bereits nach dem ersten und zweiten Akt mit Ovationen bedacht, und natürlich auch am Ende gemeinsam mit den Protagonisten vom Publikum stürmisch gefeiert wurde. 

*Diese “Walküre“ ist wahrlich eine Sternstunde in der Hamburgischen Staatsoper gewesen.*