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# Hamburg, Hamburger Staatsoper, Tosca - Harteros, Kaufmann, Vassallo, IOCO Kritik, 19.04.2018
- URL: https://www.ioco.de/hamburg-hamburger-staatsoper-tosca-harteros-kaufmann-vasallo-ioco-kritik-19-04-2018/
- Published: 2018-04-18T17:00:17.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:45:11.000Z
- Author: Patrik Klein
- Tags: Konzert & Liederabend, Kritiken, Hamburg

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[Staatsoper Hamburg](http://www.staatsoper-hamburg.de/?ref=ioco.de)

![Hamburgische Staatsoper © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/02/hamburgische-staatsoper-foto-ioconeuneu.jpg)

Hamburgische Staatsoper © IOCO

**Italienische Wochen enden *\- Tosca* von Giacomo Puccini** 

**Weltstars am Dammtor: Harteros, Kaufmann, Vassallo** 

Von **Patrik Klein**

Die Premiere von **Verdis *Messa da Requiem*** leitete die ***Italienischen Wochen*** an der **Staatsoper Hamburg** vor rund einem Monat ein (***IOCO*** berichtete ausführlich). Man gab neben dieser neuen auch altbewährte Produktionen wie **Verdis *La Traviata,* "Rigoletto", *Aida*, Puccinis** **Madame Butterfly** und nun zum Finale **Puccinis *Tosca*** in spektakulärer Starbesetzung. Mit hochkarätigen Besetzungen in allen Produktionen hat die **Staatsoper** auffällige musikalische und künstlerische Akzente gesetzt und in diesen Wochen das große Haus mehrfach ausverkauft und eine Auslastung von gut 90% erreicht. Aufbauend darauf wird es auch in der neuen **Saison 2018/19** wieder zur etwa gleichen Zeit eine Fortsetzung der ***Italienischen Wochen*** geben.

![Staatsoper Hamburg / Tosca - hier Applausfoto mit vl Franco Vassallo, Pier Giorgio Morandi, Anja Harteros, Jonas Kaufmann © Patrik Klein](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/04/tosca-1-neu.jpg)

Staatsoper Hamburg / Tosca - hier Applausfoto mit vl Franco Vassallo, Pier Giorgio Morandi, Anja Harteros, Jonas Kaufmann © Patrik Klein

***Die Handlung***

**Scarpia*,* Polizeichef in Rom, begehrt **Tosca*.* Da ihr Geliebter, der Maler **Cavaradossi*,* zu den politischen Gegnern der Regierung gehört, kann **Scarpia** ihn rechtmäßig gefangen nehmen. Er ordnet **Cavaradossis** Hinrichtung an und hofft, mit dem Versprechen, ihn freizulassen, **Tosca** zu einer gemeinsamen Nacht zu bewegen. Doch diese durchkreuzt seinen Plan.

***Die Inszenierung von Robert Carson***

Die Wiederaufnahme der Inszenierung des Kanadiers **Robert Carsen** aus dem Jahr 2000 hat beinahe etwas Zeitloses und arbeitet mit Bildern von **Anthony Ward**. Sie ist wenig spektakulär und dient auch gut für kurzfristig eingeflogene Superstars aus der Opernszene, denn es läuft nach dem Motto: *"Wer eine Idee hat, darf und kann sie so gestalten"*. Ansonsten ist man an der Rampe herzlich willkommen.

Regisseur **Robert Carson** und Ausstatter **Anthony Ward** verlegten die bezüglich Zeit und Ort so eindeutig fixierte Handlung auf und hinter die Bühne eines Theatersaals. Hier konnten die Protagonisten in einem Gebilde aus Lügen, übertriebener Selbstdarstellung und mieser Schachzüge vorzüglich agieren. Doch damals wie heute verblassten diese Ideen in der Umgebung eines "*Theaters im Theater".*

Das sakrale des ersten Aktes zum Beispiel, in welchem vor den Augen der Madonna geflucht, gehasst und geliebt wurde, vermag seine Wirkung nur in einer kirchlichen Sphäre zu entfalten und nicht in einem nüchternen Zuschauerraum, wo die Theaterbesucher ein ***TE DEUM*** anstimmten. Im ersten Akt der **Tosca** befand man sich im Zuschauerraum eines traditionellen Opernhauses, erblickte zwei in Gold gefasste Proszeniumssäulen, zwischen denen **Scarpia** als böser Spielverderber auftauchte, und den geschlossenen roten Bühnenvorhang. Zwischen den Stühlen versammelten sich die Balletttänzer und das Einlasspersonal, das die Originalprogrammhefte der Oper verteilten. Nicht nur bei dem von den hereinströmenden Zuschauern angestimmten ***Te Deum*** durfte man den Text nicht so genau nehmen; schließlich hob sich der Vorhang und zeigte die Primadonna als illuminierte Madonnenfigur.

![Staatsoper Hamburg / Tosca - hier Applausfoto mit Anja Harteros © Patrik Klein](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/04/tosca-2-neuneu.jpg)

Staatsoper Hamburg / Tosca - hier Applausfoto mit Anja Harteros © Patrik Klein

Der zweie Akt in **Scarpias** *"Arbeitszimmer"* (vielleicht ein Probenraum des Theaters) im Palazzo Farnese zeigte das Zentrum der dunklen Macht der römischen Geheimpolizei. „**Vietato fumare**“ stand groß als Verbot an der Wand geschrieben, davor saß Baron **Scarpia** rauchend am Schreibtisch. Er stand über dem Gesetz und handelte nach eigenem Gutdünken. Und das Bild im dritten Akt auf der Engelsburg war kalt und leer, von Hirtenidylle weit und breit keine Spur. Hinter der schrägen Bühne im Hintergrund die ganze Zeit eine schwarze Wand. Hier öffnete sich schließlich im Finale der schwarze Abgrund (vielleicht der Orchestergraben), in den **Tosca** hinabstürzte, als alles zu spät ist. Alle waren tot, gewaltsam gestorben, und die Musik vorbei – was blieb, war ein gleißendes Licht am Abgrund.

***Die Musik***

Aber was schert das den Besucher 18 Jahre nach der Premiere dieser Inszenierung. Alle wollen eines der Traumpaare der Opernwelt, **Anja Harteros** und **Jonas Kaufmann**, einmal in Hamburg auf der Opernbühne genießen. Die Tickets an der in den vergangenen Spielzeiten mittelprächtig besuchten **Staatsoper Hamburg** waren innerhalb von wenigen Minuten ausverkauft.

**Jonas Kaufmann,** seit 2006 zu den Top-Stars der Klassik zählend**,** hier nun in Hamburg als revolutionärer Maler **Mario Cavaradossi** war nach seiner nun bereits einige Monate zurückliegenden Stimmkrise- und krankheit wieder eine Klasse für sich: Trotz ein paar kleinen holprigen Anfangstönen erntete er für seine erste Arie **Recondita armonia** mit dem hohen B **'Tosca, sei tu!*'* viele Bravos. Seine Stimme ist insgesamt noch baritonaler im Klang, seine Modulation, Phrasierung und seine Stimmführung besonders bei den leisen Tönen umwerfend und emotional zu Herzen gehend. Auch das in der Vergangenheit manchmal störende "gaumige" ist kaum hörbar. Interessaqnt: Im kommenden Konzert in der **Elbphilharmonie Hamburg** im Januar 2019 wird **Kaufmann** als Tenor **und** Bariton angekündigt. Seinen wilden Freudenausbruch über Napoleons Sieg bei Marengo, *'*Vittoria! Vittoria*!',* krönte er mit einem strahlenden Spitzenton, und seine letzte Arie **E lucevan le stelle*,* in der er sich vor seinem Tod seiner Liebe zu **Tosca** erinnert, sang er mit so eindringlicher Intensität, dass der Zuschauerraum sich kurz in einem Jubelrausch befand.

![Hamburger Staatsoper / Tosca hier Applausfoto mit Jonas Kaufmann © Patrik Klein](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/04/tosca-3-neu.jpg)

Hamburger Staatsoper / Tosca hier Applausfoto mit Jonas Kaufmann © Patrik Klein

**Anja Harteros,** eine der größten Sopranistinnen unserer Zeit**,**  gestaltet die **Tosca** grandios mit intensiver Bühnenpräsenz, perfekter Stimmführung und absolut bewundernswerter musikalischer Sensibilität. Ihre manchmal ein wenig scharf wirkenden Spitzentöne passen hier ganz wunderbar zu der charakterlichen Vielfalt der Rolle ***Floria Toscas*** *.* Im bewegend gesungenen **Vissi d’arte** im zweiten Akt von **Puccinis** Oper, erobert sie die Herzen aller Besucher an diesem für Hamburg endlich einmal international höchstklassigen Abend.

Auch **Franco Vassallo**, einer der führenden italienischen Baritone ist in seinem Heimatland und weit darüber hinaus an allen großen Häusern der Opernwelt bekannt und sehr geschätzt. **Scarpia** ist einer der übelsten Bösewichte, die die Opernwelt zu bieten hat. Er ist hinterhältig, grausam, abartig und einfach nur bodenlos böse, und **Vassallo** kostete im zweiten Akt all seine schlechten Eigenschaften musikalisch und spielerisch aus. Mit **Ha più forte sapore la conquista violenta che il mellifluo consenso** (*Stärker ist der Genuss einer gewaltsamen Eroberung, als der süßlicher Hingabe*) bestätigte er in seinem Monolog mit gefährlich samtenen Timbre und einem schmierigen Grinsen seine wahre Natur. Mit ein klein wenig mehr Schwärze in seiner Stimme wäre die Gestaltung der Partie noch perfekter geraten.

![Hamburger Staatsoper / Tosca hier Applausfoto mit Franco Vasallo © Patrik Klein](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/04/tosca-4-neu.jpg)

Hamburger Staatsoper / Tosca hier Applausfoto mit Franco Vasallo © Patrik Klein

Die übrige Besetzung erfolgte solide mit den hauseigenen Solisten des Ensembles **Alin Anca**, **Alexander Roslavets** (ganz besonders hier zu erwähnen sein überzeugend gesungen- und gespielter **Sagrestano;** man darf sich auf die Weiterentwicklung seines Repertoires als Ensemblemitglied in Hamburg freuen), **Julian Rohde**, **Shin Yeo**, **Rainer Böddeker** und **Ruzana Grigorian** sowie dem präzisen und wunderbar auftrumpfenden **Chor der Staatsoper Hamburg** (Einstudierung **Christian Günther**) und dem fulminant musizierenden **Philharmonischen Staatsorchester**. **Pier Giorgio Morandi,** der als regelmäßiger Gastdirigent an allen großen Opernhäusern in Italien, Europa und weltweit zu Hause ist, hält das gesamte Werk gut zusammen und gestaltet die Musik **Puccinis** mit viel Energie, Einfühlung und italienischem Elan.

Das Publikum ist nachdem der Vorhang fällt erwartungsgemäß entzückt und dankt allen Beteiligten mit warmem bis stürmischem Applaus und Ovationen. Im Vorfeld vernahm man Töne, die sagten, *"das Haus steht zur Zeit auf dem Kopf".* So ist der **Staatsoper Hamburg** zu wünschen, dass sie zukünftig öfter *"auf solchem Kopf stünde"!*

\---| IOCO Kritik Staatsoper Hamburg |---