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# Hamburg, St. Pauli Theater, DIE DREIGROSCHENOPER - Bertolt Brecht, IOCO Kritik, 19.01.2023
- URL: https://www.ioco.de/hamburg-st-pauli-theater-die-dreigroschenoper-bertolt-brecht-ioco-kritik-19-01-2023/
- Published: 2023-01-18T19:32:47.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:12:21.000Z
- Author: Wolfgang Schmitt
- Tags: Kritiken, Hamburg

![St. Pauli Theater in Hamburg am Abend © St Paili Theater](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/04/st-pauli-th-abend-mg-2919-ganze-fassadeneu.jpg)

St. Pauli Theater in Hamburg am Abend © St Paili Theater

[St. Pauli Theater](https://www.st-pauli-theater.de/?ref=ioco.de)

## ***DIE DREIGROSCHENOPER* \- Bertolt Brecht, Kurt Weill**

#### **\- wunderbar singende, tanzende Protagonisten mit fesselnden Video-Projektionen -**

von **Wolfgang Schmitt**

![Bertolt Brecht vor dem BE © IOCO RM](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2023/01/bertolt-brecht-foto-rainer-maassneuneu20.jpg)

Bertolt Brecht Statue in Berlin © IOCO RM

**Bertolt Brechts *Dreigroschenoper*** in der Vertonung von **Kurt Weill** erlebte 1928 ihre Uraufführung in Berlin und avancierte zum erfolgreichsten Musiktheaterstück der damaligen „Weimarer Republik“. An seiner Aktualität hat das Werk mit seiner Kapitalismus-Kritik bis heute nichts eingebüßt. **Brecht** bezeichnete seine **Dreigroschenoper** als „episches Theater“, welches das Ziel haben sollte, gesellschaftliche Konflikte und soziale Ungerechtigkeit darzustellen.

Dem **St.Pauli-Theater** ist mit dieser Neuproduktion in der Regie von **Peter Jordan** und **Leonhard Koppelmann** ein großer Wurf gelungen. Diese Inszenierung, besuchte Vorstellung 15.01.2023, hat Biss und Charme, sie verfügt über ein ausgewogenes Verhältnis zwischen **Brecht'scher** Belehrung und **Weill'scher** Unterhaltung. Trotz der vielen Szenen, in denen Unrecht und Elend das Thema waren und die sozialen Mißstände thematisiert wurden, richtete sich jedoch insgesamt gesehen das Augenmerk auf **Kurt Weills** exemplarische Musik, die hier glänzend und verfeinert dargebracht wurde von den Musikern des **Theater Orchester Hamburg** unter der inspirierten Leitung von **Uwe Granitza**.

![St. Pauli Theater / DREIGROSCHENOPER hier vlnr Fabian Broermann, Nadja Petri © Kerstin Schomburg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2023/01/dreigroschenoper-2-vlnr-fabian-broermann-nadja-petri-c-kerstin-schomburgneu.jpg)

St. Pauli Theater / DREIGROSCHENOPER hier vlnr Fabian Broermann, Nadja Petri © Kerstin Schomburg

**Kurt Weills** Komposition ist allein schon wegen der zahlreichen Songs ein Selbstgänger. Allein der Song vom **Mackie Messer** stürmte als *„Mack the Knife“* in den Fünfziger Jahren in der Interpretation von **Bobby Darin, Ella Fitzgerald** oder **Louis Armstrong** die internationalen Hitparaden. Aber auch andere Lieder wie der *Kanonenboot-Song*, die Ballade der *Seeräuber-Jenny,* d*er Barbara-Song,* oder die Balladen vom „angenehmen Leben“ und von der „Sexuellen Hörigkeit“ sind im Laufe der Jahrzehnte zu echten Gassenhauern geworden.

![St. Pauli Theater / DREIGROSCHENOPER hier Michael Rotschopf, Anneke Schwabe © Kerstin Schomburg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2023/01/dreigroschenoper-5-vlnr-michael-rotschopf-anneke-schwabe-c-kerstin-schomburgneu.jpg)

St. Pauli Theater / DREIGROSCHENOPER hier Michael Rotschopf als Macheath, Anneke Schwabe als Polly © Kerstin Schomburg

**Kurt Weills** Kompositionen sind eine Mischung aus populärer Schlager- und Tanzmusik der damaligen Zeit, angereichert mit Jazz-, Swing- und auch Blues-Elementen. Sie weisen eine Klarheit und Einfachheit, eine starke melodische und bezeichnende harmonische Eigenart auf, die sein Werk auch noch heutzutage charakteristisch und interessant erscheinen läßt. Umgesetzt wurde dieses durch das brillant und schwungvoll aufspielende Orchester und durch ein hoch engagiertes Ensemble mit den sieben sehr gut singenden Schauspielern und einer Gruppe von sechs Tänzern, die sogleich nach der Ouvertüre und der *„Moritat von Mackie Messer“* mit einer fast schon glamourösen Revue-artigen Show das gespannte Publikum auf einen grandiosen Abend einstimmten. Überhaupt trugen die vielen Tanzszenen in der Choreographie von **Harald Kratochwil** ganz erheblich zum großartigen Gesamteindruck dieses Abends bei.

Die Bühne war bis auf ein paar Requisiten leer, sie wurde ausgefüllt von den wunderbar agierenden, singenden und tanzenden Protagonisten. Auf der Bühnenrückwand gab es wechselnde, stimmungsvolle und den jeweiligen Szenen entsprechende Video-Projektionen von einer dunklen Straßenschlucht in London mit dem *„Mond über Soho“,* oder einem angedeuteten Pferdestall, in dem die Hochzeit von ***Macheath*** und **Polly** stattfinden soll (Grafische Animation von **Meike Fehre** und Lichteffekte von **Dorle Reisse**). Die von **Barbara Aigner** entworfenen phantasievollen Kostüme, frivole Glitzerkleidchen für die Damen, Nadelstreifenanzüge für die Herren, paßten perfekt zur gesamten Szenerie.

In der Rolle des **Macheath** gefiel **Michael Rotschopf** in elegantem Dandy-Outfit mit Gamaschen, weißen Glacéhandschuhen, dunkelrotem Hut und einem *Clark-Gable*\-Bärtchen. Mit seiner baritonal eingefärbten Stimme konnte er auch gesanglich, und hier besonders in seinem Zuhälter-Song (mit *Jenny*) und dem Grabschrift-Lied überzeugen.

**Gustav Peter Wöhler** war der Bettlerkönig **Peachum,** der aus dem Elend der Armen noch Kapital schlägt. Gleich zu Beginn imponierte er mit seinem Morgenchoral und dem „Anstatt-dass-Song“ (mit **Mrs. Peachum**). Auch überraschte er im Verlauf der Handlung mit kleinen Tanzeinlagen inmitten des Ensembles.

Als seine Frau, **Celia Peachum,** hinterließ **Anne Weber** sowohl darstellerisch als auch sängerisch einen starken Einruck, besonders im von ihr hinreißend gesungenen *Barbara-Song* und in der Ballade von der sexuellen Hörigkeit.

![St. Pauli Theater / DREIGROSCHENOPER hier das Ensemble © Kerstin Schomburg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2023/01/dreigroschenoper-ensemble-c-kerstin-schomburgneu.jpg)

St. Pauli Theater / DREIGROSCHENOPER hier das Ensemble © Kerstin Schomburg

**Anneke Schwabe** war eine intensiv spielende, manchmal etwas zu schrille ***Polly,*** die die eigentlich ernste Ballade der *Seeräuber-Jenny* eine Spur zu lustig interpretierte. Herrlich dagegen waren ihre Szenen mit Lucy, ihrem „Schlagabtausch“ und dem Eifersuchts-Song. Die dralle ***Lucy*** in ihrem recht kurzen Kostüm wurde mit kräftiger Sopranstimme gesungen von **Veronica Fleer.** Sie ist die Tochter von ***Tiger Brown*,** dem obersten Polizeichef Londons und gutem altem Freund von ***Macheath***, ansprechend gespielt und gesungen von **Stephan Schad.**

Als **Spelunken-Jenny*,* der früheren Geliebten von Macheath, die ihn schließlich verrät, beeindruckte **Nadja Petri** mit einer dunklen, warmen, geheimnisvollen Mezzo-Stimme im *Zuhälter-Song* mit **Macheath** und später im *Salomon-Song.*

Aus dem exzellenten Ensemble in den Rollen der Tänzer, der Bettler und der Huren seinen stellvertretend **Felicia Jackson** und **Christopher Hemmans** genannt, die zusätzlich die kleinen Rollen der **Pastorin** und des **Constables Smith** übernommen hatten.

***Die Begeisterung des Publikums war einhellig, und so kann man davon ausgehen, daß diese geglückte, ausgewogene Inszenierung einige Jahre im Spielplan des St. Pauli-Theater bleiben wird.***

#### *[*DIE DREIGROSCHENOPER -* ](https://www.st-pauli-theater.de/programm/die-dreigroschenoper-2/?ref=ioco.de)*[**St. Pauli Theater - Termine, Karten - link HIER!**](https://www.st-pauli-theater.de/programm/die-dreigroschenoper-2/?ref=ioco.de)