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# Hamburg, Elbphilharmonie, Juwel der Kulturlandschaft - Die Eröffnung, IOCO Aktuell, 14.1.2017
- URL: https://www.ioco.de/hamburg-elbphilharmonie-juwel-der-kulturlandschaft-die-eroeffnung-ioco-aktuell-14-1-2017/
- Published: 2017-01-14T08:00:26.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:36:16.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Konzert & Liederabend, Karten, Kritiken, Hamburg

[Elbphilharmonie Hamburg](http://www.elbphilharmonie.de/?ref=ioco.de)

![Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/01/grand_opening_elbphilharmonie_rihm_foto_ralph_larmann_1neu.jpg "Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann")

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

# ***"Im Rausch der neuen Klänge"***

**Eröffnung der Elbphilharmonie in Hamburg**

Eröffnungskonzert im Juwel der Kulturlandschaft - 12.1.2017 - Beginn einer neuen Zeitrechnung in der Hansestadt mit furiosen musikalischen Akzenten

Von **Patrik Klein**

Da sitzt man nun nach vielen langen Jahren der Geduld, des Hoffens und Ärgerns in bequemen Sitzen des großen Saals der [**Elbphilharmonie Hamburg,**](https://ioco.de/2017/01/07/hamburg-elbphilharmonie-spektakulaere-eroeffnung-am-11-12-1-2017-ioco-aktuell/?ref=ioco.de) kommt aus dem Staunen über die herausragende Wirkung der wunderschönen Konzerthalle nicht heraus und kann kaum erwarten, den ersten Ton zu vernehmen.

Was hatte es doch in den letzten Jahren Schlagzeilen der negativen Art gegeben: Über unprofessionelles Management in Führungsetagen des Bauherren, der Architekten und der Baufirma, über Schlammschlachten und Naivitäten. Das war mehr als ärgerlich und ist nun endgültig Vergangenheit. Bald wird man es vergessen haben und sich nur noch der atemberaubenden, transparenten Akustik und der wunderschönen Architektur des neuen Hamburger Wahrzeichens widmen.

![Elbphilharmonie Hamburg / Eröffnungskonzert © Michael Zapf](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/01/eroeffnungskonzert_c_michael_zapf_150_1.jpg)

Elbphilharmonie Hamburg / Eröffnungskonzert © Michael Zapf

Seit einigen Wochen kann man die **Plaza,** die dort integrierten Restaurants, Cafes und das Luxushotel in luftiger Höhe öffentlich betreten und staunen über den herrlichen Ausblick auf den Hafen und die Speicherstadt Hamburgs. Die 80 Meter lange Rolltreppe *"Tube"* bringt den interessierten Besucher sanft in etwa zwei Minuten auf die Aussichtsplattform. Man wird entschleunigt vom Alltag und tritt ein in eine aufregende Kulturlandschaft mit spektakulärer Architektur.

**2100 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur** 

Und nun ist es so weit: Je 2100 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und davon immerhin je 500 glückliche Losgewinner dürfen bei den beiden Eröffnungskonzerten am 11\. und 12.1\. 2017 zugegen sein. Für die beiden Konzerte hat es keine Tickets im freien Verkauf gegeben. Auch aus dem Programm hatte man bis zum 11.1\. ein kleines Geheimnis gemacht. Musik aus verschiedenen Epochen von der Renaissance bis zur Gegenwart, von **Cavalieri** bis **Rihm** seien dabei, konnte man im Vorfeld vernehmen. *"Das wird ein vielfältiges Programm ohne Blockbuster als Hommage an dieses fantastische Konzerthaus"* so die Charakterisierung der musikalischen Folge durch den Chefdirigenten des NDR Elbphilharmonieorchesters **Thomas Hengelbrock.**

![Elbphilharmonie Hamburg / Thomas Hengelbrock © Michael Zapf](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/01/thomas_hengelbrock_c_michael_zapf_1neu.jpg "Elbphilharmonie Hamburg / Thomas Hengelbrock © Michael Zapf")

Elbphilharmonie Hamburg / Thomas Hengelbrock © Michael Zapf

Top Stars der Klassikszene sind angekündigt, von denen jedoch **Jonas Kaufmann** krankheitsbedingt und zuletzt auch **Anja Harteros** zurückziehen. Mit **Pavol Breslik** und **Hanna-Elisabeth Müller** können vom Intendanten der Elbphilharmonie **Christoph Lieben-Seutter** adäquate „Einspringer“ verpflichtet werden.

In den beiden Begrüßungsreden vom Bürgermeister der Stadt Hamburg **Olaf Scholz** und dem Intendanten der Elbphilharmonie **Christoph Lieben-Seutter** spricht man freudig von der Fertigstellung des Hauses, von den vielseitigen Erwartungen, vom umfangreichen und breitbandigen Programm und vom Wunsch, jedes Hamburger Schulkind wenigstens einmal in seiner Schulzeit in dieses Haus zu bringen. Angesichts der Tatsache, dass die komplette Saison seit Monaten restlos ausverkauft ist und Kartenwünsche aus aller Welt täglich die Posteingänge fluten, eine wirkliche Herausforderung.

![Elbphilharmonie Hamburg / Schlussapplaus © Patrik Klein](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/01/elphi1-neu20170112_224536_1_1-1.jpg "Elbphilharmonie Hamburg / Schlussapplaus © Patrik Klein")

Elbphilharmonie Hamburg / Schlussapplaus © Patrik Klein

Aber was macht das alles schon, wenn nach dem ersten Riesenbeifall beim Aufzug der Musiker des **NDR Elbphilharmonieorchesters** es ganz leise wird und der Chefdirigent des Hauses **Thomas Hengelbrock** den Taktstock erhebt. Die ersten Töne erklingen erlösend und wohltuend im Saal. Und sie erklingen nicht vom Orchesterpodium, sondern aus einem der vielen Ränge dieses weinbergartigen Prachtkonzertsaales. Oboist **Kalev Kuljus** eröffnet mit ***„PAN“*** aus den ***Sechs Metamorphosen*** nach **Ovid** von **Benjamin Britten.** Und wie das klingt! Glasklar und glockenrein dringt es ans Ohr, mit kurzem Nachhall, fast sakral wirkend.

Es folgt ein atemberaubendes, mutiges, die Möglichkeiten des Saales auslotendes Programm mit pausenlos aneinandergereihten musikalischen Besonderheiten aus vier Jahrhunderten. Und draußen für die Besucher ohne Eintrittskarte wird mit hohem technischen Aufwand das Haus im Rhythmus der Musik mit Licht- und Videoinstallationen in Szene gesetzt. **Henri Dutilleuxs** *"Appels - Echos - Prismes"* aus ***Mystère de L´Instant*** setzt mit allerfeinsten Streichernuancen beginnend erstmalig das Orchester in Szene. Ein beinahe atonaler Klang, der von der[ *„weißen Haut“* des Saales echofrei aufgelöst](https://ioco.de/2016/02/05/hamburg-elbphilharmonie-eroeffnung-januar-2017-weisse-haut-installiert-ioco-aktuell-06-02-2016/?ref=ioco.de) wird. Niemand wagt zu husten oder zu rascheln, denn das hört man hier bis in den letzten Winkel. Der große Saal fordert auch Disziplin von allen.

Beim nächsten Stück geht es in die Renaissance: **Emilio de Cavalieri/ Antonio Archilei** mit ***Dalla piu alte sfere*** aus **La Pellegrina.** Es folgt eine Klangauslotung mit Harfinistin (**Margret Köll**) aus einem der Weinbergränge und stimmschönem Solo des Countertenors **Philippe Jaroussky.** Seine wunderschöne, an sich recht kleine Stimme wirkt hier saalfüllend – atemberaubend.

![Elbphilharmonie Hamburg / Philippe Jaroussky © Simon Fowler](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/01/jaroussky_philippe_foto_simon_fowler_1neu.jpg "Elbphilharmonie Hamburg / Philippe Jaroussky © Simon Fowler")

Elbphilharmonie Hamburg / Philippe Jaroussky © Simon Fowler

**Bernd Alois Zimmermann** mit Photoptosis/Prelude für großes Orchester lässt an Schiffs- und Hafenklänge denken. Hier kann man erstmals die im Haus fast unsichtbar angebrachte Orgel gespielt von **Iveta Apkalna** hören, denn sie ist wie ein Instrument im Orchester integriert.

Überleitungslos mit großer Geste vom Maestro am Pult, konzentrieren sich die Hörorgane wieder in den Weinberg und lassen **Jacob Praetorius** mit ***Quam pulchra es*** erschallen. Das **Ensemble Praetorius** mit Gesangsquintett, 2 Streichern, 3 Blechbläsern und einer ungewöhnlichen Renaissance-Laute (Theorbe) erzeugen einen wieder völlig anderen, zauberhaften Klang.

![Elbphilharmonie Hamburg / Ensemble Praetorius © Michael Zapf](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/01/konzert_c_michael_zapf-5_1neu.jpg "Elbphilharmonie Hamburg / Ensemble Praetorius © Michael Zapf")

Elbphilharmonie Hamburg / Ensemble Praetorius © Michael Zapf

**Rolf Liebermanns** Furioso ***Groove*** andeutend wie bei einer perfekten Jazzband erklingt vor dem erneuten Schwenk in die Anfänge der Musik mit **Giulio Caccinis** ***Amarilli mia bella*** aus ***Le nuove musiche.*** Countertenor und Harfe lassen erneut den Saal aus dem Weinberg akustisch erstrahlen. Der erste Teil des Programms wird mit **Olivier Messiaens *10\. Satz: Finale*** aus der **Turangalila-Sinfonie** mitreißend beendet. Ein fast „schräger“, filmmusikähnlicher Klang, unterstrichen durch ein Tasteninstrument namens **Ondes Martenot** (eines der ersten elektronischen Instrumente überhaupt), „wobbelartig“ klingend wie bei einer Fender Stratocaster, lässt das Publikum zur Pause toben.

Nach der Eröffnung des zweiten Konzertteils durch **Richard Wagners** Vorspiel zu **Parsifal,** wird das Kernstück der Eröffnung gebracht. Nahtlos „attacca“ schließt sich die Uraufführung von **Wolfgang Rihms *Reminiszenz,*** Triptychon und Spruch in memoriam **Hanns Henny Jahnn,** eigens für die Eröffnung komponiert an. Seit März 2016 ist die Komposition fertig, die an den 1959 verstorbenen Hamburger Schriftsteller, Verleger und Orgelbauer **Hans Henny Jahnn** erinnert. Im Zentrum des viertelstündlichen Werkes vertont **Rihm** eine kurze Passage aus Jahnns unvollendeter Romantrilogie ***Fluß ohne Ufer***. Mit einer bildmächtigen Sprache umkreist der Text die Begegnung mit dem Tod. **Pavol Breslik** zeigt sein volles tenorales Klangbild, das an **Fritz Wunderlich** erinnert und lässt alle Farben seiner wunderschönen Stimme erstrahlen. **Pavol Breslik** ist ein absoluter Spitzentenor unserer Zeit und erfüllt alle Erwartungen der Zuhörer.

![Elbphilharmonie Hamburg / Pavol Breslik © Neda Navaee](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/01/breslik_pavol_foto_neda_navaee_2_1_1neu.jpg "Elbphilharmonie Hamburg / Pavol Breslik © Neda Navaee")

Elbphilharmonie Hamburg / Pavol Breslik © Neda Navaee

Mit dem Schlußchor über **Schillers** Ode ***An die Freude*** (4\. Satz: Presto) aus **Beethovens 9\. Sinfonie d-Moll op. 125** wird das spannende Programm beschlossen. Die Solisten **Hanna-Elisabeth Müller** (Sopran), **Wiebke Lehmkuhl** (Mezzosopran), **Pavol Breslik** (Tenor) und **Sir Bryn Terfel** (Bass-Bariton) singen das „Seid umschlungen, Millionen“, das man auch hier als kleine Spitze an die Entwicklung dieses Hauses missverstehen könnte, makellos. Die Chöre vom NDR und Bayerischen Rundfunk überzeugen durch absolute Sicherheit bei den Einsätzen und feine Phrasierung und Gestaltung der nicht leichten Chorpassagen, die der Meister der Wiener Klassik 1824 komponiert hat. Mein Platz mittig direkt hinter den Damen und Herren des Chores, Auge in Auge mit dem Dirigenten hat meine Beherrschung in Bezug auf ein Mitsingen enorm gefordert.

![Elbphilharmonie Hamburg / Schlußapplaus für Hanna-Elisabeth Müller, Wiebke Lehmkuhl, Pavol Breslik, Bryn Terfel © Michael Zapf](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/01/mueller_lehmkuhl_breslik_sir_terfel_c_michael_zapf_1neu.jpg "Elbphilharmonie Hamburg / Schlußapplaus für Hanna-Elisabeth Müller, Wiebke Lehmkuhl, Pavol Breslik, Bryn Terfel © Michael Zapf")

Elbphilharmonie Hamburg / Schlußapplaus für Hanna-Elisabeth Müller, Wiebke Lehmkuhl, Pavol Breslik, Bryn Terfel © Michael Zapf

Der schweißgebadete **Thomas Hengelbrock,** sichtlich ergriffen vom Ergebnis des Musikprogramms, lässt den Taktstock ganz langsam sinken. Noch eine Weile herrscht Stille im Saal, gefolgt von einem riesigen Beifall mit Jubelrufen und Standing Ovations. Nach über zweieinhalb Stunden Konzertrausch durch neue, bisher so nie gehörte Klänge, wo der Raum zur Zeit wird, fragt man sich emotional überwältigt: Was durfte man an diesen Tag erleben?

Ein neues Wahrzeichen einer vielseitigen Weltstadt? Ein achtes Weltwunder? Eine Sinfonie aus Stein und Glas? Das schönste Schiff der Welt, das nie den Hafen verlassen wird? Es dürfte zumindest eine Riesenchance mit unglaublicher Perspektive für die positive Erweiterung des Kulturlebens in Hamburg werden. Die Hansestädter und Besucher aus aller Welt dürfen sich freuen.

\---| IOCO Kritik Elbphilharmonie Hamburg |---