> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://www.ioco.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# Hamburg, Elbphilharmonie, Jolanthe von Peter Tschaikowsky, IOCO Kritik, 11.02.2018
- URL: https://www.ioco.de/hamburg-elbphilharmonie-jolanthe-von-peter-tschaikowsky-ioco-kritik-11-02-2018/
- Published: 2018-02-12T10:00:49.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:43:58.000Z
- Author: Patrik Klein
- Tags: Oper & Operette, Konzert & Liederabend, Kritiken, Hamburg

[Elbphilharmonie Hamburg](http://www.elbphilharmonie.de/?ref=ioco.de)

![Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/01/grand_opening_elbphilharmonie_rihm_foto_ralph_larmann_1neu.jpg "Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann")

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

# ***Jolanthe* von Peter Tschaikowsky**

 **Sternstunde der konzertanten Oper**

Von **Patrik Klein**

Konzertante Opernaufführungen in der **Elbphilharmonie Hamburg** erfreuen sich besonders großer Beliebtheit, da sich der interessierte Besucher, wenn er denn ein Ticket ergattern konnte, voll und ganz der Musik in einem der besten Klangkörper des Landes widmen kann. Sofern man keinen Platz hinter dem Orchester und damit im Rücken der Sängerinnen und Sänger hat, kann sich hier das musikalische Paradies frei und klanggewaltig von den feinsten Nuancen bis zu den trommelfellmassierenden Spitzen entfalten.

**Valery Gergiev - Meister der kleinen Gesten**

**Valery Gergiev** ist neben seiner Tätigkeit in **Sankt Petersburg** der Chefdirigent der **Münchner Philharmoniker.**  Hier musste er sich zunächst mit seinen Orchestermusikern mit seinem speziellen Stil von Gelassenheit, natürlicher Autorität und ungewöhnlich kurzen Probenarbeiten arrangieren. Auch seine Art und Weise zu dirigieren und den Klang dunkler zu gestalten, musste von den Musikern aus München erst einmal gelesen und verstanden werden.

Die Musiker des **Mariinsky-Theater,** St. Petersburg, wo vor 125 Jahren die Uraufführung stattfand, waren im Rahmen einer Tournee auch in Hamburg und führten **Tschaikowskys** einaktige und letzte Oper ***Jolanthe***  konzertant auf.

![Elbphilharmonie Hamburg / Jolanthe konzertant- mit Valery Gergiev und Musiker des Mariinsky Theater © Claudia Hoehne](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/02/20180210_valery_gergiev_foto_claudia_hoehneneu.jpg)

Elbphilharmonie Hamburg / Jolanthe konzertant- mit Valery Gergiev und Musiker des Mariinsky Theater © Claudia Hoehne

Die Märchenoper **Jolanthe** stellt einen Höhepunkt in der Spätromantik an der Grenze zum Symbolismus dar. Sie wurde 10 Jahre vor **Debussies *Pelleas und Melisande*** kurz vor **Tschaikowskys** Tod im Jahr 1892 in **St. Petersburg** uraufgeführt. Der Erfolg war nur mäßig. Man sagte ihr Trivialität und Banalität nach und warf dem Komponisten ein sentimentales Abrutschen vor. Die Person **Tschaikowsky** galt als umstritten und sein Tod 1893 war mysteriös und tragisch. Am damaligen **Stadttheater in Hamburg** wurde die Oper 1893 unter der Leitung von **Gustav Mahler** uraufgeführt.

Wie in **Peter Weirs** Film **The Truman Show** geht es um die anrührende Naivität des Helden, der eben hier in einer Show steckt und es nicht weiß. Bei **Jolanthe** ist es ähnlich, da sie blind ist, davon nichts weiß und in einer abgeschiedenen Welt lebt.

Liebe macht blind, wie es so schön heißt. Doch in **Jolanthe** kehren sich die Verhältnisse um: Prinzessin **Jolanthe** ist bereits blind und wird durch Liebe geheilt. Der Weg dahin ist steinig, denn die Königstochter weiß nicht um ihr Schicksal und daher auch nicht, was ihr fehlt. Um geheilt zu werden, muss **Jolanthe** den Wunsch, sehen zu können, aber überhaupt einmal verspüren. Erst ein fremder Ritter schafft es, die nötigen Gefühle in ihr zu erwecken.

Prinzessin ***Jolanthe*** (die Sopranistin **Irina Churilova** macht den Konzertabend in Hamburg zu einem Erlebnis; mit dunklem Timbre und einer Riesenstimme wird sie fein intonierend vom zarten Hauch bis zum großen Ausbruch mit viel Gefühl den Anforderungen dieser Rolle mehr als gerecht und erhält auch den größten Applaus) lebt abgeschieden auf einem Schloss in der hügligen Provence. Sie ist von Geburt an blind. Ihr Vater, ***König René,*** (der nicht nur in St. Petersburg bekannte Bass **Stanislav Trofimov,** der auch an großen Häusern in Europa zu hören ist, trumpft mit einer respekteinflößenden, wuchtigen, prachtvollen abgrundtiefen schwarzen Stimme auf) hat unter Androhung von Strafe verboten, sie davon ins Bild zu setzen, was ihr fehle. Auch dass sie eine Königstochter ist, weiß **Jolanthe** nicht.

![Elbphilharmonie Hamburg / Jolanthe konzertant - mit Valery Gergiev, Mitte, und Musiker des Mariinsky Theater © Claudia Hoehne](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/02/20180210_valery_gergiev_foto_claudia_hoehneneuneu.jpg)

Elbphilharmonie Hamburg / Jolanthe konzertant - mit Valery Gergiev, Mitte, und Musiker des Mariinsky Theater © Claudia Hoehne

Im Schlossgarten gibt sich **Jolanthe,** umgeben von **Martha** (**Natalia Yevstafieva** mit wunderschöner Altstimme) und ihren Freundinnen **Brigitta** (**Kira Loginovas** mit feinem Sopran) und **Laura** (**Ekaterina Sergeeva** mit schön gefärbtem Mezzosopran), ihrer Traurigkeit hin. Sie spürt, dass man etwas vor ihr verborgen hält. Um sie aufzuheitern, bestellen die Frauen fröhliche Musik. **Jolanthe** will davon nichts wissen. Sie schickt ihre Freundinnen nach Blumen.

Nachdem **Jolanthe** im Garten des Schlosses unter dem Gesang eines Wiegenlieds eingeschlafen ist, vernimmt man den Schall von Jagdhörnern. **Almerik** (**Andrei Zorins** Tenorstimme klingt spielerisch wie der **Schuiski** in **Mussorgskis Boris Godunow**; mit leicht dunkel gefärbter und etwas eng geführter Stimme), der neue Waffenträger des Königs, kündigt die Ankunft des Monarchen an. **Bertrand** (**Yuri Vorobiev** mit ebenso prachtvoller Bassstimme), der Türhüter des Schlosses, warnt davor, in **Jolanthes** Gegenwart vom Licht zu reden oder sie merken zu lassen, dass ihr Vater König ist.

**König René** trifft ein in Begleitung eines maurischen Arztes, **Ibn-Hakia** (**Roman Burdenkos** wartet auf mit feinster Baritonstimme, die mit leicht dunkler Färbung mit atemberaubender Kraft besonders die musikalisch höher gelegenen Tonlagen mühelos meistert)**,** der **Jolanthe** heilen soll. Der Arzt untersucht die schlafende Prinzessin. Er hält eine Heilung für möglich, besteht aber darauf, dass **Jolanthe** zuerst um ihre Blindheit wissen und eine Heilung innig herbeisehnen müsse, vorher verspreche eine Behandlung keinen Erfolg. Der König lehnt entschieden ab, **Jolanthe** das sorgsam gehütete Geheimnis zu offenbaren.

Bei Anbruch der Nacht dringen trotz deutlicher Verbotstafel zwei verirrte Ritter in den Garten ein. Es sind ***Robert*** (**Alexei Markov** mit sehr schöner lyrischen Spielbaritonstimme), Herzog von Burgund, dem Jolanthe versprochen ist, und sein Waffengefährte, ***Graf Vaudémont*** (**Nazhmiddin Mavlyanov,** der auch in Deutschland bekannte Tenor aus Usbekistan macht seine Sache großartig mit hohem Einsatz, leicht nasaler Färbung und feiner Stimmführung ganz besonders im Duett mit **Robert**). **Robert*,* der nicht weiß, dass **Jolanthe** blind ist, liebt eine andere Frau, **Mathilde**, und wünscht sich nichts dringlicher, als von seinem Heiratsversprechen entbunden zu werden. **Vaudémont** jedoch verliebt sich beim Anblick der schlafenden Prinzessin auf der Stelle in sie. **Robert** ist das nicht geheuer, er möchte **Vaudémont** mit Gewalt wegbringen. Dabei erwacht **Jolanthe*.* Sie empfängt die Ritter freundlich und bewirtet sie. **Robert** fürchtet eine Falle und macht sich davon, seine Scharen zu holen.

**Vaudémont** bleibt allein zurück mit **Jolanthe*.* Er bittet sie darum, ihm eine rote Rose zu pflücken, die ihn an die liebliche Röte ihrer Wangen erinnern soll. Sie gibt ihm stattdessen eine weiße und ist auch nicht in der Lage, die Anzahl der Rosen im Strauß zu nennen, ohne sie mit den Händen zu greifen. **Vaudémont** wird gewahr, dass sie blind ist. Voller Mitleid erzählt er ihr von der Schönheit des Lichts, dieses „wunderbaren Erstlingswerks der Schöpfung“.

Der **König, Ibn-Hakia, Almerik** und **Bertrand** erscheinen. Es wird deutlich, dass **Jolanthe** das Geheimnis ihrer Blindheit nicht mehr verborgen ist. Der König dringt in seiner Verzweiflung darauf, dass sich **Jolanthe** nun einer Behandlung unterzieht. Sie ist bereit, ihrem Vater zu gehorchen, kann sich aber nicht sehnlichst herbeiwünschen, was sie gar nicht kennt, wie es für eine erfolgversprechende Behandlung nötig wäre. Der König droht **Vaudémont** mit der Todesstrafe, falls die Heilung seiner Tochter misslingt. Angesichts dieser Gefahr verkündet **Jolanthe** ihre Bereitschaft, alles zu ertragen, um **Vaudémont,** dessen Liebe sie erwidert, zu retten. Sie geht mit dem Arzt ab.

![Elbphilharmonie Hamburg / Jolanthe konzertant - mit Valery Gergiev und Musiker des Mariinsky Theater © Claudia Hoehne](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/02/20180210_valery_gergiev_foto_claudia_hoehne_07neu-1.jpg)

Elbphilharmonie Hamburg / Jolanthe konzertant - mit Valery Gergiev und Musiker des Mariinsky Theater © Claudia Hoehne

**König René** eröffnet **Vaudémont*,* dass er seine Todesdrohung nicht wahrmachen will, sondern diese einzig dem Zweck diente, in **Jolanthe** den Wunsch nach Heilung inniger werden zu lassen. **Vaudémont** gibt ihm gegenüber seine adlige Identität preis und bittet um die Hand **Jolanthes*.* Aber sie ist bereits einem andern versprochen.

**Robert** kehrt mit seinen Truppen zurück. Er erkennt **König René** und verneigt sich vor ihm. Nun erst wird es **Vaudémont** bewusst, wen er die ganze Zeit vor sich hatte. **Robert** ist trotz seiner Liebe zu **Mathilde** bereit, die ihm seit seiner Kindheit zugedachte **Jolanthe** zu heiraten, wenn der König darauf beharrt. **König René** entbindet ihn von seinem Versprechen und ist nun seinerseits frei, **Jolanthe Vaudémont** zur Frau zu geben. **Ibn-Hakia** und **Jolanthe** kehren zurück. **Jolantha** kann sehen. Sie besingt die zauberhafte Welt, die für sie sichtbar geworden ist. Alle freuen sich und loben Gott.

Der mit rund 30 Sängerinnen und Sängern recht kleine, aber feine Chor und das wunderbare Orchester aus Hamburgs Partnerstadt füllten das Podium der **Elbphilharmonie** nicht ganz aus, so dass hinter den beiden wunderbar spielenden Harfenistinnen Raum genug war für die Solisten des Abends. Hier und an der Rampe konnten sie ein wenig die konzertante Atmosphäre mit halbszenischen Einlagen anreichern.

**Valery Gergiev** dirigierte taktstocklos mit kleinsten Gesten. Seine rechte Hand meist mit wellenförmigen Fingerbewegungen den Takt angebend und mit der linken lautstärkebeeinflussend und partiturumblätternd das große Instrument beherrschend. Seine Musiker verstanden ihn scheinbar blind und folgten seinem Dirigat auf der Stuhlkante sitzend mit Leidenschaft und Präzision.

Das Konzert in der **Elbphilharmonie Hamburg** geriet zu einem fulminanten Erfolg der wundervollen Musik **Tschaikowskys**. Das lag zum einen an den sehnsuchtsvollen, süchtig machenden Motivgeflechten, mit denen **Tschaikowsky** in seiner letzten Oper musikalische Folgen innerer Emotionen entstehen lässt, gespielt von einem russischen Spitzenorchester unter dem passionierten russischen Star-Dirigenten **Valery** **Gergiev,** der das Werk selbst als die “beste Partitur Tschaikowskys” bezeichnet und faszinierende, atmosphärisch dichte und zum Teil sehr dunkle Klangfarben entstehen ließ. Vor allem aber lag es an den Hauptfiguren der Oper und des Abends, dem Weltklasse-Ensemble des **Mariinsky Theaters** **Sankt Petersburg.**

Das Hamburger Publikum dankt mit großem Applaus allen Beteiligten an diesem bemerkenswerten Abend in der **Elbphilharmonie**.

\---| IOCO Kritik Elbphilharmonie Hamburg |---