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# Hamburg, Hamburger Kammeroper, FAUST - Charles Gounod, IOCO Kritik, 12.10.2022
- URL: https://www.ioco.de/hamburg-hamburger-kammeroper-faust-charles-gounod-ioco-kritik-12-10-2022/
- Published: 2022-10-12T07:00:55.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:11:26.000Z
- Author: Wolfgang Schmitt
- Tags: Oper & Operette, Konzert & Liederabend, Kritiken, Hamburg

![Allee Theater Hamburg / Kammeroper und Theater für Kinder © Dr Joachim Flügel](https://wordpress.ioco.de/wp-content/uploads/2021/10/hh-kammeroper-allee-theaterneu-best.jpg)

Allee Theater Hamburg / Kammeroper und Theater für Kinder © Dr Joachim Flügel

[Allee Theater Hamburg](https://alleetheater.de/theaterwahl/?ref=ioco.de)

## ***FAUSt* \- Charles Gounod**

#### ***Alfonso Romero Mora schafft eine Hommage an die Kammeroper***

von **Wolfgang Schmitt**

Die erste Premiere am 7.10.2022, an der **Hamburger Kammeroper** in der neuen Opernsaison war **Charles Gounods** **Faust**. **Barbara Hass** hat für diese Produktion einen eigenen deutschen Text erarbeitet, und dem Musikalischen Leiter **Ettore Prandi** gelang wieder einmal eine geniale Bearbeitung und eine für diese Bühne notwendige Kürzung der eigentlich umfangreichen Partitur für sein kleines Orchester. Regisseur **Alfonso Romero Mora,** ein gern gesehener Gast-Regisseur an der **Hamburger Kammeroper,** hatte sich für seine **Faust-**Inszenierung etwas besonderes einfallen lassen, nämlich eine Art Hommage an dieses Theater.

![Kammeroper Hamburg / FAUST hier Margarethe (Natasha Dwulecki) und Mephisto (Titus Witt) © Joachim Flügel ](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/10/hko-faust9-c-joachim-flugek-neu.jpg)

Kammeroper Hamburg / FAUST hier Margarethe (Natasha Dwulecki) und Mephisto (Titus Witt) © Joachim Flügel

Die Ouvertüre beginnt, der Vorhang geht auf, und der erstaunte Zuschauer erblickt auf der Bühne den genauso angeordneten Zuschauerraum mit dem goldroten Gestühl und den Wandleuchten, links und rechts von der Bühne ein Garderobentisch bzw. ein Regiepult. An diesem Regiepult sitzt der Tontechniker und gibt dem Orchester die Einsätze. Im hinteren Teil der Bühne ist ein Regisseur platziert, der gerade mit einigen Solisten pantomimisch **Goethes *Werther*** probt. Die Ouvertüre ist vorüber, die **Werther**\-Probe ebenfalls, es wird noch ein wenig mit den **Werther-**Solisten diskutiert, nun kann die eigentliche Handlung beginnen.

![Kammeroper Hamburg / FAUST hier Margarethe (Natasha Dwulecki) und Mephisto (Titus Witt) © Joachim Flügel ](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/10/hko-faust10neu2.jpg)

Kammeroper Hamburg / FAUST hier Margarethe (Natasha Dwulecki) und Mephisto (Titus Witt) © Joachim Flügel

Der Regisseur ist jetzt **Faust**, sinniert über sein nicht wirklich glückliches Leben, denkt an Selbstmord, das Glas mit dem Giftcocktail traut er sich jedoch nicht zu trinken. Der Tontechniker von eben tritt an **Faust** heran, ist jetzt **Mephisto**, fast in **Gustav-Gründgens**\-Maske, stattet ihn aus mit blonder Perücke und elegantem hellen Anzug, **Fausts** neues jüngeres Leben kann beginnen. **Titus Witt** ist dieser in exquisitem schwarz gekleideter **Mephisto,** er wirkt zwar bösartig und gefährlich, aber auf seine eher komödiantische Art, was ohnehin seine Stärke ist. Seinem nicht allzu dunklen Spielbass konnte er viele Nuancen abgewinnen, mal verführerisch, ja sogar sexy, mal abgebrüht und mitleidslos, und auch darstellerisch war seine Leistung, flexibel und wandlungsfähig, in diesem Rahmen höchst beeindruckend.

Der Tenor **Stian Okland** machte ebenfalls eine gute Figur als junger **Faust,** seine Stimme hat in der Höhe an Strahlkraft gewonnen, die Mittellage klingt angenehm warm. Schauspielerisch gab er sich eher dezent, allzu große Aktion wurde ihm nicht abgefordert. Am Ende reicht **Margarethe** ihm die Pistole, mit der er sich erschießt, während sie - „*Heinrich, mir graut vor dir“* \- von der Bühne abgeht und **Mephisto** in die Unterwelt herabsteigt. Überhaupt war das in dunklen Rot-Tönen getauchte Bühnenbild des finalen Aktes besonders beeindruckend ( von **Jürgen Kirner,** der auch die Kostüme entwarf, die Lichtregie besorgte **Ruslan Vavilov**).

**Natasha Dwulecki,** in zarten Blau-Tönen gekleidet, sang die *Margarethe* mit ihrem beweglichen lyrischen, in allen Lagen gut ansprechenden, höhensicheren Sopran, die Juwelenarie gelang ihr wunderbar mit leichten perlenden Koloraturen.

![Kammeroper Hamburg / FAUST hier das Ensemble zum Schlussapplaus © Wolfganf Schmitt](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/10/hko-faust7neu3.jpg)

Kammeroper Hamburg / FAUST hier das Ensemble zum Schlussapplaus © Wolfganf Schmitt

Den **Valentin** sang **Cairan Eyan,** kostümiert im Military-Look, mit kräftigem, virilen Bariton, der eine Wandlung vom liebenden Bruder zum verständnislosen, brutalen Schläger durchzumachen hatte, nachdem er bei seiner Rückkehr aus dem Krieg von **Margarethes** Schwangerschaft erfuhr und sie zu züchtigen hatte. **Susanne Lichtenberg** war eine spielfreudige **Marthe Schwerdtlein** mit hell timbrierten Mezzo. Die Partie des **Siebel** ward hier mit einem Charaktertenor besetzt, **Marco Trespioli** sang und spielte ihn, als Hippie gekleidet in einem dreckigen schwarzen Overall und mit langer blonder Haarmähne. Der lyrische Bariton **Lucas Anton** schließlich rundete als **Wagner** das Solistenensemble ab.

Aus dem Orchestergraben kamen romantische, fein nuancierte Klänge, besonders beeindruckten Geige und Flöte, während das Horn vielleicht etwas zurückhaltender hätte eingesetzt werden können. Trotz der kleinen Besetzung gelang es **Ettore Prandi**, den Musikern eine gewisse Prise an französischer Eleganz zu entlocken, manche Passagen gelangen herrlich filigran und poetisch, andere wiederum dramatisch bedrohlich. Insgesamt gesehen war diese Produktion für die Kammeroper ein beglückender Auftakt in die neue Spielzeit.

#### [***FAUST* in der Hamburger Kammeroper, alles Termine HIER!**](https://www.hamburg.de/tickets/l/95323/allee-theater-hamburger-kammeroper.html?ref=ioco.de)

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