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# Hamburg, St. Pauli Theater, MOTOWN - The Music Show, IOCO Kritik, 04.09.2018
- URL: https://www.ioco.de/hamburg-st-pauli-theater-motown-the-music-show-ioco-kritik-04-09-2018/
- Published: 2018-09-04T08:09:30.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:48:34.000Z
- Author: Wolfgang Schmitt
- Tags: Konzert & Liederabend, Kritiken, Hamburg

![St. Pauli Theater Hamburg / MOTOWN - The Music Show © Stefan Malzkorn](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/09/st_pauli_theater-in-hamburg-am-abend-foto-stefan-malzkorn-neu.jpg)

St. Pauli Theater Hamburg / MOTOWN - The Music Show © Stefan Malzkorn

***MOTOWN – The Music Show*** 

***“STOP!“* – drei Handflächen strecken sich zum Publikum – *“In the Name of Love!”***

Von **Rolf Brunckhorst**

Drei zappelige Schultern bewegen sich fingerschnipsend nach unten, der Anfang eines genialen **Motown**\-Songs und seiner verblüffend einfachen aber wirkungsvollen Choreographie. Dieses Rezept hat, wie der Moderator dem Publikum später erklären wird, unzählige Male in den Hitparaden der 60er Jahre eingeschlagen. **Berry Gordy**, oberster Chef der Plattenfirma ***Tamla-Motown,*** erklärt sein Erfolgsrezept ähnlich: Man nehme eine eingängige Melodie, einen Text, der eine kurze Geschichte erzählt, kreiere einen Sound, der in den leicht basslastigen Transistorradios der Detroiter Kids und den Autoradios ihrer Eltern mitreißend wummert, und nehme dieses Produkt mit den besten Studiomusikern der Welt auf. Finaler Test: Jugendliche aus Detroit werden gefragt, ob sie für einen geschenkten Dollar lieber eine Tüte Eis oder die neueste Motown-Scheibe kaufen würden. Die meisten Jugendlichen werden zur Platte gegriffen haben, denn ***Motown*** war in den 60er Jahren eben der *„Sound of Young America“.*

**MOTOWN** Youtube Trailer St.Pauli Theaster Hamburg **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Die Kreativität der ***Motown*\-**Musiker läßt sich erahnen, wenn man liest, daß in einer Woche des Jahres 1968 die Top-Ten allein aus fünf Motown-Nummern bestand. Die Plätze 1 bis 3 waren für ***Motown*** reserviert. Im Jahre 1966 hat **Berry Gordy** ca. 65 % all seiner Single-Veröffentlichungen in den *„Hot Hundred“* untergebracht. Andere Firmen bewegten sich vergleichsweise bei 10 % Trefferquote. Seine Künstler waren Superstars spätestens dann, wenn sie von ihrer Gruppe gelöst eine Solokarriere angefangen hatten. Die wichtigsten bzw. bekanntesten Künstler waren zweifellos die **Supremes*,* aus denen **Diana Ross** hervorgegangen ist. Innerhalb der nächsten fünf Jahre sollte sie sich als Superstar profilieren. Nicht nur auf dem ihr eigenen Felde der Musik setzte sie Maßstäbe, auch als Schauspielerin war der Lohn für ihre brillante Leistung in *„Lady sings the Blues“* eine Oscar-Nominierung. Eine ganze Reihe von späteren Solosängern entsprangen den

![St. Pauli Theater Hamburg / MOTOWN-The Music Show hier Ensemble © Andy Juchli, inkognito.ch](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/09/motown_5_gruppe-andy-juchli-inkognitochneu_.jpg)

St. Pauli Theater Hamburg / MOTOWN-The Music Show hier Ensemble © Andy Juchli, inkognito.ch

**Temptations*,* z.B. **David Ruffin**, **Eddie Kendricks**, **Dennis Edwards**, und **Ali-Olli Woodson**. Der Harmonie-Gesang der **Temptations** galt als unvergleichlich. Die **Four Tops** hatten den einzigartigen **Levi Stubbs** als stimmliches Flaggschiff, dessen brodelnde Intensität von keinem seiner Kollegen erreicht wurde. **Marvin Gaye** und **Stevie Wonder** wetteiferten um den Titel als musikalisches Genie, während **Martha Reeves & the Vandellas** und die **Marvelettes** mit ihren brillanten Gesangsarrangements die Fans in die Plattenläden trieben. Niemand will **Michael Jackson** und seine Brüder vergessen, aber man könnte tagelang weiter tippen, wenn man alle **Motown*\-*Gesangsgruppen und Solisten würdigen wollte.

Diese kurze **Motown**\-Biographie hätte nun auch Gegenstand der ***Motown***\-Show sein sollen, aber wie soll man mit drei Sängern und zwei Sängerinnen und neun Instrumentalisten diese Geschichte auf die Bühne bringen? Es ging, es ging sogar sehr gut, weil die Macher dieses Musicals ein paar richtige Grundsatzentscheidungen getroffen hatten: Es wurde keine der **Motown-**Solokünstler oder –Gruppen direkt imitiert, sondern fünf hochindividuell timbrierte, stimmlich ausgezeichnete Künstler interpretierten die Motown-Songs mit wechselnden Soloaufgaben und zum Teil eigenwilliger Instrumentierung der Songs. Dabei konnte es passieren, daß nur drei ***Temptations*** auf der Bühne standen, oder Solonummern zu Duetten umgeformt wurden. Das alles funktionierte so selbstverständlich, daß es dem Publikum fast den Atem verschlug, es reagierte aber nicht still, sondern vom ersten Song an wurde mittaktiert, mitgeklatscht, getanzt und mitgesungen. Das Publikum war mit den meisten Songs vertraut, Texthilfe vonseiten der Sänger wurde selten benötigt. Als im zweiten Teil die ersten Takte von *„I can‘t help myself*“ ertönten, kippte die Publikumsstimmung von begeistert auf frenetisch; die beiden oberen Ränge verwandelten sich dank er großzügigen Raumfreiheit in einen Tanzpalast. An welcher Stelle das Stück zuende war und der Zugabenteil begann, konnte man nicht mehr auseinander halten, zu sehr waren alle damit beschäftigt, genügend Stimmung zu entfachen, um weitere Zugaben zu erzwingen.

![St. Pauli Theater Hamburg / Motown - hier :Trevor Jackson, Taryn Anne Nelson © Gío Löwe / gio-lowe.com](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/09/Motown_3_Trevor-Jackson-Taryn-Anne-Nelson-Go-Loewe_gio-lowecom_.jpg)

St. Pauli Theater Hamburg / Motown - hier :Trevor Jackson, Taryn Anne Nelson © Gío Löwe / gio-lowe.com

Geduldig bezog die Band mehrfach wieder ihre Plätze und lieferte noch ein paar Kostproben des geliebten ***Motown-***Sounds, den Sänger und Musiker zweieinhalb Stunden zelebriert haben. Ein besonderes Dankeschön gebührt dem Choreographen **Andrew Hunt**, der so gut mit der Materie vertraut war, daß er bei verschiedenen Songs Teile der Original-Choreographie einarbeitete. So konnte das immer wieder aufjuchzende Publikum **Smokey Robinson**s berühmten Monkey-Dance beim Song „*Mickey’s Monkey“* der **Miracles**, das berühmte Schulterzappeln der **Four Tops** und natürlich die eingangs erwähnte *„Stop! In the Name of Love“*\-Choreographie der **Supremes** wiedererkennen und sich an die seligen Jahre erinnern, als diese Auftritte noch Bestandteil der wöchentlichen Fernsehshows waren. Großer Dank gilt den fünf hoch-engagierten Stimm-Akrobaten **Siggy Davis, Taryn Nelson di Capri, Wilson Michaels, David Johnson** und **Koffi Missah**, sowie den neun Bandmitgliedern.

Eine Frage bleibt zum Schluß allerdings offen: Warum mußten, besonders zu Beginn des zweiten Teils so viele Nicht-***Motown-***Nummern in das Stück geschummelt werden? Es gäbe noch Hunderte von ***Motown-***Hits, die besser in diesen Rahmen gepaßt hätten, und dann hätte man seine Referenz auch Künstlern wie **Edwin Starr, Chris Clark** oder den Velvelettes erweisen können. Dieses wäre ein Wunsch für hoffentlich weitere zukünftige Auftritte in Hamburg.

\---| IOCO Kritik St. Pauli Theater Hamburg |---