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# Hamburg, Hamburgische Staatsoper, SALOME – Richard Strauss, IOCO Kritik, 02.11.2023
- URL: https://www.ioco.de/hamburg-hamburgische-staatsoper-salome-richard-strauss-ioco-kritik-02-11-2023/
- Published: 2023-11-02T09:00:16.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:44:54.000Z
- Author: Michael Stange
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Hamburg

Salome von Richard Strauss, Hamburgische Staatsoper, Hamburg, 02.11.2023.

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[Staatsoper Hamburg](http://www.staatsoper-hamburg.de/?ref=ioco.de)

![Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/01/hamburgische-staatsoper-c-kurt-michael-westermann.jpg)

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

## ***SALOME* – Richard Strauss**

***– Asmik Gregorian beglückt mit überragendem Gesang und packender Rollengestaltung –***

vom **Michael Stange**

Die **Hamburgische Staatsoper** hat sich mit ***Salome*** von **Richard Strauss** einem der aufregendsten Opernwerke des beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts angenommen, Premiere am 29.10.2023\. Regelkonform wird im Programmheft in einer Trigger-Warnung darauf hingewiesen, dass die lediglich fünfundneunzig Minuten dauernde Oper mit beleidigender Sprache, missbräuchlichen Beziehungen, Nacktheit, Slut-Shaming, sexualisierte Gewalt, Inzest, Todesdarstellungen, Rassenprofilierung und Antisemitismus aufwartet.

Dies dürfte dem Umstand der biblischen Herkunft der Geschichte Salomes geschuldet sein, wo Ehebruch Mord und weitere Tabubrüche an der Tagesordnung waren. Auch die Opernhandlung prägen Verfehlungen des Herrschers ***Herodes*** und seiner Frau **Herodias** in der Vergangenheit. **Herodias** verließ ihren Mann, den Vater ***Salomes. Herodes*** verstieß seine erste Frau.

**Trailer – *Trailer SALOME***  
youtube Hamburgische Staatsoper  
**\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Zu Beginn der Oper betritt **Salome** die Szene. Angewidert von den lüsternen Blicken ihres Stiefvaters hat sie sein Bankett verlassen. Sie wird von der Stimme des Propheten ***Jochanaan*** gefesselt und will ihn sehen. Im Gespräch mit dem Wächter ***Narraboth*** spielt sie ihre sexuelle Anziehungskraft ihm gegenüber aus. ***Narraboth*** befreit darauf Jochanaan, der die Missetaten von **Herodias** benennt, aus seinem unterirdischen Kerker. ***Salomes*** Begehren und ihr Drang ihn zu berühren und seinen Mund zu küssen ist dem Propheten zuwider. Er verflucht sie aufgrund ihrer Zudringlichkeit. Auf der Suche nach ***Salome*** betritt ***Herodes*** die Terrasse des Palastes. Wieder ertönt ***Jochanaans*** Stimme. ***Herodias*** fordert seine Auslieferung an die Juden, die ihn für einen falschen Propheten halten. ***Herodes*** ignoriert den Streit und bittet ***Salome***, für ihn zu tanzen. Er schwört einen Eid, ihr dafür jeden Wunsch zu erfüllen. ***Salome*** tanzt. Als Lohn fordert sie den Kopf des Propheten, den ihr ***Herodes*** nach langem Zögern gewährt. In einem Schlussgesang besingt sie Ihre Liebe zu ***Jochanaan*** und ihre Qualen. ***Herodes*** ist davon zutiefst erschreckt und befiehlt ihre Ermordung.

**Richard Strauss *Salome*** ist, wie die Vorlage in der Bibel, ein Werk über eine zwiespältige Gesellschaft voller Hass, Lügen und Egoismen. Die einzige positive Figur ist der Prophet ***Jochanaan***. Er fällt der mafiösen Autokraten-Familie am Ende zum Opfer. **Strauss** Vorlage war **Oscar Wildes** Theaterstück, das lange vor der Komposition der Oper für riesige Skandale, besonders in England, gesorgt hatte. Ein ähnliches Schicksal erlitt **Strauss *Salome***. Die Uraufführung musste statt in Berlin in Dresden und in Graz statt in Wien stattfinden. **Richard Strauss** dürften die mit dem Stück verbundenen drohenden Schwierigkeiten klar gewesen sein, weil schon die Aufführung des Theaterstückes in Berlin gerichtlich erklagt werden musste. Wie alle Künstler des beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts schilderte er seine Geschichte ungeschminkt ohne Rücksicht auf political correctness gegenüber Herrschenden oder Zeitgeist. Die fünf über Religion streitenden Juden sind derart bösartig dargestellt, dass sie den bürgerlichen Antisemitismus der Jahrhundertwende prägnant illustrieren. Gleiches gilt für das korrupte Herrscherpaar. Salomes Stiefvater ***Herodes*** wird so ausufernd karikiert, dass verständlich ist, dass Aufführungen des Werkes in Berlin und Wien nicht zugelassen wurden. Parallelen zum gockelhaft selbstverliebtem Kaiser Wilhelm oder den senilen Kaiser Franz Joseph I drängen sich noch heute unmittelbar auf.

![Staatsoper Hamburg / SALOME hier Asmik Grigorian als Salome © Monika Rittershaus](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2023/11/01184124/asmik-grigorian-copyright-monika-rittershausneu1.jpg)

Staatsoper Hamburg / SALOME hier Asmik Grigorian als Salome © Monika Rittershaus

**Dmitri Tcherniakov** verwendet das Bühnenbild seiner Hamburger Elektra Inszenierung. Wiederum greift auch die aktuelle Inszenierung **Thomas Vinterbergs** filmischem Inzest-Drama ***Das Fest*** von 1998 auf. Dort wurde die Offenlegung des sexuellen Missbrauches eines Vaters an zweier seiner Kinder anlässlich der Feier zu seinem sechzigsten Geburtstag erzählt. Zentraler Baustein der Oper für **Tcherniakov** ist die aufgrund sexuellen Missbrauchs deformierten Psyche der Frau ***Salome,*** die von **Herodes** „*mit seinen Maulwurfsaugen unter den zuckenden Lidern*“ angesehen wird. Missbrauch und Perversion, die sie seitens ihres Stiefvaters erlebt hat, sollen, wie bei Vinterberg, jahrelang totgeschwiegen worden sein, obwohl ***Herodias*** alles bekannt gewesen sein soll. Ähnliches hat **Ludwig Baumann** in seiner [***Salome*** vom **Immling Festival** ](https://www.ioco.de/2021/08/31/salome-schlussgesang-video-von-mit-elena-fink-ioco-rezension-31-08-2021/)im Sommer diesen Jahres gleichfalls dargestellt und diesen Ansatz mit Videoinstallationen untermalt. **Tcherniakov** macht sich die Sache einfacher. Die ganze Inszenierung spielt an einer Festtafel. Der wie Spitzwegs armer Poet gekleidete, halbglatzige ***Jochanaan*** mit Schmiertolle sitzt bereits am Tisch. ***Narraboth*** tötet sich nicht selbst sondern wird hinausgeführt. ***Salome*** sinkt am Ende der Oper zu Boden.

***Salomes*** manipulativer Charakter, der beim schon beim Umgarnen ***Narraboth*** vor der Freilassung von ***Jochanaan*** zu Tage tritt, bleibt weitgehend unbeleuchtet. Ihre Rolle als Opfer steht im Vordergrund und wird dadurch veranschaulicht, dass **Herodes** ihr vor dem Schlusstanz ein Kindertanzkleid anzieht. Die Chance auf eine schlüssige Geschichte zu erzählen wird vertan, weil Libretto und Bühne asynchron verlaufen und das Bühnengeschehen dem Inhalt der Oper in großen Teilen zuwiderläuft. Das Werk in seiner ganzen Tiefe, die die fragilen Grundlagen der Herrschaft ***Herodes*** und die Gefahr die von der subversiven Macht des Propheten, von Jesus und von seinen Jüngern ausgeht muss man sich eigenständig hinzudenken.

Eine Inszenierung, die optisch nicht weh tut, der es aber an einer sinnfälligen Deutung der Geschichte mangelt. Ihr wesentlicher Pluspunkt ist, dass durch den niedrigen kleinen Bühnenraum, der nach hinten kreisrund abgeschirmt ist, die Sänger und das Orchester stimmlich wesentlich besser zur Geltung kamen als in vielen anderen Inszenierungen. Kein Schall verlor sich im großen Bühnenraum und der Klang von Stimmen und Orchester war so wesentlich präsenter und ausgewogener als an anderen Tagen. Zudem kann das Bühnenbild noch für **Strauss** Opern wie **Arabella** oder Intermezzo und viele andere Werke genutzt werden.

![Staatsoper Hamburg / SALOME hier Ensemble © Monika Rittershaus](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2023/11/01184332/john-daszak-kyle-ketelsen-asmik-grigorian-ensemble-copyright-monika-rittershausneu2.jpg)

Staatsoper Hamburg / SALOME hier Ensemble © Monika Rittershaus

Mit der ***Salome*** hat **Strauss** nach seinem ***Guntram*** eine eigene neue musikdramatisch und tonsprachlich beklemmende und faszinierende Oper geschaffen, die die Grundlage seiner nächsten Triumphe war. Auf tonaler Basis schrieb er eine Partitur mit Riesenorchester, aufwallenden Ausbrüchen, mitreißenden harmonischen Veränderungen, Intervallsprüngen und ausufernden Klangfarben. Das Werk ist eine zentrale neuartige Brücke von Richard Wagner zur Moderne und zur Filmmusik. Generalmusikdirektor **Kent Nagano** und das **Philharmonische Staatsorchester** haben die Oper kompetent beleuchtet und manche Aspekte ausgelotet. Sie waren den Sängern kongeniale Begleiter. In den Zwischenspielen warteten sie teils mit epischen Klangwogen auf. Die Farben des Tanzes und die dem Werk innewohnenden Farben und Kontraste könnten in den folgenden Vorstellungen noch stärker herausgearbeitet werden.

**Asmik Grigorian** hat die Premiere zu einem glänzenden Erfolg geführt. Die Rolle der ***Salome*** war immer ein Prüfstein für Soprane, weil die Protagonistin auf der einen Seite über eine sinnlich sirrende Stimme, aber auch die Kraft verfügen musste, an zentralen dramatischen Stellen das riesige Orchester zu übertönen. Jene Fähigkeit zur Produktion stimmlichen Farbenreichtums bei gleichzeitiger Textverständlichkeit und Beibehaltung der Gesangslinie kennen Liebhaber historischer Aufnahmen im Wesentlichen von **Ljuba Welitsch** (New York 1949) und **Maria Cebotari** (London 1947). Der Schlussgesang der ***Salome*** wurde wohl auch wegen weniger geeigneter Darstellerinnen zwischen 1911 und 1943 nur von den vier bedeutenden Rollenvertreterinnen **Emmy Destinn, Barbara Kemp, Göta Ljunberg** und **Liselotte Enck** kommerziell aufgenommen. Auch in der Folge konnten bis heute stimmlich und darstellerisch im Wesentlichen **Christel Goltz** und **Inge Borkh** überzeugen.

Kein leichtes Erbe für **Asmik Gregorian** – als ***Salome*** hat sie schon bei den **Salzburger Osterfestspielen 2018** für eine Sensation gesorgt. Ein Grund ihres phänomenalen Gesangs- und Gestaltungstalents mag in ihrer Herkunft aus einer bedeutende Sängerfamilie und dass Litauen über eine lange bedeutende Operntradition verfügt, liegen. Ihre Mutter **Irena Milkeviciute** war ein berühmter Koloratursopran. Ihr Vater, der früh verstorbene Tenor **Gegam Grigorian**, feierte nach dem Ende der Sowjetunion auch im Westen große Erfolge. Darstellerisch bewegt sie sich grazil, gewandt und schlangengleich gefährlich. Allein dadurch und mit ihrer Persönlichkeit und Ausstrahlung hat sie gestalterisch vollendet das junge Mädchen dargestellt und beherrschte die Bühne. Ihre Stimme prädestiniert sie für diese Rolle. Leuchtende schwebende Spitzentöne, die grenzenlos den Raum füllen paarte sie mit einer sinnlichen Mittellage und einer runden Tiefe. An Stimmfarben verfügte sie über eine immense Palette. Von sirrend verführerischen bis zu einschüchternden fordernden Tönen lotete sie alle Facetten des Textes interpretatorisch erfüllend aus. Ihr gelangen ihr schon zu Beginn bei der Betörung ***Narraboths*** aufwühlende sinnlich Momente. So fesselte sie die Zuschauer schon mit ihren ersten Tönen und ließ Beiwerk wie Bühnenbild und Regie in den Hintergrund treten. Fein untermalte sie fordernd und stimmlich pointiert ***Salomes*** Begehren nach Jochanaan mit intensiv verzehrenden Stimmfarben. Im Dialog mit **Herodes** und im Schlussgesang vereinte sie dramatische Ausbrüche und verführerisches Piano. Sie behielt dabei stets ihre belcanteske Stimmgebung. Packend war dies insbesondere bei der Forderung nach dem Kopf des ***Jochanaan*** kindlich sirrend, fordernd, trotzig und wütend gestaltete. An der Tiefe der Rollengestaltung hat sie gegenüber ihrem Debut 2018 noch unglaublich gewonnen.

![Hamburgische Staatsoper / Salome hier Ensemble Foto Monika Rittershaus](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2023/11/01184831/kyle-ketelsen-jana-kurucova-john-daszak-alexander-roslavets-violeta-urmana-ensemble-copyright-monika-rittershausneu3.jpg)

Hamburgische Staatsoper / Salome hier Ensemble Foto Monika Rittershaus

Der **Herodes** von **John Daszak** prunkte mit zwiespältig schmieriger Darstellung. Stimmlich gestaltet er die Partie in Teilen als Charakter-Tenor. Trotz manch greller Töne konnte er aber auch verführerisch wirken. Hervorragend waren Gestaltung und Textdeutlichkeit.

Als ***Jochanaan*** debütierte **Kyle Ketelsen**. Sein klangschöner Bariton war rollendeckend. Durch die brave Kostümierung, seinen Mangel an Durchschlagskraft in der Höhe und die gleichförmige Stimmführung konnte er die Anziehungskraft und Ausstrahlung des Charakters nicht überzeugend vermitteln.

Die ***Herodias*** von **Violeta Urmana** war gestalterisch interessant. Stimmlich gab sie der Rolle keine prägenden Momente. **Alexander Roslavets** prunkte als ***Nazarener*** mit orgelhaften Basstönen, feiner stimmlicher Modulation und immenser Höhe. **Jana Kurucová** war ein ansprechender ***Page*** und **Oleksiy Palchykov** ein tenorseeliger leidender ***Narraboth.***

**Asmik Gregorian** wurde frenetisch bejubelt. Ausschließlich wegen ihr war der Besuch der Vorstellung ein Ereignis. Eine Nachbarin meinte, es sei ihr vor **Asmik Gregorians** ***Salome*** in der Oper noch nie passiert, dass sie durchgehend wie in einem Krimi gefesselt, gebannt und fasziniert gewesen sei wie in dieser Vorstellung. Die **Hamburgische Staatsoper** hat bei der Rollenbesetzung eine überaus glückliche Hand bewiesen.

#### [***SALOME* – Hamburgische Staatsoper – alle Termine, Karten – link HIER!**](https://www.staatsoper-hamburg.de/de/spielplan/stueck-termine.php?AuffNr=187771&ref=ioco.de#pagenav)

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## Wie schlägt sich Asmik Grigorian in der Titelrolle?

Asmik Grigorian beglückt als Salome mit überragendem Gesang und packender Rollengestaltung.